Johannes Unterweger: über Roboter und Eintöpfe

Johannes Unterweger in allen (Spektral)farben Foto: privat, z.V.g.
Johannes Unterweger in allen (Spektral)farben Foto: privat, z.V.g.

Corona hin oder her – wenn dich die Muse solange küsst, bis deine Festplatte mit unveröffentlichtem Songmaterial übergeht, musst du einen Endpunkt setzen und dein Werk der Welt freigeben; schon alleine, um Platz für Neues zu schaffen. Der Zeitpunkt könnte für Johannes Unterweger, den Kopf von Jotu Jeu, nicht ungünstiger sein, um gleich zwei Veröffentlichungen – die LP „Zig Zag In China­town“ und die EP „Coronation Chronicles“ – auf die Streaming-Plattformen zu laden. Zumal dem Trio aufgrund der Veranstaltungsbeschränkungen die Live-Präsentation des neuen Materials verwehrt blieb.

Vom „Durchstarten“ zu sprechen, wenn kulturell überall die Lichter ausgehen, ist ein wenig vermessen. Aber wie soll man es sonst nennen, wenn jemand gerade jetzt zwei Neuveröffentlichungen gleichzeitig liefert und bereits eine dritte in Aussicht stellt?
Johannes Unterweger, der Kopf von Jotu Jeu, hat heuer im Frühling im „Homeoffice“ die fünf Songs der „Coronation Chronicles-EP“ geschrieben und mit der Band eingespielt (siehe CD-Kritik) Mittlerweile gibt es auch einen zweiten Teil der Chroniken, der wahrscheinlich bald im Summerton- und LibLab-Studio aufgenommen wird. Im Interview gibt Johannes Infos über die Band und die neuen Veröffentlichungen preis.

Interview: Werner Harauer
Foto: Johannes Unterweger

City-Flyer: Wie fühlt es sich an, als lebende St. Pöltner Rocklegende durch die Straßen zu gehen?

Johannes Unterweger: Keine Ahnung, da mußt du eine Rocklegende fragen. Aber ich glaube sowas gibt es in St.Pölten nicht.

CF: Du hast bei unzähligen Projekten mitgearbeitet, hast aber bisher wenig Ambitionen gezeigt, selbst im Mittelpunkt zu stehen. Was hat sich geändert?

Johannes Unterweger: Ich war bei fast allen meiner Projekte Frontman und bin dadurch meistens selbst im Mittelpunkt gestanden.

CF: Wie viele Veröffentlichungen gehen auf dein Konto?

Johannes: 3x Jotu Jeu, 1x Hacklstrumpf

CF: Bist du mehr der Typ, der das Publikum braucht und die Studioarbeit eher als lästiges Übel betrachtet?

Johannes: Mittlerweile ist mir das Komponieren, Arrangieren und Aufnehmen lieber als das Auftreten. Ein lästiges Übel ist das, was ich jetzt gerade mache.

CF: Das gehört zum Job, so wie es zu meinem gehört. Du hast 2018 unter dem Namen Jotu Jeu das Album „Working On A Wonder“ herausgebracht, aber nie große Anstrengungen unternommen, das Album auch zu bewerben bzw. unter die Leute zu bringen. Im Sommer 2020 hat sich Philip Neuhauser von Bloombox Records dem Album angenommen und auf die Streaming-Portale geladen.
Wie habt ihr euch kennengelernt? Musste dich Philip groß überreden, dass er die Sache in die Hand nimmt? Und welche Vorteile bringt das für dich?

Johannes: Wir kennen uns schon lange, ich habe ihn nicht überreden müssen und die Vorteile sind bis jetzt vor allem die digitale Veröffentlichung.

CF: Seit wann gibt es Jotu Jeu?

Johannes: Seit ungefähr 4 Jahren.

CF: Und seit wann gibt es Jotu Jeu als Trio?

Johannes: Seit ungefähr einem Jahr.

CF: Warum hast du das Solo-Projekt Jotu Jeu in ein Bandprojekt umgewandelt?

Johannes: Die Nummern sind immer elektrischer und bandmäßiger geworden und wir haben einen Bassisten gefunden.

CF: Schreibst du nach wie vor die Songs alle selbst und komponierst die Musik dazu? Wie bringen sich die beiden Bandmember Ari Tiihonen und Simon Thut ein?

Johannes: Ich schreibe alles, aber die neuen Nummern werden halt jetzt gemeinsam arrangiert.

CF: Wie bist du an Ari Tiihonen und Simon Thut gekommen?

Johannes: Wie man halt Leute so kennenlernt. Der Ari ist schon seit dem ersten Album dabei. Nachdem mein Bruder Paulus aus der Live Band ausgestiegen ist, haben wir einen Bassisten gesucht und den Simon gefunden.

CF: Spielten bzw. spielen die beiden in anderen Bands?

Johannes: Sicher haben sie schon in anderen Bands gespielt. Ari zum Beispiel in der Edi Fenzl Band und Simon in der Wrong Company.

CF: Mit dem Album “Zig Zag In Chinatown” und der EP “Coronation Chronicles” veröffentlicht Jotu Jeu gleich zwei Tonträger auf einmal. Sind die 16 Songs alle in diesem Jahr entstanden?

Johannes: Zig Zag hab ich 2018 geschrieben und größtenteils 2019 aufgenommen. Die Chronicles hab ich im Frühling 2020 geschrieben und mittlerweile auch einen zweiten Teil, den wir wahrscheinlich bald aufnehmen werden.

CF: Wäre es strategisch nicht besser gewesen, mit der Veröffentlichung der EP und des Albums zuzuwarten, bis wieder Live-Auftritte möglich sind? Warum gerade jetzt?

Johannes: Wir hätten sie sowieso jetzt veröffentlicht.

CF: In welchem Studio habt ihr aufgenommen.

Johannes: Summerton und LibLab.

CF: War das für einen jungen Musiker wie dich nicht wie im Paradies, wenn dein Vater ein eigenes Musikgeschäft und Tonstudio hat? Du kannst im hauseigenen Studio aufnehmen, kriegst Rabatt ohne Ende, …

Johannes: Er hatte kein Musikgeschäft, sondern einen Verleih von Ton- und Lichtanlagen und ein Studio, in dem ich heute aufnehmen kann. Also ist es sehr praktisch.

CF: Beziehen sich die fünf Songs auf der “Coronation Chronicles”-EP explizit auf die Corona-Krise im Jahr 2020? Wie hast du das Jahr erlebt? Welche Bewältigungsstrategien – außer zu musizieren – hast du dir zu eigen gemacht, um mit der Situation klar zu kommen?

Johannes: Die Songs beziehen sich nicht explizit darauf. Es kommt kein einziges Mal das Wort Corona, Virus, Lockdown oder sonstiges Corona-Vokabular vor, sondern eher Roboter, Zeitmaschinen, Eintöpfe und ähnliches. Der Rest ist meine Privatangelegenheit.

CF: Die Musik von Jotu Jeu wurzelt tief in der US-Musiktradition. An deinem Habitus lässt sich außerdem unschwer erkennen, dass du ein Faible für die Südstaaten der US hast. Auf der “Politischen Korrektheits-Skala” sind diese Staaten ja eher im unteren Bereich angesiedelt. Wie kommst du mit den (politischen) Ansichten aus dieser Ecke klar?

Johannes: Den Cowboyhut oder den „Habitus“, wie du es nennst, habe ich schon vor Jahren abgelegt. Ich interessiere mich für die Musik aus diesen Staaten, hauptsächlich für Blues und Soul. Aber es gibt vor allem im Rock- und Country-Bereich auch Künstler aus dieser Gegend, die ich mir wegen ihren politischen Einstellungen, die sich teilweise auch in deren Texten widerspiegeln, nicht mehr anhören kann, obwohl mir die Musik eigentlich gefällt. Viele der weißen Südstaatler sind halt leider dumme und konservative Hinterwäldler und ich distanziere mich sehr von den politischen Ansichten aus dieser Ecke. 2018 hab ich übrigens ein Lied gegen die amerikanischen Waffengesetzte, geschrieben und aufgenommen: „Hey Sam“ ist auf youtube zu finden.

CF: Du spielst mit deinem Bruder Paulus Unterweger in der Band Hacklstrumpf (siehe Artikel), die ein sehr heiteres Programm fährt, wie sich beim Abspielen des kürzlich veröffentlichten Albums „Kannst du schon die Spülung hören?“ erkennen lässt. Lebst du bei “Hacklstrumpf” deine unernste Seite aus?

Johannes: Bei Hacklstrumpf habe ich deutschsprachige Texte geschrieben. In dieser Sprache kann ich keine ernsten Texte schreiben.

CF: Hast du einen Plan B nachdem Corona deine Planung über den Haufen geworfen hat? Wann hast du vor, die beiden Veröffentlichungen nachträglich live zu präsentieren? Wirst du auch außerhalb von St. Pölten auftreten?

Johannes: Im Freiraum wird eine CD Präsentation stattfinden, weitere Konzerte hoffentlich auch und weitere Tonträger werden aufgenommen.

CF: Vielen Dank für das update. Wir sind schon neugierig, wie die Songs vom Publikum aufgenommen werden.

Beide Tonträger sind seit 31. Dezember online zu hören. Die Veröffentlichungen gibt es auf allen Streaming-Plattformen und die CDs bei jotujeu@gmx.at zu bestellen.

Werner Harauer
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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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