Nadja Bucher: Rosa gegen die Verschwendung der Welt

 

 

 

 

 

 

 

 

Rosa weiß, dass sie an der drohenden Klima-Apokalypse nichts ändern kann, dennoch verzichtet sie auf Strom und Verpackungsmaterial. Sie wird abrupt aus ihrer Wohlfühlblase geschleudert, als sie während eines Kurses ungewollt zum Social Media Star wird. Ein humorvoller Roman über ein ernstes Thema.

Rosa ist anders. In ihrer Wohnung gibt es keinen Strom, das Wasser zum Kochen und Baden erhitzt sie mit einem Holzofen. Schon seit vielen Jahren verzichtet die knapp über 50-jährige auf Energiefresser (wie z.B. Handy oder „Internetfon“), kauft nur unverpackte Lebensmittel und fährt stets mit dem Rad. Für sie sind „Autos der Ausdruck des kollektiven Wahnsinns“. Rosa hat kein Interesse daran, sich mit unnötigen Dingen zu belasten, ihr ökologischer Fußabdruck muss so minimal wie nur möglich sein. Das wenige Geld, das sie zum Leben braucht, verdient sie sich als selbstständige Putzfrau.

Doch als die Aufträge mit der Zeit immer weniger werden, meldet sie sich beim AMS, ohne neue berufliche Ziele vor Augen zu haben. Ihre Betreuerin (die es ihr neidet, dass sie im Gegensatz zu ihr keine Wechsel-Wallungen hat) meldet Rosa zu einem Social Media Kurs an. Neben dessen Besuch kümmert sich Rosa außerdem um ihre 80-jährige Nachbarin Fr. Hartmann, die im obersten Stockwerk lebt.

Ihr bester Freund ist Bertram, der einen modernen Bio-Laden betreibt und mit dem sie sich manchmal auch das Bett teilt. Sie lässt sich von ihm überreden, das Frühlings-Fest bei ihrer gemeinsamen Freundin Lies und anderen Gleichgesinnten auf dem Land zu besuchen.

„Rosa legte ihren Kopf in den Nacken und schaute in den Sternenhimmel. Rauch stieg auf, schwarzes Blattwerk ragte in ihren Blick. Sie wusste, dass sie sich in ihrer Wohlfühlblase befand. Das hier war ihre kleine Welt. Ein Wundpflaster auf der Realität. Ein Zerrbild der Mehrheitsgesellschaft.“

Nachdem Rosa beim AMS-Kurs, bei dem sie vor der Trainer-Kamera sprechen soll, heimlich von der Teilnehmerin Mila mit dem Smartphone gefilmt wird und diese das Video ins Netz stellt, bekommt Rosa dort den Namen „Crazy Old Lady“. Nach einem leidenschaftlichen und eindringlichen Referat über die schwindende Biodiversität und den bevorstehenden Klimakollaps (der danach wieder, ohne ihres Wissens, online geht) bricht Rosa den Kurs ab, da sie ohnehin nicht weiß, was sie dort zu suchen hat.

Mila überredet Rosa, über sie das erforderliche AMS-Abschlussprojekt machen zu können und von ihr Social Media Accounts anzulegen, um dort weitere Videos und Fotos zu veröffentlichen. Innerhalb kürzester Zeit hat Rosa zahlreiche Follower & Likes und erregt große Aufmerksamkeit. Es dauert nicht lange, bis ein PR-Experte an ihre Tür klopft. Rosa wird erfolgreiches Testimonial der Wiener Umweltpartei. Dies führt jedoch auch dazu, dass sie Opfer von Shitstorms und Deepfakes wird. Rosa muss nach einem weiteren turbulenten Ereignis einsehen, dass der Trubel um ihre Person und die sozialen Medien nicht gut für sie sind.

Ein hochaktueller und unterhaltsamer Roman mit der richtigen Balance an Humor und Ernsthaftigkeit, denn die fachlichen Monologe der Protagonistin über die Klimakrise sind keine leicht verdauliche Kost. Davor die Augen zu verschließen und weiterhin in seiner Seifenblase weiterzuleben, als ginge einem das alles nichts an, wäre jedoch der falsche Weg.

Das neue Buch von Nadja Bucher kann als Fortsetzung ihres Debüts „Rosa gegen den Dreck der Welt“ von 2011 gelesen werden, auch dort war Rosa die putzende, skurrile Öko-Heldin.

Nadja Bucher
Rosa gegen die Verschwendung der Welt
Roman | Edition Atelier, 2023
272 Seiten | € 20,00

 

Claudia Zawadil
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Claudia Zawadil
DI (FH); beim City-Flyer seit März 2002, schreibt Buchrezensionen und Ankündigungen und fotografiert gelegentlich bei diversen Events. Ebenso ist sie Radiomoderatorin (BlackXplosion), Arthouse Cinema-Fan und Vinyl-Lover.

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      miss_marple
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