Katharina Holzweber: Im Rausch der Farben

Katharina Holzweber aka Moving Eyes bei SWITCH! am 15.11.19 Foto © Fabian Fügerl, z.V.g.
Katharina Holzweber aka Moving Eyes bei SWITCH! am 15.11.19 Foto © Fabian Fügerl, z.V.g.

Es ist nicht lange her, da konnte ein Lightjockey mit ein wenig Knöpfchen drehen und Schalter kippen bei der Crowd Eindruck schinden. In heutigen Clubs kreieren Visual Jockeys Lichtspiele, die selbst das Neon-Feuerwerk im legendären „Studio 54“ der 80er Jahre blass aussehen lassen. Katharina Holzweber aka Moving Eyes ist eine dieser Visual Jockeys.

Text: Werner Harauer
Bild: Fabian Fügerl für SWITCH!

City-Flyer: Du hast das BORG St. Pölten besucht. Warst du im musischen oder im naturwissenschaftlichen Zweig?

Katharina Holzweber: Ich war im musischen Zweig. Um genauer zu sein in der Langform, also 8 Jahre musikalischer Zweig.

CF: Ich frage deshalb, weil du ein naturwissenschaftliches UND ein musisches Studium abgeschlossen hast. Wo hast du als Erstes inskribiert? Und was hast du als Erstes abgeschlossen?

Katharina Holzweber: Zuerst habe ich Tanzpädagogik an der Musik und Kunstuniversität Wien studiert. Danach erst Physik an der Hauptuniversität Wien.

CF: In Künstlerkreisen kennt man dich wegen deiner Visuals. Du bist aber auch Tänzerin, Choreografin und Tanzlehrerin. Hast du hier auch künstlerische Ambitionen? Oder machst du das aus Freude an der Bewegung?

Katharina Holzweber: Beides, wobei der künstlerische Aspekt sicherlich im Vordergrund steht. Meine Tanzstunden in den Musikschulen unterscheiden sich da zum Beispiel sehr stark von klassischen Herzkreislauf- Tanzstunden, die man aus Fitnessstudios oder einer Sportunion kennt. Natürlich gibt es auch ein Aufwärmen, ein Kräftigen und Dehnen, aber der Fokus liegt letzten Endes auf der Choreografie, der Ausführung der Tanzschritte, dem Ausdruck und der Musikalität.

CF: Wissen deine KünstlerkollegInnen, dass du eigentlich Physikerin bist?

Katharina Holzweber: Ja, ich denke schon. Zumindest der engere Kreis. Aber ich binde diese Information keinen auf die Nase, wenn nicht explizit danach gefragt wird.

CF: Du beschäftigst dich mit Nanotechnologie. Ist das die Geschichte mit dem „Beamen“?

Katharina Holzweber: So ähnlich. Nur dass ich für das „Beamen“ keine Wellenlängen im sichtbaren Bereich, sondern Röntgenstrahlen mit hoher Brillanz verwende, die man üblicherweise in Elektronenbeschleunigern generiert. Ich untersuche damit atomare Dynamik in diversen Festkörpern.
Lang davor kam aber die Geschichte mit dem „Beamen“ von sichtbaren Licht in diversen Clubs. Visuals machen und die Technik dahinter hat mich schon während meines Tanzstudiums fasziniert. Das war sicher ein Mitgrund warum ich danach noch etwas in Richtung Technik studieren wollte. Da kann man sich natürlich fragen, warum gerade Physik und nicht ein rein technisches Studium. Und da schließt sich für mich der Kreis mit der Kunst wieder. Naturwissenschaften, wie Physik verlangen nicht nur nach dem Wie, also mit welchen technischen Mitteln Forschungsresultate erhoben werden können, sondern auch nach dem Warum – für mich eine zentrale Fragestellung auch in der Kunst.

CF: Was ist eigentlich dein Brotberuf?

Katharina Holzweber: Tatsächlich wechselt das oftmals hin und her. Abgesehen vom Tanzunterricht sind die Arbeiten als Künstlerin und Naturwissenschaftlerin geprägt von Honorarnoten und befristeten Stellen.
In der Pandemiezeit war der Fokus klarerweise mehr auf die Wissenschaft gerichtet. Diese Zeit hat mir sehr stark vor Augen geführt, wie sehr ich meine künstlerischen Auftragsarbeiten bzw VJ-Gigs vermisse.
Momentan kehrt zwar alles wieder langsam zurück, wie etwa die Clubkultur, aber durch die ständig wechselnden Bestimmungen hängen diese Veranstaltungen nach wie vor am seidenen Faden. Bei geringen Besucherzahlen muss der Veranstalter natürlich mit den Ausgaben haushalten. Ein Visual Artist ist da meist einer der ersten, der nicht unbedingt notwendig ist für eine gelungene Party.
Da ich allerdings dieses Jahr schon wieder sehr viele schöne Momente bei Festivals, in Clubs und bei Tanzveranstaltungen als Visual Artist bzw. Tänzerin/Choreografin erleben konnte und bereits etliche spannende Aufträge für das kommende Jahr in den Startlöchern stehen, bin ich recht zuversichtlich.

CF: Ich hab auch Fotos gesehen, auf denen du in der Steilwand hängend zu sehen bist. Brauchst du den Adrenalinkick? Ist das ein Ausgleich zu deiner Forschertätigkeit?

Katharina Holzweber: Ich denke das ist mein Ausgleich zu allem, was mir Kopfschmerzen und Sorgen bereitet. Aus der Vogelperspektive wirken Probleme klein und nichtig, was sie im Grunde ja oft auch sind.
Klettern entlang hoher Wände verschert einem ohnehin die eindrucksvollsten Momente. Ich verspüre es nicht als Adrenalinkick im Sinne von Herzrasen oder Aufregung, außer man steckt in der Klemme, was durchaus schon vorgekommen ist. Es ist eigentlich meditatives Klettern mit einer hundertprozentigen Selbstsicherheit keinen Fehler zu begehen. Das ist ein unbeschreibliches Gefühl.

CF: Du arbeitest auch mit Kindern und bringst ihnen Grundschritte im Hip Hop Dance und Contamporary Dance bei. Arbeitest du gerne mit Kindern? Oder geht es dir darum, dein Wissen weiterzugeben?

Katharina Holzweber: O ja. Ich arbeite sehr gerne mit Kindern jeglichen Alters. Wenn ich von meinen Tanzschüler*innen spreche, dann rede ich auch oft nur von „meinen Kindern“ was schon zu diversen Verwirrungen geführt hat.
Das schöne an den Musikschulen ist ja, dass man die Kids und Jugendlichen meist über ein Jahrzehnt in ihrer Tanzausbildung begleitet. In der Musikschule Prinzersdorf unterrichte ich schon sehr lange. Da habe ich bereits einige Schülerinnen vom Kindergarten bis zum Studium begleiten dürfen. Man ist sich bewusst, dass man ein prägender Teil ihrer gesamten Kindheit und Jugend geworden ist. Da waren schon sehr viele wunderbare und emotionale Momente dabei, die ich niemals missen möchte.

CF: Neben deiner Vielseitigkeit bist du als Interviewpartnerin für den City-Flyer vor allem wegen deiner tollen Visuals interessant. Wie kam es, dass du dich der Programmierung von Visuals angenommen hast?

Katharina Holzweber: Es gab da einen prägenden Moment bei einem der Urban Art Form Festivals, an den ich mich noch sehr gut erinnern kann. Ich war gerade tanzend in der Menge und Visuals und Musik haben so dermaßen gut zusammen gepasst, sodass ich nur noch wie paralysiert auf die Visuals geblickt habe. Danach wollte ich unbedingt sowas auch können und machen! Ein paar Wochen später hat mir ein damaliger Freund zum Geburtstag die VJ-Software mitgebracht und mich gefragt, ob ich mit ihm ein VJ Duo namens Moving Eyes gründen möchte.
Da war ich natürlich Feuer und Flamme für so eine Idee. Nach ungefähr zwei oder drei Jahren ist er allerdings abgesprungen, weil ihm das DJing wichtiger wurde. Da er die Aufträge beschaffen hatte und ich damals das Gefühl hatte, dass mir die Veranstalter in puncto technischen Knowhow nicht ganz vertrauten, dachte ich, das wäre jetzt mein vorzeitiges Ende einer möglichen VJ-Karriere. Ich kann mich noch gut erinnern, dass Steve Ponta vom Club Warehouse dann zu mir gekommen ist und mich gefragt hat, ob ich nicht als Resident VJ bei der damaligen Veranstaltungsreihe „City of Bass“ mit dabei sein möchte. Ich habe sofort zugesagt und das war dann eigentlich der Startschuss für alles weitere. Der Club Warehouse wurde zu meiner visuellen Spielwiese und Steve Ponta aka Selecta Weasel zu einer meiner besten Freunde.

CF: Ich nehme an, das ist eine sehr arbeitsintensive und einsame Sache vor dem Bildschirm. Worin liegt der Kick?

Katharina Holzweber: Ja, ich habe sicherlich schon sehr viele einsame Tage mit dem Generieren von Visual Content verbracht oder mit dem Lösen von irgendwelchen visual bezogenen Problemen.
Seinen Content allerdings dann bei Live-Gigs, auf einer Leinwand, einer Led Wall oder auf einem speziellen VJ-Setup dem Publikum zu zeigen ist Genugtuung pur für diesen Arbeitsaufwand.
Einer der genialsten Vj-Gigs war definitiv das Frequency 2019 auf der Greenstage. Wir hatten da eine Bühne umrandet mit sehr vielen Quadraten, die ganz leicht in verschiedenen Ausrichtungen gekippt waren. Der VJ-Content wurde speziell für dieses Setup generiert und war ein mega Hingucker für alle Beteiligten.

CF: Wie würdest du einem Laien erklären, wie man gute Visuals erkennt?

Katharina Holzweber: Wie überall in der Kunst ist auch das Geschmacksache. Ich persönlich mag es sehr, wenn Visualisten ihren selbst kreierten Content verwenden und vielleicht als Draufgabe auch noch ein spezielles Setup dafür aufbauen und ihre Visuals dementsprechend danach abstimmen. Mit den Visuals die musikalische Dynamik oder die musikalische Stimmung abzubilden wäre für mich auch ein wichtiger Punkt, der ins Auge springen würde. Wenn das Visual Motiv bzw die Dynamik nur sehr zähflüssig gewechselt wird und es nicht mehr an die Musik gekoppelt ist, dann verliere ich als Zuschauer das Interesse.
Mir ist natürlich auch bewusst, dass Visual Artists meist nicht in dem Maße ausbezahlt werden, sodass das Anfertigen eines Setups, das zusätzliches Kreieren von Visual Content und Live-Visuals machen über die ganze Nacht hinweg gerechtfertigt wären. Somit bin ich eigentlich schon glücklich, wenn ich überhaupt Visuals zu Gesicht bekomme und keinen Loop, der auf Dauerschleife läuft.

CF: Visuals werden meist bei Clubveranstaltungen und Raves eingesetzt. Wo liegt der Mehrwert bei den Veranstaltern, wenn sie dich buchen?

Katharina Holzweber: Ich glaube mein Markenzeichen sind definitiv die unterschiedlichen VJ-Setups. Ich habe in den vielen Jahren schon so ziemlich alle Formen, Muster und Materialien wie Stoff, Styropor und Holz als Projektionsfläche ausprobiert. Da sind nun sehr viele unterschiedliche Setups zustande gekommen, die immer wieder neu kombinierbar sind. Das ist natürlich für kleine bis mittelgroße Veranstaltungen interessant, die auf ein einzigartiges Setup setzen, statt einer überdimensionierten LED-Wall. Diese Aufträge haben mich schon durch ganz Österreich geführt.
Bei großen Veranstaltungen, wie Musikfestivals, werden fast nur noch LED-Walls aufgestellt. Hier kommt es zu weiteren Arbeitsaufteilungen und da kümmere ich mich nur noch um die Live Visuals an dem Abend und um die Vorbereitung der Logos bzw des VJ-Contents für den jeweiligen Act. Wenn es gewünscht wird bzw das Setup es zulässt, wird entsprechender auf das Setup angepasster Visual Content kreiert, wie etwa beim Nova Rock und beim Frequency Festival 2019.

CF: Die Gagen für einen Visual-Artist liegen weit unter jenen der DJs, so meine Annahme. Allein, weil es kaum renommierte Namen gibt, deretwegen ein Gast eine Veranstaltung besucht. Liege ich da richtig?

Katharina Holzweber: Ja. Das ist wahr. Ich glaube kein einziger Visual Artist kommt an die überdimensionierten Gagen von so manchen DJs ran. Jedenfalls wüsste ich nicht davon.

CF: Mit dem Urban Art Forms Festival wollte UAF-Gründer Christian Lakatos die Visualkunst gleichberechtigt neben der DJ-Kunst etablieren. Wurdest du auch gebucht? Und hattest du das Gefühl, dass das Festival dem Anspruch nachkommen konnte?

Katharina Holzweber: Ja einmal. Wir haben den ersten Slot des Tages bekommen, als ich kurzzeitig mit einer VJ-Partnerin unterwegs war. Ich kann mich aber erinnern, dass die Hälfte unserer Zeit kein VJ-Signal auf die Monitore übertragen werden konnte und kein verantwortlicher Techniker vorzufinden war 😀 Ich glaube, das war da alles ein bisschen gechillter. Die VJ’s waren da meist alle sehr meditativ in einer dicken Rauchwolke backstage in einem Waggon vorzufinden Die hatten zu dem Zeitpunkt keinen Stress.
Aber ja, definitiv ist es dem Anspruch nachgekommen. Jeder Act hatte einen anderen Visual Artist als Begleitung. Das hat eine massive künstlerische Vielfalt in Bezug auf die Visuals hervor gebracht. Sowas würde ich mir wieder viel mehr wünschen, aber dafür reicht fast nie das Budget.

CF: Es gibt sehr viele Spielarten elektronischer Musik, die in Clubs und auf Festivals gespielt werden. In welchem Genre funktionieren Visuals am besten? Und wo fühlst du dich am wohlsten?

Katharina Holzweber: Egal ob Techno, Psytrance, Hardstyle, Drum and Bass oder EDM. Im Prinzip kann man Visuals überall sehr gut einsetzen. Jedes musikalische Genre verbindet man auch mit einem eigenen Stil bezüglich der Visuals. Goa-Visuals sind psychedelisch und farbenfroh, Drum and Bass-Visuals eher formbezogen etc.
Am wohlsten fühle ich mich bei Drum and Bass. Es ist nach wie vor mein liebstes Genre. Auch die Leute sind hier sehr gemütlich. Du hast da meistens alle Freiheiten der Welt in Bezug auf Live Visuals. In anderen Genres, gerade bei Main Acts im EDM Bereich, kann es zu ein paar Extrawürsten kommen. Wenn nicht ohnehin der Main Act seinen eigenen Visualisten mit dabei hat, dann kann es sein, dass der Manager dir spezielle Wünsche mitteilt: Nur spezielle Farben, sehr dezent oder sehr bunt etc…

CF: Gibt es so wie in der Musik auch verschiedene Genres in der Visualkunst?

Katharina Holzweber: Ja genau. Wie schon beschrieben, hat jedes Musikgenre auch sein zugehöriges Genre in Bezug auf die Visuals. Ich habe früher ein paar Goa-Veranstaltungen als Visual Artist begleitet, würde es aber heutzutage nicht mehr machen, da mir geeignetere Visual Artist in den Sinn kommen, die diesen Stil perfektioniert haben.

CF: Ich muss gestehen, ich achte bei einer Veranstaltung wenig auf die Visuals. Mich interessieren mehr die Leute und die Musik. Kommt es oft vor, dass dir Gäste nach einer gelungenen Darbietung gratulieren?

Katharina Holzweber: 😀 Da bist du nicht der einzige. Es gibt viele, die auch schon zu mir gesagt haben ich solls doch bleiben lassen und lieber mit ihnen Party machen, während ich gerade mit meinen Live Visuals voll im Einsatz war. Es schaut doch eher keiner mehr drauf. Manchmal ist die LED-Wall allerdings so mächtig, das Setup so genial oder das Publikum tatsächlich so interessiert, dass es auf jeden Fall Wert ist sich reinzusteigern.

CF: Djing ist eine Männerdomäne, wahrscheinlich mehr noch, als im Rock’n’Roll. Wie ist die Geschlechterverteilung bei den Visual-Artists?

Katharina Holzweber: Unter den Visual Artists ist es relativ ausgewogen, würde ich meinen. Wobei ich zugeben muss, dass die Visual Artists, mit denen ich im engeren Kreis zusammenarbeite, alle Männer sind. Wien hat aber prinzipiell eine starke weibliche Szene. Aber auch bei den DJ’s hat sich schon viel geändert. In Wien bin ich Resident VJ bei der Veranstaltungsserie Switch! Da ist es schon sehr durchwachsen. In St. Pölten ist es tatsächlich noch eine Männerdomäne, zumindest im Drum and Bass Bereich.

CF: Ich habe gelesen, du hast eine Vorliebe für schwarz-weiße Visuals. Kannst du uns den Grund erklären?

Katharina Holzweber: Da ich für gewöhnlich öfter mit Beamer als mit einer LED Wall arbeite und ich mir bis jetzt noch keinen sündhaft teuren, sehr hellen Beamer mit viel Lumen zugelegt habe, muss ich mit Standard-Beamer auskommen. Diese sind für gewöhnlich ausreichend hell. Wenn allerdings der Club wegen Scheinwerfer, Moving Heads und Co. schon eine sehr helle Grundstimmung hat, dann wirkt die Projektion des Beamers nicht mehr so leuchtstark. Da sind dann schwarz-weiße Visuals das einzige was noch, im Gegensatz zu farbigen Visuals, hervorsticht. Abgesehen davon kann man den Fehler nicht begehen, einen farbigen Kauderwelsch zu produzieren, sondern bleibt einfach klassisch bei schwarz-weiß.

CF: Apropos lesen: Im Internet ist kaum etwas über dich als Visual Artist zu finden. Liegt es daran, weil das Thema „Visuals“ beim Lesepublikum nicht gut ankommt? Oder ist es zu sperrig, um eine runde Geschichte daraus zu machen? Oder wirbst du nicht genug für dich selbst?

Katharina Holzweber: Ganz und gar nicht. Bei Visuals sind schöne Fotos und Videos im Internet immer ein Hingucker. Mir fehlt allerdings die Zeit dafür, meine Arbeiten foto- bzw videografisch zu dokumentiert und online zu stellen. Und so nebenbei, ich bin kein großartiger Fan von Social Media – für mich ein unendlicher Zeit- und Konzentrationsfresser. Daher gebe ich mir da auch nicht besonders viel Mühe. Das beste ist ohnehin einfach im realen Leben netzwerken und gute Freunde finden, sowie man es auch schon vor dem Internet gemacht hat.

CF: Gibt es in Österreich eine Vereinigung der Visual Artists?

Katharina Holzweber: Das weiß ich gar nicht. Es gibt natürlich unzählige Social Media Gruppen. Bei der einen oder anderen bin ich dabei.

CF: Du bist ja vom Fach! Im Zuge der Pandemie stellt sich die Frage, wann es einen virtuellen Clubbing-Besuch vom Wohnzimmer aus geben wird, bei dem sich die BesucherInnen mit Kopfhörer und virtueller Brille zuhause die volle Dröhnung geben bzw. sich mit dem Tanznachbarn aus dem kilometerweit entfernten Wohnzimmer unterhalten können?

Katharina Holzweber: O Gott. Ich hoffe und glaube, sowas wird nie populär werden. Man will ja die echte Nähe der Leute in der Menge spüren: kollektives Schwitzen und Tanzen, angeschrien werden, weil man nichts versteht, angespuckt werden weil man so laut und deutlich reden muss und ab und zu spürt man Bier- und Vodkaspritzer von rechts und links, weil man auf Dauer das Bier im Tanzmodus nicht waagrecht halten kann …

CF: Wenn du auf deine bisherige Karriere zurückblickst: was waren die klingenden DJ-Namen, die du visuell unterstützen durftest? Und wo hat es für dich am meisten Spaß gemacht?

Katharina Holzweber: Da waren so unendlich viele. Da müsste ich direkt selbst mal wieder nachrecherchieren. Durch das Visuals-machen bei großen Festivals ändern sich ja die großen Acts im Stundentakt.
Als riesengroßer Drum and Bass Fan waren für mich die letzten Beatpatrol Festivals sicherlich immer ein Highlight: die Farewell Tour von Noisia Ende Oktober oder Andy C 2019. Manche DJ’s hab ich schon sooft begleitet, wie zum Beispiel Hedex. Da könnte ich schon Stricherlisten führen.

CF: Du wirst inzwischen auch von öffentlichen Institutionen gebucht. Welche Veranstaltungen sind das?

Katharina Holzweber: Das betrifft aber mehr Tanz in Kombination mit Visuals oder Tanz alleine. Visuals mache ich nach wie vor zum großen Teil in Clubs oder Festivals.
Dieses Monat fand zB. ein Workshop mit interaktiven Visuals und Tanz im Festspielhaus St. Pölten statt. Für nächstes Jahr bastle ich wieder an der Choreografie für die Eröffnungsgala der niederösterreichischen Landesausstellung, wobei sich hier noch zeigen wird ob und wie Visuals zusätzlich eingebaut werden können. Da hatten wir bei der letzten Eröffnungsgala 2019 eine wunderbare Symbiose dieser beiden Kunstsparten: Tanz & Visuals.
Zusätzlich folgen nächstes Jahr noch zwei große Tanzprojekte, eines in Kooperation mit dem Festspielhaus St.Pölten. Das andere ist ein gefördertes Projekt des Österreichischen Wissenschaftsfonds.

CF: Würdest du eine Parteiveranstaltung bespielen? Und würde das für die Allgemeinheit Sinn machen? Schließlich sollte eine Partei ja ihr Programm verkaufen und nicht das Spektakel.

Katharina Holzweber: Nein, das würde ich nicht. Würde auch eher keinen Sinn ergeben.

CF: Welche Aufgabe würde dich wirklich wirklich reizen? Wo liegt der Olymp für einen Visual Artist?

Katharina Holzweber: Puh.. da gibt es noch ganz viele unterschiedliche Ziele. Einmal noch ein ganz großes Projekt mit Visual Arts in Verbindung mit Tanz über die Bühne zu bringen. Das wäre sicher ein Highlight.
Prinzipiell bin ich aber einfach auch sehr glücklich über die Clubkultur, über die Freunde dort und über die Musik. Es muss nicht immer das Mega-Event sein und ein Massenauflauf an Main Acts.

CF: Um nochmals auf den Beginn unserer Unterhaltung zurückzukommen: ich bin beeindruckt von deiner Vielseitigkeit. Auch weil du auf jedem Gebiet Überdurchschnittliches leistest. Wie schaffst du es, das alles unter einen Hut zu bringen? Hat dein Tag 48 Stunden?

Katharina Holzweber: Der ist leider auch bei mir nur 24 Stunden lang. Ich muss vieles bis in die Nacht hinein verschieben, wie zum Beispiel die Beantwortung dieser Fragen (Es ist 05:17 Uhr unter der Woche., d. Red.). Aber es hat mir sehr viel Spaß gemacht …

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Werner Harauer
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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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