Lucifers Mum: Songs aus der Twilight Zone

Lena Schmaldienst aka Lucifers Mum: meine Songs spiegeln meine Gefühlswelt wider Foto: Manuela Permoser, z.V.g.
Lena Schmaldienst aka Lucifers Mum: meine Songs spiegeln meine Gefühlswelt wider Foto: Manuela Permoser, z.V.g.

Als ehemalige Sängerin von EasterBunny Killzone und als Solokünstlerin Wendy and the Clean Up Crew spielte sie mit den Erwartungshaltungen der Zuschauer. Nun hat Lena Schmaldienst ihre Berufung gefunden: Sie ist Lucifers Mum.

Interview: Werner Harauer
Foto: Manuela Permoser

City-Flyer: Du bist schon einige Zeit solo unterwegs. Zuerst als Wendy and the Clean Up Crew, jetzt als Lucifers Mom. Was macht den Reiz aus, alleine zu arbeiten?

Lena Schmaldienst: Also ganz pragmatisch gesagt, ist es einfach einfacher. Man ist nicht davon abhängig, wann andere Zeit haben oder wo man sich trifft. So kann ich auch einfach in meiner Wohnung um 3 Uhr in der Früh ‘proben’. Es ist auch so, dass ich meine eigenen Songs und Texte auf meine eigene Art ganz alleine weiterverarbeiten kann. Die Möglichkeiten sind aber eingeschränker, als mit anderen Menschen zu musizieren, das ist halt ein Nachteil.

CF: Arbeitest du lieber allein?

Lena Schmaldienst: Schwer zu sagen. Es hat alles seine Vor- und Nachteile. Ich denke, dass ich teilweise etwas dickköpfig sein kann wenn es um meine eigenen Ideen geht und bin auch schnell frustriert, wenn etwas nicht funktioniert. Alleine kann ich das sozusagen mit mir selbst ausmachen. Ich finde es auch irgendwie angenehm, etwas ganz allein erschaffen zu haben. Das Projekt Lucifers Mum kann ich mir momentan nicht vorstellen, mit anderen zu machen, auch weil alles auf Loopen ausgerichtet ist. Aber insgesamt arbeite ich schon sehr gerne mit anderen Menschen zusammen. Es ist schön, Musik zu teilen und gemeinsam zu erleben und zu erschaffen. Man hat auch musikalisch gesehen viel mehr Möglichkeiten, und ich find es toll, wenn viele verschiedene Instrumente und Sounds zusammenkommen.

CF: Ist es schwer, MusikerInnen zu finden, die dein Art der Musik schätzen?

Lena Schmaldienst: Hm, ich weiß es ehrlich gesagt nicht so richtig. Eigentlich nicht wirklich. Ich krieg oft positives Feedback und jamme auch gern mit anderen Musikern. Aber dann ist es halt irgendwie nicht mehr zu 100% ‘meine Art der Musik’ sondern ‘unsere’, das, was wir gemeinsam daraus machen … Also die Lucifers Mum Sachen habe ich noch nicht wirklich mit jemandem gemeinsam gespielt. Probiert schon, aber es ist schwierig, weil die Musik eben voll auf’s Loopen ausgelegt ist.

CF: Hast du für unsere LeserInnen Bandempfehlungen aus dem Großraum St. Pölten?

Lena Schmaldienst: Puh, ich hoff ich vergess jetzt niemanden haha, Also auf jeden Fall Salamirecorder und Mila Wang, auch Seesea Jacobs … generell alle Leute, die am Sabulturo 1920 Sampler zu hören sind, da find ich echt alle mega, sind zwar nicht alle aus dem Großraum St. Pölten, aber Österreich auf jeden Fall. Und natürlich Green Coloured Sun.

CF: Welche Musik hörst du eigentlich selbst?

Lena Schmaldienst: Viele verschiedene Sachen eigentlich! Ich hör sehr gerne so alte Shoegaze Sachen, Rock und Punk aus den 80ern, New Wave und viel in die Richtung Psychedelic Rock! Aber auch viel Indie Zeugs. Ein paar Bands wären zum Beispiel Beirut, All Them Witches, Tame Impala, The Smiths, XTC, Arcade Fire, Cream, The Front Bottoms, …

CF: Du bist auch im Lineup von Green Coloured Sun angeführt. Bist du da fixes Mitglied? Seit wann?

Lena: Wir proben seit ca. Herbst 2019 zusammen und sind auch schon gemeinsam aufgetreten. Momentan sind wir auch gerade dabei, neue Sachen zu schreiben! Ich finde es echt toll, gemeinsam Musik zu machen, da ich die Musik von Green Coloured Sun schon vorher gefeiert hab und jetzt auch Teil davon sein kann. Ich mag auch die Menschen, die hinter der Musik stehen sehr gerne. Also denke ich schon, dass wir noch länger gemeinsam Musik machen werden. Das ist zwar jetzt eine eher schwammige Antwort auf die Frage, aber ja: ich würde mal sagen, ich bin vorerst fix dabei.

CF: Hast du sonst noch Projekte? Bist du Mitglied einer weiteren Band?

Lena: Nein, das war’s. Zwei Projekte sind eh schon genug, das stresst mich eh manchmal. Aber ich jamme manchmal gern mit anderen Musiker-Friends und bin sehr offen, was dabei rauskommt. Ich wäre aber ur gern Mitglied einer rein Female-Fronted Band. Mal schauen ob in die Richtung was passiert.

CF: Im Jahr 2016 und 2017 warst du Sängerin bei EasterBunny Killzone. Ihr hattet einige Auftritte in Wien, OÖ und St. Pölten. Warum habt ihr euch getrennt? Musikalische oder atmosphärische Differenzen?

Lena: Ja genau! Also atmosphärisch hat alles gepasst, daran hat es nicht gelegen. Wir haben uns immer noch sehr lieb, haha. Aber es war gegen Ende etwas schwierig musikalisch zusammenzufinden, da wir alle 4 in verschiedene Richtungen gehen wollten. Außerdem ist unser Drummer weggezogen, dann war das mit dem Proben auch nicht mehr so einfach. Und ja, so ist es im Sand verlaufen und beendet worden. Aber es war schon lustig. Letztens haben wir eh über ein Revival gespaßt … mal schauen!

CF: Du hast also noch Kontakt zu den ehemaligen Bandkollegen?

Lena: Zu den meisten ja, nicht mehr so intensiv wie damals, aber schon noch. Also wir sind noch gut befreundet.

CF: Was hatte es mit den Ghosthouse Sessions am Sonnenpark-Fest auf sich?

Lena: Das war ein Akustik Folk-Punk Projekt mit dem Drummer von Easterbunny Killzone, das es jetzt leider nicht mehr gib. Er hat angefangen Banjo zu spielen und ich Ukulele und Akustik-Gitarre und wir hatten ein paar Auftritte in Wien. Dann ist noch eine Waschbrettspielerin und ein Gitarrist dazugekommen und wir hatten zu viert weitere Auftritte, hauptsächlich in Wien. Mir hat das Projekt eigentlich sehr gut gefallen, aber weil Simon eben weggezogen ist, haben wir es dann auch nicht mehr weitergemacht. Außerdem war er oft angepisst auf mich, weil ich zu den Proben immer zu spät gekommen bin …

CF: Mit dem Namen „Lucifer“ verbindet man in der christlichen Mythologie den Teufel. Und du bist also des Teufels Mutter. Sollen sich die Assoziationen auf dich als Person beziehen, oder auf deine Musik.

Lena: Gute Frage! Ein bisschen auf beides, denk ich. Ich war halt immer schon irgendwie fasziniert von diesem Konzept “Sünde” und allem, was damit dranhängt – persönlich und auch gesellschaftlich. Genau! Und deswegen auch der ‘Lucifer’. Und ich bin die liebende Mutter, haha. Irgendwie bezieht sich der Name ein bisschen auf beides, auf die Musik und auf mich, aber irgendwie auf nichts direkt.

CF: Ich denke bei dem Bandnamen eher an eine Hardrock Band aus den 70ern. Deine Musik ist weit entfernt von Hardrock. Wie würdest du deine Songs beschreiben?

Lena: Ja, Hard Rock ist es nicht, haha. Ein Freund hat mal gesagt, es ist “4-Chords-Experimental-Psychedelic-Indie-Noise” und ich finde, das trifft es eigentlich ganz gut. Manchmal sind es sogar mehr als 4 Chords, haha. Und eben alles gelooped. Es fängt oft mit wenig an und wird dann zu einem großen Sound-Chaos. Jemand hat mir auch mal das schöne Feedback gegeben, dass meine Musik sehr charismatisch und ein bisschen schräg ist, und dass man merkt, dass ich mache was ich spüre.

CF: Dein ehemaliger Bandkollege Simon Helmreich sagte in einem Interview, du seist für die emotionalen Lieder zuständig. Schreibst du hauptsächlich Songs mit einem emotionalen Kern?

Lena: Auf jeden Fall! Also für mich ist die Musik definitiv ein Weg, meine eigenen Gefühle auszudrücken und zu verarbeiten. Ich glaub, ich kann gar keine Lieder schreiben, die nicht irgendwie auf meinen Emotionen beruhen. Ich hab es mal irgendwann probiert so random irgendwas zu machen, aber entweder kommt dann nur ur der Blödsinn raus oder es wird eh unabsichtlich emional. Träume sind auch immer eine große Inspiration für mich! Bei manchen Songs bin ich oft auch ein bisschen nervös sie live zu spielen oder zu veröffentlichen, da die Texte sehr persönlich sind. Aber im Endeffekt finde ich es schön, Emotionen auf diese Weise auszufrücken, und ich hoffe auch immer, die Zuschauer mitzunehmen und mit ihnen die Gefühle für eine kurze Zeit zu teilen.

CF: Du bist auch sozial engagiert. Schlägt sich das auch in deinen Sons nieder?

Lena: Puh, weniger eigentlich. Also große soziale Messages hab ich nicht wirklich. Ich liebe es, Sozialarbeiterin, beziehungsweise noch Studentin zu sein und die Themen liegen mir total am Herzen, aber ich hab’s noch nicht geschafft, sie gut in Songs zu verpacken.

CF: Worum geht es in deinem Sampler-Beitrag „Ivy Brick Walls“ am Sabulturo Sampler 1020?

Lena: Puh, schwer zu sagen. Die Hauptinspiration war ein ganz intensiver luzider Traum, den ich gehabt hab. Das Gefühl, dass ich dann hatte, wollte ich gerne in einen Song verpacken … und es geht auch ein bisschen um Sachen oder Menschen aus meiner Vergangenheit, mit denen ich noch nicht ganz abgeschlossen habe. Um „sich-in-Konzepte-verlieben“ und um Mauern, die man sich so aufbaut.

CF: Warst du bei der Release-Party am 17. Juli im Chelsea live zu hören?

Lena: Nein, es hat leider keinen der Künstler*innen vom Sampler live zu hören gegeben, aber dafür ist der Sampler als Schallplatte gespielt worden! Vielleicht gibt es aber in der Zukunft noch ein Event, bei dem wir alle live unsere Songs vortragen. Kommt auch darauf an, wie sich die momentan Lage entwickelt.

CF: Wie hat es sich ergeben, dass du als eine der 13 Artists auf dem Sampler gelandet bist?

Lena: Mich hat Felix, also Salamirecorder, angeschrieben ob ich bei dem Projekt mitmachen möchte! Durch die St. Pöltner Musikszene kannten wir uns ein bisschen und haben uns auch schon live gehört und supported. Ich schätze, dadurch hat er auch an mich gedacht. Ich hab die Idee super gefunden und war gleich dabei. Ich finde es echt super leiwand, dass er dieses Projekt ins Leben gerufen hat!

CF: Hast du demnächst einen Auftritt? Planst du einen Release?

Lena: Mein nächstes Konzert ist ganz spontan am 25.07. in Wien, das wird eher eine Akustik-Session. Dabei sind noch Florine and the Machine und Stromabwärts. Und ich glaub im Oktober ist in St. Pölten was geplant, da hab ich aber leider noch keine genauen Infos dazu. Ich plane auf jeden Fall, in nächster Zeit eine EP rauszubringen. Sie wird den Titel ” Lucid Dreamin’ ” tragen. Ein genaues Datum hab ich noch nicht, aber es wird wahrscheinlich im Herbst/Winter 2020 passieren! Auf meinem Instagram @lucifersmum_music werd ich es dann ankündigen. Konzerte oder ähnliches kündige ich auch immer dort an!
Spotify-Link zu meinem Track vom Sabulturo 1920 Sampler: open.spotify.com/track/5IE9zxoIgX7rN5UX57kba3
Bandcamp-Link zu meinem ersten Release “Stranger”: lucifersmum.bandcamp.com/track/stranger

CF: Ich bedanke mich für das Interview.

Werner Harauer
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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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