Luna Antonia: Singen und sich finden

Die 20-jährige Wienerin verbrachte ihre Teenagerzeit in St. Pölten, entdeckte ihre Liebe zur Musik und unternahm auch hier ihre ersten musikalischen Schritte. Nun ist Luna Antonia nach Wien zurückgekehrt, um sich mit anderen kreativen Köpfen auszutauschen und ihre Fertigkeiten auf der Bühne einem breiten Publikum zu präsentieren.

„Haare nass, BH auch, Party ist vorbei … Pupillen groß, Augen rot, ich will noch nicht heim … “. Luna Antonia hat auf ihrem TikTok-Snippet mit wenigen Schlagwörtern ein Gefühl eingefangen, das vielen Leserinnen nicht fremd sein dürfte (Lesern natürlich auch – nur ohne BH halt). Dieser bisher unveröffentlichte Track ist Lunas allererster Song, welchen sie mit dem Songwriter Slomo zusammengeschrieben und mit Flouzy produziert hat. Was sich anhört wie die Geschichte eines Hangovers nach einem rauschenden Fest, entpuppt sich rasch als Song über das Betäuben von unangenehmen Gefüh­len, um Probleme und Ängste zu verdrängen.

Lunas sehr persönlich gehaltene Songs haben oft Selbstfindung und die Suche nach einem Anker im Leben zum Thema. „Ich habe lange Zeit damit gekämpft, mich ständig mit anderen vergleichen zu müssen und meine Person in Frage zu stellen. Ich habe zu viel Input von außen angenommen und mich klein halten lassen von der Meinung anderer“, beschreibt Luna ihren Kampf um Anerkennung während ihrer Teenagerzeit. Die zur Schau gestellte Coolness und Extravaganz ist inzwischen Markenzeichen der Sängerin und gewährt im­mer noch Schutz vor Neidern und Scheuklappenträgern. Ihr Styling sei aber auch eine weitere Möglichkeit, ihrer Kunst eine individuelle Note zu verleihen, so die Sängerin.

Ihren Anker im Leben hat Luna bereits gefunden, wie sie auf dem kürzlich erschienenen Song „Something To Believe In“ verrät. Der auf dem MUSIK-STP Sampler gedroppte Track hat die Ziellosigkeit ihrer Handlungen und das sich Fin­den in der Musik zum Thema. Der Veröffentlichung voraus­gegangen ist eine Korrespondenz mit den Machern von MUSIK-STP auf Insta­gram. „Ich war an einer Vorstellung in der Video­serie von MUSIK-STP interessiert und hab mich gemeldet. Dann kam die Kugel ins Rollen …“.

Beim Durchhören der drei bisher veröffentlichten Tracks „Only One“, „Red Flags“ und dem bereits genannten „Something To Believe In“ fällt die unterschiedliche Herangehensweise bei der Bearbeitung der Tracks auf. Das hat, wie Luna erklärt, mit dem jeweiligen Team zu tun, das mitwirkte und das ihr die Möglichkeit gab, dessen Kreativität mit ihrer eigenen zu ver­knüpfen. Ihr geht es nicht darum, einem marketinggerechten Image zu entsprechen, sondern möchte einfach als Luna wahr­genommen werden. „Jeder, der gerne meine klei­ne Welt verstehen und mich besser kennen lernen möchte, kann das anhand meiner Musik tun.“

Ein Liveaufritt bietet die ideale Gelegenheit, in die Welt der Künst­lerin einzutauchen. Am 17. Dezember hatte sie ihr Bühnen­debut beim ACSL Sports Event in der Wiener Stadthalle. Am 7. Jänner folgt ihr zweiter Auftritt im Goodman im 4. Wie­ner Gemeindebezirk.
www.instagram.com/lunaantoniaa

Interview: Werner Harauer
Foto: isabeau_arts, z.V.g.

City-Flyer: Wie alt bist du?

Luna Antonia: Ich bin 20 Jahre jung 😉

CF: Wann erschien dein erster Song und wie heißt er?

Luna Antonia: Am 10.12.2021 erschien mein erster Song namens „Only One“!

CF: Schreibst du deine Songs selber?

Luna Antonia: Meine bisher veröffentlichten Songs habe ich alle vollkommen alleine geschrieben. Bin aber derzeit dabei meinen Horizont zu erweitern und auch mit anderen Leuten gemeinsam zu schreiben.

CF: Die Songtexte sind sehr persönlich gehalten, Selbstfindung ist ein großes Thema. Aus „Only One“ stammt die Songzeile „I don’t wanna be like all the others“ und in „Unmensch“ singst du sinngemäß dasselbe, nur auf Deutsch. Warum ist der Drang zu einer unverwechselbaren Identität bei dir so ausgeprägt?

Luna: Ich habe lange Zeit gekämpft damit, mich ständig mit anderen zu vergleichen und meine Person in Frage zu stellen. Ich habe zu viel Input von außen angenommen und mich klein halten lassen von der Meinung anderer. Zudem muss man sagen, dass ich immer schon einfach anders war als viele und dachte dies wäre eine Schwäche was aber absolut nicht stimmt.
In “Unmensch” spreche ich mehr von dem Gefühl nicht auf diese Erde zu gehören – da ich anders denke und anders fühle als die breite Masse habe ich mich immer schon unverstanden und “außerirdisch” gefühlt. Als ich dann aber älter wurde habe ich gelernt, wie wunderschön diese Individualität sein kann und wollte diese noch mehr hervorheben, anstatt meine Welt, in der vieles einfach eigen ist, zu leugnen.

CF: Zygmunt Bauman schrieb in seinem berühmten Essay, dass sich in der „Flüchtigen Moderne“ jede/r eine unverwechselbare Identität aneignen muss um ernst genommen zu werden und er meint das nicht im positiven Sinn Wäre es nicht viel wiederständiger, darauf zu verzichten? Wäre eine Allerweltsperson zu sein demnach heute, eine außergewöhnliche Person zu sein?

Luna: Es geht mir keinesfalls um einen Widerstand oder um “unbedingt” anders sein zu wollen. Zudem bleibt es auch jedem überlassen, ob er mich ernst nimmt oder nicht. Das liegt nicht in meiner Macht. Mir geht es darum, mich nicht mehr zu verstecken und nicht mehr Angst davor zu haben auf Ablehnung zu stoßen, nur weil ich eventuell ein anderes Bewusstsein habe als andere. Ich möchte einfach als Luna wahrgenommen werden. Und jeder, der gerne meine kleine Welt verstehen und mich besser kennen lernen möchte, kann das anhand meiner Musik tun. Ich finde eher, dass jeder Mensch ein Individuum ist und dies viel mehr zelebriert werden sollte.

CF: Ist in dem Genre der Popmusik, in dem du agierst, eine gewisse Extravaganz Voraussetzung?

Luna: Ich denke das Extravaganz weniger eine Voraussetzung ist, sondern mehr eine Möglichkeit, seiner Kunst eine gewisse Farbe zu verleihen.

CF: Wir haben das Musikgenre, dem du dich zuordnest, noch nicht definiert: Wo findest du dich am ehesten wieder? Welche bekannten (oder unbekannten) MusikerInnen stehen deiner Musik nahe?

Luna: Das ist eine sehr gute Frage, da ich tatsächlich selbst noch kein Musikgenre gefunden habe, welches all meine Kreativität beschreiben würde. Ich möchte mich auch nicht zuordnen müssen und schon gar nicht in nur eine bestimme Richtung gehen. Das würde mich sehr limitieren.

CF: Bis auf die Refrains ist dein Singen mehr ein Sprechgesang. Ist das ein Stilmittel, oder respektierst du deine Grenzen und sagst dir: „Bin ja keine Operndiva!“?

Luna: Ich liebe den Sprechgesang und ich liebe es zu singen – somit verbinde ich diese sehr gerne. Ich schließe es aber auch nicht aus, Lieder zu veröffentlichen welche ausschließlich Gesang beinhalten. Da wären wir wieder in der Limitation der Kreativität – so blöd es vielleicht klingen mag, aber ich sag immer: wie’s kommt so kommt’s 😄

CF: Wer macht die Musik? Sie unterscheidet sich bei den drei gehörten Tracks „Only One“, „Red Flags“ und „Something To Believe In“ ganz wesentlich. Handelt es sich immer um denselben Komponisten?

Luna: Ich habe mit einigen Produzenten zusammen gearbeitet und liebe es, unterschiedlichste Herangehensweisen kennen zu lernen und die Kreativität anderer in meine einbauen zu dürfen.

CF: Bist du noch auf der Suche nach dem passenden musikalischen Stil für dich?

Luna: Suchen würde ich es nicht nennen. Genauso wie wir uns persönlich weiterentwickeln – entwickelt sich meine Musik mit mir mit. Ich würde sagen, ich bin mein eigener Stil 😉

CF: „Something To Believe In“ ist ein Track auf dem kürzlich erschienenen MUSIK-STP Sampler. Wie hat er den Weg dorthin gefunden? Bist du aktiv geworden und hast dich mit den Machern in Verbindung gesetzt?

Luna: Ich habe mich damals bei Musik.stp auf Instagram für eine Neuvorstellung gemeldet und so kam die Kugel ins Rollen.

CF: Worum geht es in „Something To Believe In“?

Luna: In STBI geht es um überwundene Ziellosigkeit und wie mir meine Musik wieder etwas gegeben hat, woran ich glauben konnte.

CF: Du hast auf TikTok ein Snippet eines Tracks von dir gepostet, der in etwa so beginnt: „Haare nass, BH auch, Party ist vorbei …“ Was hat es mit dem Track auf sich? Wirst du ihn veröffentlichen?

Luna: Dieser Track ist mein aller erster Song, welchen ich mit dem Songwriter SLOMO zusammen geschrieben habe und mit FLOUZY produziert habe. Er erinnert an die Musik von 2008 und bearbeitet das Thema Verdrängung und Betäubung von Problemen – wann dieser gedroppt wird steht noch nicht fest!

CF: Gibt es ein PR-Team um dich, dass dir beratend zur Seite steht? Das dir rät, erst bei soundso vielen TikTok-Zugriffen den Song zu droppen?

Luna: Nein, das mache ich alles alleine!

CF: Bist du nach Wien gezogen? Welche Vorteile bringt ein Wohnort in der Bundeshauptstadt für dein Musik-Biz? Oder hatte der Umzug private Gründe?

Luna: Ich bin ursprünglich in Wien geboren, in meiner Jugend hat sich dann aber mein Lebensmittelpunkt nach Sankt Pölten verlagert und somit zog ich von Wien nach STP. Wie das Leben so spielt, bin dann aber nach einer langen Zeit wieder in meine Heimatstadt gezogen. Natürlich ist es aber in Wien um ein eigens leichter meinen Träumen nachzugehen.

CF: Wird es auch eine Luna Antonia live auf der Bühne geben?

Luna: Die gibt es sogar schon. Am 17.12 hatte ich meinen ersten Live Auftritt in der Stadthalle bei ACSL Sports. Am 07.01.2023 folgt mein zweiter Live Auftritt.

CF: Vielen Dank für das Interview und toi, toi, toi für deinen Auftritt am 7. Jänner.

Werner Harauer
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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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