Senchai: Vom Jump Up zu Deep Drum and Bass

Senchai, Foto: Warehouse, z.V.g.
Senchai, Foto: Warehouse, z.V.g.

Obwohl er seit mehr als einem Jahr in Berlin residiert, war Senchai zur Stelle, als das Warehouse am 30. Dezember zum „One last dance“ aufrief. Wie sich der DJ und Produzent nicht an einen fixen Ort binden will – er pendelt zwischen Wien, St. Pölten und Berlin – , lässt er sich auch musikalisch nicht festlegen und ist immer dort, wo es Neues zu entdecken gibt.

Interview: Werner Harauer
Foto: Warehouse

City-Flyer: Du bist Drum and Bass-DJ und -Produzent. Reicht das Label „Drum and Bass“ heute noch aus, um sich eine gewisse Vorstellung von deiner Musik machen zu können, nachdem es inzwischen jede Menge Subgenres wie Liquid, Neurofunk, Jump Up, Rollers, … gibt? Und in welcher Ecke fühlst du dich am meisten wohl?

Senchai: Die meisten meiner derzeitigen Produktionen könnte man als „Deep Drum and Bass“ bezeichnen. Ich möchte mich jedoch nicht von Genres eingrenzen lassen. Ich versuche immer etwas Neues auszuprobieren und mich selbst herauszufordern. Man kann also auch Veröffentlichungen in anderen Genres von mir erwarten.

CF: Ich hab auch schon einen House-Remix von dir gehört 🙂

Senchai: Genau, das wäre ein Beispiel dazu. Es macht einfach Spaß, Verschiedenes auszuprobieren und beim Produzieren nicht zwingend an ein Genre zu denken. Das gibt viel Freiheit zum Experimentieren. Ich möchte mir bei meiner Musik keine Grenzen setzen und meine ZuhörerInnen an meiner musikalischen Reise teilhaben lassen.

CF: Wann bist du das erste Mal hinter den Plattentellern gestanden? Und was war damals im Drum and Bass angesagt?

Senchai: Das erste Mal stand ich mit 17 Jahren beim HAK Benefiz im Warehouse hinter den Decks. Ich hatte mir kurz davor einen DJ Controller gekauft und allen von meinem neuen Hobby erzählt. Kurz darauf hatte mich mein guter Freund Robin König angesprochen, ob ich am HAK Benefiz spielen möchte und ich habe natürlich hocherfreut zugestimmt. Damals bin ich komplett auf „Jump Up“ abgefahren und das kam auch ziemlich gut an. Ich hatte sonst nur noch „Neurofunk“ auf dem Schirm und das waren auch die einzigen Subgenres, die in St. Pölten wirklich angesagt waren.

CF: Du bist Mitglied bei „Soulshake„. Gibts den Club bzw. die DJ-Community noch?

Senchai: Einige von uns legen noch auf aber ob es noch einmal ein Soulshake Event geben wird steht noch in den Sternen.

CF: Damals hast du deine Sets noch unter dem Pseudonym „Spacecake“ geliefert. Warum hast du den Namen gewechselt?

Senchai: Mein Bezug zu Musik hat sich in wenigen Jahren stark geändert. In den ersten Jahren wollte ich nur abgefahrene „Jump Up“ Sounds hören und voll abgehen. Je mehr ich selbst zu produzieren angefangen habe, sah ich Musik auch mehr als eine Möglichkeit der Expression. Ich habe in kurzer Zeit meinen Stil stark verändert und hatte das Gefühl, das Kapitel „Spacecake“ war damit abgeschlossen.

CF: Du hast mit der Scvlpture-Crew ebenso zusammengearbeitet wie mit Septon, die eine sehr eigenwillige Herangehensweise an Drum and Bass haben. Wie hat sich die Kollaboration ergeben? Bist du an sie herangetreten, oder haben sie sich an dich gewendet?

Senchai: Mal so mal so. Die Kollaborationen ergeben sich schnell, wenn man viel in der Szene unterwegs ist und sich mit anderen Produzenten austauscht.

CF: Mit wem hast du bisher noch zusammengearbeitet?

Senchai: Ich habe durch mein Studium in Wien einige Sängerinnen kennengelernt und habe einige Zusammenarbeiten mit ihnen begonnen. Dabei ist letztes Jahr auch der House Remix entstanden und es sind noch weitere gemeinsame Projekte auf dem Weg. Seit meinem Umzug nach Berlin habe ich dort auch einige Produzenten kennengelernt, mit denen ich jetzt zusammenarbeite. Also mal sehen was das nächste Jahr bringt.

CF: Wann hast du zu produzieren begonnen?

Senchai: Das erste Mal habe ich mir 2014 eine Software zum Musik Produzieren heruntergeladen und zum Spaß irgendwelche Beats gebastelt. Als ich 2017 mit dem Auflegen begonnen habe, griff ich das Produzieren auch wieder auf. Ich habe mich seither viel mit dem Thema befasst und könnte mir jetzt ein Leben ohne Musikproduktion nicht mehr vorstellen.

CF: Du hast bisher hauptsächlich andere Drum And Bass Künstler remixt. Nun erscheint der Track „On and On“ unter deinem Namen auf Delta 9 Recordings. Ist das dein erster Track unter dem Namen Senchai?

Senchai: Als Senchai hatte ich bereits ein paar eigene Tracks auf Soundcloud gestellt, sie aber sonst nirgends veröffentlicht. Der Track „On and On“ ist jetzt die erste Nummer, die auf einem Label veröffentlicht wurde. Demnächst kommt auch die erste EP auf dem deutschen Label „C Recordings“. Mit insgesamt 4 Tracks wird das meine größte Veröffentlichung bisher und das Projekt kommt noch im Dezember 2022 raus.

CF: Delta 9 Recordings veröffentlicht vor allem darken, minimalistischen Techstep. Fühlst du dich dort gut aufgehoben?

Senchai: Ja, ich fühle mich dort gut aufgehoben und denke, dass ich stilistisch ganz gut reinpasse.

CF: Du hast an der SAE Wien studiert. Unterstützten und fördern die Lehrenden an der SAE grundsätzlich experimentelle elektronische Musik, so wie du sie machst?

Senchai: Ich habe zwei Jahre lang an der SAE Wien studiert und habe im September mein Studium an der SAE Berlin abgeschlossen. Die Lehrenden haben mich stets unterstützt und konnten mir sehr viel in Bereichen der Musikproduktion und Tontechnik beibringen. Ein Dozent hat sogar selbst ein Drum and Bass Projekt mit dem Namen „Massive Zebra“. Wir konnten uns viel über die Produktionsprozesse austauschen und haben auch schon zusammengearbeitet.

CF: Zu etwas ganz anderem: Fühlst du dich der Generation Z zugehörig? Ihr sagt man nach, sie wolle (wieder) die Welt verändern, sie sei nicht so lasch, wie die Generation X und Y.

Senchai: Ich fühle mich nicht zwingend irgendeiner Generation zugehörig. Dennoch habe ich ein großes Bedürfnis, meine Stimme zu nutzen, um Positives zu bewirken und auf zeitgenössische Probleme hinzuweisen. Ich finde den Gedanken sehr schön, mit Musik und Kunst etwas Gutes bewirken zu können.

CF: Vielen Dank für das Interview. Wir sind schon sehr gespannt auf deine erste EP.

www.facebook.com/Senchaidnd

Werner Harauer
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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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