Malvin & N: Zwei Köpfe – eine Mission – eine EP

Mario Wallner und Nicolas Zelenka aka Malvin & N
Mario Wallner und Nicolas Zelenka aka Malvin & N. Foto: privat

Mario Wallner und Nicolas Zelenka, beide 22 Jahre alt, gingen vor drei Jahren eine Art Symbiose ein. Unter dem Pseudo­nym „Malvin & N“ schreiben und produzieren sie gemeinsam kleine Pop-Perlen, die dennoch den Charakter des jeweiligen Urhebers behalten. Auf der kommenden EP „Acoustic Love“ finden jeweils vier Songs der beiden Akteure Platz.

Interview: Werner Harauer
Foto: privat

City-Flyer: Wie alt seid ihr?

Mario: Wir sind beide 22.

CF: Wie lautet euer richtiger Name?

Nicolas: Starmix Malvin is sein voller Name.

Mario: Also ich sag immer Nic zu ihm.

Nicolas: Beantwortet das deine Frage?

CF: Das bedeutet, “Malvin” steht für Mario und “N” für Nicolas? Warum gibt sich Nicolas mit einem bescheidenen “N” zufrieden?

Nicolas: Also „N“ steht eigentlich in erster Linie nicht für Nicolas sondern für „natural harmonia“. Der Name kommt aus einem Anime aber darauf werd ich jetzt glaub ich nicht näher eingehen.

Mario: Malvin & N klingt einfach gut.

CF: Woher stammt ihr?

Mario: Wir kommen aus Prinzersdorf.

Nicolas: Kindergartenfriends.

Mario: Friends im Kindergarten Prinzersdorf; Gruppe A mit Tante Rosie.

CF: Anderswo habe ich gelesen, ihr verortet euch zwischen Wien und St. Pölten.

Mario: Es zieht uns auf jeden Fall nach Wien, Österreichs kulturellem Mittelpunkt. Da ist das meiste los, dort wollen wir ankommen. Wir wollten unsere Kunst von Anfang mit anderen Menschen teilen und gemeinsam createn.

Nicolas: Yes, deswegen finden wir’s aber auch sehr spannend, dass die Musikszene in St. Pölten grade ein bisschen aufblüht.

CF: Wie lange macht ihr schon Musik? Und wie lange gemeinsam?

Mario: Logischerweise waren die Einflüsse der Musik schon immer ein großer Teil in unseren Leben. Musik ist immer da gewesen.

Nicolas: Aber zum gemeinsamen Musikmachen sind wir erst vor ungefähr drei Jahren gekommen. Nachdem wir nach der Volksschule getrennte Ausbildungswege gegangen sind, hatten wir uns bis dahin ziemlich aus den Augen verloren.
Das Interesse und Bestreben Musik zu machen, bzw sich künstlerisch auszudrücken, war denk ich schon lange da und in uns verankert, aber erst miteinander konnten wir das so richtig in Angriff nehmen und anfangen unseren Weg zu gehen. Ich denke, dass wir im jeweils anderen etwas gefunden haben, das an uns selbst gefehlt hat. Es hat von Anfang an harmoniert.

CF: Habt ihr vor Malvin und N andere Projekte gehabt?

Mario: Nein, seit wir eigene Musik machen, machen wir sie gemeinsam.

CF: Die Studioaufnahmen von “Little Loving Soul” und “Walking All Day” lassen auf US-RnB Einflüsse schließen. Wo seht ihr eure Wurzeln?

Nicolas: Ich glaub, die Wurzeln unseres musikalischen Schaffens liegen zu einem großen Teil in der Auseinandersetzung mit uns selbst. Solange ich denken kann, hab ich versucht Worte zu finden, die beschreiben können, was ich fühle. Von dort weg haben mich meist Menschen und Musiker inspiriert, die eine starke Persönlichkeit raushören ließen.

Mario: Wir versuchen Musik nicht in verschiedene Genres einzuordnen. Es geht darum, die eigene Geschichte zu erzählen. Wir haben keinen Plan wie Malvin & N klingen sollen. Wir versuchen unseren Klang, unsere Geschichte herauszuarbeiten und sind dabei natürlich von den Künstlern geprägt, die uns am meisten ansprechen. Ums auf den Punkt zu bringen: Cro is richtig oag, Tyler the Creator …

Nicolas: Mac Miller. Die Kombo aus Finneas und Billie Eilish, die ja auch gemeinsam Musik machen, hat uns viele Anhaltspunkte für unser eigenes Konzept gegeben. John Mayer, duuuude. Also das könnte jetzt ewig so weitergehen, aber ja …

CF: In St. Pölten und Umgebung kenne ich keine Band, die ähnliche Musik wie ihr macht. Gibt es in Österreich musikalische Vorbilder für euch?

Mario: Falco!

Nicolas: Bilderbuch!

Mario: Vorbilder im Sinne von: das sind Künstler, die ihren Weg gehen und gegangen sind und beeindruckende Geschichten schreiben und geschrieben haben.

Nicolas: Vorbilder in einem anderen Sinne sind Menschen in unserem direkten Umfeld bei denen wir wahnsinnig froh sind, dass wir diese ‚Reise‘ sozusagen teilen. Sinikka Monte, Bountydave, Boardallein, Julia Novohradsky: Freunde mit gewissen Vorzügen oder so. Außerdem fällt mir da noch Lou Asril ein, der macht auch gutes Zeug und ist Niederösterreicher, soweit ich weiß. Aber den kennen wir (noch) nicht persönlich.

CF: Am 27. Februar habt ihre einen “Lovestream” (Youtube-Link, beginnt ab ca. Min. 30) organisiert und ein Wohnzimmer-Konzert gegeben. In wessen Wohnzimmer war das?

Nicolas: Zwei Freunde aus Schulzeiten sind mit der Idee auf mich zugekommen, von denen einer auch das Wohnzimmer bereitgestellt hat. Der Lovestream wurde aus dessen Ferienhaus im Waldviertel gesendet.

CF: Es macht einen gewaltigen Unterschied, ob ihr live singt und von einer Akustikgitarre begleitet werdet, oder ob ihr Songs im Studio einspielt. Spielt ihr im Studio die Instrumente alle selbst ein?

Mario: Soweit es geht spielen wir alles selbst ein. Außer wir kennen jemand, der’s besser kann.

CF: Sind die Songs alle von euch?

Nicolas: Yes.

CF: Wer komponiert die Songs. Macht das jeder für sich?

Mario: Yes.

Nicolas: Also meistens ist es so, dass einer den Input liefert und wir dann gemeinsam dran arbeiten, bis ein fertiger Song draus wird. Für unsere EP die jetzt bald kommt, haben wir uns eigentlich genau das zunutze gemacht: Jeder hat selbst vier Songs dafür geschrieben, die zusammen eben „Acoustic Love“ ergeben sollen.

CF: Komponiert ihr auch gemeinsam Songs? Welche sind von beiden?

Mario: Also wie schon gesagt, grundsätzlich arbeiten wir immer als 2er-Team. Aber was Malvin & N schlussendlich dann auch ausmacht ist gerade die Individualität, auf die wir großen Wert legen. Wir sind wie eine Platte, unzertrennbar, aber doch zwei Seiten.

CF: Wer steuert die Beats bei?

Nicolas: Auch das variiert immer wieder, aber meistens, wenn wir beispielsweise im Studio sind, sitzt Malvin vorm Klavier oder vorm Laptop und produziert seine Beats und ich lauf mit meinem Schreibblock durch die Gegend, auf der Suche nach den richtigen Wörtern für die richtige Melodie.

CF: Die Akustikversionen der Songs sind sehr introspektiv. Seid ihr eher die sensiblen Typen?

Mario: Auf jeden Fall, ich glaub ich kann auch nur Schnulzen schreiben.

Nicolas: lol

CF: Von “Honey” gibt es auch ein aufwendiges Video, in dem du, Nicolas, eine blonde Schönheit anhimmelst. Stehen in euren Texten zwischenmenschliche Beziehungen im Fokus?

Nicolas: Aufwendig? Das war die ärgste Hauruckaktion! Wir hatten keinen Plan, aber dafür einen Kameramann, eine Schauspielerin, eine Verabredung im Park und ein paar Stunden Zeit. Öfters als nicht denk ich mir eigentlich, dass man das mal runternehmen sollte. Aber sei’s drum.

Mario: Um die Frage zu beantworten: Der Großteil der Songs bisher behandelt unsere persönlichen Gefühlswelten. Über die schreibt es sich meist wie von selbst, wenn mich etwas beschäftigt und nicht loslässt. Und ja, oftmals war der Anlass dafür eine zwischenmenschliche Beziehung.

CF: Ich nehme an, man wird euch auf keinem Metal-Konzert finden. Ich nehme an, ihr werdet zumindest auf YouTube schon Videos von grölenden Metalern gesehen haben. Ist das für euch gefühlsmäßig nachvollziehbar, was die auf der Bühne abziehen und worüber die texten?

Mario: Ich glaube, dass jeder Musikermensch einfach den individuellen Zugang zur Musik sucht und versucht auszuleben. Ich persönlich habe mit diesem Genre eher weniger am Hut, aber jeder und jede soll deren Ding durchziehen wie’s für sie am besten passt, würd‘ ich mal sagen.

Nicolas: Ja, seh ich auch so. Das höchste der Rockgefühle war für mich ein AC/DC-Konzert. Schon ziemlich lässig, aber sonst einfach nur laut. Aber das sind wir als Schlagzeuger ja eh mehr oder weniger gewohnt. Ich glaub, dass jedes Genre etwas zu bieten hat, das in einem anderen vielleicht zu kurz kommt.

CF: Apropos Bühne: welche Bühnenerfahrung habt ihr? Hattet ihr vor Corona schon Gelegenheit aufzutreten?

Nicolas: Als Malvin & N hält sich unsere Bühnenerfahrung schon noch recht in Grenzen. Wir hatten bei einem niederösterreichischen Kreativwettbewerb mal die Möglichkeit unseren eingereichten Song im Freiraum zu performen. Das war unser erstes Mal gemeinsam auf der Bühne als Malvin & N. Außerdem spielts bei uns daheim alljährlich das BBB, das größte Musikfestival in und um Prinzersdorf. Bier, Brot und Band, der Name ist Programm.

CF: Im “Lovestream” kommt nach einem Malvin-Song ein N-Song und so weiter. Ihr wechselt quasi nach jedem Lied die Frontmann-Position. Das ist ungewöhnlich. Lässt sich das auch live durchziehen?

Nicolas: Das werden wir herausfinden, unser Projekt steht ja auf jeden Fall noch in den Kinderschuhen. Aber grade diese Dynamik zwischen uns finde ich sehr spannend und sehe das mit viel Potential verbunden. Unterm Strich sind wir, denk ich, kein klassisches Musikerduo, sondern zwei Köche, die in derselben Küche werken, falls das Sinn macht.

Mario: Wie Andi und Alex aus “Frisch Gekocht”!

Nicolas: Wie wer?

Mario: Ja egal, grundsätzlich fühle ich mich im Studio wohler als auf der Bühne, um ehrlich zu sein. Also die Frontmann-Position habe ich immer schon lieber abgegeben.

Nicolas: Wir werden sehen.

Mario: Und hören. hahaha

CF: Wer ist Luke, der Gitarrist, der euch beim “Lovestream” an der Gitarre begleitet hat?

Mario: Das ist mein Zwillingsbruder wie man vielleicht unschwer erkennen konnte. Der spielt einfach ziemlich tight Gitarre und hat auch die meisten Instrumentalspuren für unsere EP geliefert. Also ohne ihn wär’s nicht das geworden, was es jetzt ist. Er spielt da schon eine wichtige Rolle.

Nicolas: Er ist das noch unsichtbare dritte Rad am Wagen, aber sobald er seinen Künstlernamen gefunden hat, hört man von ihm sicher auch sehr bald sehr Gutes.

CF: Welche der im “Lovestream” gespielten Songs werden auf der Platte sein?

Nicolas: Alle bis auf unseren Intro-Song. Das war so der Sinn hinter dem Wortspiel. “Lovestream” für unsere EP “Acoustic Love” Hehehe, ich liebe Wortspiele.

CF: Wie viele Songs werden es insgesamt auf den Release schaffen?

Mario: Insgesamt werden‘s acht Songs. Vier von mir und vier von N.

CF: Wann wird die Platte erscheinen?

Nicolas: Sobald wie möglich.

CF: Jemand forderte einen Vinyl-Release. Wird es einen physikalischen Tonträger geben? Ist Vinyl auch bei den Twens ein Kult? Ich dachte, das ist eher so eine Altherrengeschichte.

Mario: Analog liegt auf jeden Fall im Trend, in unserem Umfeld zumindest. Ich hab vor allem während des ersten Lockdowns die analoge Fotografie für mich entdeckt. Mit analoger Fotografie lässt sich die Welt nochmal ganz anders einfangen. Die Bilder haben eine eigene, persönlichere Wertigkeit, im Gegensatz zu Bildern einer digitalen Kamera oder des Smartphones. Es geht wieder mehr ums Fotografieren selbst und nicht nur darum das perfekte Bild zu schießen oder den perfekten Moment abzulichten.

Nicolas: Da geht’s um den emotionalen Wert, den man einer Sache beimisst. Der ist bei analogen Dingen meiner Meinung nach einfach tendenziell höher, weil man am Schluss etwas zum Angreifen hat und darauf hinarbeitet. Ein Release auf Spotify kann das Gefühl, seine eigene Platte in Händen zu halten, einfach nicht ersetzen. Ich will meine eigene “Acoustic Love”-Vinyl. Und wenn wir schon dabei sind und es Interesse dafür gibt, bestellen wir gleich noch ein paar mehr.

CF: Habt ihr, wenn dieser Corona-Scheiß vorbei ist, die Absicht, eure Songs live in die Welt zu tragen?

Nicolas: 1000 %. Aber wir warten nicht darauf, dass die Welt wieder wird wie vorher. Wir versuchen das Beste aus unseren Möglichkeiten zu machen. Was Corona betrifft, ich denke, wir müssen lernen damit zu leben, dass bestimmte Dinge gerade anders laufen als gewohnt und manches vielleicht nie wieder in die alten Bahnen zurückkehrt. Aber das muss nicht unbedingt etwas Schlechtes sein, es bietet auch Chancen. Wie auch immer sich die Situation weiterentwickeln wird, die Qualität unseres Zusammenhalts wird mitentscheidend sein, wie gut wir damit zurechtkommen werden. Auf Deutsch: Wir müssen aufeinander schauen.

Mario: An dieser Stelle wollen wir zum Abschluss noch kurz danke sagen, an alle die sich die Zeit genommen haben diese Zeilen zu lesen. Und an den Werner, der uns gefragt hat, ob wir dieses Interview machen wollen. Daraus entnehm‘ ich, dass wir unsere Sache gut machen und auf dem richtigen Weg sind.

Nicolas: Ja, danke und bis zum nächsten Mal.

CF: Bis zum nächsten Mal, da bin ich mir sicher.

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(„Nicht weniger als Malvin & N“, die Spotify-Playlist umfasst alle Songs, die Malvin & N bis jetzt, alleine oder als Feature, veröffentlicht haben!)

Werner Harauer
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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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