Jasmin Demir – Zwischen Dunkelheit und Freiheit

Jasmin Demir vor einigen ihrer Werke
Jasmin Demir vor einigen ihrer Werke. Foto z.V.g.

#STPvonaußen – In der kreativen Welt von Jasmin Demir verschmelzen Farben zu einem Ausdruck von Emotionen und Individualität. Die 29-Jährige teilt ihre einzigartige Perspektive durch ihre Kunst und betrachtet diese nicht nur als Ventil ihrer Gefühle, sondern auch als Form der Selbstentfaltung. Jasmin setzt auf ihren unverkennbaren Stil und lässt sich von äußeren Einflüssen nicht beirren.

Vom ersten Malkasten bis hin zur großen Leinwand – schon als kleines Kind entdeckte Jasmin Demir ihre Begeisterung für die Kunst. Ihre Großmutter schenkt ihr damals ihren ersten eigenen Malkasten. Von da an malt sie pausenlos und hat bis heute nicht damit aufgehört. Jasmins Großmutter ist die erste, die das Potenzial ihrer Enkelin erkennt und sie auf ihrem Weg der Kunst unterstützt. Oma ist ihr erster Bewunderer. Heute sind es viele.

Doch bis es so weit kam, dauerte es eine Weile. So richtig in die Kunstszene gerutscht ist die junge Künstlerin nämlich erst vor Kurzem, als Freunde sie ermutigen, ihre Kunst auf die Leinwand zu bringen und den Leuten zu präsentieren. Das Selbstvertrauen dazu fehlte Jasmin zunächst aber noch: „Das war natürlich ein Prozess für mich und hat Zeit gebraucht.“ Den ersten Schritt wagte sie bald darauf und begann auf ihrem Instagram-Profil @jasmindemir.arts ihre Werke mit der Welt zu teilen. Die Menschen fingen an, aufmerksam auf die junge Künstlerin zu werden und so erhielt Jasmin immer mehr positives Feedback. Die Zahl ihrer Bewunderer wuchs und es öffneten sich die Türen von St. Pöltner Galerien bis hin zu internationalen Ausstellungen.

Im Laufe der Jahre entwickelt die St. Pöltner Künstlerin ihren ganz eigenen Stil. Alles, was sie auf die Leinwand bringt, hat sich Jasmin auch selbst beigebracht. Von der Ölmalerei bis hin zur Textilkunst. Dabei ist mittlerweile die Ölmalerei ihr liebstes Medium. Allerdings probiert sich die 29-Jährige gerne an Verschiedenem aus: Ihre Vielfalt reicht von der Gestaltung von Kleidung und Taschen bis hin zur Inszenierung und Installation ihrer Werke. So achtet sie nicht nur auf ein einzelnes Gemälde an sich, sondern bezieht die gesamte Umgebung in das Werk mit ein. Abwechslung müsse sein, sagt sie: „Kunst ist eine freie Branche, in der man sich auf vielerlei Art entfalten kann. Man sollte sich nicht nur auf eine Sache fokussieren. Es ist wichtig, sich ab und an herauszufordern. Durch das Experimentieren mit verschiedenen Stilen, Materialien und Themen lernt man viel über sich selbst und entdeckt, was noch alles in einem steckt.“

Die Inspiration für ihre Werke bezieht Jasmin vor allem aus sich selbst, aus ihren Emotionen und Gedanken. Sie bewundert zwar Künstler wie Van Gogh oder Salvador Dali, betrachtet sie aber eher als Idole, denn als direkte Inspirationsquelle. Die Ideen für Jasmins Bilder entspringen ausschließlich ihrem eigenen Kopf, ihrer Fantasie. Sie erscheinen ihr meist blitzartig im Alltag, wenn sie durch die Stadt spaziert und Menschen beim Vorbeigehen beobachtet. In ihnen erkennt sie schlafende Puppen oder zerbrochene, leere Tassen – die Elemente, die sich in ihrer Kunst wiederfinden.

Kunst ist ihre große Leidenschaft. Jasmin war schon immer ein eher ruhiger Mensch, lieber lässt sie ihre Bilder laut werden, ohne sich groß selbst zu zeigen. Deswegen hat sie sich auch schon immer viel in die Malerei verkrochen. Sie lässt ihre Kunst für sich sprechen. Malen ist für sie nicht nur Ausdruck von Kreativität, sondern auch eine Art Therapie. Wenn alles gut läuft, stellt sich ihr Pinsel quer, die besten Einfälle kommen der Künstlerin, wenn es ihr schlecht geht. Durch die Leinwand kann sie der Realität entfliehen und ihren Emotionen freien Lauf lassen. Der Entstehungsprozess ihrer Werke geschehe in einem tranceartigen Zustand und in vollkommener Stille, beschreibt sie. Die Dominanz von dunklen Farben in ihren Bildern ist also kein Zufall, sondern ein Produkt ihrer Gefühlswelt.

Jasmins Kunst muss nicht für jeden verständlich sein: „Entweder man mag meine Bilder oder man mag sie nicht.“ Die Werke der Künstlerin sollen mehr als nur ästhetisch sein. „Kunst soll Emotionen wecken und nicht nur schön aussehen“, meint sie. Mit ihren Gemälden möchte sie Geschichten erzählen. Es ist ihr nicht nur wichtig, ihre Gefühle auszudrücken, sondern auch etwas im Betrachter auszulösen. Sie sollen fühlen, was sie selbst gefühlt hat. Ihre Bilder miterleben.

Ein Werk, das Jasmin Demir besonders am Herzen liegt, ist das Bild eines Auges. Es entstand zu Pandemiezeiten 2020 und zählt zu ihren emotionalsten Gemälden. Es stellt sich heraus, dass dieses Gemälde nicht nur ihr Favorit, sondern gleichzeitig auch der Publikumsliebling ist. So beliebt es auch ist – verkaufen würde sie ihr Herzensstück nie. „Es erzählt meine Geschichte und war zu der Zeit meine Therapie.“

Jasmin vermeidet bewusst den Vergleich mit anderen Künstlern, um ihre eigene kreative Integrität zu bewahren. Zu Ausstellungen anderer Künstler geht Jasmin deshalb nur ungern, da sie der Meinung ist, dass man dadurch unbewusst beeinflusst wird, was sich dann auch in den eigenen Bildern widerspiegelt. Die junge Künstlerin setzt lieber auf ihre eigene Kreativität. Originalität steht für sie an erster Stelle – es ist ihr wichtig, dass ihre Bilder zu hundert Prozent sie selbst sind.

Trotz ihrer Wurzeln in St. Pölten hegt Jasmin den Wunsch, aus der Kleinstadt auszubrechen – den Menschen und der Stadt zu entfliehen und sich auf in die weite Welt zu machen. Sie möchte die Großstädte mit ihren facettenreichen Kunstszenen erleben und sich mit ihrer Kunst selbstständig machen. Den nächsten Generationen ihre Sicht der Dinge aufzeigen und somit ein Stück ihrer selbst hinterlassen. Im Moment plant Jasmin ihre nächsten Schritte für die Zukunft, um ihren großen Traum, eine bedeutende Künstlerin zu werden, zu verwirklichen.

Text: Jula Heun
Foto: Jasmin Demir, z.V.g.

Werner Harauer
Folge mir
Letzte Artikel von Werner Harauer (Alle anzeigen)

0 LIKES

VERSCHENKE EIN LIKE
Du musst angemeldet sein, um den Artikel zu liken!

Schreib etwas dazu

Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

City-Flyer – die Stadt bei Tag und Nacht Foren Jasmin Demir – Zwischen Dunkelheit und Freiheit

Ansicht von 0 Antwort-Themen
  • Autor
    Beiträge
    • #57231 Likes: 0
      Werner
      Administrator
        16 Likes

        Wenn dir der Eintrag „Jasmin Demir – Zwischen Dunkelheit und Freiheit“ von werner gefallen hat, gib ihm ein „Like“. Wenn du mehr über den Autor erfahren willst, so klicke auf sein Profil. Wenn du etwas ergänzen willst, LOG DICH EIN und schreib einen Kommentar.

    Ansicht von 0 Antwort-Themen
    • Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.