Lieder und Geschichten von MundartkünstlerInnen

PÄM wird als eine der vier Mundart-KünsterInnen am 7. Oktober im Freiraum auftreten. Foto: Carina Antl, z.V.g.
PÄM wird als eine der vier Mundart-KünsterInnen am 7. Oktober im Freiraum auftreten. Foto: Carina Antl, z.V.g.

Die vier niederösterreichischen Mundart-Acts Gina Holzmann, Gravögl, Päm und Martin Rotheneder bringen am 7. Oktober ihre Songs auf die Freiraum-Bühne. Wortkünstler Mario Kern stellt in Live-Interviews zwischen den Songs die richtigen Fragen. Fragen stellt auch der City-Flyer: an Martin Rotheneder in seiner Rolle als Künstler und Organisator des Abends .

Interview: Werner Harauer
Foto: Carina Antl, z.V.g.

City-Flyer: Wie bist du auf das Konzert-Format gekommen, die KünstlerInnen nach jedem gespielten Song Fragen über ihren Song beantworten zu lassen?

Martin Rotheneder: Ich wurde vor vielen Jahren eingeladen, auf der Uni Wien im Rahmen einer Vorlesung meinen Song „Pirate Ships“ bzw. vor allem den Songtext vorzustellen. Erst hörten die Studierenden den Song ganz unbefangen, dann hat der Dozent den Text analsyiert und dann spielte ich ihn nochmal. Alle waren sich einig, dass sie viel tiefer eintauchen konnten, nachdem sie wussten, worum es dabei geht.

CF: Gibt es Vorbilder zu dem Format?

Rotheneder: Abgesehen von meiner eigenen Erfahrung damals auf der Uni hab ich so ein Format noch nirgends gesehen, nein.

CF: Nimmt das nicht etwas von der Konzertstimmung?

Rotheneder: In eine Rockshow würd’s glaub ich nicht passen, aber in diesem Rahmen glaube ich, dass es gut in den Bogen passen kann. Aber wirklich wissen werden wir’s erst nach dem 7. Oktober 🙂

CF: In der Konzept-Malerei gibt es sowas auch. Da ist der Begleittext zum Bild größer als das Bild selbst. Besteht nicht die Gefahr, dass der Singer/Songwriter zu viel vom Inhalt verrät, sodass die Hörer nicht selbst interpretieren können?

Rotheneder: Das ist jeder/m selbst überlassen, welchen Text er/sie in welchem Umfang preis geben möchte. Ich hab z.B. einen Song ausgewählt, dessen Kernbotschaft ich gern mit den Leuten im Publikum teilen möchte, drum passt das da gut, wenn alle noch genauer wissen, worum’s geht.

CF: Nach welchen Kriterien wurden die KünstlerInnen ausgewählt?

Rotheneder: Ich krieg ja laufend Anfragen von Artists und beobachte die Szene auch ganz aufmerksam. Vieles find ich super und würd’s gern mal wo unterbringen, aber nicht immer ist der richtige Zeitpunkt dafür. Und dann kommt irgendwann die zündende Idee und ich find ein passendes Format. Ganz konkret gesprochen fand ich die Solo-Sachen von Gina Holzmann (sie war davor ein paar als Sängerin von Rammelhof bei uns) sehr super, das hat sich verwandt zu meiner Musik angefühlt. Päm war schon vor Jahren mit ihrer Band da und hätte Ende März 2020 erstmals mit ihrem Soloprogramm auftreten sollen – das war das erste Konzert, das wir COVID-bedingt absagen mussten. Das fand ich ewig schade, drum war das jetzt endlich eine Gelegenheit sie zu uns zu holen. Und die Gravögl sind natürlich immer ein Hit, da bin ich persönlich großer Fan.

CF: Die vier Acts singen alle in Mundart. Finde ich insofern interessant, weil die österreichischen Indie-Bands vor 20 Jahren alle „hamburgerisch“ singen wollten. Mundart liegt voll im Trend. Zeit dem Trend den Rücken zu kehren?

Rotheneder: Du meinst wieder Englisch singen? Haha, nein, da seh ich grad keinen Weg zurück für mich. Ich hab nicht begonnen Mundart zu singen, weil’s ein Trend ist. Und ich glaub es wurde auch nicht von heute auf morgen ein Trend. Wenn die Massenmedien sich mal auf sowas draufsetzen bedeutet das ja meist, dass der Druck so groß wird, dass sie nicht mehr auskönnen, so spür ich das auch hier. Ich sing Mundart, weil’s natürlich so gekommen ist, weil’s mir leichter fällt mich so auszudrücken. Meine Vorbilder sind aber nicht etwa jene, die grad damit angefangen haben, sondern eher so Leute wie ChiLL-iLL, die Franz Fuexe usw. die das schon länger machen.

CF: Wenn das Format funktioniert, kann es nur für Singer/Songwriter-Konzerte funktionieren? Oder denkst du das auch bei Metal-Konzerten an?

Rotheneder: Ich glaub bei Metal geht das nicht, nein. Maximal vielleicht noch Jazz, aber das ist dann wiederum jemand anderes Baustelle, da fühl ich mich nicht firm genug.

CF: Du wirst selbst auf der Bühne stehen und erhältst Unterstützung von Malvin, Liv & Nixisfix, vom Gitarristen Roman James von der Band Safaro sowie von deinem früheren Holly For Kings-Kollegen Erich Kirchner am Schlagzeug und von Wolfgang Köck am Bass. Bedeutet das, wir bekommen an diesem Abend Neufassungen deiner Songs zu hören?

Rotheneder: Ich mische das ein bisschen, spiel ein paar Songs nur Solo, die man im Bandsound kennt und auch umgekehrt gibt’s das. Die Songs in Bandbesetzung werden dann relativ nah am Studio-Sound sein, zumindest von der Energie her. Für mich ist der Abend ja ein vorsichtiges Herantasten an die Live-Umsetzung der Songs, an denen ich arbeite und die ich im letzten Jahr veröffentlicht hab. Drum nehm ich mir auch die Freiheit, das eine oder andere auszuprobieren. Ältere, englischsprachige Songs haben diesmal ausnahmsweise keinen Platz in der Setlist, die kommen dann wieder zu ehren, wenn ich ein abendfüllendes Konzert spiele.

CF: Ich bedanke mich für das Interview.

„Lieder und Geschichten“
Freitag, 7. Oktober 19:00 Uhr
frei:raum St. Pölten
mit Gina Holzmann, Gravögl, Päm, Martin Rotheneder & Guests.
Mario Kern führt Interviews mit den KünstlerInnen zwischen den Songs.
www.facebook.com/freiraumstp

Werner Harauer
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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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