Patrick Rauch stellt klar: Wir sind eine Rockband

Gerald Schaffhauser, Johannes Forstreiter und Patrick Rauch Foto: Markus Marouschek, z.V.g.
Gerald Schaffhauser, Johannes Forstreiter und Patrick Rauch Foto: Markus Marouschek, z.V.g.

Es hat Jahre gedauert, bis Patrick Rauch mit „Soup, Sweet and Sour“ sein coming-out als Songwriter hatte. Und es dauerte nochmals mehr als zwei Jahre, bis er uns seine vielen musikalische Facetten in Form eines Albums präsentiert. Doch am 18. September ist es soweit; dann werden wir endlich wissen, welche Songperlen der St. Pöltner Gitarrist lange Zeit in seiner Schublade zurückhielt und wie er diese mit seinen langjährigen Musikerfreunden auf „Hazelmouse“ in Szene setzt.

Interview: Werner Harauer
Foto: Markus Marouschek

City-Flyer: Wieso gibst du deinem Album den Namen eines unter Artenschutz stehenden Tieres, nämlich der Haselmaus?

Patrick Rauch: Die Hazelmouse ist ja eine ganz besondere Maus … hat schon auch etwas mit der Haselmaus zu tun, aber die wird ja im englischen eher dormouse genannt. Die von mir besungene Hazelmouse ist um einiges größer und hat mich immer wieder motiviert das Album endlich fertig zu machen und raus zu bringen. Schon alleine deshalb der Albumtitel. Aber auch weil sich auf der Platte ja sämtliche Befindlichkeiten tummeln und es sehr viele düstere Ecken gibt. Ich finde es gut, dass das Album nach dem positivsten und fröhlichsten Song benannt ist.

CF: Einige Songs auf dem Album sind viel rockiger als die letzte Veröffentlichung „Soup, Sweet and Sour“. Hast du keine Angst, die alten Fans mit der neuen Härte zu schrecken?

Patrick Rauch: Erschrecken ist glaube ich besser als langweilen. Wir sind eine Rockband und irgend etwas zu drosseln, nur weil unser erstes Lebenszeichen etwas ruhiger war, wäre glaube ich nicht richtig gewesen.

CF: Dass dein neues Album keine leichte Kost ist, wird dir bewusst sein. Der Hörer muss sich im kunterbunten Durcheinander von Einflüssen und Stilen erst zurecht finden. Nicht einmal das Cover lässt Rückschlüsse zu, was den Hörer musikalisch erwartet. Wen willst du mit deiner Musik erreichen?

Patrick Rauch: Ich glaube daran, dass Musik ankommt, wenn sie ehrlich ist. Ich müsste mich schon sehr verbiegen, wenn ich nur innerhalb einer Schublade schreiben würde. Ich wollte die Songs drauf haben, die mir am meisten am Herzen liegen und die für mich am authentischsten sind. So wie’s im Leben oft drunter und drüber geht, ist das eben auch auf dem Album zu hören. Auch wenn es vielleicht etwas gewagt ist, wollte ich es daher zulassen, dass sich in den Songs verschiedene Stile wiederfinden. Ich finde dass David Hüttner das alles im Cover sehr gut eingefangen hat.

CF: Du nützt deine Stimme auch sehr variantenreich, sodass beim ersten Hören gar nicht klar ist, ob es sich immer um denselben Sänger handelt. Willst du in den elf Songs die Bandbreite deines Könnens und die deiner Musiker herausstreichen?

Patrick Rauch: Ganz und gar nicht. Das „Zeigen was ich kann“ habe ich in dem Sinne schon vor einiger Zeit abgelegt. Ich will Emotion ausdrücken und wecken! Nur darum geht’s mir. Die Skills sind bestenfalls Werkzeuge um das umzusetzen.
Natürlich hat es auch Zeiten, zum Beispiel während meines Gitarrenstudiums gegeben, in denen ich das anders praktiziert habe, aber das war alles eine ganz gute Schule.

CF: Ein Album verkauft sich heute nicht mehr, es wird nur mehr für einzelne Songs gezahlt. Trägst du dem Umstand Rechnung und legst auf die Konsistenz des Albums keinen Wert? Nach dem Motto: jeder soll sich das raus suchen, was ihm gefällt?

Patrick: Ich höre fast nur Alben und bin was diese Trends angeht wahrscheinlich eher altmodisch. Natürlich hat es viele Vorteile, wenn einem immer alles an Musik zu Verfügung steht, aber es zahlt sich einfach aus, ein Album richtig oft als Ganzes durchzuhören. Man versteht die Band oder die Musiker dann einfach mehr und baut eine ganz andere Art von Beziehung zu der Musik auf.
Weil sehr viel Abwechslung in dem Album Hazelmouse steckt, wirkt es vielleicht nicht gleich so, aber ich sehe es auf jeden Fall als ein gemeinsames Ganzes. Gerade weil ich nach einer wehmütigen, verträumteren Nummer wie „Soup, Sweet and Sour“ Bock auf einen Song wie „Thinking“ habe. Auch wenn die Nummer dann ziemlich draufkracht.

CF: Wie kommst du zu so guten Leuten wie Stephan Eder und David Hüttner?

Patrick: Ich bin sehr froh, im Bereich Video und Album-Artwork mit so talentierten Leuten zusammenzuarbeiten. Stephan kenne ich seit meiner Schulzeit, wir standen auch schon öfter gemeinsam auf der Bühne. David lernte ich über Thomas Ranosz vom Label kennen und ich war sehr begeistert von seinen bisherigen Arbeiten. Wenn man seine Edison Wormhole Instagram-Seite durchschaut gleicht das einem spannenden Museums-Besuch. Schon bei den ersten Entwürfen für das Albumcover habe ich mich von David sehr verstanden gefühlt.

CF: Gab dir Thomas Ranosz von deinem Label Electric Fire Records Tipps bezüglich der Songauswahl? Gab’s Diskussionen um die musikalische Richtung?

Patrick: Im Großen und Ganzen sind wir uns musikalisch fast immer einig. Hin und wieder wird auch hitzig diskutiert, aber bei der Songauswahl gab’s keine Raufereien. Thomas hat als Co-Produzent die Songs auf sehr coole Art mitgestaltet, wofür ich außerordentlich dankbar bin. Tut der Musik sehr gut, wenn nicht immer alles nach dem eigenen Kopf läuft.

CF: Die erste Veröffentlichung „Soup, Sweet and Sour“ landete auf dem Album ziemlich weit hinten. Warum das?

Patrick: Wir haben die Titel so gereiht, dass das Album beim -von Anfang bis Ende- Durchhören einen guten Bogen hat. So ist die Nummer etwas weiter hinten gelandet.

CF: Ist es marketingtechnisch nicht wagemutig, einen guten Song samt Video zu launchen und dann zwei Jahre abzutauchen?

Patrick: Wahrscheinlich schon. Aber ich bin das Projekt nicht mit einem mehrjährigen Promo-Plan angegangen, sondern es war einfach Zeit für mich, endlich etwas von meinen Songs rauszubringen. Es war nicht vorgesehen, dass wir so lange auf den Release warten lassen, aber sehr viel Arbeit am Album und bestimmte Geschehnisse waren dann der Grund für das zwischenzeitliche Abtauchen. Wenn, dann mach ma’s ordentlich war immer das Motto. Das dauert dann eben manchmal etwas länger.

CF: Sind die Songs über die lange Zeitspanne von zwei Jahren entstanden und deswegen so unterschiedlich?

Patrick: Sogar noch länger als zwei Jahre. Es war teilweise ein Aufgreifen von schon älteren Ideen, teilweise sind ganze Songs sehr schnell und plötzlich entstanden. Fertig geschrieben wurden die Lieder aber alle innerhalb eines kleinen Zeitraumes. Das Grundgerüst der meisten Nummern haben wir im Studio live als Trio in ein paar Tagen eingespielt. Dann folgten viele weitere Sessions mit Gitarren-Overdubs, Klavier, Bläsern usw. Dann kam die eine oder andere Sache dazwischen und so wurde die Arbeit an dem Album zu einer recht langen und aufregenden Reise.
Die stilistischen Unterschiede in den Nummern sind glaube ich eher auf die Vielfalt meines Musikgeschmackes zurückzuführen. Vielleicht will ich vermeiden, dass mir meine Musik fad wird.

CF: Mit Gerald Schaffhauser und Johannes Forstreiter an deiner Seite wird es schwer sein, eine Tour zu organisieren, weil sie so viele andere Projekte am Laufen haben. Mal abgesehen von Corona: wie willst du das Album promoten?

Patrick: Bis jetzt sind wir immer noch irgendwie z’ammkommen. Da ist mir der musikalische Aspekt sehr viel wichtiger. Wir spielen schon so lange gemeinsam und die beiden haben einen so eigenen Sound, da nehme ich die eine oder andere organisatorische Herausforderung gerne in Kauf.
Konzerte sind natürlich gerade ein wackeliges Thema aber mit großer Freude können schon zwei Termine genannt werden:
Sam. 19.09.2020 Kramladen, Wien
Sam. 17.10.2020 Freiraum, St. Pölten
Es ist ein weiteres Video in Planung, worauf man sehr gespannt sein kann. Bezüglich Promo gibt es Unterstützung von sehr netten Leuten, die auf dem Gebiet viel mehr Ahnung haben als ich.
Natürlich versuche ich auch zu tun was ich kann.

CF: Hast du zur Zeit noch weitere Projekte?

Patrick: Ich habe den Fokus meines musikalisches Schaffens die letzten Jahre fast gänzlich auf dieses Projekt gerichtet. Ich bin sehr dankbar für die Erfahrungen und Lernprozesse, die ich in vielen verschiedenen Bands sammeln konnte, aber im Moment fühlt es sich für mich so richtig an. Neben der vielen Arbeit an dem Album, war auch kaum Zeit für andere Projekte.

CF: Wir danken für das Inerview.

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Werner Harauer
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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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