Lena Schmaldienst: Kunst, Kultur und Feminismus

Lena Schmaldienst bei einem Auftritt im Löwinnenhof
Lena Schmaldienst bei einem Auftritt im Löwinnenhof. Foto © Gianna Rose Lengauer, z.V.g.

#STPvonaußen – Jedes Jahr kommen viele verschiedene Künstler*innen nach St. Pölten. Von Musik über Kunst bis Theater wird jede Menge geboten. Aber wie ist die Kulturszene für Personen, die dort geboren sind? Lena Schmaldienst spricht über ihre Jugend in St. Pölten, ihre Band, feministische Festivals und Diskriminierung in der Musikszene.

Die junge Frau begrüßt im typischen St. Pöltner Dialekt. Sie lächelt durch die Kamera ihres Laptops aus ihrer Wohnung in Wien, wo sie seit einigen Monaten lebt. Eigentlich ist sie in einem Dorf etwas außerhalb von St. Pölten geboren, hatte jedoch in der Stadt ihren Lebensmittelpunkt. Schulzeit, Freunde, Freizeit und später das Studium an der FH, all das fand für sie in St. Pölten statt. Und auch trotz ihres Umzugs arbeitet sie immer noch im Jugendzentrum Steppenwolf, arbeitet gelegentlich in Kooperation mit KulturhauptSTART an Veranstaltungen oder stellt ihre Kunst im Startraum aus. Sie hat St. Pölten also auf keinen Fall den Rücken gekehrt.

Seit sie denken kann, hat sie immer irgendwas mit Musik gemacht. Die erste Band hat sie mit 15 gegründet und war unter anderem Sängerin bei der Band EasterBunny Killzone oder auch für drei Jahre bei Green Coloured Sun. Aktuell ist sie als Solokünstlerin unter dem Namen Lucifers Mum bekannt. Mit ihrem Umzug nach Wien musste sie aus ihrer Band aussteigen, weshalb sie aktuell mehr als Solokünstlerin auftritt oder gelegentlich bei Wiener Bands mitspielt. Sie ist auch bereits bei einer Veranstaltung von KulturhauptSTART im Löwinnenhof aufgetreten.

Aber welche Möglichkeiten zum Proben und Auftreten gibt es für Newcomer-Bands wie ihre in St. Pölten? Sie erzählt von den Containern bei der Mülldeponie, wo es Gratis-Proberäume gibt. „Die sind schon super, jedoch auch begrenzt und meistens belegt.“ „Wenn man einen Raum braucht, in dem man laut sein und die Instrumente stehen lassen kann, ist das eher schwer.“ Was jedoch für Newcomer-Bands hilfreich ist, ist das BORG in St. Pölten. „Da konnten wir uns als Schulband anmelden und dort proben, da hatten wir tatsächlich Glück.“ Jetzt, wo sie keine Schülerin mehr ist, ist das für sie aber nicht mehr möglich. Darum würde sie sich wünschen, dass es in St. Pölten mehr Räume gäbe, die zum Proben zur Verfügung gestellt werden. Einer ihrer Lieblingsorte in St. Pölten ist aber der Sonnenpark mit dem Verein Lames (jetzt Solektiv). „Dort ist ein Raum für Kunst, Kultur und Musik, den ich so in Wien noch nicht gefunden habe, also wirklich toll.“ Auf dem Gelände ist Platz für Aufführungen, Proben und vieles mehr.

Neben ihrem Beruf und der Musik hat Lena auch bei der Organisation der fem*session mitgewirkt, die im Oktober 2023 im Startraum im Löwinnenhof stattfand. Eine queerfreundliche und feministische Veranstaltung, bei der Frauen und FLINTA-Personen eine Bühne geboten wurde. FLINTA bedeutet „Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nichtbinäre, trans und agender Personen.“ Die Veranstaltung wurde ins Leben gerufen, da die Musikszene immer noch sehr männlich dominiert ist und es zudem bisher keine ähnliche Veranstaltung gab. Darum wollten Lena Schmaldienst und Klaus-Michael Urban dieses Format ausprobieren und schauen, wie es bei den Menschen ankommt. An diesem Abend waren aber natürlich Personen jeglichen Geschlechts willkommen.

Lena wurde von älteren männlichen Rockern gefragt, ob diese da auch kommen dürften. Ihre Antwort: ein klares Ja. „Es sollen an dem Abend eben nur bewusst Frauen und FLINTA-Personen auf der Bühne stehen, aber damit nimmt man ja keinem Mann den Platz weg.“ Wer nicht interessiert war, an der fem*session, hatte genug andere Möglichkeiten, die man an dem Abend besuchen konnte. Die fem*session ist einfach eine zusätzliche Veranstaltung, bei der ein Ort geschaffen wird, an dem Frauen und FLINTA-Personen einen leichteren Zugang haben. Und die Rückmeldungen der Besucher*innen waren positiv, weshalb versucht wird, die Veranstaltungsreihe fortzusetzen.

Hat sie im Laufe ihrer Musikkarriere auch schon Erfahrung mit Diskriminierung gemacht? „Also ich hatte nicht direkt das Gefühl, dass mir jemand was verweigert. Sondern nur manchmal, dass mich manche nicht 100% ernst nehmen oder dass ich auch als Frau Ahnung von Musik haben kann.“ Das Thema ist ein strukturelles Problem und es ist immer noch ein Fakt, dass Frauen und FLINTA-Personen in der Musikszene weniger vertreten sind. „Ich glaube, viele Frauen schreckt das auch im Vorhinein schon ab und es fangen weniger mit der Musik an, einfach weil die Szene sehr männerdominiert ist.“ Und auch in St. Pölten sei man noch weit entfernt von einem Fifty-Fifty-Verhältnis zwischen Männern und Frauen. „Man kann nicht behaupten, dass kein Wert darauf gelegt wird, allerdings ist diese Problematik nicht jedem bewusst und man könnte definitiv noch mehr machen“, glaubt sie. Lena schwärmt von vielen Künstlerinnen oder weiblichen Bands in Wien. Vielleicht könnte man diese Musikerinnen ins Boot holen und dadurch mehr Frauen und FLINTA-Personen auf die Bühnen von St. Pölten bringen.

Gleichberechtigung und Feminismus sind sehr komplexe Themen. Es ist nicht so einfach, von heute auf morgen eine Welt zu schaffen, in der niemand Benachteiligung erfährt. Umso wichtiger ist es, darauf aufmerksam zu machen und sich mit kleineren und größeren Aktionen dafür einzusetzen. Die fem*session ist dafür ein wichtiger Schritt. Schließlich ist Musik von Vielfalt geprägt und dafür da, dass alle daran teilhaben können.

Text: Luisa Stech für #STPvonaußen
Foto: Gianna Rose Lengauer

Werner Harauer
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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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