Klanthu und The End of Radio live im frei.raum

Die St. Pöltner Band Klanthu stand am Freitag den 6. September 2019 im Frei:raum erstmals auf der Bühne. Foto @ Claudia Zawadil für den City-Flyer

REVIEW: Die St. Pöltner Prog-Rockband Klanthu feierte am 6. September ihr Live-Debut und stellte sich dem Publikum im Frei.raum. Das Duo The End Of Radio leistete support.

Gemunkelt wurde schon lange von einer Nachfolgeband der Krachmacher Tibor, die vor ungefähr 10 Jahren ihr Unwesen auf den heimischen Bühnen trieben. Etwa vor zwei Jahren fanden endlich die drei Ex-Tibor Musiker Christoph Hödl, Paul Schubert und Michael Willomitzer zusammen, holten den Hans-Dampf-in-allen-Gassen-Schlagzeuger Georg Forstreiter hinzu und gründeten Klanthu. Georg Domböck, Sänger/Gitarrist und ehemaliger Mastermind von Tibor, war inzwischen ins Waldviertel gezogen und arbeitet zur Zeit gemeinsam mit Markus Quartz Weidmann-Krieger (Sonnenpark) an einem anderen Bandprojekt.
Niemand der vier Musiker von Klanthu fühlte sich zum Sänger berufen, so verzichtete die Band auf jegliche stimmliche Begleitung und legte stattdessen den Fokus auf ausgetüftelte Melodien.

Nach intensivem gemeinsamen Spielen und Herumexperimentieren in ihrem Proberaum in Rassing war es an der Zeit, die entstandenen Songs live vor Publikum auszuprobieren. Die 4er-Formation kündigte also für 6. September ihren ersten Auftritt an und war einigermaßen überrascht, als sie wesentlich mehr Leuten als dem erwarteten Freundeskreis gegenüberstanden. „Die Gefahr bestand natürlich, dass sich kaum jemand für anspruchsvollen Rock ohne stimmliche Begleitung interessiert. Unsere Befürchtungen waren gottseidank unbegründet“, zeigte sich die Band nach dem Auftritt erleichtert.

Die Zuhörer meisterten die challenge und folgten der Band auf ihren meist über 7-minütig dauernden Sounderkundungen. Das Quartett spielte hochkonzentriert, wechselte im selben Song mehrmals Tempo und Stil, um sich an einem Riff festzubeißen. Grob wird ein Song im Stile der US-Kultband Slint angerissen, dann setzt eine Aggro-King-Buzzo-Gitarre dazu und am Ende findet man sich inmitten eines Postrock-Gewitters wieder, das Robert Fripp gezündet haben könnte. Die Finger reiben die Saiten, die Beine tanzen über die Fußpedale – da bleibt wenig Zeit für die Show und die Interaktion mit dem Publikum. Gut möglich auch, dass das introvertierte Bühnengebaren dem ersten Live-Auftritt geschuldet war. Wegen dem relativ kurzen Gig – es gab keine Zugabe – konnten die vier Musiker die Spannung bis zum Schluss halten. Schön, dass es wieder eine „Supergroup“ in stp gibt.

Als nicht minder fordernd erwies sich die Musik der nachfolgenden Band The End Of Radio. Das Duo, bestehend aus dem Loosdorfer Markus Gansberger (bass, voc.) und dem Krieglacher Niklas Lueger (dr.), die Stoner-Rock mit psychedelischem Synth-Folk kreuzen. Das klingt im schlechtesten Fall belanglos (die Bandeinspielungen hören sich wie Field-Recordings an) und im besten Fall wie die dunkle Dröhnmusik einer Band aus dem Southern Lord Stall. The End Of Radio verzichten fast zur Gänze auf den Gesang. Kommen mal Vocals zum Einsatz, dann von Gansberger, der mit Falsettstimme selbstvergessen ins Mikro summt. Die nach oben gepitchte Stimme, der verzerrte Bass und die stampfenden Drums stellen nach einiger Zeit das Hirn auf Null. Der hypnotisierende Effekt kann aber ganz schnell wieder vorbei sein; nämlich dann, wenn wegen einer unnötigen Tonspur eine Cassette ins Fach gelegt werden muss.

Dranbleiben liebe Leser! Da sind zwei Bands, die sie weit raus lehnen und im musikalischen terra incognita mäandern.
Und ich geh jetzt „God Luck And Good Speed“ hören.

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    Dipl. Ing. (FH); beim City-Flyer seit März 2002, schreibt Buchrezensionen und Ankündigungen und fotografiert gelegentlich bei diversen Events. Ebenso ist sie Radiomoderatorin (BlackXplosion), Bücherwurm, Vinyl-Lover und Gartenfee.
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