Klangkasten: Realität ist nur ein HashTag

Jakob Mayer, Lea Anzenberger und Julia Puehringer in der Klangkast Produktion #Reality . Foto © Georg Furtmüller, z.V.g.

Nach zwei Jahren ist es wieder soweit: am 23. Mai präsentiert der KlangKasten sein neues Theaterstück #Reality in der BMG Halle in Kasten. Die Besucher sehen ein komplett in Eigenregie entstandenes Stück und dürfen sich auf einige Überraschungen freuen. Roman Zinner, Obmann des Vereins, verrät uns im Gespräch erste Details.

Melissa wünscht sich eine Traumhochzeit mit Julian. Die Eltern der Braut führen eine langweilige Ehe. Ihr Vater flirtet in Chatrooms, ihre Mutter verwendet viel Energie, den Schein einer glücklichen Familie zu wah­ren. Julians Vater wiederum ist gewöhn­licher Arbeiter und wettert gegen Melissas Tante, eine linke Tierschützerin. Es kommt ein rechtspopulistischer Lokalpolitiker ebenso vor, wie ein verschollen geglaubter Verwandter, die beide Unruhe stiften … die zusammengefasste Handlung des Theaterstücks #Reality vom Verein Klang­Kasten liest sich äußerst turbulent. Und turbulent geht es auch auf der Bühne zu.

CF: Der KlangKasten wurde vor 21 Jahren gegründet. Sind noch Gründungsmitglieder aktiv dabei?

Roman: Ja klar! Auf der Bühne sind immer noch 8 Personen aktiv, die seit der Gründung dabei sind und bis auf ein paar graue Haare sind wir im Geiste immer noch so jung wie damals. Der Rest im Verein hat sich aber stets auch physisch verjüngt.

CF: Was macht die Faszination aus, um so viel Freizeit für die Aufführungen zu opfern?

Roman: Es sind die vielen strahlenden und stolzen Gesichter auf und vor der Bühne. Das Gemeinschaftsgefühl und die Möglichkeit gemeinsam etwas zu bewegen, dass du als einzelner niemals schaffen würdest. Und natürlich die vielen lustigen Momente, die uns der KlangKasten beschert, und die uns für’s restliche Leben begleiten.

CF: Ich habe mir ausgerechnet, dass im Schnitt ca. 4.000 Besucher bei jedem eurer Stücke dabei sind. Liege ich da ungefähr richtig?

Roman: Nein, nicht ganz. Zur Zeit liegen wir bei ca. 5.500 Besuchern. Wir haben aber heuer ein großes Augenmerk auf das Marketing gelegt und hoffen diesmal noch mehr Leute mit unserer Werbung zu erreichen.

CF: Warum habt ihr nur alle zwei Jahre ein Stück zur Aufführung?

Roman: Die Vorbereitungen für ein solches Stück von der Idee bis zur Umsetzung benötigen über ein Jahr. Wir machen dies alles in unserer Freizeit und unentgeltlich. Ein Projekt jedes Jahr wäre unmöglich zu realisieren und die Power im Verein wäre schnell erloschen.

CF: Dürfen die Leser schon wissen, wie das Bühnenkonzept aussehen wird? Ich hörte etwas von einer Drehbühne, einem neuen Lichtkonzept und von Stunts?

Roman: Es wird vorab keine Bilder geben, aber das mit der Drehbühne stimmt schon. Wir wollten heuer mehr Bewegung in unsere Show bringen und haben uns daher über eine bewegliche Bühne gewagt und die Proben zeigen, dass das Konzept zu Gänze aufgeht. Um dies alles auch in ein stimmungsvolles Licht zu tauchen, haben wir uns zusätzlich professionelle Hilfe von einem Lichtdesigner geholt.

CF: Welche Funktion haben Georg Furtmüller und die Trendsport-Gruppe Flip & Jump in der erzählten Geschichte?

Roman: Natürlich um für ordentlich Bewegung auf der Bühne zu sorgen! Aber was die genaue Funktion betrifft, so muss ich die Leser bitten, sich auf ÖTICKET eine Eintrittskarte zu besorgen und sich das Ganze live ab dem 23. Mai anzusehen. Es zahlt sich sicher aus.

CF: Die Liedtexte stammen von Tina Priplata-Harand. Existieren die Texte zuerst und werden dann vertont? Oder umgekehrt?

Roman: Grundsätzlich gibt’s zuerst die Musik und dann den Text. Tina gelingt es den Rhythmus des Originals perfekt ins Deutsche zu übertragen und dabei noch Bedacht auf die jeweilige Figur zu nehmen. Während dieser Arbeiten wird aber auch das Arrangement der Musik zum Teil nachträglich geändert, und an den Text angepasst. Das alles ist ein sehr dynamischer und zeitaufwändiger Prozess, da ja alle Stücke von Stefan Anzenberger geschrieben werden und es weder für Musik noch Texte irgendwelche Vorlagen gibt.

CF: Die KlangKasten-Band wird erstmals Eigenkompositionen spielen. Wer hat sie komponiert? Wird es vorab ein Youtube-Video zu sehen/hören geben?

Roman: Ja, das freut uns besonders. Komponiert wurden die Stücke von einem unserer Keyborder: Georg Gruber. Er ist ebenfalls seit Anbeginn der Klangkasten-Zeit dabei und hat bis auf ein Projekt bei allen Stücken mitgespielt. Und ja, es wird in Kürze einen kleinen Vorgeschmack auf youtube geben.

CF: Tritt die KlangKasten-Band fallweise auch ohne KlangKasten-Stück auf?

Roman: Im letzten Jahr waren wir auch nur mit Band zu hören. Wir haben 2 x ein Best of KlangKasten gespielt. Einmal open air in Kasten und einmal vor ausverkauftem Haus im frei:raum in St. Pölten. Auch in die nächsten Jahren wird es uns wieder ohne „Stück“ auf der Bühne zu sehen geben.

CF: Welche Personen spielen die Hauptrollen?

Roman: Doris Helm, Jessica Holzer, Romana Heinz, Marina Kliment, Elisabeth Denk, Katharina Beitl, Lorenz Grubner, Gerhard Müller, Wolfgang Brunner, Manfred Settele, Johannes Heinz, Stefan Anzenberger

CF: Melissa wünscht sich eine Traumhochzeit mit Julian. Die Eltern der Braut führen eine langweilige Ehe. Ihr Vater flirtet in Chatrooms, ihre Mutter verwendet viel Energie, den Schein einer glücklichen Familie zu wahren. Julians Vater ist gewöhnlicher Arbeiter und wettert gegen Melissas Tante, eine linke Tierschützerin. Es kommt ein rechtspopulistischer Lokalpolitiker ebenso vor, wie ein verschollen geglaubter Verwandter, die beide Unruhe stiften … bedient Autor Stefan Anzenberger nicht allzu viele Klischées für seine Story? Oder ist das Programm und wird am Ende aufgelöst?

Roman: Da es sich um keine Biographien handelt, müssen bei der Erarbeitung der Charaktere Klischées herhalten. Der Zuschauer wird aber feststellen, dass sich Menschen aus Fleisch und Blut auf der Bühne befinden und die Schauspieler ihren Figuren Facetten verleihen, in denen sich der Zuseher auch selbst wiederfinden kann.

CF: Will der Autor dem Publikum einen Spiegel vorhalten?

Roman: Nein, der erhobene Zeigefinger hat da nichts verloren. Das Publikum kann natürlich Bezüge zur eigenen Wirklichkeit herstellen, eine „Moral von der Geschicht‘“ gibt es aber nicht.

CF: Gibt es eine Rolle, die die Sympathien des Publikums an sich reißen wird? Wenn ja, warum?

Roman: Die Figur des Kurt erfreut sich schon jetzt vor allem bei den Kindern großer Beliebtheit. Es sind aber alle Figuren so gezeichnet, dass man sich mit Ihnen identifizieren kann und jeder hat seinen/ihren großen Auftritt.

CF: Seit wann wird geprobt?

Roman: Die Tänzer proben seit Ende Oktober, Schauspieler seit Mitte Dezember, wobei zu Beginn rein die Charaktere erarbeitet wurden, die bühnenbezogenen Proben begannen im Jänner. Die Band hat ebenfalls im Jänner begonnen.

CF: Wie viele Akteure arbeiten für die Aufführungen?

Roman: Insgesamt arbeiten an einem KlangKasten Projekt vor, hinter und auf der Bühne an die 200 Personen um eine tolle Show zu garantieren und natürlich auch ein perfektes Ambiente für die Besucher zu schaffen.

CF: Wie viele SchauspielerInnen werden auf der Bühne zu sehen sein?

Roman: 12 Schauspieler, 164Tänzer, 10 Flip & Jump, 17 Orchester

CF: Von einem Laientheater im eigentlichen Sinn kann man nicht sprechen, da ihr ja mit Tänzerin und Choreographin Julia Bauer, Berufsmusiker Lorenz Spritzendorfer und dem Schauspieler Walter Spanny Profis in euren Reihen habt.

Roman: Wir verwenden den Begriff grundsätzlich nicht, denn als Laie wird im Volksmund jemand bezeichnet, der keine Ahnung von der betreffenden Materie hat. Unsere Akteure sind zwar keine Profis, haben aber allesamt viel Erfahrung in ihren Bereichen. Der Begriff Amateur, also mit Liebe etwas tun ohne dafür Geld zu bekommen trifft das schon eher. Aufgrund der Rückmeldungen unseres Publikums denke ich, dass wir uns ruhig semi-professionell nennen dürfen. Die Leitung der einzelnen Bereiche durch Profis steigert natürlich die Qualität ungemein und jeder einzelne von uns kann dadurch noch sehr viel lernen.

CF: Wie gehe die Amateure damit um, den Anforderungen der Profis gerecht werden zu wollen?

Roman: Jeder der etwas gerne tut, wird auch gerne von Besseren, von Vorbildern lernen. Auf der anderen Seite macht den Profis die Zusammenarbeit Spaß, weil Amateure keinen Kollektivvertrag haben und bereit sind, sehr viel für den Applaus zu tun.

CF: Wie bewertet ihr intern die Qualität des Stückes, nachdem es sich um eine Uraufführung handelt und ihr daher keinerlei Vorlage für die Inszenierung hattet?

Roman: Die Qualität kann nur das Publikum beurteilen. Kunst funktioniert nicht nach den Kriterien „gut oder besser“ sondern „gefällt mir“ (sic!) oder „gefällt mir nicht“.
Aber bei den Probearbeiten sehen immer wieder Leute aus anderen Bereichen des KlangKasten zu und wenn kräftig gelacht oder die eine oder andere Träne fließt, dann wissen wir dass die Richtung stimmt und das Konzept auch live vor Publikum aufgehen wird.

CF: Die Mitwirkenden rekrutieren sich quer durch alle Altersschichten. Gibt es eine Altersgruppe, bei der du meinst, da könnten mehr im Verein mitwirken?

Roman: Nein. Ich denke dass ist eine der größten Stärken des KlangKasten. Wir sind wirklich in allen Altersklassen gut vertreten. Die Jugend ist uns aber ein besonderes Anliegen und so freut es uns sehr, dass wir heuer besonders viele neue junge Talente im Team begrüßen dürfen. Sowohl bei den Tänzern, Schauspielern als auch Musikern gab es kräftig Nachwuchs.

CF: Ich nehme an, wenn ihr das Stück ab 23. Mai zur Aufführung bringt, wird der ganze Bezirk auf den Beinen sein.

Roman: Ja, das hoffen wir natürlich sehr, wobei man sagen muss, dass wir schon weit über unsere Bezirksgrenzen bekannt sind und das Einzugsgebiet stetig größer wird. In Kasten selbst herrscht jedenfalls 3 Wochen lang Ausnahmezustand.

CF: Wir danken dir für das Interview und wünschen euch viel Erfolg.

Werner Harauer
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Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.
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