Least Wanted grungen aus dem Hinterland

David Kühleitner, Christian Keller und Philipp Grasberger sind Least Wanted Foto: privat, z.V.g.

Mit ihrer ersten, im Jänner erschienenen EP ziehen die Post-Grunger Least Wanted los, um den Städtern das Rocken zu lehren. Das Trio aus Schrambach hat sich dem rohen Sound der Grunge-Ära verschrieben. Nach der Show im Warehouse im Oktober 2019 findet Mitte März die zweite Lektion im Frei.raum statt.

Interview: Werner Harauer
Foto: privat

City-Flyer: Ihr seid ein Trio. Seht ihr irgendwelche Einschränkungen, weil ihr nur zu dritt auf der Bühne steht? Seht ihr auch Vorteile im Umstand, „nur“ ein Trio zu sein?

Philipp: Vor allem bei Auftritten wäre eine zweite Gitarre vielleicht manchmal hilfreich, um näher an den Sound unserer Aufnahmen heranzukommen, prinzipiell sind wir aber ganz zufrieden mit der Dreierkonstellation.

Christian: Wenn man eine perfekte Darbietung wünscht, sollte man sich die Songs zu Hause in den eigenen vier Wänden anhören. Live gibt’s dafür die authentisch-rotzige Experience die ein Konzert unserer Meinung nach auch vermitteln soll.

David: Ich sehe eher Vorteile als Nachteile. Wären wir mehr, wäre es sicher schwieriger, Proben und dergleichen zu organisieren.

CF: Kennt ihr aus der Rockgeschichte ein Trio, das als Vorbild für euch in Frage käme?

Christian: DER Bandname, der mit nur 3 Musikern zu assoziieren ist und jeden von uns unterschiedlich geprägt hat, ist ohne Zweifel Nirvana. Dieser Name und das Erbe dieser Gruppe steht für so vieles, dass es definitiv den Rahmen sprengen würde jeden Aspekt zu erläutern, warum sie auch knapp 30 Jahre nach ihren Ableben, uns und den Rest der Welt als Vorbilder dienen. Knapp zusammengefasst sind sie ohne Zweifel der Grund für jeden Teenie sich mit ein paar Schulfreunden in die Garage zu verziehen und ihre Diskontinstrumente herzuprügeln.

David: Vorbilder gibt’s sicher einige. Ob Trio oder nicht spielt da für mich keine große Rolle.

Philipp: Green Day begleiten mich seit meiner Kindheit und haben meinen Musikgeschmack von Anfang an geprägt.

CF: Ihr habt im Jahr 2018 am Melting Pot teilgenommen. Welche Erfahrungen habt ihr mitgenommen?

Philipp: Damals hat uns ein guter Freund für den Melting Pot angemeldet, wir selbst wären gar nicht auf die Idee gekommen, da wir zu diesem Zeitpunkt nur ein, zwei Lieder veröffentlicht hatten. Umso erstaunter waren wir dann, als wir erfuhren, dass Least Wanted trotzdem genügend Votes erhalten haben, um beim Melting Pot dabei zu sein.

Christian: Das freut einen als Band natürlich unheimlich, da man eine gewissen Sympathie und Motivation durch die Fangemeinde vermittelt bekommt. Als wir nach Ende des Events unser Zeug in den Bus luden, kam ein Bekannter auf uns zu, um uns zu unserer Show zu gratulieren. Zugleich berichtete er von einem größeren Publikum als beim Hauptact des Events. Was kann man sich als 3-köpfiger Jungspundtrupp mehr wünschen?

CF: Bringen solche Contests etwas für junge Bands wie euch? Sollten sie öfter stattfinden?

Christian: Definitiv! So viele junge Leute können sich für das Musizieren begeistern. Dabei spielt es ganz und gar keine Rolle, welches Genre man vertritt. In unserem Land wird der Underground-Musikszene viel zu wenig Gehör geschenkt. Solche Contests haben den wesentlichen Vorteil, dass sie einem die Möglichkeit geben sich in der Öffentlichkeit zu zeigen und erste Erfahrungen im Live-Bereich zu sammeln. Wer weiß, vielleicht schlummern im Land der Berge und Ströme die nächsten Rolling Stones?

Philipp: Da bin ich deiner Meinung. Jedes Event, das jungen Bands ermöglicht, ihre Musik an eine breitere Masse zu bringen, sollte auf jeden Fall gefördert werden.

CF: Euer Bandname Least Wanted zeugt nicht gerade von strotzendem Selbstbewusstsein. Was wollt ihr mit dem Namen ausdrücken?

David: Den Namen hat ein Freund von uns vorgeschlagen. Nach einigen Umbenennungen haben wir uns dann für Least Wanted entschieden.

Philipp: Wir hatten bereits mehrere Namen, mit denen wir aber nie wirklich zufrieden waren. Least Wanted war dann der erste Vorschlag, mit dem wir uns nicht nur jeweils alle selbst identifizieren konnten, sondern der auch eine gewisse Assoziation zu unseren Liedern hatte. Als Künstler ist man nie wirklich zufrieden mit dem, was man erschaffen hat und strebt ständig nach Neuem, nach Besserem.

Christian: Alle guten Namen waren schon weg. Wenn’s nach mir gegangen wäre, würden wir jetzt „Green Hot Chili Peppers“ oder „Guns N‘ Moses“ heißen, aber da hätte womöglich die ein oder andere Gruppierung aus Übersee was dagegen gehabt.

CF: In eurer Bandbeschreibung findet sich der Zustand „Innerlich tot“. Wie interpretiert ihr diesen Zustand? Mit „gefühllos“? „resigniert“? „vollkommen übersättigt“? So in etwa wie sich Kurt Cobain gefühlt haben muss?

Philipp: Über Kurt Cobain gibt so viele Verschwörungstheorien und unterschiedliche Ansichten zu seinem Leben, da kann man stundenlang im Internet recherchieren und ist dann trotzdem nicht g’scheiter als vorher. Aber gefühllos war er sicher nicht, ganz im Gegenteil, seine Heroinabhängigkeit hat da wahrscheinlich eher dazu beigetragen, dass er sich irgendwann nicht mehr gespürt hat. „Dead Inside“ ist eher ein älteres Lied von Least Wanted und entstand, wie die meisten anderen Songs auch, aus einer Laune heraus. Es schreibt sich halt leichter von der Seele, wenn man mal einen beschissenen Tag hat. Deshalb auch diese eher melancholische Grundstimmung unserer Texte.

CF: Wo liegt Schambach? Kommt ihr wirklich alle drei von dort? Wie groß ist der Ort?

Christian: Schrambach ist circa eine halbe Stunde Autofahrt von St. Pölten entfernt und gehört zum Bezirk Lilienfeld. Außer ein paar Einfamilienhäuser und dem ein oder anderen Firmenareal gibt es in der 400 Seelengemeinde nicht wirklich viel. Abgesehen von unserem Proberaum! Ein umgebautes 60m² großes Containerareal, wo der beißende Geruch von kalten Zigarettenrauch, angeschimmelten Bierflaschen und eindringenden Regenwasser Hand in Hand mit Temperaturschwankungen von -20 bis +50 Grad gehen.

David: Mittlerweile haben sich unsere Wohnsitze geändert aber ursprünglich komme ich aus Lilienfeld, Philipp aus der Ramsau und Christian aus Türnitz.

CF: Habt ihr noch aus Erzählungen gehört, dass in Schrambach mit der Veranstaltungsreihe „Beats, Bands’n’Barbecue“ legendäre Parties stattfanden, zu der auch viele St. Pöltner fuhren?

Christian: Bei dem Namen „Beats, Bands’n’Barbecue“ klingelt bei mir nichts, aber unser breit gefächerter Bekanntenkreis aus dem Bezirk hat uns schon die ein oder andere Geschichte aus früheren Zeiten bei einem Bierbesuch zum Besten gegeben. Dabei ging es oft um Veranstaltungen, bei denen sich die Musikelite aus Niederösterreich im Bezirk Lilienfeld versammelt hat und die PA-Anlagen zum Glühen gebracht hat. Das war allerdings schon Jahrzehnte vor unserer Zeit, denn der Kollege der uns diese Geschichte erzählt hat, ist mittlerweile ein prähistorisches Rocker-Urgestein, der sich immer noch an die alten Zeiten, als sein Haupt mit einer Rockermähne bedeckt war, klammert.

David: Sagt mir auch nichts, das war wohl vor meiner Zeit.

CF: Was gibt’s für Auftrittsmöglichkeiten in der Gegend? Habt ihr die schon alle ausgeschöpft?

David: Einmal haben wir mit einer etwas abgeänderten Konstellation in der Engelbar in Lilienfeld ein paar Cover gespielt. Im Bezirk aber sonst noch nirgends.

Philipp: Außer in unserem Proberaum, da gibt’s immer wieder kleine Konzerte für Freunde. Alle anderen, die uns gerne mal besuchen wollen, sind jederzeit willkommen.

Christian: Die hunderten Stunden, die wir dort schon in zahlreicher Gesellschaft runtergerockt haben, haben jeden Anwesenden neben sausenden Ohren eine unglaublich geile und familiäre Zeit beschert. Es gibt lauwarmes Dosenbier, abgestandenen Wein in schmutzigen Gläsern und einen gratis Duft der die Sinfonien aus Selchkammer, Bahnhofs-WC und Festivalzelten perfekt vereint. Das Gute daran ist, dass dieser sich mindestens eine Woche in der Kleidung hält. Ansonsten sind die Möglichkeiten in unseren ländlichen Heimgemeinden aber eher bescheiden.

CF: Hattet ihr schon in Wien einen Auftritt?

Philipp: Wir haben 2017 bei einem Bandcontest in der Strandbar Herrmann teilgenommen, damals noch nicht mit dem Namen Least Wanted. Vielleicht ergibt sich in naher Zukunft die ein oder andere Auftrittsmöglichkeit.

Christian: Vertreter der Stadthalle oder des Happel Stadiums haben sich aber noch nicht bei uns gemeldet.

CF: Ihr habt am 13 März einen Auftritt im Frei.raum mit PÄM und The Jesters, die aus der Amstettner Gegend stammen. Kennt ihr die Musiker persönlich? Seid ihr schon mal gemeinsam aufgetreten?

Philipp: Persönlich kennen wir die beiden Gruppierungen nicht, aber zur Gänze unbekannt sind sie uns auch nicht. PÄM sind meines Wissens bei Pogo‘s Empire unter Vertrag, dem Label von Turbobier-Sänger Marco Pogo. Und überall wo der seine Finger im Spiel hat, schaut normalerweise was Gutes raus. Wir sind gespannt!

Christian: The Jesters haben wir schon auf der ein oder anderen Online-Veranstaltung als Artist erblickt. Zu einem persönlichen Austausch ist es aber auch hier noch nicht gekommen, aber grundsätzlich bietet jede Formation, die einen Typen mit Dreadlocks und Lennon-Brille am Start hat, Potential für eine sympathische Bekanntschaft.

CF: Habt ihr bereits einen Gig im Frei.raum gehabt?

Christian: Nein, der Auftritt am 13. März ist unser erster im Frei.raum. Die Location haben wir allerdings schon des Öfteren im Rahmen unterschiedlichster Musikdarbietungen besucht. Die Konzerträumlichkeiten im Ganzen haben uns schon immer zugesagt, weshalb wir uns umso mehr freuen, auch mal selbst auf dieser Bühne stehen zu dürfen.

CF: Ihr seid im Oktober im Warehouse aufgetreten. Welchen Eindruck habt ihr beim Publikum hinterlassen? Welchen Eindruck hat das Publikum bei euch hinterlassen?

Christian: Was uns definitiv mehr als glücklich gestimmt hat, ist dass es abgesehen von den vielen neuen Gesichtern welche wir an jenem Abend erblicken durften, jeder in unserem breit gefächerten Bekanntenkreis immer wieder aufs Neue zu unseren Konzerten schafft. Egal wie lange die Anreise aus den verborgensten Winkeln des Landes auch dauert. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich eines der mir bekannten und loyalen Gesichter vermisst hätte, die uns seit Tag 1 von der Menge aus zujubeln. Sowas spornt einen vor, während und nach einem Auftritt natürlich unglaublich an. Generell betrachten wir einen Auftritt immer wie eine kleine Feierlichkeit, bei der wir uns über jedes Gesicht, egal ob jung oder alt freuen. Die Leute, die uns hochleben lassen verdienen am meisten Wertschätzung, denn sie sind das Fundament unserer musikalischen Präsenz. Als Zeichen des Dankes feiern wir deshalb nach jeder Bühnenshow von Least Wanted bis in die Morgenstunden, sodass das familiäre Erlebnis perfekt ist. Ich schätze, dass das Publikum nach dem Ende der Veranstaltung, genauso wie wir, mit einem breiten Grinser auf den Lippen durch die Türen des Warehouses marschiert ist. Trotz des ein oder anderen kleinen Patzers, ist der Revue passierende Applaus auf den Mitschnitten, ein gutes Zeichen welches unseren Verdacht hoffentlich bestätigt. Die Tatsache, dass alle Fan-Shirts binnen kürzester Zeit ausverkauft waren, geben einem natürlich einen zusätzlichen metaphorischen Schulterklopfer. Was uns allerdings als Lehre im Hinterkopf hängen geblieben ist: man sollte es mit dem Alkohol vor Stagetime nicht allzu sehr übertreiben. Das bietet einfach zu viel Potential für die exotischten Dinge, die einem sonst wahrscheinlich nie passieren würden.

David: Ich glaube, wir haben das trotz sicher nicht perfektem Auftritt ganz gut gemacht. Schau ma mal ob im Frei.raum jemand ein zweites Mal zu uns kommt. Haha …

Philipp: Das mit der Alkoholbalance müss ma auf jeden Fall noch üben.

CF: Habt ihr seither neues Material geschaffen? Dürfen sich die Zuhörer auf neue Songs freuen?

Philipp: Wir haben erst vor kurzem unsere erste EP fertiggestellt und veröffentlicht. Da wir alles komplett selber aufgenommen haben, blieb wenig Zeit neue Ideen in fertige Songs umzuwandeln.

Christian: Nachdem unser Debüt-Tonträger bei der Fangemeinde so gut eingeschlagen hat, dass sich sogar Hörer aus den USA bei uns gemeldet haben, kann man sich als Fan definitiv auf neues Material freuen. Zum Glück ist das Feuer der Kreativität bei allen Mitgliedern von Least Wanted stark am Lodern. Für unseren kommenden Auftritt gibt’s natürlich den ein oder anderen neuen Song, welche erst kürzlich fertiggestellt worden und demnach noch in Kinderschuhen stecken.

CF: Ihr bezieht euch musikalisch auf den Grunge der 90er Jahre. Was fasziniert euch am Rock jener Zeit? Oder steckt das Kalkül dahinter, auf eine Grunge-Revival-Welle zu spekulieren?

Philipp: Eigentlich bezeichnen wir unser Genre eher als Post-Grunge, weil Grunge ist ja dead. Und das bleibt es vermutlich auch. Wir sind zwar alle drei in den 90ern geboren, aber was da wirklich abgegangen ist, vor allem musiktechnisch, haben wir sicher erst im Nachhinein mitgekriegt. Und das was da vor allem fasziniert hat, war der rohe Sound, mit simplen Mitteln und minimalem Einsatz ein maximales Ergebnis erzielen. Das hat uns dann auch einiges für unser Band-Dasein mitgegeben. An ein Grunge-Revival denken wir nicht, aber es gibt viele großartige Rockbands, die sicher nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie eigentlich verdient hätten. Das hängt bestimmt auch mit der heutigen Zeit zusammen und damit, welche Musik gerade im Mainstream gehört wird. Die Musikbranche ist ein unaufhaltsames Rad, das sich immer wieder neu erfindet und unbekannte Wege erkundet, aber natürlich hoffen wir wieder auf mehr Whiskey in the Jar und auf weniger Palmen aus Plastik.

CF: Habt ihr euch sei eurer Gründung 2016 stilmäßig in eine neue Richtung bewegt?

Christian: Ich spreche aus Erfahrung wenn ich sage, dass jeder neue Songschmiedeprozess ein Stilbruch im Vergleich zum vorherigen Material ist. Wenn ich mir die alten Demotapes von Least Wanted anhöre, kristallisiert sich in Anbetracht zu unserem aktuellen Zeugs definitiv ein neuer Sound heraus. Man könnte fast sagen, dass wir langsam aber doch auftauen und unseren roten Faden finden. Was bei uns als Trio zeitgleich Fluch als auch Segen darstellt, ist die Begeisterung für die unterschiedlichsten Genres. Ich für meinen Teil lass mich gerne von Größen der 60er Jahre wie Pink Floyd und Creedence Clearwater Revival, welche mich seit den Kindheitstagen geprägt haben, in den prähistorischen Zeitgeist der Woodstock-Generation entführen. Im Kontrast dazu gehöre ich aber auch zu der extremen Sorte, welche sich bei einem Slayerkonzert durch die schneidenden Gitarrenriffs so mitreißen lässt, dass ich angesichts der Bühnengötter vor mir unter kontinuierlichem Headbangen gegen die Absperrung schlage, bis sich gut 70% meines Schneidezahnes verabschieden. Jene Breitfächerung sorgt dann im Schreibprozess oftmals für einen genreübergreifenden Instrumenteneinsatz. Dies führt dann in der Praxis oftmals dazu, dass eher funkige Gitarrenparts von einem Double-Bass-Drum-Gewitter angetrieben werden. Auch wenn meine Wenigkeit für solche experimentellen Tauchgänge immer zynische Blicke erntet, kann ich’s mir nie ganz verkneifen.

David: Da hat sich sicher einiges getan. Am Anfang war es mehr so ein Rumprobieren, was man wie und wo spielen kann. Mit der Zeit haben wir sicher einiges dazugelernt und sind, was Songwriting und Spieltechnik angeht, eventuell auch ein bisschen besser geworden. Stilmäßig in eine Richtung geht’s bei Least Wanted aber immer noch nicht.

CF: Habt ihr schon Pläne für das Jahr 2020 geschmiedet? Spielt ihr mit dem Gedanken Songs zu veröffentlichen?

Christian: Ein Projekt welches wir seit Anfang des Jahres verfolgen, ist der Dreh eines Musikvideos. Die Vorbereitungen hierfür wurden kürzlich abgeschlossen und momentan befinden wir uns Mitten im Drehprozess. Abgesehen von unseren Videoplänen wollen wir uns auch im Bereich der Live-Auftritte verstärken und jede Location bespielen, die uns mit offenen Armen empfängt. Hinsichtlich weiteren Veröffentlichungen darf sich die Fangemeinde auf alle Fälle auf neues Material freuen. Ideen sind seit Tag 1 unserer Bildung ausreichend vorhanden und summieren sich von Probe zu Probe.
 Wieviel und was genau wir dann veröffentlichen ist bandintern noch nicht ganz ausdiskutiert, weshalb wir uns in jenem Aspekt ein wenig bedeckt halten. Da sich Tag für Tag neue Wege, Schicksalsschläge und zwischenmenschliche Erfahrungen bei jeden von uns auftun, ist die Kreativmaschine noch lange nicht erschöpft. Immerhin ist die Musik das Beste Mittel zur Selbsttherapie und hilft sowohl die guten, als auch die schlechten Dinge, mit denen wir tagtäglich konfrontiert werden, zu verarbeiten.

CF: Gibt’s euch im Netz auch zu hören?

Philipp: Wie bereits gesagt haben wir vor kurzem unsere EP „Dead Inside“ auf Bandcamp veröffentlicht, die es mittlerweile bei Spotify, Apple Music, Amazon, Deezer und Google Play zu hören bzw. kaufen gibt. Sobald das vorhin erwähnte Musikvideo fertig ist, gibt’s uns dann auch auf Youtube zu sehen.

CF: Wollt ihr mir oder der Welt da draußen noch was mitgeben, was ich nicht abgefragt habe?

Christian: Als praktizierender Musiker gehe ich mit brennender Leidenschaft an die Sache ran, die mich Tag für Tag aufs Neue antreibt. Je öfter ich einen Hörer in die aktuellen Charts riskiere, desto mehr fühle ich mich von meiner akustischen Umwelt missverstanden und verstoßen. Die Geschmäcker sind verschieden, ganz klar! Das ist auch gut so, denn ohne Individualismus wäre unsere Umwelt nur schwarz-weiß und hätte uns einige der größten Musikkunstwerke der Menschheit vorenthalten. Mein innerster Wunsch ist es nach wie vor, dass der gegenwärtige Mainstream welcher mittlerweile schon über Jahre hinweg die jungfräulichen Geister der jüngeren Generationen mit akustischen Müll verpestet, eine etwas passivere Rolle einnimmt und die Bühne für diejenigen freiräumt, die mit ihren Werken eine Message an die Generation Y zu übermitteln haben. Wanda, nimmt da die derzeitiger Rolle des nationalen Musik-Messias ein und sind die größte musikalische Bereicherung seit einer gefühlten Ewigkeit. Musik ist eine der heftigsten Drogen überhaupt. Sie hat die einmalige Fähigkeit, dich binnen Sekunden in die weiten Sphären der Endorphine zu heben, oder dich mit metaphorischen Schlägen in die Knie zu zwingen. So oder so nimmt sie die Rolle eines therapeutischen Mentors ein und konfrontiert uns sowohl mit guten, als auch schlechten Dingen. Gerade im Zeitalter der selbstdiagnostizierten Depressionen ist die Eigentherapie mit Musik ein beliebtes Ritual um sich durch den Alltag zu quälen. Bands wie Nirvana oder die Beatles verdanken ihre bahnbrechenden Erfolgsgeschichten der Tatsache, dass sie über Gemütszustände singen, die jeder von uns einmal verspürt hat. Ganz egal ob es um unerfüllte Liebe geht oder um die Angst angesichts seiner Art verstoßen zu werden. Diese Formationen gaben den kleinen Schwachen eine starke Stimme und bildeten das Sprachrohr für Millionen von Mitbegeisterten. Aus diesem Grund wird es sie noch lange nach unserer Zeit geben und ihr Erbe mit der Nachwelt teilen. Was gibt uns die aktuelle Spitze der Charts auf unseren Weg mit? Im goldenen Mercedes durch die Stadt cruisen während der Anabolika-Arm aus den Fenster hängt und die einzige Sinnhaftigkeit des Daseins jene ist, dass man allen weiblichen Mitglieder unserer Gesellschaft inkl. deren Familienstammbaum bis in die dritte Generation von seiner Manneskraft überzeugt. Wer mich kennt weiß, dass ich das unter 4 Augen wahrscheinlich anders formuliert hätte. Nimmt man sich diese Einstellung als Vorbild, ist das Resultat daraus im besten Fall eine neue Staffel „Teenager werden Mütter“. Meine Devise ist immer, dass man selbst die Änderung sein soll, die man sich für die Welt in der man lebt wünscht. Ohne aufzustehen und Taten zu setzen, wird sich die Problematik, die man kritisiert, nicht zum Guten wenden. Meine Mission betrachte ich als erfüllt, wenn jemand auf mich zukommt und eine Sympathie gegenüber unseren Werken empfindet und womöglich Parallelen zu seinem persönlichen Leben mit den Texten in Verbindung bringt. Hier spricht nur ein kleiner Amateurmusiker der sich mit seinem zweitklassigen Rockerdasein – wenn überhaupt – den ältesten Corsa, den der Gebrauchtwagenmarkt zu bieten hat, leisten kann. Nichtsdestotrotz bin ich mir sicher, dass auch die Größten der Großen diese Gedankengänge als höchste Wertschätzung mit Blick auf ihre Lebenswerke  …. Mama und Papa ich hab euch lieb.

David: Keep it real and Jah bless

Philipp: Was die beiden sagen – wird scho passen.

CF: Ähhh, ja …. dann mal danke Christian, David und Philipp.

Freitag, 13. März 2020, 20 Uhr im Frei.raum
HomeFromHome #17 mit PÄM, The Jesters und Least Wanted
Eintritt unter 20 Jahren gratis!

Werner Harauer
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Über den Autor

Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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