Noch bevor der erste Frame zu sehen ist, gibt David Byrne die Richtung vor: „Psycho Killer“ von den Talking Heads legt sich über den Vorspann wie ein elegantes Versprechen – wer hat Paula auf dem Gewissen? Diese Frage zieht sich als roter Faden durch Rebecca Zlotowskis raffiniert konstruierten Thriller, der die Filmgeschichte gekonnt als Zitatenschatzkammer nutzt und Spannung aus den Fugen klassischer Genrekonventionen schlägt.
Im Zentrum brilliert Jodie Foster als Psychotherapeutin Lilien Steiner, die streng nach Freud’scher Schule praktiziert. Als ihre langjährige Patientin Paula tot aufgefunden wird, wandelt sich die Therapiecouch zum Ermittlertisch: Lilien glaubt nicht an den offiziellen Befund und beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. An ihrer Seite steht Ex-Mann Gabriel – einfühlsam und mit unaufdringlichem Charme gespielt von Frankreichs Kinoikone Daniel Auteuil, der einen Augenarzt verkörpert. Zwischen den beiden Geschiedenen entfaltet sich dabei leise ein zweiter Frühling – kontrolliert, fast sachlich, und gerade deshalb von einer eigentümlichen erotischen Spannung durchzogen.
Sukzessive geraten die Verdächtigen ins Visier, und Zlotowski erlaubt sich dabei kühne Seitenwege: Rückblenden ins besetzte Paris von 1942 führen den Holocaust als psychoanalytisch aufzuarbeitendes Trauma ins Bild – ein Sidestep, der dem Film unerwartete Tiefe verleiht und die Spannung bis in die letzte Szene aufrechtzuerhalten weiß.
Der deutsche Verleihtitel weckt bewusst Assoziationen zu Woody Allens Krimikomödie „Manhattan Murder Mystery“. Doch der Originaltitel Vie privée – zu Deutsch: Privatsphäre, Privatleben – trifft den Kern des Films präziser. Er verweist auf jenen persönlichen Lebensbereich, der sich der Öffentlichkeit entzieht und doch zum Schauplatz dunkler Geheimnisse wird. Treffender hätte man das Motto kaum wählen können – und J.J. Cales abschließendes „Don’t Go to Strangers“ gibt ihm im Abspann eine letzte, nachhallende Resonanz.
Paris Murder Mystery
Frankreich, 2025
Regie: Rebecca Zlotowski
Darsteller:innen: Jodie Foster, Daniel Auteuil, Virginie Efira, Mathieu Amalric u.a.
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