Patrick Staudinger: Reflexionen in Bild und Ton

Patrick Staudinger © Patrick Staudinger, z.V.g.
Patrick Staudinger © Patrick Staudinger, z.V.g.

Patrick Staudinger startet jeden Tag mit der Frage, worauf er denn heute Lust hätte. Frickelt er als „P80“, als „Radagast“ oder als „Filthy Fellow“ an neuen Tracks in seinem Heimstudio? Oder wartet er, was ihm vor die Linse läuft? Der Allrounder nützt seine Sinne, um die Welt in Bild und Ton einzufangen.

Interview: Werner Harauer
Foto: Patrick Staudinger

 

City-Flyer: Du fotografierst, produziert Musik und bis DJ. Welche dieser drei Tätigkeiten steht im Moment im Vordergrund?

Patrick Staudinger: Im Vordergrund steht eigentlich keine Tätigkeit. Normalerweise starte ich den Tag mit einer kleinen Runde durch unseren Garten. Dabei überlege ich, worauf ich heute Lust habe, was ich unternehmen könnte, was wiederum vom Wetter abhängt. Und dann beginne ich meinen Tag .

CF: Angenommen, du hast Lust heute zu fotografieren. Was sind deine bevorzugten Motive?

Patrick: Gesichter, egal ob Mensch oder Tier. Am besten, wenn sie es nicht merken von mir fotografiert zu werden.

CF: In deinem Oeuvre finden sich auch Fotos vieler St. Pöltner Szenegrößen. Ich nehme an, du kennst viele heimische Künstler persönlich. In welchen Szenen treibst du dich herum?

Patrick: Welche Szenen? Welche nicht? (lacht) St. Pölten ist nicht sooo groß, weshalb man sich schnell mal besser mal weniger gut kennt. Ich bin ja schon ein paar Jahre in der Stadt unterwegs. Ich werde aber immer wieder auf’s Neue überrascht, wie viele kreative Leute es in stp und Umgebung gibt.

CF: Hast du bei der vielen Action daneben noch einen Brotberuf?

Patrick: Nein, eigentlich nicht. Ich habe das Glück, mit ein paar Freunden in einem kleinen, sehr günstigen Haus leben zu dürfen. Manchmal habe ich irgendeinen Job, aber nie für lange Zeit.

CF: Du bist auch hinter dem DJ-Pult zu finden. Welchen Style legst du auf?

Patrick: An erster Stelle, weil für mich am wichtigsten, kommt Drum and Bass, den ich seit ca. 2004 auflege. Für meinen langjährigen guten Freund Andreas aka Akal bin ich bei seinen Live-Sets hinter den Turntables und produziere seine Alben (dickes Danke). Und vor ein paar Jahren kam Experimental/Darkpsycore dazu.

CF: Was waren die bisher größten Feste, bei denen du als DJ engagiert warst?

Patrick: Puh, da muss ich nachdenken. Auf die Schnelle fallen mir das Urban Art Forms Festival 2010, 2011 und 2012 ein, Paradise City, Murda Boiz, das CSCS Gathering in Ungarn, … Das UAF 2012 war der Wahnsinn! Das Festival ist mir bis heute in bester Erinnerung geblieben. Vor ca 5000 Menschen aufzulegen war ein unbeschreibliches Ge­fühl

CF: Mit welchen DJ-KollegInnen hängst du herum?

Patrick: Hauptsächlich mit DJ Sideffex. Er ist meiner Meinung nach einer der besten DJs überhaupt. Wir legen schon fast seit Beginn unserer DJ-Karriere zusammen auf, organisieren die meisten Events gemeinsam und reisen auch zu den meisten Festivals gemeinsam. Einen großen Dank dafür.

CF: Nachdem du auch produzierst, wirst du dir ein Studio eingerichtet haben. Ist es in St. Pölten untergebracht?

Patrick: Zurzeit habe ich ein Wohn-Schlaf-Studio, halb Wohn-Schlafzimmer halb Studio bzw ein Studio mit Klappcouch.

CF: Momentan arbeitest du an den neuen Tracks von Akal. Wann wird das nächste Akal-Album fertig sein?

Patrick: Eigentlich sollte es schon fertig sein. Wir hatten im letzten Jahr dann doch weniger Zeit als gedacht. Zumindest die erste Single wird bald erscheinen.

CF: Du hast vorhin gesagt, Drum And Bass sei dein Steckenpferd. Wie geht Hip Hop und Drum And Bass zusammen? Sind hier nicht zwei grundverschiedene Herangehensweisen notwendig?

Patrick: Das geht eigentlich sehr gut zusammen. Der Unterschied liegt hauptsächlich darin, dass Drum And Bass doppelt so schnell ist, wenn man vom berühmten “Amen Break” ausgeht. Es gab auch eine Zeit, da legten Sideffex und ich gemeinsam auf drei Plattenspielern mit zwei DJ-Mixern auf. Der dritte Plattenspieler war zum Teil für Scratches oder für Rap-Einlagen gedacht.

CF: Unter dem Pseudonym „Filthy Fellow“ produzierte du Hip Hop und unter „P80“ Drum And Bass. Ist das richtig? Und was hat es mit der „Labyrinthine Crew“ auf sich? Und was ist „Planet Terror“? Und welche Funktion hat „Radagast“?

Patrick: Klingt verwirrend, stimmt. OK, die Labyrinthine Crew ist eine Crew beziehungsweise ein Label für Underground-Musik aus der Schweiz. In der Darkpsy-Szene ist dieses Label relativ bekannt. Die Mitglieder sind zum größeren Teil aus der Schweiz, der Rest ist über die ganze Welt verstreut. Sideffex und ich sind Teil dieser Crew.
Planet Terror ist eine Partyreihe, die Sideffex und ich seit 2007 organisieren. Der Club war früher im frei.raum, bis dort keine DJ-Events mehr erwünscht waren. Danach zogen wir zum Böllerbauer nach Haag. Zu Gast waren zum Beispiel Panacea (d), Counterstrike (rsa), Mystification (h) oder Fexomat (d).
Und Radagast ist der Name meines Darkpsy-Projekts. Soweit alles klar?

CF: Ich kenn mich aus 😉 Danke für das Interview. Willst du unseren Lesern noch was mitgeben?

Patrick: Mir is aufg’foin, dass i aum Jörg Bichler vagessn hob. Der is eigentli der wichtigste. Ohne erm wah i ned wer und wo i jez bin. Immer wieder motivierend und aufbauend.

Patrick hat auch ein Foto aus seiner Sammlung ausgewählt und für unsere Rubrik “Blickfang” bereitgestellt. Schenkt ihm einen Kommentar!

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Werner Harauer
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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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