Roman Koberwein ist ein Hansdampf in allen Gassen

Roman Koberwein (rechts) aka KISMET aka DJ Tintifucks Foto: Robin König, z.V.g.
Roman Koberwein (rechts) aka KISMET aka DJ Tintifucks Foto: Robin König, z.V.g.

Jüngst am STP-MUSIK-Festival als Gitarrist reüssiert, hat Roman Koberwein ein neues Steckenpferd für sich entdeckt: Swing und Gypsy-Jazz. Als KISMET und DJ Tintifucks hält er außerdem die Warehouse-Crowd in Bewegung.

Man muss weit reisen, um jemanden wie Roman Koberwein zu treffen. Oder in St. Pölten wohnen. Der ursprünglich aus St. Veit an der Gölsen stammende Musiker und DJ pendelte jahrelang in die Landeshauptstadt, um an den Konzerten, Raves und Sessions im „Underground“ teilzunehmen. Inzwischen in Markersdorf sesshaft und am Vienna Music Institute studierend, kann Roman seinen Neigungen etwas entspannter nachgehen. Und die sind nicht gerade wenig: der ausgebildete Schlagzeuger und selfmade-Rock-Gitarrist bei Toast The Kitten hat sich im Sommer 2020 unter Feine Herren begeben und spielt nun im Quartett Swing/Gypsy-Jazz. Gleichzeitig hilft er ehrenamtlich im Warehouse bei Aufbauarbeiten, bei der Promo-Arbeit, bei den Ideen für das Booking und veranstaltet mit seinen Kollegen Live-Shows und Partys, „weil ich es super finde, dass es einen Club wie diesen in St Pölten gibt“.
Weil ihm das Konzepteschreiben und Organisieren nicht ausreicht, schiebt der Bald-Akademiker zusätzlich die Regler am DJ-Pult des Clubs. Unter dem Pseudonym KISMET ist der DJ aktiv bei Daniel Kaplans Drum and Bass Club „FSY“ tätig. Als DJ Tintifucks rockt er die Alternative-Crowd auf Paul le Buches „RockOut“-Partys. Aber wie geht das alles zusammen? Rock? Alternative? Drum and Bass? Gypsy-Jazz? „Meine Spotify-Playlist ist eine Achterbahn der Gefühle. Da schütteln sich quasi van Halen und Vivaldi die Hand. Zurzeit höre ich auch gerne tanzbare Disco- und Funk-Sachen“, weist sich Roman als vielseitig interessierter Musiker und DJ aus.
Das Bühnendebut feiern Feine Herren am 11. September am Sonnenparkfest. Die DJ-Termine von KISMET und Tintifucks erfahrt ihr auf Romans fb-Seite: www.facebook.com/roman.koberwein

Interview: Werner Harauer
Foto: Robin König, z.V.g.

City-Flyer: Seit wann bist du DJ? Und seit wann Musiker?

Roman Koberwein: Mit 4 Jahren hat mich meine Mama das erste Mal zur Blasmusikprobe in St.Veit/Gölsen mitgenommen. Bis heute bin noch Mitglied dort. Mit 6 Jahren hab ich dann über 8 Jahre Schlagwerk bei Martin Scheer gelernt – eine musikalisch sehr prägende Zeit für mich. Es hat danach nicht lange gedauert, da bin ich zur Gitarre gekommen und hab sie mir mehr oder weniger autodidaktisch beigebracht. Gerald Schaffhauser, auch ein gebürtiger St.Veiter, hat mich dann in die St. Pöltner Szene eingeführt. Danach bin ich jahrelang nach St. Pölten gependelt, um auf Konzerte/Raves/Sessions im Underground zu gehen.

CF: Seit 2. Juli hat das Warehouse wieder geöffnet. Du bist seither als DJ schon mehrmals auf der Bühne gestanden. Ist die Anzahl der BesucherInnen wieder auf Vor-Corona-Niveau?

Roman Koberwein: Bei den ersten Partys war die Hölle los. Die Schlange ging fast bis am VAZ-Parkplatz. Aufgrund der Beschränkung durften aber nur weniger als Vor-Corona in den Club. Seit aber die 2G Regelung gilt und es auch im Umkreis mehr Open-Air Veranstaltungen gibt, hat die Publikumsgröße leider etwas abgenommen. Man merkt halt auch, dass jeder Club jetzt noch soviel wie möglich machen will, bevor vielleicht wieder alles zugedreht wird. Bei der großen Party-Auswahl fällt den Leuten die Auswahl nicht wirklich leichter dadurch.

CF: Ist dir aufgefallen, ob sich am Partyverhalten der Gäste etwas verändert hat?

Roman Koberwein: Beim Partyverhalten selbst ist mir nicht viel aufgefallen, außer die große Motivation und die sehr ausgelassenen Feiern bei den ersten Partys. Die ersten Partys waren ein Wahnsinn – da mussten einige anscheinend alles nachholen, was sie seit Coronabeginn ausgelassen haben. So eine Stimmung und Motivation hatten wir schon lange nicht mehr bei den Auflegerein. Ich weiß noch, dass mein DK-Kollege Paul le Buche und ich sogar Disco und Rock/Metal mischten konnten und die Leute gar nicht mehr aufhörten zu tanzen und zu gröhlen – „ABBA“ direkt auf „System of a Down“ ist normal ein sehr gewagter Zug, der manchmal aber auch die Bombe platzen lässt!

CF: Du legst ja nicht nur im Warehouse auf, sondern bist auch im Warehouse-Team. Welche Aufgaben fallen dir zu?

Roman Koberwein: Im Warehouse helfe ich ehrenamtlich mit, weil es mir Spaß macht und weil es einfach super ist, dass es so einen Club in St. Pölten gibt. Ich helfe bei Aufbauarbeiten für größere Partys, bei der Promoarbeit oder bringe Ideen für Bookings und veranstalte mit meinen Kollegen LiveShows und Partys.

CF: Du hast zwei DJ-Pseudonyme: Tintifucks und KISMET. Welche Musik spielt welches Pseudonym?

Roman: Genau! Also angefangen habe ich unter Kismet , unter dem ich vor allem Drum and Bass auflege. Tintifucks ist dann später dazugekommen als ich mit Paul le Buche bei den „RockOut“ Partys anfing. Unter dem Namen lege ich mittlerweile quasi alles andere auf – von 80er, Disco bis Alternative/Rock.

CF: Mir ist die unterschiedliche Schreibweise deines Pseudonyms “Tintifucks” aufgefallen. Es kursiert auch die Namen “Tintifuc*s” und “Tintifuc”. Ist das eine Konzession an das jüngere Publikum?

Roman: Diese zensierte Schreibweiße kommt eigentlich daher, weil uns damals eine Facebook-Veranstaltung für ein großes Event gemeldet und gelöscht wurde weil das Wort „Fuck“ darin vorkam. Ich denke „Fuck“ ist kein Wort mehr, das das jüngere Publikum schockiert.

CF: Arbeitest du mit bestimmen DJ-Kollabs zusammen?

Roman: Seit 2019 arbeite ich bei FYS mit. Das ist mehr oder weniger eine Neuauflage von „Fasten your Seatbelts“. Dort plane ich gemeinsam mit Selecta Weasel und Daniel Kaplan die Drum and Bass Partys im Warehouse und auch eine Stage am Beatpatrol. Mit Paul le Buche mache ich gemeinsam die „RockOut“ Partys und mit Weasel veranstalten wir immer wieder Live Shows im Warehouse.

CF: Du bist der ungewöhnliche Fall eines DJs, der sowohl Alternative als auch Drum’n’Bass auflegt. Wie kam es dazu?

Roman: Ich hatte nie so eine richtige Lieblingsmusikrichtung. Drum and Bass fing ich zum Auflegen an, da ich in dieser Zeit viel auf Partys und Raves war – da war dann auch mein Interesse da auch auf der Bühne zu stehen und selbst aufzulegen. Außerdem ging damals meine Coverband in die Brüche und ich wollte etwas machen, bei dem ich auf niemanden angewiesen bin. Die Alternative-Schiene kam erst, als ich nach einem meiner Sets auf einer DnB Party gefragt wurde, ob ich nicht auch mal Rock auflegen will. Und ja, da ich auch allgemein sehr musikinteressiert bin, hat es dann nicht lange gedauert, auch andere Richtungen aufzulegen.

CF: Ist es nicht anstrengend, sich in beiden Bereichen am Laufenden zu halten?

Roman: Da ich Drum and Bass und Alternative/Rock auch privat gerne höre, ist es eigentlich nicht so schwer. Beim Auto und Zugfahren höre ich Playlists mit neuen Tracks und Bands und speichere mir dann Sachen die mir gefallen in eigene Playlists. Die eigentliche Arbeit ist dann alles zu sortieren, mögliche Cuepunkte zu setzen und dann auf die USB Sticks zu packen.

CF: Hat sich ein DJ bei einer DnB-Veranstaltung anders zu verhalten, als auf einer Alternative-Party?

Roman: Generell find ich natürlich schon das beides jeweilig eine eigene Welt ist. Ich glaube nicht, dass ich mich anders verhalte, da müsste man schon meine Kollegen fragen. Bei beiden Partys ist es wichtig, nicht zu lange über seine eigene Settime zu spielen und nicht die Tracks der vorherigen DJs zu wiederholen. Bei Alternative Partys ist der Umgang mit dem Publikum noch wichtiger. Da liegt die Kunst definitiv in der Selektion der Tracks und nicht unbedingt im technischen Sinne des „Auflegens“/“Mixen“, welcher beim Drum and Bass eine Hauptrolle spielt. Bei Drum and Bass Partys gibt es noch das ungeschriebene Gesetz, dass man, falls Acts spielen die auch selbst produzieren, logischerweise nicht deren Tracks spielt.

CF: St. Pölten rühmt sich, sowohl eine Rock-City, als auch eine Drum’n’Bass City zu sein. Wer hat momentan die BesucherInnen betreffend die Oberhand?

Roman: Schwer zu sagen. Rock & Drum and Bass haben auf jeden Fall ein meistens recht unterschiedliches Publikum. Im Drum&Bass-Bereich gibt es natürlich mehr internationale Acts, die wir auch des Öfteren ins Warehouse buchen – das zieht natürlich die Fans mehr an. Aber natürlich hat es auch schon vollgestopfte Rockpartys und Livekonzerte gegeben. Ich denke, es ist recht ausgewogen und manchmal auch schwer vorauszusehen was gerade „geht“.

CF: Welche Musik hörst du derzeit am Liebsten?

Roman: Das ist immer sehr tagesabhängig . An dem einen Tag höre ich Soundtracks und Klassik, dann wieder Prog Rock oder Metal. Meine Haupt-Spotifyplaylist ist deswegen eine Achterbahn an Gefühlen. Da schütteln sich quasi Van Halen und Vivaldi die Hand. Insgesamt höre ich aber zurzeit sehr gerne Gypsy Jazz und tanzbare und funkige Sachen wie auch Disco.

CF: Alternative-DJs spielen oft auch in einer Band. Dein DJ-Kollege Paul le Buche, du ebenfalls … Drum And Bass DJs produzieren oft im Studio zuhause ihre eigenen Tracks. Machst du das auch?

Roman: Ich hab mir zuhause studiomäßig einiges eingerichtet um auch Drum and Bass zu produzieren. Es gibt einige Demos von mir, die am PC herumliegen. Aber nach einiger Zeit hab ich einfach gemerkt, dass – wenn ich auf einem hohen Level mitspielen will – mir einfach die Zeit dazu fehlt.
Ich bin halt der Mensch, der es entweder ordentlich macht und richtig viel Zeit reinsteckt oder gar nicht – für halbe Sachen hab ich keine Geduld. Und um 5 Tage die Woche im Homestudio zu sitzen, bleibt neben Studium und Arbeit zurzeit kein Platz.

CF: Wie oben erwähnt bist du auch Musiker, genau genommen Gitarrist. Wie bringst du das zeitmäßig alles unter einen Hut?

Roman: Das fragt mich meine Freundin auch immer. Die Musik hat immer schon einen großen Teil meiner Freizeit eingenommen. Manchmal klappt es besser alles unter einen Hut zu bekommen, manchmal weniger. Mittlerweile bin ich beim Auswählen meiner Prioritäten und im Vorausplanen aber besser geworden. Solange mir die Musik Spaß macht, darf der hohe Zeitaufwand für musikalische Tätigkeiten aber auch gerne so bleiben.

CF: Von der Band Toast The Kitten, in der du als Gitarrist mitwirkst, habe ich schon lange nicht mehr gehört. Gibt es sie noch?

Roman: Im Mai 2020 wär noch ein Gig unter neuen Namen und mit einigen neuen eigenen Nummern geplant gewesen … Über die Coronazeit haben wir uns dann leider etwas aus den Augen verloren. Zurzeit liegt das Projekt aber mal auf Glatteis.

CF: Hast du gewusst, dass es eine Wiener Punk-Band namens Tintifucks gibt?

Roman: Nein, wusste ich nicht.

CF: Hast du auch noch andere Bands? Oder ist etwas in diese Richtung in Planung?

Roman: Zurzeit nicht. Da ich in Wien studiere und dort auch in Ensembles spiele, bleibt wenig Zeit für mehrere Bands gleichzeitig. Ich habe auch einige selbstgeschriebe Sachen herumliegen, die auch irgendwann fertig gemacht werden sollten! Aber ich bin mir sicher ,dass sich da wieder etwas ergeben wird – wenns cool ist und die Mitmusiker motiviert sind, ist mir auch die Musikrichtung mehr oder weniger wurscht – hauptsache es groovt!

CF: Du spielst auch bei den Gravögl und bei Hacklstrumpf. Bist du da ordentliches Bandmitglied?

Roman: Nein! Bei beiden Bands durfte ich als Substitut aushelfen. Einmal am Bass statt Gerald Schaffhauser und einmal am Schlagzeug statt Johannes Forstreiter. Mit den Gravögeln ist es dann leider nie zu einem öffentlichem Gig gekommen – aber ich bin auf jeden Fall bereit, falls wieder jemand am Bass gebraucht wird. Mit Hackelstrumpf hatten wir einen sehr leiwanden Gig im Warehouse!

CF: Wer sind die Feinen Herren, die am 18.9. in der St. Pöltner Innenstadt auftreten werden?

Roman: Unter dem Namen „Feine Herren“ haben wir im Sommer 2020 ein neues Projekt gestartet, mit dem wir im Quartett Swing/Gypsy Jazz auf die Bühne bringen. Wir bestehen aus 2 Gitarren, Geige und Kontrabass. Neben klassischen Gypsy und Bossa Nummern versuchen wir aber auch etwas modernen „Pepp“ einzustreuen – zum Tanzen wird es allemal! Unser Bühnendebüt feiern wir am Sonnenparkfest am 11. September und wir sind sehr heiß darauf endlich wieder live zu spielen!

CF: Wo und wann kann man dich in nächster Zeit noch in Aktion erleben?

Roman: Mit „Feine Herren“ eben am 11.9 im Sonnenpark und am 18.9 in der Innenstadt, aber auch sicher wieder immer wieder als DJ im Warehouse oder in der Umgebung. Wer Interesse an Terminen hat folgt mir am Besten auf Facebook (Roman Koberwein) oder Instagram (@kobsch). Auch die „Feine Herren“ Facebookseite wird bald online gehen!

CF: Ich bedanke mich für das ausführliche Interview.

Werner Harauer
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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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