Manu Alto – lernen von den besten Jazzern

Jazzgitarrist Manu Alto spielte mit hervorragenden Kollegen sein erstes Album ein. Foto: privat, z.V.g.

Während die gleichaltrigen Jungs von einer Karriere als Rockmusiker träumten, studierte Manu Alto die Alben von John Scofield und dem Mahavishnu Orchestra. Heute ist der 22-Jährige virtuoser Jazz-Gitarrist, der auf sein erstes Album „in motion“ verweisen kann.

Interview: Werner Harauer
Foto: privat, .V.g.

City-Flyer: Bist du St. Pöltner?

Manu Alto: Ja

CF: Wie alt bist du?

Manu: Ich bin 22 Jahre alt.

CF: Kommst du aus einer Künstlerfamilie?

Manu: Kann man so sagen. Mein Vater und mein Onkel spielen auch Gitarre

CF: Dein Vater Steve Alto ist noch aktiv? In welchen Formationen spielt er welches Instrument?

Manu: Ja, er ist noch aktiv und spielt in seiner Band Steve Alto Group Gitarre.

CF: Wie bist du von Rockmusik und Blues auf Jazz gekommen?

Manu: Da gab es einige Schlüsselmomente. Einer davon war, als ich ungefähr 13 Jahre alt war, spielte mir mein Vater die Fusion Platte „Visions of the Emerald Beyond“ von John Mclaughlins „Mahavishnu Orchestra“ vor. Ab diesem Zeitpunkt fing ich an, mich intensiv mit dem Jazz-Genre zu beschäftigen. Und als ich ungefähr im selben Jahr das erste Mal das John Scofield Quartet auf der „Jazzwoche Burghausen 1994“ hörte, wusste ich, Jazz ist meine Musik.

CF: In welcher Institution hast du dein Handwerk gelernt?

Manu: Im Vienna Konservatorium

CF: Welche Lehrer hattest du?

Manu: Karl Ratzer, Harri Stojka, Joris Dudli – Gehörbildung, Harri Gansberer, Fritz Steiner, Karl Leschanz – Jazztheorie und natürlich meinen Papa – Steve Alto

CF: Du hast im Mai 2019 dein erstes Album mit eigenen Kompositionen herausgebracht. Wo würdest du das Album stilistisch einordnen?

Manu: Quer durch das Jazz Genre. Vom Swing über Hardbop, Cool Jazz, Postbop bis zu Fusion ist alles dabei.

CF: Wer war an der Album-Produktion beteiligt?

Manu: Produktion und Live recordings hat mein Vater Steve Alto gemacht. Die Studio Records hat Manuel Lindermuth aufgenommen. Die beteiligten Musiker waren:
Guitar – Manu Alto
Piano – Harry Gansberger
Piano – Lukas Lackner
Keyboards – Johannes Schweiger
Acoustic Bass – Joschi Schneeberger
Electric Bass – Robin Gadermaier
Drums – Max Haas
Tenor Saxophone – Fabio Devigili
Trumpete – Marek Stibor

CF: Können die Leser*innen das Album im Netz probehören?

Manu: Ihr könnt die Stücke auf meinem Youtube Channel anhören.

CF: Du bist vom Jazz der 60er und 70er beeinflusst. Die treibenden Musiker damals waren schwarze Musiker. Wer hat dich besonders beeinflusst?

Manu: Das ist sehr schwer zu sagen, da es so viele Musiker von damals gibt, die mich beeinflussen. Meine Lieblingsgitarristen sind: John Scofield, John McLaughlin, Karl Ratzer und Pat Metheny. Aber neben den Gitarristen wurde ich auch sehr von Saxophonisten geprägt, vor allem was das Improvisieren anbelangt. Meine Favoriten sind: John Coltrane, Dave Liebman, Michael Brecker und Wayne Shorter.

CF: Wo kann man dich demnächst in der Gegend live hören?

Manu: Ich leiste gerade meinen Zivildienst ab und habe momentan nicht die Zeit, um viele Konzerte und Sessions zu spielen. Aber am 5. Juni 2020 eröffne ich mit meinem Quartet, das aus Harri Gansberger (Keyboards), Joschi Schneeberger (Acoustic Bass), Joris Dudli (Drums ) und mir besteht, das „Jazz im Park Festival“ im Sparkassenpark in St. Pölten.

CF: Wie dürfen wir uns dein Üben vorstellen? Triffst du dich wie bei einer klassischen Band im Keller und jammt ihr herum bis etwas brauchbares rauskommt?

Manu: Es kommt auf die Art des Konzertes an. Wenn wir ein Programm mit Jazz-Standards spielen, die alle Bandmitglieder spielen können, dann müssen wir natürlich nicht proben. Bei Konzerten, bei denen meine Kompositionen zur Aufführung kommen, erhalten meine Musiker im voraus Partituren mit den zu spielenden Stücken und wir vereinbaren ein paar Probetermine in einem Studio in Wien.

CF: Deine größten Auftritte?

Manu: Meine größten Auftritte bis jetzt waren mit der Roman Schwaller Bigband im Wiener Jazz Club Porgy and Bess, wo wir die Kompositionen des australischen Posaunisten Adrian Mears zum Besten gaben. Die Konzerte im Rahmen der Ybbsiade, wo wir drei Jahre hintereinander mit der Steve Alto Group beim Festival spielten. Weiters spielte ich in Eisenstadt beim Marianne Mendt Jazz Event mit Oliver Kent, Daniel Nösig, Mario Gonzi und Ulli Langthaler.

CF: Sind deine Musikerkolleg*innen in der Regel nicht älter als du?

Manu: Nicht immer, mein Freund und Drummer Max Haas ist zum Beispiel in meinem Alter.
Vielen jungen Musikern fehlt einfach der Background, den ich glücklicherweise durch meinen Vater mitbekommen habe. Ältere Musiker sind aufgrund Ihres Werdeganges im Jazz offener und experimentierfreudiger als viele jüngere Musiker.

CF: Die Klischees einer Rockband hat jeder vor Augen: im Keller spielen, gemeinsam saufen gehen, kiffen, sich der Groupies erwehren, … bei Jazzmusikern habe ich diese Vorstellungen nicht. Wie funktioniert das Leben eines Jazzmusikers?

Manu: Das Leben als Jazzmusiker ist das eines normalen Menschen, der macht was er liebt und kann. Das sollten eigentlich alle Menschen so machen: sich treu bleiben und an sich arbeiten und sich nachher einen guten Schluck Wein oder sonstiges gönnen.

CF: Manche behaupten, im Jazz sei schon alles gesagt. Man kann nichts neues mehr erfinden. Wie kommst du mit der tonnenschweren Geschichte von Jazz zurecht?

Manu: Nun, dieser Meinung bin ich nicht. Es gibt noch sehr viele Sachen, die so noch nicht gespielt wurden.

CF: Besuchst du Rockkonzerte?

Manu: AC/DC ist meine Religion abseits des Jazz. Gefällt übrigens auch Herbie Hancock.

CF: Wie kommst du damit zurecht, wenn Popmusiker mit ganz simplen Melodien ein Millionenpublikum erreichen?

Manu: Popmusik ist Junkfood für die Seele!

CF: Popmusik hat für viele Menschen einfach Wohlfühlmusik zu sein. Welche Ansprüche stellst du für deine Kompositionen? Sind sie Tanzmusik? Oder auch Wohlfühlmusik?

Manu: Den Anspruch, den ich an meine Kompositionen stelle, ist die Frage: würde mir dieses Stück auch gefallen, wenn es nicht von mir wäre?

CF: Nachdem die Jazz-Szene viel kleiner als die Pop-Szene ist, besteht da nicht die Gefahr, sich als elitärer Auskenner zu fühlen?

Manu: Einer muss sich ja auskennen, oder???

CF: Eine letzte technische Frage für die Musiker: welche Gitarren spielst du?

Manu: Eine D’Angelico Jazz Gitarre, eine Les Paul, Fender Stratocaster, Santander Akkustik Gitarre und eine 12 saitige Danelectro.

CF: Ich bedanke mich für das Interview.

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Werner Harauer

Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.
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