Sich in Loops erklären: Wandl veröffentlicht LP

Wandl © Maria Oikonomou, z.V.g.
Wandl © Maria Oikonomou, z.V.g.

Wenn du von der Kritik für dein Werk gefeiert wirst, kann sich der Erwartungsdruck wie ein tonnenschwerer Mühlstein um deinen Hals legen. Oder wie ein Adrenalinschub, der einen neuen Kreativschub auslöst. Wandl kennt beides.

Lukas Wandl oder Wandl, wie er sich kurz nennt, ist St. Pöltens derzeit wichtigster Export in Sachen elektronischer Musik. Das 2017er Album „It’s All Good Tho“ des ehemaligen BORG-Schülers wurde vom deutschen Musikmagazin „Musikexpress“ zum viertbesten Album des Jahres gewählt, knapp hinter Kendrick Lamar 🙂
Am 2. Oktober erschien auf Affine Records das Nachfolgealbum „Womb“ (siehe Review), das auf 25 Minuten all das komprimiert, was Wandl ausmacht: brüchig-souliger Gesang, dunkle Akkorde und eine verhuscht-psychedelische Produktion.

Wandl – ein Sänger und Produzent aus der Provinz macht Musik für die Weltmetropolen

Wandl bastelte schon seit Anfang der 10er-Jah­re in seinem St. Pöltner Kinder­­zimmer-Stu­dio an seinen Tracks und nur einige Ein­geweihten wussten davon. Das änderte sich erst 2013, als er bei Siluh Records an­dockte. Die EP „Soon“ erschien, im selben Jahr wurde sein Remix des Bauchklang-Tracks „Ray“ veröffentlicht und er hatte bei deren Ab­­­schiedskonzert im ausverkauften VAZ St. Pölten einen gefeierten Auftritt.
Doch Wandl zieht es nach Wien. In seiner alten Homebase erhält der Meister der gebrochenen Loops mit einer Vorliebe für die Acts auf Brainfeeder Records einfach zu wenig Input. Das Wiener Label Affine Records empfängt ihn 2014 mit offenen Armen. Eine fruchtbare Zusammenarbeit nimmt ihren Anfang, die mit dem oben erwähnten Album „It’s All Good Tho“ ihren vor­­­läu- figen Höhepunkt erreicht.
Nach einer erfolgreichen Tournee mit Bilderbuch zeichnet sich ein Karriere­sprung ab, der sich letztendlich nicht ein­stellen sollte und dann ist lange nichts. „Im Vorjahr ging’s mir nicht so gut. Ich habe mich zurückgezogen und keine Mu­sik mehr gemacht“, verrät Wandl im Interview. Eine intensive Nabelschau ist die Folge, die in der Frage gipfelt: „Wa­rum mache ich eigentlich Musik? Weil ich die Bestätigung suche? Weil ich mei­ne Gefühle ausdrücken und verstanden werden will? In erster Linie doch, weil mir das Singen und Produzieren Freude bereitet.“ Also Musikerfreunde anrufen und zurück ins Studio. „Im Moment schätze ich die Teamarbeit sehr, ich will auch mit einer Band live auf der Bühne spielen“; er zählt einige abgeschlossene Pro­jekte auf und bekennt schließlich: „Das aktuelle Album ‘Womb’ war in dieser Form gar nicht geplant. Da waren neun Songs, die einen Lebensabschnitt abbildeten und die mussten raus.“
www.facebook.com/wandlmusic/

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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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