reFelt – „Leisure Suite EP“ Tanzmusik mit Kanten

Thomas Nagl meidet das Rampenlicht. Die Musik von reFelt soll für sich sprechen. Foto: privat
Thomas Nagl meidet das Rampenlicht. Die Musik von reFelt soll für sich sprechen. Foto: privat

Mit dem Projekt reFelt hat Thomas Nagl die Standards für heimische Elektronische Musik neu gesetzt. In seinem Debut, der „Leisure Suite EP“ (Bandcamp Link), steckt die jahrelange Auseinandersetzung mit Elektronischer Musik. Die vier Tracks wurzeln im Techno und House. Die Triebe reichen jedoch bis zu Jazz und Ambient, bis zu Dub und Boom Bap.

Text: Werner Harauer
Foto: reFelt

City-Flyer: Viel ist im Netz nicht zu finden über dich. Machst du absichtlich ein Geheimnis um deine Person? Wie passt das zusammen mit einem Künstler, von dem erwartet wird sich auf der Bühne zu präsentieren?

reFelt: Ja, es ist definitiv gewollt! Logischerweise lässt sich aber am Anfang eines Projekts auch noch nicht allzu viel dazu finden. Noch dazu, da jetzt ja auch noch gar keine Gigs stattfinden können und das hier mein zweites Interview als reFelt ist.
Ich will mich in erster Linie nicht vor die Musik stellen und finde auch diesen „Starkult“, der sich da um manche DJs, besonders in den letzten 10-15 Jahren, entwickelt hat, und die damit einhergehende Oberflächlichkeit, entbehrlich.
Auflegen macht mir aber natürlich dennoch irrsinnigen Spaß, weil es einfach toll ist, Menschen, die offen für Neues und Unbekanntes sind, mit musikalischen Kombinationen und Übergängen zu überraschen. Außerdem ist es auch super, die Musik auf einer ordentlichen Anlage zu hören und einfach Freude an der Sache, auch dem technischen Aspekt, zu haben.

CF: Am Beginn des Elektronik-Booms gaben sich die Künstler*innen bei jeder Neuerscheinung auch einen neuen Namen. Die Idee dahinter war, das Werk und nicht den/die Künstler*in in den Vordergrund zu rücken. Was nicht nur die Konsumenten irritierte, sondern auch auf Kosten der Bekanntheit der Künstler*innen ging. Lässt sich diese Strategie heute noch durchhalten?

reFelt: Ich finde, dass die Musik die Hauptdarstellerin sein sollte! Ich hab‘ aber auch nicht vor, mir beim Auflegen einen Helm aufzusetzen. Also mal sehen, ob und wie lange ich dieses „Geheimnis“ aufrechterhalten kann.
Die Idee bzw. den Anspruch, das Werk bewusst in den Vordergrund zu stellen, kann ich, wie gesagt, sehr gut nachvollziehen. Das hat sich in der elektronischen Welt ja auch irgendwie interessant gewandelt und es gab auch verschiedene Gründe, warum sich Acts (nicht) zeigen woll(t)en.

CF: Kannst du mir Beispiele nennen?

reFelt: Von Kraftwerk, die sich in den 70ern als Roboter präsentierten und sich teilweise sogar von ihnen auf der Bühne vertreten ließen, zu den Anfängen der Technobewegung, Ende der 80er, als das Ganze auch noch politischer war, mit verhüllten Auftritten von Underground Resistance oder Veranstaltungen, bei denen DJs fürs Publikum nicht mal sichtbar waren. Aphex Twin startete dann in den 90ern fast eine, überzeichnende, Art „Gegenbewegung“, als sein (verzerrtes) Gesicht auf/in gefühlt jedem Plattencover und Musikvideo zu sehen war.
Daft Punk haben mit ihren Roboterhelmen Anfang 2000 den Stein dann nochmal auf eine ganz andere, poppigere Art ins Rollen und damit dann wohl etwas später auch Acts, eher in der kommerzielleren Schiene, auf die Idee gebracht, dass es anscheinend auch marketingtechnisch etwas bringt, wenn man sich ein buntes Volksfest auf den Kopf setzt.

CF: Du hast von verschiedenen Gründen gesprochen …

reFelt: Ein anderer Grund kann sein, dass manche Produzent*innen die verschiedenen Musikstile, die sie machen, konzeptuell klar trennen und das Publikum nicht verwirren oder enttäuschen wollen. Das spielt bei mir sicherlich auch mit, da ich verschiedenes an Musik mache, wenngleich größtenteils noch im verschlossenen Dachbodenkammerl.
reFelt ist jetzt halt mal ein Name für einen gewissen Stil. Mal sehen, wie sich das noch weiterentwickelt und wie viel Aufgeschlossenheit man den Rezipient*innen zutrauen kann. Ich befürchte, das ist in der „tanzorientierten“ Sparte bei einigen noch immer ein Problem. Ich will versuchen, das zu ändern.
Ich glaub‘ auch, dass sich die Anonymität durchhalten lässt, aber es wird wahrscheinlich immer schwieriger, je bekannter ein Projekt, beziehungsweise die Person hinter den Projekten wird. Da hab‘ ich halt auch einfach noch leicht reden.
Und wie von dir angesprochen leidet klarerweise die Bekanntheit darunter, wenn man jedes Mal „neu“ anfängt. Es hat aber auch Vorteile, wenn man die Karten neu mischt und ich versteh‘s zum Beispiel auch, wenn bekannte Acts die Musik nur für sich stehen lassen wollen, ohne, dass Leute vom Namen der Künstler*innen, egal ob positiv oder negativ, voreingenommen sind.
Ganz trennen lässt sich die Kunst von den Künstler*innen wahrscheinlich nie, ich hoff‘ nur, dass es mir gelingt, dass das Werk immer die Hauptrolle trägt.

CF: Es steht geschrieben, du gehst sehr gemächlich ans Komponieren heran. Ich stelle mir Elektronik-Nerds immer die ganze Nacht durcharbeitend vor. Wie ist deine Arbeitsweise? Hast du einen fixen Tagesplan und machst um 16 Uhr Feierabend?

reFelt: Generell kann man wohl sagen, dass dieser Müßiggang etwas ist, das sich durch mein Leben zieht, „slow and steady wins the race“. : – )
Ich bin auch definitiv, zum Leidweisen mancher, ein „nachtaktiver“ Mensch, versuche aber schon mit einer gewissen Routine an die Sache heranzugehen, beziehungsweise kann ich eigentlich auch gar nicht anders. Einen fixen „Stundenplan“ fürs Musik machen gibt es keinen, das ist, je nachdem wie‘s läuft, unterschiedlich. Ich glaub‘ aber, es ist sehr wichtig, sich den „Flow“ zu erhalten, wenn man ihn mal erreicht hat. Die Zeit vergeht dann auch unglaublich schnell!

CF: Also entsprichst du schon meiner Vorstellung, die ich mir von einem Elektronik-Schrauber mache …

reFelt: Es soll hier definitiv nicht der Eindruck erweckt werden, dass ich nur am Machen bin. Es ist voll okay, wenn man mal einen „Durchhänger“ hat, oder sich mal nur inspirieren lässt und z.B. viel Musik hört oder eine andere Inspirationsquelle auf sich wirken lässt, oder auch gar nix kreatives macht! Solche „schaffensfreien“ Phasen sollte man sich auch nicht zu sehr zu Herzen nehmen oder sich deswegen stressen, das blockiert dann wahrscheinlich noch mehr. Ich glaube, das ist eine wellenförmige Sache mit Höhen und Tiefen und es gibt ja auch verschiedene Gründe, warum sich jemand kreativ betätigt. Ich merk aber schon, dass mir der Schaffensprozess abgeht, wenn ich ein, zwei Wochen nicht dazu komme.

CF: Du kannst also nicht ohne reFelt sein …

reFelt: Ich bin ja nicht nur als reFelt im Studio aktiv, sondern versuche zum Beispiel seit kurzem auch mit meinem Partner in Crime, dem Max, das Projekt dipolar sound aufzubauen, bei dem wir Musik, auch für andere/Filme/Videos, machen/produzieren/mischen/aufnehmen und uns auch im Sound Design und im Postproduction-Feld bewegen. Da ist natürlich eine andere, strategischere Herangehensweise gefragt, allein schon, um z.B. bei einem Mixing-Vorgang die Ohren nicht überanzustrengen, aber auch, weil Abgabetermine eine wesentlichere Rolle spielen. Meine Nachtaktivität kommt uns in dem Fall übrigens zugute, da wir ziemlich diametrale Schlafrhythmen haben und sich somit gleich ziemlich viele Stunden aus einem Tag rausholen lassen!

CF: Wie lange hat die Arbeit an deiner Debüt-EP gedauert?

reFelt: Es heißt ja, an der ersten Veröffentlichung können Künstler*innen von ihrem musikalischen Anfang, bis zum Fertigstellen der Produktion arbeiten. In gewisser Weise ist das natürlich auch so, besonders, wenn man die Zeit bevor etwas entsteht auch noch mitrechnet.
Beim reFelt-Projekt hat die Produktion an sich zwar nicht mein ganzes, bisheriges kreatives Leben gedauert, es ist aber schon so, dass ich die Musik oftmals länger liegen lasse, um sie dann, mit einem gewissen Zeitabstand, etwas „objektiver“ hören und beurteilen zu können und ich dann, gegebenenfalls, weitermache. Mit der Nummer „Vista“ hatte ich bei dieser EP wahrscheinlich die längste „On-Off-Beziehung“, also da waren es schon ein paar Jahre. Ich muss auch dazu sagen, dass ich nicht weiß, ob die je fertig geworden wäre, wenn Patrick Pulsinger nicht das Potenzial erkannt und mir dann nochmal einen Anstoß in die richtige, beziehungsrettende Richtung gegeben hätte.

CF: Ziel eines Produzenten elektronischer Musik ist es, seine eigene „sound signature“ zu schaffen. Wie nahe bist du mit deiner EP nach eigenem Ermessen diesem Ziel gekommen?

reFelt: Ich glaub‘, ich hatte bei diesem Projekt gar kein wirkliches Ziel. Die EP ist eher das Ergebnis eines Weges, bei dem Musik machen als „meditativer“ Prozess im Vordergrund stand. Man kann aber, glaube ich, schon einen stilistischen roten Faden, der sich recht organisch ergeben hat, durch die vier Nummern hören und ich finde, sie haben auch Wiedererkennungswert. „Expiration of Times“ ist zum Beispiel ein tanzbares Stück im 5/4 Takt, das kommt wohl eher selten vor.
Etwas völlig Neues zu schaffen wird vermutlich, je länger es Musik gibt, auch immer schwieriger. Da hatten es Vorreiter*innen in ihren Feldern wie Wendy Carlos, Giorgio Moroder, Patrick Cowley, Tangerine Dream oder DAF vermutlich noch etwas leichter. Das ist aber wahrscheinlich ein Thema, über das man ein ganzes Interview führen könnte!

CF: Hast du im BORG St. Pölten den musikalischen Zweig besucht?

reFelt: Nein! Ich war im bildnerischen Zweig. Ich glaub‘, weil mir das Gestalten und der damit einhergehende Freiraum wichtiger waren, als etwas nachspielen und mich an Regeln halten zu müssen. Wahrscheinlich gibt es im BORG eh auch Musiklehrer*innen, die Freiräume möglich machen … Außerdem war es mir zuwider, für Musik beurteilt und benotet zu werden.

CF: Aber du hast doch einige Musikinstrumente spielen gelernt?

reFelt: Ich hab‘ davor kurz Keyboard und dann etwa sieben Jahre Jazztrompete an der Musikschule bei Willi Wltschek gelernt. Die Trompete hab‘ ich dort auch in einigen Formationen und im Orchester der Musikschule gespielt und dann auch noch eine Weile im BORG-Orchester, größtenteils unter der Leitung von Erich Schwab. Dort hab‘ ich dann übrigens, unter anderem, auch mit Benni Dossa aka Ben Panner zusammengespielt, der ein paar Jahrgänge über mir und im musikalischen Zweig war. Das war wahrscheinlich eines meiner ersten Aufeinandertreffen mit einem gleichgesinnten Elektroniker. Wir haben uns dann relativ schnell angefreundet und diese Freundschaft hat in weiterer Folge zu meinen Anfängen als DJ im Warehouse beigetragen. Benni hat mir damals auch einige Kniffe beim Auflegen, aber auch Produzieren, gezeigt und wir haben beides auch ein paarmal gemeinsam gemacht.

CF: Hattest du vor reFelt schon andere Projekte unter anderem Namen veröffentlicht? Warst du auch Mitglied einer Band/eines Sound-Kollektivs?

reFelt: Nichts Offizielles, ich hatte immer wieder mal Projekte, allein und mit Freunden, bei denen z.B. Bootleg Remixes unter einem anderen Namen und in einem anderen Stil entstanden sind. Es gibt auch ein Band-Projekt, das wegen Corona aber eher auf Eis liegt, mit dem wir zwar offiziell noch nichts veröffentlicht, aber schon mal einen Golden Wire Award gewonnen haben.
In meiner jugendlicheren Zeit durfte ich öfters, in verschiedenen Stilen und teilweise auch Formationen, auflegen. Nach meinem ersten Club Gig mit 15 war ich auch einige Jahre größtenteils in der St. Pöltner Drum & Bass Szene umtriebig, zum Beispiel bei den „City of Bass“ Veranstaltungen, rund um Boomarang Sound, Dossa, Moving Eyes oder EFELO. Ich war zwar kein fester Bestandteil der Crew, aber das Ganze war rückbezüglich betrachtet für mich definitiv sowas wie eine „Jugendbewegung“ mit vielen Gleichgesinnten und Musik, die uns alle verbunden hat. Eine sehr lustige Zeit!

CF: Du hast deine Kunstlehrerin als Mentorin angegeben. Wer war das?

reFelt: Die erwähnte Lehrerin ist Marianne Plaimer, mit der hab‘ ich mich von Anfang an, schon beim Tag der offenen Tür vom BORG, sehr gut verstanden. Sie ist ein herzensguter Mensch und hat mich während, aber auch nach meiner Zeit dort immer wieder unterstützt und mir und meinen Eltern oftmals gut zugeredet und mir Anstöße gegeben. Sie war sicher auch ein wesentlicher Grund, warum ich dann den bildnerischen Zweig besucht hab. Ich konnte dort einiges lernen, und ihn, auch dank dem von ihr gewährten Freiraum und der Unterstützung, abschließen. Vielen Dank!!

CF: Ab wann hast du begonnen Elektronische Musik zu machen?

reFelt: Das war so circa mit 14, 15 Jahren, also 2008 oder 2009.

CF: Gab es einen Track, den du damals hörtest und dir dachtest: das will ich auch machen!

reFelt: Ich glaub‘, dass ich selbst etwas Musikalisches machen wollte, lag schon recht früh in der kindlichen Luft. Ich erinner‘ mich da zum Beispiel daran, dass ich sehr oft daheim, bei meinen liebsten Musik/Konzert Videokassetten mit“spielte“ oder mir das „Trompeten“ Preset der Heimorgel meines Opas einen Anstoß dazu gab, Trompete, aber die „echte“, lernen zu wollen.
Meinen ersten Kontakt mit einem musikalischen „Sequencer“ hatte ich übrigens, witzigerweise, als ich, noch weit vor Smartphone-Zeiten, mit dem Nokia Handy meiner Mama Lieder (nach-)programmierte, die man dann als Klingelton verwenden konnte. Außerdem interessierte es mich auch immer sehr, als mein, zuvor erwähnter, Trompetenlehrer mit seinem Computerprogramm Notenblätter, auch von seinen Eigenkompositionen, erstellte.

Später, so in etwa mit 15, haben mich dann die frühen Camo & Krooked Produktionen komplett in den Bann gezogen und waren auch ein Eintrittstor in weitere musikalische Sphären. Tracks wie der Remix von „John B – Numbers“, aber auch ruhigeres, wie etwa „See Through You“ oder „Tonight“ und Stücke von ihrem technoideren Nebenprojekt, Chrome zählten da definitiv zu meiner „Heavy Rotation“. Ich wollte unbedingt verstehen, wie man das macht und hab‘ mir die Tracks, teilweise noch Radiorips, weil das erste Album noch nicht draußen war, so gut wie dauernd reingezogen! Besonders stießen mich die Drum-Patterns, aber auch die Bass-Sounds vor Rätsel. Die meisten meiner Schulkolleg*innen konnten diese Obsession nicht wirklich nachvollziehen, aber ein paar konnte ich doch auch mitreißen. Nach der Schule ging‘s dann natürlich meistens direkt an den Computer, um wieder in der DAW (damals natürlich noch Fruity Loops) herumzuprobieren.
Ich denk, dass diese Zeit ziemlich prägend war und sich deshalb auf der reFelt EP auch Breakbeats und Reese-Bässe finden lassen.

Ein weiterer dieser Momente war wohl auch, als ich mich vor ein paar Jahren intensiver mit den Produktionen von Pulsinger & Irl beschäftigt hab‘. „Function Creep“ hat da zum Beispiel einen Schalter umgelegt. Ich hab‘ davor eigentlich hauptsächlich mit jazzigen Sample-Loops im Boom Bap Kontext experimentiert und das Realisieren, dass das auch mit Techno/House funktioniert, war erleuchtend!

CF: Du hast an der FH St. Pölten Medientechnik studiert? Hast du an der FH bereits Sounds basteln dürfen? Bei wem?

reFelt: Ja, da ich mich im Zuge des Studiums, nach den ersten Semestern, auf Audiotechnik spezialisiert hab‘. Sounds gebastelt hab‘ ich zwar, wie erwähnt, schon weit vor der FH, aber es war definitiv toll, es nicht mehr nur nach der Schule, oft vor/statt der Hausübung oder anstatt zu Lernen, zu machen, sondern die Möglichkeit zu haben, sich da auch fürs Studium, ohne viel Ablenkungen, reintigern zu dürfen. Natürlich gab es auch einiges, weniger interessantes, wo es dann nervig war, die dafür verwendete Zeit nicht in meine Musik stecken zu können, aber die Richtung hat schon gestimmt. Weiters hat es natürlich dazu beigetragen, dass ich mein technisches Können fundieren und es mit meinen, davor größtenteils selbstangeeigneten, Fähigkeiten fusionieren konnte. Vor allem durfte ich aber einige Gleichgesinnte kennenlernen, mit denen sich teilweise auch tolle Projekte ergaben und mit denen ich auch heute noch befreundet bin und teils zusammenarbeite. Das war wahrscheinlich das wichtigste daran.

Unterrichtet wurden wir von einigen lässigen Leuten, zum Beispiel dem Patrik Lechner, der ein irrsinnig ausgefuchster Programmierer und audiovisueller Künstler ist, dem Reinhold Friedl, Gründer der „zeitkratzer“, mit dem wir einen Flügel präpariert und damit Klänge erzeugt haben, dem Stefan Lainer, dem ich öfters mal mit Fragen auflauern konnte, die das Stoffgebiet überschritten, oder dem Andi Büchele, der mich, nachdem ich meine Produktionen herzeigte, mal ermutigte und meinte, dass er nicht wisse, wie ich das gemacht hab und man mir eh nix mehr lernen könne. Man kann aber immer was lernen!! Der zuvor bereits erwähnte Benni hat übrigens auch noch während meines Bachelors an der FH zu unterrichten begonnen, das war eine witzige Erfahrung, er machte seinen Job aber auch gut!
 Und ganz, ganz wichtig war definitiv das Freifach mit Patrick Pulsinger und Cid Rim, das es jetzt aber, glaub ich, leider nicht mehr gibt. Deren Inputs und Reaktionen auf meine Produktionen haben mich in dem bestärkt, was ich mache und ich bin auch noch mit dem Clemens aka Cid Rim in Kontakt geblieben und mit dem Patrick hat sich ja dann sogar eine Freundschaft und Zusammenarbeit entwickelt.

By the way: Einige haben’s vielleicht gemerkt, ich hab‘ jetzt nur Männer erwähnen können. Hoffentlich ändert sich dieses Ungleichgewicht, besonders, aber nicht nur in der Audiowelt, noch!

CF: Du hast dann auf Audiodesign umgesattelt?

reFelt: Nein, Medientechnik war der Bachelor, wenn man dann als Audiomensch noch so wild ist, und einen Master weitermachen will, macht man an der FH wohl am besten mit der Audio Design Masterklasse weiter.

CF: Im Zuge deines Studiums hattest du Gelegenheit, dich professionell mit der Geschichte der Elektronischen Musik auseinanderzusetzen. In einem deiner Master-Projekte hast du die Gemeinsamkeiten von Musique Concrète, Ambient, Cosmic Music, Electro Punk, Electronic Body Music, Electro, Techno, Jungle und IDM herausgearbeitet. Hilft es beim Komponieren, wenn man die ganze Geschichte der Elektronischen Musik im Hinterkopf hat?

reFelt: Mir schon! Die ganze ist vielleicht ein bisschen viel, aber man kann so unglaublich viel mitnehmen und lernen, wenn man genauer hinhört, es verstehen will, letztendlich – wenn man Glück hat – versteht und es dann vielleicht sogar weiterentwickeln und verschiedenes kombinieren kann.
Das mit dem Hinterkopf trifft‘s aber, find ich, echt gut – eine Inspiration aus der Erinnerung, die sich dann auch mit der damit verbundenen Emotion vermischt, ist nochmal ganz was anderes, als einfach was nachbasteln zu wollen.
Das Projekt war übrigens eine Ambisonics Produktion für 16 Lautsprecher bzw., als binaurale Version, für Kopfhörer, und mir ging es da auch darum, auszuprobieren, welche Stile in dem Format wie am besten funktionieren.

CF: Welche Zeitspanne in der Geschichte der Elektronischen Musik hat es dir besonders angetan?

reFelt: Ich bin bei Produktionstechniken, Instrumenten und generell der Studiowelt, besonders was die 70er und 80er angeht, unglaublich nerdig, und grab‘ mich da immer tiefer rein und versuch auch vieles auszuprobieren und umzusetzen. Allein das Entdecken und Hören ist da schon eine irrsinnige Freude, und das Machen dann erst, wenn’s klappt!
Ein Masterstudium bzw. -projekt hätte dafür aber zeitlich wahrscheinlich nicht gereicht. Ich beschäftige mich auch schon länger damit und es gibt noch viel zu entdecken.

CF: Patrick Pulsinger, ein anderer wichtiger Mentor von dir, ist Teil dieser Musikgeschichte. Ich zum Beispiel liebe seine Arbeit mit Erdem Tunacan. Das Album „Carrera“ unter ihrem Pseudonym Sluts’n’Strings & 909 zählt schon zu den Klassikern. Pulsinger hat ab Mitte der 90er Jahre die österreichische Musiklandschaft mitgeprägt. Wieweit hast du von seiner Erfahrung profitiert?

reFelt: „Carrera“ ist eine super Platte. Es gibt aber noch viel mehr von ihm zu entdecken und zum Glück wurde da jetzt auch einiges vom Cheap Records Katalog von Patrick remastered und digital wiederveröffentlicht. Ich kann nur empfehlen, sich da mal reinzuhören und es im Optimalfall auch zu unterstützen! Natürlich sollte man sich aber auch aktuellere Produktionen nicht entgehen lassen.

Patrick ist eine absolute Koryphäe in dem was er selbst, mit anderen, aber auch für andere macht, und sein, immer noch anhaltender und sich erweiternder, Einfluss auf die österreichische, aber auch internationale Musiklandschaft ist unumstritten.
Ich glaube, eine von Patricks Lebensaufgaben besteht darin, anderen zu helfen und das Positive in Dingen zu sehen, aber auch zu beleuchten. Das schätze ich irrsinnig, gerade in Österreich, wo ja sonst eher schnell mal gesudert und gegrant‘lt wird. Außerdem trägt er den Spirit, in dem er musikalisch „herangewachsen“ ist, weiter: „Es ist egal, welchen Background man hat und was man mitbringt, wenn man eine gute Idee hat, sollte man es einfach machen!“ Das find ich sehr schön, und es ist super, wenn man nicht vergisst, den Lift, mit dem man oben angekommen ist, auch wieder runterzuschicken. Natürlich muss man Chancen, die einem, glücklicherweise, gegeben werden, aber auch nutzen können!
Ich konnte und kann also, nicht nur im musikalischen und technischen Kontext, sehr viel von Patrick lernen und bin ihm dafür, aber auch für die Chancen, die er mir bis jetzt gegeben hat, sehr dankbar!

CF: Wie bist du auf Patrick gestoßen?

Wir haben uns im bereits erwähnten Freifach kennengelernt, und, als wir uns danach mal zufällig über den Weg liefen, meinte er, ich soll doch mal wieder bei ihm im Studio vorbeischauen. Nach einiger Zeit durfte ich dann sogar mein Pflichtpraktikum bei ihm machen, in dem wir z.B., auch unter Mitwirkung von Sam Irl, ein wirklich tolles Jazz Album, II vom Max Plattner Trio, aufgenommen und gemischt haben. Gemastered hat es Dave Darlington, ein Grammy Award Preisträger aus New York, und das Album selbst konnte heuer sogar „Veröffentlichung des Jahres“ beim Tone Art Tirol Jazzpreis gewinnen, gratuliere nochmals!!

CF: Wie verlief eure Zusammenarbeit? Hast du Patrick die fertigen Tracks geschickt und er hat sie gemastert? Oder hat er schon zuvor reingehorcht und dir Tipps gegeben?

reFelt: Im Zuge des Praktikums haben wir an einem Tag mal eine „Feedback Session“ gemacht, bei der ich ihm ziemlich viel verschiedene Musik von mir und meinen Projekten zeigen durfte. Er fand vieles gut und fragte so lange nach mehr, bis ich ihm dann auch noch den bereits erwähnten, und damals irgendwie schon fast von mir aufgegebenen, Track „Vista“ vorspielte. Ich war mit dem Hauptteil noch nicht so wirklich happy und wusste nicht weiter und Patrick hat mich in die richtige Richtung „gestupst“. Er hat mir dann auch noch super Feedback bei weiteren Tracks gegeben und als sich rauskristallisierte, dass da ein paar Nummern zusammenpassen, ermutigte er mich, diese EP fertigzustellen. Man kann also eigentlich sagen, dass Patrick auch ein A&R-Mensch der EP ist. Er hat mir dann großzügigerweise auch noch angeboten, den Tunes ein Stem-Mastering zu unterziehen, da war ich natürlich auch mit dabei im Studio und konnte auch wieder einiges lernen.

CF: Du konntest beim renommierten Berliner Label Dirt Crew Recordings andocken. Ich vermute, damit hast du dir einen internationalen Hörerkreis erschlossen. Macht sich die Reputation des Labels bereits bei dir bemerkbar?

reFelt: Dirt Crew ist wirklich ein tolles Label und ich kann mich glücklich schätzen, dass sich das reFelt Projekt zwischen Spitzenproduktionen, etwa von Dam Swindle, Brame & Hamo, Felix Leifur, Clive from Accounts, Nachtbraker oder S3A, die da teilweise ja sogar ihre ersten Veröffentlichungen hatten, einreihen darf! Und klar, so ein Label ist natürlich ein super Multiplikator, nicht „nur“ auf Hörer*innenseite. 
Auch wenn ich davor schon ohne Label super Rückmeldungen und Unterstützung, etwa auch von Peter Kruder, erhalten durfte, so konnte die EP über das Promo Pool von Dirt Crew auch noch Unterstützung von weiteren Größen, wie beispielsweise Laurent Garnier, Mijk van Dijk oder Dubble D/Moodymanc erhalten. Die Musik findet sich jetzt in den digitalen Plattenkisten von DJs, die international verschiedenste Metropolen, etwa New York, London, Tokyo oder Berlin, aber auch verschiedene Radiosender, bespielen, wieder. Das ist ziemlich cool und auch witzig, denn aufgrund der Pandemie hab‘ ich sie selbst noch nie im Club gehört oder aufgelegt!

CF: Die Dirt Crew beschreibt die Musik auf deiner EP als „transzendentalen Sound“. Das mag manche Leute abschrecken und ich finde, das trifft’s auch nicht. Wo ordnest du die Songs deiner EP ein?

reFelt: Ach, die sollten sich dann vielleicht nicht so schnell abschrecken lassen! Ich vermute, das bezieht sich auf die trancigen Elemente, wie die Arps und Pad Sounds, aber mich würd‘ die Beschreibung glaub‘ ich eher neugierig machen. : – )
Selbst fällt es mir nicht so leicht, die Musik stilistisch in eine Schublade zu stecken, wie der Meister Eder den Pumuckl. Es ist aber, glaub ich, generell nicht einfach, besonders elektronische Musik zu beschreiben bzw. über sie zu reden und zu schreiben. Einfach mal reinhören und wirken lassen!

Ich glaub‘ aber, man hört viele verschiedene Einflüsse raus, von Jazz bis eben zu Trance oder auch Ambient, Dub oder Boom Bap und natürlich, offensichtlicher, Techno und House. Ein wesentlicher Aspekt der reFelt Schiene ist, denk ich, das reKontextualisieren von Samples, die teilweise mit dem gleichen Mindset gelooped werden, wie eine „falsche“ Note bei einem Jazz Solo, auf der man einfach draufbleibt, oder Sequenzen im frühen Minimal Techno oder eben auch Trance und Ambient. Letzten Endes ist es, kurzgesagt, elektronische Musik zum Tanzen, die man aber, glaub ich, auch daheim bzw. nicht nur im Club ganz gut hören kann. Aber bitte nicht nur am Handy 🙂

CF: Hast du Videos zu deinen Tracks geplant? Du müsstest ja gute Connections zu kreativen Filmern haben.

reFelt: Nicht wirklich. Es gab mal rudimentäre Ideen, aber meine Videofreund*innen sind leider beruflich ziemlich eingeteilt, beziehungsweise hab‘ ich das auch gar nicht so angekurbelt. Ist aber vielleicht auch ganz nett, wenn sich das Bild zur Musik, ähnlich wie bei einem guten Buch, im Kopf entwickelt. Sollte sich doch noch was ergeben, bin ich da aber natürlich offen!

CF: Hast du auch eine Live-Umsetzung der Tracks angedacht?

reFelt: Zurzeit hätt‘ ich das, aus verschiedenen Gründen, mal nicht vor und es wär aufgrund der derzeitigen Rahmenbedingungen planungstechnisch wohl auch eher schwierig. Ich freu mich aber schon, wenn’s mit dem Auflegen wieder in einem vernünftigen und sicheren Rahmen losgehen kann und hoffe, dass sich dann auch reFelt DJ Gigs ergeben werden. Einen kleinen Vorgeschmack gibt‘s da übrigens auf SoundCloud und Mixcloud zu hören – den DIRTCAST #143, ein Mix für Dirt Crew, der auch schon auf FM4 gelaufen ist.

CF: Gibt es die EP auch als Vinyl?

reFelt: Nein, leider nicht. Die Kombination aus dem noch unbekannten Namen und den Covid-bedingten Presswerkschwierigkeiten hat das wirtschaftlich noch nicht zugelassen. Dem Labelchef Peter aka Break 3000 tut das auch im Herzen weh, aber wir werden jetzt mal sehen, wie gut die EP läuft und dann gibt’s die nächste vielleicht auch physisch mit ordentlicher Vorlaufzeit fürs Presswerk.

CF: Hast du mit dem Label schon über weitere Produktionen verhandelt? Und was schwebt dir als Nächstes vor?

reFelt: Verhandelt nicht, aber Peter hat, gleich nachdem ich ihm die 4 Nummern geschickt hab, nach mehr gefragt und ist sogar sehr offen, was verschiedene Genres angeht. Er mag es auch, eine längere Beziehung mit Artists aufzubauen, also die Chancen stehen gut, dass da noch mehr kommt!
Ich bin zurzeit noch in der „Sammelphase“, in der ich einfach mal mach und dann mit ein bisschen Zeitabstand hör‘, welche Nummern als nächstes fertig werden sollen und zusammenpassen. Vielleicht wird da auch wieder die ein oder andere ältere Idee neuerweckt, dann werd‘ ich wieder was ans Label schicken. Und natürlich hab‘ ich auch irrsinnige Lust darauf, meine anderen musikalischen Schienen weiterzuverfolgen!

CF: Eine letzte Frage noch: wer ist Zoé, die dir geholfen hat, deinen Künstlernamen zu finden?

reFelt: Mir fiel es nicht nur schwer, meine Musik zu „meister-edern“, sondern auch, dem Projekt den passenden Titel zu geben. Da war und ist es sehr schön, eine ganz liebe und wichtige Freundin, die Zoé, die mich sehr gut kennt und ein ausgesprochen gutes Gespür hat, an beratender Stelle und meiner Seite zu haben. Danke nochmals und liebste Grüüße!! : – )
Die Idee mit der Abtrennung durch das große „F“ kam übrigens dem Patrick beim Rausspielen der Tracks beim Mastern, auch daFür nochmals danke!!

Vielen Dank an dieser Stelle auch an meine Familie, weitere Freund*innen, etwa auch dem Daniel fürs Logo und die Website, und allen, erwähnten und hoffentlich nicht unerwähnt gebliebenen Wegbereiter*innen, ohne deren Unterstützung vieles nicht möglich gewesen wäre!! Und danke dir fürs Interview!

CF: Ich bedanke mich auch im Namen der interessierten Leser*innen für die Einblicke in deine Arbeitsweise, die du uns gewährt hast. Und für die musikhistorischen Rekurse, auch wenn sie wahrscheinlich nur Nerds wie mich begeistern.

Musikanbieter „Leasure Suite-EP“
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Werner Harauer
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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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