Jürgen Bauer – Styx

Jürgen Bauer - Styx

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine Souffleuse verliert durch den Tod ihres Mannes den Halt im Leben. Nachdem sie einer Sopranistin nicht hilft, als diese erneut den Text vergessen hat, verlässt sie das Opernhaus und fährt hinaus aufs Land zu ihrer Hütte. Jürgen Bauer überzeugt mit einem zauberhaften Werk voll Herz und Poesie.

Die Protagonistin dieser Geschichte, von allen „Madame Partitur“ genannt, arbeitet als Souffleuse bei einem namhaften Wiener Opernhaus. Ihre Mutter war Opernsängerin, ihr vor Kurzem verstorbener Ehemann arbeitete als sehr erfolgreicher Regisseur am gleichen Haus wie sie.

Eines Tages lässt sie eine Sopranistin im Stich, die zum wiederholten Mal an derselben Stelle ihren Text vergisst. Nach der Aufführung verlässt die Protagonistin wortlos das Opernhaus und fährt aufs Land zur ihrer Hütte mit dem mittlerweile stark verwilderten Garten mit Teich, den ihr Mann vor vielen Jahren angelegt hat.

Seit seinem Tod hat sie sich zurückgezogen und in der Zeit der Pandemie ist es ohnehin besser, Menschen zu meiden. Ganz alleine ist sie dort schon bei der Ankunft nicht, denn es erwartet sie ein großer, schwarzer Hund. Bald schließt sie diesen ins Herz und gibt ihm den Namen Hans Styx, nach einer Figur der Operette „Orpheus in der Unterwelt“. Die beiden unternehmen Spaziergänge durch den direkt an das Grundstück angrenzenden Wald, in dem ihr Mann vor langer Zeit für sie große, alte Bühnenrequisiten neben den Weg aufgestellt hat, damit sie den Weg wieder zurück zur Hütte findet.

Ihr Mann war Regisseur mit Leib und Seele und hatte stets sehr genaue Vorstellungen von seinen Werken. So baute er winzige Opernbühnen aus Schuhschachteln und Figuren aus Knetmasse und erstellte Stop-Motion Filme von den Aufführungen. „Seine Miniatur-Inszenierungen waren besser als die Aufführungen, die er im Opernhaus realisieren konnte.“

In dieser Zeit des Zurückgezogenseins hält „Madame Partitur“ einzig zur Opernhaus-Intendantin Kontakt und unterhält sich mit ihr per Videokonferenz. Diese stellt sich unerwartet als Stütze heraus.

Als einige Wochen später daher ein Fremder auftaucht, der sich als Gärtner vorstellt und sich um das Grundstück kümmern möchte, geht sie davon aus, dass ihre Vorgesetzte ihr den Mann geschickt hat. Nach anfänglicher Skepsis fasst die Soffleuse Vertrauen zu ihm und die beiden kommen sich näher. Der Garten verwandelt sich nach und nach zurück in das blühende Eldorado, das er einst war, doch werden dadurch auch Erinnerungen an ihren Mann, seine schwere Krankheit und sein Sterben wachgerufen.

Im dritten Akt des Romans („Sommer“) ist man der kraftvollen Wirkung der Worte besonders ausgeliefert und lässt einem die Zerissenheit der Protagonistin fast körperlich spüren. Durch die Wiederaufnahme des „Falstaff“-Inszenierung ihres Mannes in Südfrankreich fährt diese an den Ort zurück, an dem er sein letztes Werk, von der Krankheit schon stark geschwächt, auf die Bühne gebracht hat. Diese schmerzlichen Erinnerungen führen dazu, dass die Gegenwart von den damaligen Ereignissen immer mehr überlagert wird, was der Intendantin und auch anderen Menschen in der Nähe von Madame Partitur nicht verborgen bleibt.

Jürgen Bauer ist es erneut gelungen, ein kraftvolles Romanwerk zu erschaffen, wie es auch schon bei seinen beiden Vorgängern der Fall war. „Styx“ ist kein Buch von Traurigkeit, auch wenn der Tod hier seine Rolle spielt. Es ist eine humorvolle Geschichte mit Herz, Hirn und Poesie!

Jürgen Bauer
Styx

Roman | Septime
190 Seiten | € 24,60

Rezension Portrait (2020)
Rezension Ein guter Mensch (2017)

 

Claudia Zawadil
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Claudia Zawadil
DI (FH); beim City-Flyer seit März 2002, schreibt Buchrezensionen und Ankündigungen und fotografiert gelegentlich bei diversen Events. Ebenso ist sie Radiomoderatorin (BlackXplosion), Arthouse Cinema-Fan und Vinyl-Lover.

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      miss_marple
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