Jugend-Stil von Jana Königskind

Jana Königskind hat ein Händchen für die Bedürfnisse jugendlicher Zielgruppen. Foto © Ines Androsevic, z.V.g.
Jana Königskind hat ein Händchen für die Bedürfnisse jugendlicher Zielgruppen. Foto © Ines Androsevic, z.V.g.

Sie hat ein Händchen für jugendliche Styles: Mit einem verrückten Storyboard für Skate-Decks gewann Jana Königskind im Herbst des Vorjahres die „Blue Tomato Deck Serie 2019“. Bald darauf gebar Jana die Idee eines Skate-Contests in St. Pölten, der Ende August von der „stp-skate association“ umgesetzt wird. Ein „Corona-Hilfspaket“ für das Jugendzentrum Steppenwolf, sowie die grafische Gestaltung für den Jugendklub 2020 gehen ebenfalls auf ihre Kappe.

Interview: Werner Harauer
Foto: Ines Androsevic

City-Flyer: Du hast im Herbst des Vorjahres den Design Contest für die Blue Tomato Deck Serie gewonnen. Was hat es mit Blue Tomato auf sich? Und was gab’s da zu gewinnen?

Jana Königskind: Es war ein ausgeschriebener Contest, der die Blue Tomato Community aufforderte, fünf zusammenhängende Designes für Skate Decks zu liefern. Es handelte sich um die 30Years Aniver.
Blue Tomato ist ein österreichisches Unternehmen, das es geschafft hat, durch 30Jahre immer angesagt, vielmehr Taktgeber im Snow-, Surf und Skate-Bereich zu sein. Die Firma ist der größte Supporter der Skate-Szene in Österreich und hat mittlerweile auch in einigen anderen Ländern, wie Holland oder Deutschland Shops. Für ein Unternehmen wie Blue Tomato veröffentlichen zu dürfen, ist eine große Auszeichnung.

CF: Die Firma Blue Tomato hat dich gefragt, ob du einen Skate-Contest in St. Pölten ausrichten kannst?

Jana Königskind: Nein, das lief ganz anders!
Ich habe also diesen Contest gewonnen und kurze Zeit darauf Ralph Majsiak, einen ehemaligen Schulfreund von mir getroffen. Ralf ist selber auf Rollen unterwegs, allerdings ist er Inlineskater. Wir haben da eine kleine aber feine Szene in St. Pölten. Gemeinsam beschlossen wir, mit Steve Kuback zu reden, um zu sehen ob ein Skate-Contest in St. Pölten umsetzbar wäre. Steve zeigte sich sofort begeistert und seither planen sie und reden mit Leuten aus der Szene, suchen natürlich Sponsoren, während ich ihnen das benötigte Design dafür liefere.

CF: Worum kümmert sich die stp-skate-association bei dieser Veranstaltung?

Jana Königskind: Um alles! Würde es die stp-skate-association und den Steppenwolf nicht geben, hätten wir niemanden, der sich um die Szene kümmert und somit keinen Grund, dieses Event zu machen. Die stp-skate-association ist Veranstalter und Umsetzer. Man kann nicht einfach einen Skate Contest veranstalten, wenn man nicht alle relevanten Szene-Partner kennt. Ich mache nur das Drumherum, die grafische Umsetzung und die Kommunikation mit einigen Partnern, wie zu Beginn BlueTomato.

CF: Steht schon fest, was alles am Skate-Contest geboten wird? Wie wird die Aftercontestparty ablaufen? Spielt eine Band? Gibt’s DJs?

Jana Königskind: Die STP Skate Association, hat sich da richtig ins Zeug gelegt: Skateboard Tryout, die Freerunner Federation ist dabei, es gibt einen Graffiti Workshop mit Sert One, man kann minigolfen, es wird einen Bastelworkshop vom Jugendzentrum Steppenwolf geben, Inline Stunts, Thai Food & Burgers, … an der Aftershow wird noch gearbeitet.
Wir müssen schauen, wie sich diese umsetzten lässt. Du kannst aber den aktuellen Stand auf der Instagram Seite des Events nachlesen. Am Contest selber wird es Djs geben, wobei das Augenmerk eher auf dem Brett und der gebotenen Sideshow liegt. Außerdem verteilt der Affe Bananen und wir sind ja gleich neben dem Ratzerdorfer Badesee.

CF: Wie bist du mit der stp-Skateboardszene vernetzt?

Jana Königskind: Natürlich kennt man sich in St. Pölten. Durch die Zusammenarbeit mit Blue Tomato, mit dem Steppenwolf und der STP Skate Association habe ich viel Zeit mit der Szene verbracht. Ich mag die Szene, sie ist frei und entspannt und dennoch ist jeder Einzelne irrsinnig ehrgeizig am Brett.

CF: Du hast bereits zuvor eine Menge Events ausgerichtet. Welche neuen Herausforderungen punkto “Events ausrichten” siehst du in Zeiten von Corona?

Jana Königskind: Man hört nicht auf zu lernen und genauso ist es mit COVID-19. Wenn das unser “NewNormal” ist – und das wird es sein bis wir Imfstoffe haben – müssen wir lernen, damit umzugehen. Kurz nach den Lockdown-Lockerungen hat Blue Tomato mit Berücksichtigung der staatlichen Vorgaben einen Hygiene-Plan an die Skate Association geschickt, an den man sich im Ablauf eines Skate-Contest halten sollte. Natürlich ist man immer abhängig von Neuauflagen und es muss einem wohl klar sein, dass sich alles schnell wieder ändern kann. Wir sollten trotzdem nicht aufhören zu leben, aber vieles einfach mit mehr Abstand angehen.

CF: Was waren die letzten Feste, die du (mit)organisiert hast?

Jana Königskind: Ich hatte meine Finger in ein paar Events im Egon, Roman Müllers “EASY LIFE” durfte ich mitgestalten und auch einige kleine, aber feinen Dinge, wie die “Vegane Weltreise”. Sonst zeichne ich gerade sehr viel für Tamara Hübner Hölbl. Für die Piercerin habe ich ihre neue Merch-Kollection gezeichnet. Für das Café Wellenstein die Speisekarte und für die Skate Association den Contest, die Arbeiten für das Jugendzentrum Steppenwolf waren zum Beginn des Corona-Lockdowns. Ich kann mich recht oft einbringen.

CF: In den 10er-Jahren hast du vor allem House/Electro-Parties („Royal Dignity“, „Garden Of Love“, „Electro Kitchen“) geschmissen. Wie hat sich die Elektronikszene, wie die DJ-Kultur seither verändert?

Jana: 2014-2016 war ich nicht hier, ich habe zu dieser Zeit auf Saint Lucia gearbeitet und gelebt. Der Kontakt zur Szene war ein bis zwei Jahre zuvor schon etwas weniger. Ich könnte gar kein reines House/Electro Event in St.Pölten nennen, das aktuell läuft. Außerdem denke ich, wird das jetzt alles einen Entwicklungsprozess durchmachen müssen, denn Corona bringt, besonders im Veranstaltungsbereich, ganz neue Voraussetzungen.

CF: Du hast auch eine Stage am Beatpatrol gehostet, worum dich manche beneiden werden. Was macht mehr Spaß: große oder kleine Events auszurichten?

Jana: Das Beatpatrol ist ein tolles Event und hat gezeigt, wie alle St. Pöltner zusammen ein Event feiern können. Da war einfach jeder irgendwie involviert, ob als DJ, Bühnen-Host, Imbissstandler, Pressekooperationspartner oder Lieferant… man hat das Beatpatrol nicht ausgelassen. Ich denke, dass jeder St. Pöltner seine eigene Beatpatrol-Geschichte erzählen kann. Jeder, egal ob mitwirkend oder mitfeiernd, beide Seiten brauchen sich gegenseitig und ich hoffe, dass noch viele solcher Geschichten erlebt und erzählt werden.

Um zu deiner Frage zurückzukommen: Ich mache beides gerne, egal ob eine Stage am Beatpatrol oder einen Skate-Contest. Es geht mir im Grunde darum, eine Geschichte zu erzählen. RoyalDignity war “Electro fürs Volk” (= die free stage am Beatpatrol die kleinste außen, am Eingang zum Festival). Jeder konnte kommen, und auch ohne Ticket hat die Bühne für ihn gespielt.

Das RocketWheel-Ding wiederum ist die Geschichte eines Affen, der in eine Giraffe verliebt ist und sein “RocketWheelSkateboard” startet, um ihr Herz zu gewinnen. Dorian, der Affe, liebt Dora die Giraffe, was Dora nicht ganz glauben kann, denn Dorian ist ein Affenmann. Dorian ist entstanden, da eines der fünf Decks, DORA die Giraffe, in ihrem Schüttelreihm sagt:
Party bin ich Giraffe,
da unten steht ein Affe,
schaut mich die ganze Zeit
schon voll blöd an,
ich glaub er will ein Autogramm.
Der Affe antwortet darauf:
Schwindlig ist mir Affe.
Ist das mein Baum
oder die Giraffe.
Dorian kommt in der Deckserie nur im Schüttelreim vor, daher habe ich ihn als Fortsetzung der Deck -Serie in den Skatecontest gepackt. Da war Blue Tomato dann auch dafür zu haben.

So entstehen diese Dinge alle. Ich hatte nie vor, ausschließlich Events zu machen. Ich bin Medien-Designerin und erzähle Geschichten.

CF: Du hast in einem früheren Interview mit dem City-Flyer gemeint, dein Ziel müsse es sein, mit mehreren Veranstaltern in St. Pölten gemeinsame Sache zu machen, um etwas wirklich Großes auf die Beine zu stellen. Wenn du zurückblickst: was war bisher dein größtes Ding, das du (mit)organisiert hast?

Jana: Das war wohl das Beatpatrol. Es ging mir da aber nicht um die Größe, sondern darum, dass ich die Möglichkeit hatte, eine Stage auf einem feinen Event zu bespielen. Es waren viele junge Djs dabei, die bislang nicht viele Gigs hatten. Wir waren die Day-Stage von 10:00h vormittags bis 22:00h abends. In einer Stunden Rotation bringt man da bestens Talente unter. Die Bühne, auf der St. Pöltner Djs und Musiker spielen, gibt es am Beatpatrol immer noch. Das finde ich sehr wichtig.

CF: Du hast einiges mit Hennes auf den Weg gebracht, unter anderem eine Bar in Lech/Arlberg redesignt. Bist du auch Innenarchitektin? Was habt ihr da gemacht?

Jana: Nein, ich bin keine Innenarchitektin (lacht), aber ich bin zu der Zeit dazugekommen, als es um den Innenraum-Umbau der “Archiv-Bar” in Lech ging. Diese hätte mehr in Richtung Abendclub gestaltet werden sollen und dem winzigen Laden fehlte ein DJ-Pult. Diese Mini-Dj-Kanzel haben wir dann installiert, dem Club noch einige Sitzmöglichkeiten hinzugefügt und Hennes zum DJ- und Party-Priester gekrönt. Er hat das viel länger ausgehalten als ich.

CF: St. Pölten bräuchte einiges an schönem Design. Wir haben die NDU, wir haben dich … warum werden so wenig kreative Ideen umgesetzt?

Jana: Eine Idee ist nur dann gut, wenn die Zeit dafür reif ist. Manche Ideen muss man behalten und sie dann umsetzten, wenn sie passen. Manchmal passiert es, dass Dinge nicht so einfach laufen wie geplant. Man macht weiter, obwohl es einem irrsinnig viel Zeit wegnimmt, weil man die tolle Idee ja umsetzten will. Zwischendurch geht man Kompromisse ein, macht tausend Fehler, verärgert Leute, weil man Projektentscheidungen trifft, fragt sich, ob das alles wirklich notwendig war und dann zweifelt man ganz viel und lange und hofft, dass zum Schluss die ganze Sache aufgeht. Das alles gehört zu einer Ideen-Umsetzung. Das muss man sich vor Augen halten.

CF: Du hast kürzlich Arbeiten für das Jugendzentrum Steppenwolf geliefert. Welchen Mehrwert bringt das dem Jugendzentrum?

Jana: Das Steppi hatte die Schwierigkeit, während des Corona-Lockdowns, den Kontakt zu den Jugendlichen nur Online oder per Telefon halten zu können. Hermann Rauschmayer, der mich ins Boot geholt hat, hat zu dieser Zeit online das Angebot gepostet, jedem, der Hilfe benötigt, sein Knowledge und Ideen for free zur Verfügung zu stellen, vor allem menschenverbindenden Projekten. Da war ich dabei. Die damalige Leiterin Barbara Obernigg hat ihn zu dieser Zeit kontaktiert, wir hatten einen Zoom-Termin und haben Vorschläge gemacht, welcher Content und welche Kommunikationsmöglichkeiten Sinn machen würden. Auf Grundlage der benötigten Kommunikationssujets, wie SteppiQuiz oder Graffitti-Workshops, oder Online-Tutorials und der persönlichen Steckbriefe der einzelnen Mitarbeiter habe ich die Sujets illustriert.

Visuelle Kommunikation und Content, um den Kontakt nicht zu verlieren in einer Sprache, die verständlich ist für die Zielgruppe. Dafür sind die Steppi-Comics entstanden.

CF: Die Grafik für den Jugendclub 2020 stammt ebenfalls von dir. Bist du quasi die Designerin für „Jugendangelegenheiten“?

Jana: Das wäre ich gern. Ich bin immer sehr froh, wenn mich diese Zielgruppe versteht, das gibt einem das Gefühl, dass man im “Jetzt” ist und das ist das Wichtigste: Im “Jetzt” zu stehen mit einem Plan, denn so ist das eben mit den Ideen. Die besten sind die, die man zur richtigen Zeit hat und wenn man das “Jetzt“ nicht kennt, dann kann das eine fantastische Idee sein, aber der falsche Zeitpunkt.

CF: In den unendlichen Tiefen unseres Archives hab ich eine Ankündigung entdeckt, die dich als MC bei der „Bled Taste Party“ anpreist. Stehst du gerne auf der Bühne? Oder agierst du lieber im Hintergrund als Organisatorin? Kurz gesagt: Siehst du dich eher als Künstlerin? Als Managerin? Als Grafikerin?

Jana: Ich wollte wissen wie es ist, auf der Bühne zu stehen, also hab ich es gemacht. Ich wollte auch wissen, wie es ist auf einer Karibischen Insel zu leben. Das habe ich dann auch gemacht, das machte mich aber zu keinem Karibik-Aussteiger. Ich kann sagen, beides war eine gute Erfahrung, aber dabei wird es bleiben.
Ich bin Jana Königskind Medien-Designerin mit dem Schwerpunkt Illustration und permanent kreativ, dieser Teil von mir lässt sich nicht aufhalten.

CF: Gibt es Wilhelm von Jungblut, Richard Rise, John Johannson und Nasty Legacy von der „Royal Family“ noch?

Jana: Die Jungs sind alle in ihren eigenen Projekten, mit Andreas Diesenreiter von Richard Rise habe ich noch viel Kontakt. Er macht mit seiner Schwester mittlerweile Produkte aus gerettetem Obst und Gemüse, “unverschwendet”, ist auch am Skate-Contest dabei.

CF: Mit wem arbeitest du momentan zusammen?

Jana: Zurzeit arbeite ich viel am Skate-Contest Projekt mit Steve Kuback von der Skate Association. Der Skate-Addict, der sonst in der Jugendinfo NÖ arbeitet, kümmert sich um die Abwicklung des Blue Tomato Rocket Wheels und da ich für die Grafik und die Illustrationen von Dorian verantwortlich bin, liefere ich ihm, was er benötigt.

CF: Du bist seit über 10 Jahren fixer Teil der St. Pöltner Partykultur. Wie gehst du mit deiner Geschichte um? Darf man darauf stolz sein?

Jana: Ich bin gerne Teil dieser Kultur. Ich lebe ja in mitten der Stadt, ich arbeite gerne mit Leuten, arbeite am liebsten projektorientiert. Ich habe mir, um ehrlich zu sein, meine “Geschichte” nie als “Geschichte” angeschaut, sondern eher als Serie, einzelne Folgen einer Staffel, die zu meinem Jetzt führen, in dem ich mich sehr wohl fühle. In welcher Staffel ich mich befinde, weiß ich jetzt noch nicht. Das ist wohl eine dieser Endlos-Soap-Operas, die es zu bewältigen gilt (lacht).

CF: Du bist seit 2013 verheiratet. Wie kriegst du das alles unter einen Hut?

Jana: Tim und ich haben am 3. August 2013 geheiratet und im Warehouse St.Pölten gefeiert, weil wir uns dort bei einer Masters of Dirt Aftershow Party kennengelernt haben …

Die kirchliche Hochzeit war in engem Kreis im kroatischen Zadar am Meer. Tim ist selber Tattoo Artist, somit auch schaffend und daher weiß er, wie viel Zeit, Liebe und Leidenschaft zu solchen Aufgaben gehört. Er tätowiert aktuell bei FamePain in der Wiederstraße in St. Pölten.

CF: Wo warten deine nächsten Ziele?

Jana: Man wird sehen. Einige Dinge hab ich schon noch vor. Aber du kannst mich ja in ein paar Jahren nochmal fragen (=

CF: Das werde ich tun. Vielen Dank für das Interview.

Bluetomato Rocketwheel Skateboard Contest: 29. August 2020 um 9:00 – 23:30

Jugendklub 2020: 29. Oktober bis 1. November 2020

Werner Harauer
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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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