Sandra Newman – Julia

 

 

 

 

 

 

 

 

Der dystopische Klassiker „1984“ von George Orwell wird in diesem Roman von Sandra Newman aus der Sicht der weiblichen Hauptfigur Julia neu und sehr spannend erzählt.

Julia Worthing lebt in Ozeanien und arbeitet als Maschinistin in der Abteilung „Fiktion“ im Wahrheitsministerium. Sie ist dort für die Wartung und Reparatur von acht riesigen Romanschreibemaschinen zuständig. Von diesen werden die Bücher in „Neusprech“ umgeschrieben. Denn der totalitäre Überwachungsstaat Ozeanien, dem Julia angehört, verbietet immer mehr der alten Wörter.

Sie verliebt sich in den Genossen Winston Smith, der beim „Archiv“ arbeitet. Nachdem von ihm keine Initiative ausgeht, steckt Julia ihm einen Zettel mit den Worten „Ich liebe dich“ zu, den sie selbst von jemand anderen bekommen hat. Kurze Zeit später beginnen die beiden eine Affäre.

Julias Freundin Vicky, die so wie sie im Mädchen-Wohnheim „Arbeiterinner 21“ lebt, wurde ungewollt schwanger. Der Erzeuger ist der stellvertretende Vorsitzende Whitehead, der ihr ein Mittel für die Abtreibung besorgt. Als Julia die verstopfte Toilette reinigen will, findet sie in der Keramikschüssel den winzigen Embryo. Da Whitehead ein Mitglied der inneren Parteiriege ist, wird Vicky nicht bestraft, statt ihr wird in der Nacht ein anderes Mädchen aus dem Schlafsaal geholt und kehrt nicht wieder zurück.

O`Brien vom Liebesministerium beordert Julia zu sich wegen seines defekten Telemonitors. Da diese wegen ihrer heimlichen Beziehung zu Smith eine unangenehme Vorahnung hat, überredet sie ihre Kollegin von „Fiktion“ statt ihr hinzugehen. Sie kommt von dort zwar wieder mit guter Laune zurück, verschwindet aber kurze Zeit später ebenfalls spurlos.

Julia entkommt O`Brien jedoch nicht. Er befiehlt ihr als Hure zu arbeiten und Smith, Parson (einer ihrer früheren Geliebten) und Ampleforth regelmäßig im Proletenviertel in ein Zimmer zu locken, um sie auszuhorchen, da sie als Partei-Verräter gelten.

Nachdem Julia ihren Auftrag erledigt hat, werden alle drei und natürlich auch sie selbst verhaftet und furchtbar gefoltert. Da Julia jedoch schwanger ist und von oben angeordnet wurde, dass sie und das Ungeborene nicht getötet werden dürfen, wird sie vorerst entlassen. Erst nach der Geburt soll sie hingerichtet werden. Durch viel Glück und Mut gelingt ihr letztendlich doch noch die Flucht und sie kann sogar den „Großen Bruder“ sehen, der zu diesem Zeitpunkt allerdings schon Gefangener ist und nicht annähernd so aussieht, wie es die Telemonitore stets gezeigt haben.

Sandra Newman erzählt spannend und erbarmungslos die Geschichte von „1984“ aus der Sicht der weiblichen Protagonistin. Die anderen Hauptfiguren und auch die Handlung wurden vom Originalroman übernommen, ebenso die Dialoge zwischen Julia und Winston Smith. Alles, was Julia im Wohnheim, in den Proletenvierteln, bei der Folter und ihrer Flucht erlebt, stammt aus der Feder von Newman und es ist sehr zu empfehlen, (auch) ihre Version des dystopischen Romans zu lesen.

Sandra Newman
Julia

Roman | eichborn
442 Seiten | € 25,50

 

Claudia Zawadil
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Claudia Zawadil
DI (FH); beim City-Flyer seit März 2002, schreibt Buchrezensionen und Ankündigungen und fotografiert gelegentlich bei diversen Events. Ebenso ist sie Radiomoderatorin (BlackXplosion), Arthouse Cinema-Fan und Vinyl-Lover.

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      miss_marple
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