Magdalena Dorner: Die Suche nach Echtheit

Magdalena Dorner: Die Suche nach Echtheit

Magdalena Dorner malt, um sich selbst zu verstehen. Zwischen Farbe und Erinnerung entsteht Kunst, die ehrlich und lebensnah ist – ein Blick auf eine junge Künstlerin, die Authentizität über alles stellt.

Text: Julian Fliegel / Lehrredaktion City-Flyer
Foto: Magdalena Dorner, z.V.g.

Zwischen Gefühl und Erinnerung

Die junge Künstlerin sitzt in ihrem kleinen Atelier in ihrer Wohnung in St. Pölten. Um sie herum lehnen Leinwände und stehen Acrylfarbeneimer in einer Atmosphäre voller Kreativität und persönlicher Tiefe. Mit ihrer offenen Ausstrahlung, die Spuren von Leidenschaft und Verletzlichkeit gleichermaßen trägt, macht Magdalena deutlich: Ihre Kunst ist weit mehr als eine visuelle Ausdrucksform, sie ist ein Manifest ihrer Persönlichkeit.
Magdalena Dorner wurde 2001 geboren und wuchs in einer Welt auf, in der Gefühle und Erinnerungen den Alltag prägen.
„Ich bin ein sehr gefühlsvoller Mensch, der viel nachdenkt und vieles intensiv wahrnimmt“, sagt sie. Das Malen ist für sie eine natürliche Fortsetzung dieses inneren Dialogs.
Diese Sensibilität, sowie ihre ausgeprägte Erinnerungsstärke fließen in ihre Werke ein und lassen sie stets nah am Leben und an den Menschen bleiben.
In unserem Interview öffnet sie das Fenster zu ihrer Kindheit. Ein Ausflug mit ihrer Familie im Alter von elf Jahren ist ihr besonders lebendig in Erinnerung geblieben. Unter einem Baum sitzend, umgeben von Natur, fühlte sie sich frei. Eine kurze Atempause in einer Zeit, die von der Scheidung ihrer Eltern überschattet war. „Dieses Gefühl, selbst in schwierigen Zeiten etwas Schönes zu erschaffen, hat mich geprägt“, erzählt sie.
Magdalena beschreibt sich selbst in klaren, lebendigen Worten: „Ich strahle oft Positivität aus, lache viel. Manchmal tanze ich einfach durch den Raum. Aber ich brauche auch Zeiten, um mich zurückzuziehen, um meine Gedanken zu ordnen.“ Diese Balance zwischen Offenheit und Rückzug macht sie zu einer komplexen Persönlichkeit. Sie legt Wert auf Aufrichtigkeit und Respekt gegenüber anderen: „Ich versuche, meine Grenzen zu kennen, andere zu verstehen und immer aufrichtig zu handeln.“

Von der Reise ins Innere

Ihre kreative Reise der Selbsterkenntnis ist eng mit einer großen Sehnsucht verbunden: das Leben in all seinen Facetten zu erfassen und zu erleben. Erfolg definiert sie heute anders als noch vor einigen Jahren. Früher waren es Geld oder gesellschaftlicher Status, nun sind es die kleinen Momente im Alltag, sei es der Kaffee am Morgen oder einfach nur das Gefühl, lebendig zu sein. „Ich möchte ein erfülltes Leben führen, an das ich mich später gerne zurückerinnere – voller Ups und Downs, an denen man wächst“, sagt sie und blickt nach vorn.
Nicht nur persönliche Erfahrungen, auch Stimmungen und innere Motive fließen in ihre Bilder. In ihrer künstlerischen Arbeit lässt Magdalena die Grenzen zwischen Erinnerungen und Ästhetik bewusst verschwimmen. „In meinen Bildern möchte ich Gefühle sichtbar machen, manchmal zu Landschaften werden lassen, um den Gemütszustand zu verstärken“, erklärt sie. Ihre Werke sind Reflexionen einer ehrlichen inneren Welt – verletzlich, oft impulsiv, aber immer aus tiefster Überzeugung gestaltet.

Zwischen zwei Welten

Gleichzeitig ist Magdalena nicht ausschließlich in der Kunst tätig. Sie arbeitet seit mehreren Jahren in der Gastronomie, einem Beruf, der ihr viel abverlangt und zugleich Sicherheit gibt. „Das ist für mich der Ausgleich und die Struktur, die mich in schwierigen Zeiten trägt“, sagt sie. Trotz der körperlichen und mentalen Belastung bereichert der Arbeitsalltag ihr künstlerisches Schaffen: „Das Leben in der Gastronomie mit seinem Stress, den Begegnungen lässt mich geduldig und ausdauernd werden. Diese Fähigkeiten fließen in mein kreatives Arbeiten ein.“
Wenn Magdalena heute auf ihre Entwicklung blickt, erkennt sie: Die Kunst ist für sie keine bloße Leidenschaft, sondern ein wesentlicher Teil ihrer Identität.
„Sie ist mein Ort der Ehrlichkeit, an dem Gefühle, Gedanken und Träume ihren Ausdruck finden“, merkt sie nachdenklich an. Ihren Wunsch zu reisen verbindet sie mit der Hoffnung auf neue Impulse: „Da draußen warten noch so viele Momente und Bilder auf mich.“

Ein Blick in die Zukunft

Auf die Frage, wie sie nach ihrem Leben in Erinnerung bleiben möchte, wählt sie einen bemerkenswert nüchternen und zugleich tröstlichen Blick. „Ich möchte und kann nicht auf ewig in Erinnerung bleiben, denn irgendwann ist alles vorbei. Mir reichen die Menschen, mit denen ich mein Leben geteilt habe. Ich wünsche mir, dass sie sich an meine Geschichten und an mein Lachen erinnern.“ Vor allem aber hofft sie, dass die Leidenschaft und die Ehrlichkeit, die in ihrer Kunst liegen, in ihren Bildern weiterleben. Das Interview endet mit einer letzten Frage: Was würde sie einer zukünftigen Version ihrer selbst schriftlich in nur einem Satz auf einer Karte hinterlassen, wenn sie wüsste, dass sie morgen ohne Erinnerung aufwacht? Ihre Antwort ist schlicht, aber kraftvoll: „Aussehen zieht an, Charakter hält fest.“ In diesem Satz verdichtet sich, was ihr wichtig ist: das Innere eines Menschen, seine Werte und seine Echtheit – in ihrem Leben ebenso wie in ihrer Kunst.

Magdalena Dorner ist eine Künstlerin, die durch Ehrlichkeit und Mut beeindruckt. Sie zeigt, wie kreative Arbeit neben einem fordernden Job blühen kann. Ihre Kunst erzählt von der Suche nach Bedeutung – und lädt dazu ein, hinter die Farben zu blicken und den Menschen dahinter zu entdecken.

Werner Harauer
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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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