Heiße Moves & Rhiddims beim Jugendklub 2019

Anna und Mimi „Nuh Badda We“ Kieninger, Dancehall-Kursleiterinnen beim Jugendklub 2019. Foto © Jasmin Peter, z.V.g.

Von Freitag, 1. bis Sonntag, 3. November findet in verschiedenen St. Pöltner Locations das Jugendklub 2019 Workshop-Festival statt. Junge Kreative zwischen 15 und 25 Jahren haben die Möglichkeit, an einem der zehn angebotenen Workshops aus den Bereichen Tanz, Theater, Literatur und Bewegung teilzunehmen. Um den Preis von € 15,- erhalten die TeilnehmerInnen drei Tage lang in ungezwungenem Rahmen Anleitung von professionellen KünstlerInnen, werden verpflegt und können am Samstag am Tanz-Battle der Dresdener Crew The Saxonz im Festspielhaus zuschauen.

Anna und Mimi Kieninger aka Nuh Badda We Crew, die Zweitplatzierten beim „Dancehall Master World“ Crew Contest, werden beispielsweise einen Tanz-Workshop im Rahmen des Jugendklub 2019 zu jamaikanischen Tänzen hosten. Wir haben die beiden St. Pöltnerinnen interviewt.

 

City-Flyer: Wie seid ihr auf die Dancehall-Szene aufmerksam geworden? Seid ihr Teil der St. Pöltner Szene?

Anna Kieninger: Ich bin durchs Fortgehen und durch meinen Freundeskreis mit 16 in die Dancehall Szene in St.Pölten „reingerutscht“.
Ich sehe mich schon noch als Teil der St.Pöltner Dancehall Community, auch wenn die Szene zum großen Teil so wie ich nach Wien gezogen ist.

CF: Welche Pflichtveranstaltungen gibt es in St. Pölten, die man nicht verpassen darf?

Anna: Es gibt noch immer vereinzelt Dancehall-Veranstaltungen in stp, wenn auch nicht mehr so viele wie früher. Die aktuellen Veranstaltungen findet man hauptsächlich im Warehouse und Club 23.

CF: Gibt es für Frauen nur die Möglichkeit als Tänzerinnen auf die Bühne zu kommen? Oder gibt es Selectress (DJanes) auch?

Anna: Ich selbst bin seit 2010 auch immer wieder als Selectress tätig. Ich denke, mein tänzerischer Hintergrund hat mir hierbei sehr geholfen, da ich wusste, was ich selbst auf der Tanzfläche hören will. Es gibt einige andere Vorreiterinnen in Österreich, die hinter dem DJ-Pult stehen, oder als Veranstalterinnen tätig sind, aber ich würde mir noch mehr Frauen-Power für die Szene wünschen!

CF: Ihr habt 2012 die Nuh Badda We Crew gegründet, als der Reggae/Ragga-Boom in stp schon am Abflauen war. Ab welchen Zeitpunkt habt ihr euch für die Dancehall-Szene interessiert?

Anna: Ich habe schon 2007 gemeinsam mit einer Freundin die „Chaka Chaka Crew“ gegründet, da wir uns mehr mit Dancehall und den dazugehörigen Tänzen beschäftigen wollten. Weil sich unsere Interessen in verschiedene Richtungen entwickelt haben, entwickelte ich gemeinsam mit ein paar Tanzschülerinnen das Projekt „Swag-a-lution“. Die Nuh Badda We Crew haben Mimi und ich gemeinsam mit zwei Freundinnen 2012 gegründet.

Mimi: Ich habe Dancehall über Anna und die St. Pöltner Szene mitbekommen und mich dafür interessiert. Als ich dann 2011 für ein halbes Jahr nach Paris zog, konnte ich an vielen Tanzklassen teilnehmen und mein Wissen erweitern, da die Tanzszene in Paris damals viel größer war als in Österreich.

CF: Ich kann mich erinnern, im 2006er Jahr wurde ein Dancehall-Queen-Contest im Warehouse veranstaltet, der sehr gut besucht war. Wäre diese Veranstaltung heute noch möglich?

Mimi: Ich glaube in St.Pölten würde es zurzeit nicht viel Sinn machen, da Wien doch sehr nahe ist und die St. Pöltner Szene nicht mehr so groß ist.

CF: Wie schneidet St. Pölten im Österreich-Vergleich ab, was das Interesse an Dancehall angeht?

Mimi: Bei Workshops in Wien sehe ich immer wieder Tänzer aus Innsbruck, Salzburg und Linz. St. Pöltner habe ich leider noch nicht getroffen. Aber mal sehen. Ich hoffe, wir können mit unserem Workshop im Rahmen des Jugendklub 2019 der St. Pöltner Dancehall Szene neues Leben einhauchen. Wenn viele Jugendliche an dem Tanz interessiert sind, würde ich auch gern wieder regelmäßiger in St.Pölten Tanzstunden anbieten.

CF: Ich habe gehört, euer Workshop „Dancehall A Mi Everything“, der im Rahmen des Jugendklub 2019 angeboten wird, ist heiß begehrt. Was dürfen sich die TeilnehmerInnen von euch erwarten? Habt ihr Erwartungen an die TeilnehmerInnen?

Mimi: Das Interesse freut uns sehr. Wir möchten den TeilnehmerInnen bei unserem Workshop Einblicke in die verschiedenen Dancehall Styles (Old-,Mid-,Newskool und Female Dancehall) verschaffen und ihnen zeigen wie sehr die jamaikanische Kultur mit der Musik und dem Tanz verbunden ist. Unsere TeilnehmerInnen brauchen kein Vorwissen, sie sollten nur motiviert sein! 😊😎

CF: Wisst ihr schon, in welcher Location euer Kurst stattfinden wird?

Mimi: Nein, aber wir hoffen auf die wunderschöne Probebühne des Festspielhauses 😉

CF: Mit wie vielen Personen lässt sich so ein Kurs ideal führen?

Mimi: Man kann sich immer gut anpassen, aber mit 10-20 klappt es meistens am besten. Es kommt aber immer auf die Gegebenheiten an.

CF: Habt ihr einen DJ dabei, oder komm die Musik vom Band?

Anna: Die Musik wird vom Band kommen, damit wir besser auf Details eingehen und stoppen können.

CF: Am Samstag, den 2. November kommt es im Festspielhaus zu einem „Battle Of Styles“, in dem verschiedenen Tanzstile auf der Bühne präsentiert werden. Wie würdet ihr den Dancehall-Style punkto Schwierigkeit im Vergleich zu anderen Tänzen einstufen?

Anna: Dancehall wirkt auf den ersten Blick vielleicht sehr leicht, aber es kommt oft auf Details an, die nicht sofort auffallen, aber den Tanz authentisch machen.

Mimi: Es gibt aber viele „Community Dances“ die sehr leicht sind, damit jeder schnell einsteigen kann. Im „New Skool Dancehall“ gibt es auch technisch anspruchsvollere Schritte. Und der „Dancehallqueen Style“ beinhaltet Akrobatik wie z.B. Kopfstand, für die man schon länger trainieren muss.

CF: Ihr habt in Jamaika die Ausbildung zum „Stylish Moves Instruktor“ absolviert. Hilft euch die Ausbildung bei der Durchführung eure Kurse und Workshops in Österreich?

Mimi: Ja! Ich bin froh die Ausbildung gemacht zu haben. Es gab theoretische und praktische Stunden sowie Tests über beide Teile. In der Ausbildung haben wir die Geschichte des Dancehalls nochmal genau durchgenommen und viele Details bei Schritten gelernt, die uns davor nicht aufgefallen sind. So kann man sie natürlich auch besser beibringen.

CF: Ihr habt den zweiten Platz beim Dancehall Master World Crew Contest errungen. Wo und in welchem Jahr hat der stattgefunden?

Anna: Der Dancehall Master World Contest Austria hat im Frühjahr 2017 in Wien stattgefunden. Uns war es wichtig, dass wir für unsere Show eine Storyline entwickeln. Deshalb haben wir uns dazu entschieden eine „Queen Power“ Show nur mit Liedern von weiblichen Artists zu choreographieren.

CF: Wie viele Dancehall-Queens gibt es ca. in Österreich? Sind die in einem Verein organisiert?

Anna: Dancehall Queen Style ist eine eigene Kategorie von Dancehall, die vor allem Hip & Booty Movements und Akrobatik beinhaltet. Es gibt seit Bestehen der Dancehall-Szene sporadisch immer wieder Dancehall Queen Contests im ganzen Land, der letzte war im September mit dem „Queens on top Austria“ Contest. Nicht alle Dancehall Queens sind noch aktiv in der Szene involviert.

CF: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg bei eurem Workshop.

Jugendklub 2019
Anmeldungen zu den Workshops sind über jugendklub@festspielhaus.at noch möglich.

Werner Harauer
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Werner Harauer

Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.
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Über den Autor

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