SKN St. Pölten Basketball: Challenging Kelvin Lewis

Kelvin Lewis © Klaus Engelmayer, z.V.g.
Kelvin Lewis © Klaus Engelmayer, z.V.g.

In Erfüllung unseres Bildungsauftrages zur landeshauptstädtischen Menschenvielfalt, holen wir mit Kelvin Lewis diesmal einen Ballsportprofi ins Scheinwerferlicht. Dem sportinteressierten Leser ist wohl bekannt, dass dem hiesigen SKN nicht nur ein Fussball -, sondern auch ein Basketballverein angehörig ist. Letzterer sorgte zuletzt („prä-coronar“) ob seiner ansehnlichen Leistungen (guter 5. Rang in der abgelaufenen Saison sowie eine sensationelle Teilnahme am Austria Cup Final Four) für ein gut gefülltes NÖ Sport.Zentrum.
Rita Kronsteiner bat für den City Flyer den sympathischen Punktejäger Kelvin Lewis zum Interview (mit freundlicher Unterstützung von Basketball-Insider Jürgen Huber).

Interview: Rita Kronsteiner
Foto: Klaus Engelmayer

City-Flyer: Kelvin, deine Spielerposition ist per Definition Guard. Meinem Verständnis nach bringst du alle Anforderungen für einen Shooting Guard mit: offensive Spielweise, guter Wurf, Übersicht, Beweglichkeit und Abschlussstärke. Und du hast deinen Vertrag beim SKN verlängert. Was möchtest du hier erreichen?

Kelvin Lewis: Ich möchte den 1. Platz mit der Mannschaft erreichen. Es ist definitiv möglich – die Spieler sind gut, das Equipment passt – um alles auf das nächste Level zu heben!

CF: Du hast schon viele spielentscheidenden Punkte spät im Spiel und sogar knapp vor Schluss erbracht – zur absoluten Begeisterung der Fans. Wie behält man die Nerven? Und wie geht man mit dem Fehlen der „Home Crowd“ in der Halle um?

Kelvin Lewis: Ohne Zuschauer zu spielen bringt uns alle zurück in eine Zeit, als wir Buben waren und vor niemandem spielten. Das ist ein neues Gefühl und man lernt, damit umzugehen, auch wenn der Home Support leider fehlt. Man konzentriert sich auf das, was man erreichen möchte. Und wie man im letzten Moment Punkte erzielt? Konzentration, Training, Fokus.

CF: Bleiben wir dabei: ich darf meinen befreundeten Basketballspieler Jürgen zitieren: er spricht von der „Beast Mode“, in die er umschaltet, sobald er den Platz betritt. Aufgrund der Schnelligkeit des Spiels und der testosterongeladenen Atmosphäre muss man (n) wohl tatsächlich den absoluten Siegeshunger auspacken, stimmts?

Kelvin Lewis: Ja, er hat recht (lacht). Ich nenne es nur anders: „obsessive“ zu sein. Das ist etwas, das du mental immer in dir hast, ein tägliches Gefühl. Ich kann es erbringen, wenn ich mich jeden Tag aus Wohlfühlsituationen heraus motiviere. Nennen wir es „intensed“ sein – mit jeder Faser das Ziel erreichen wollen. Ich bezeichne mich selbst als extrem ehrgeizig, trainiere viel – dann bist du vorbereitet. Vorbereitet auf den Siegestreffer.

CF: Du stammst aus Dallas, Texas (dieser US-Bundesstaat zählt gleich 3 NBA Vereine). Erzähl uns bitte von deinem Werdegang – die USA ist mit der NBA ja der Nabel der Basketballwelt.

Kelvin Lewis: Mein Vater war Profi bei den Dallas Mavericks. Er hat mich überall hin mitgenommen, ich war bei den Trainingscamps aller Texas-Mannschaften. Dann hat es mich nach Europa verschlagen. Und hier habe ich auch familiär Fuß gefasst. Eine schöne Reise, aber ich besuche die alte Heimat regelmäßig.

CF: Nenne mir deine(n) Lieblingsspieler!

Kelvin: Kobe Bryant und Dirk Nowitzki.

CF: Du wohnst in St.Pölten: was gefällt dir an der Stadt besonders? Gibt es einen Lieblingsplatz?

Kelvin: Ich mag St.Pölten sehr gern. Es ist eine schöne Stadt mit einem großen Angebot. Leider hatte ich noch nicht viel Zeit, Veranstaltungen zu besuchen. Sag mir das nächste Mal, wenn was stattfindet, ich komme hin! (lacht!)

CF: Du bist selbst junger Papa. Wie sieht es mit unseren Nachwuchsspielern aus? Wirst du dich um diese kümmern – du besitzt seit kurzem die D-Trainerlizenz (U 10/12)?

Kelvin: Ja, das werde ich machen. Nicht nur, dass es wichtig ist, den Nachwuchs zu fördern, es ist auch mein Zukunftsziel, einmal Trainer zu sein, das eigene Wissen weiterzugeben.

CF: Was hältst du übrigens vom sogenannten Social Justice Movement in der NBA? Spieler können sich BLM (Black life Statements) auf die Trikots drucken lassen und beim Abspielen der Hymne darf gekniet werden (Colin Kaepernick wurde aufgrund einer solchen Aktion vor einigen Jahren vertraglos).

Kelvin: Eine tolle Sache! Es stimmt, Kaepernick hat keinen Vertrag bekommen damals – aber jetzt gibt es dafür endlich die verdiente Aufmerksamkeit. Es muss erlaubt sein, dass Menschen und ihr Denken sich entwickeln und Dinge im Lichte der aktuellen Ereignisse anders / richtiger sehen.

CF: Eine Frage im Hinblick auf die Debatte rund um die antisemitischen, schockierenden Vorfälle in den USA: erfährst du hier echte Gleichstellung oder spürst du unterschwellige Alltagsdiskriminierung?

Kelvin: Ich bin sehr dankbar, in Österreich zu leben. Lass die Leute meine Hautfarbe anschauen, solange es Neugier ist, ist es ok! Ich habe hier nie Diskriminierung erfahren und schätze mich glücklich: alle sind höflich und respektvoll zu mir!

CF: Eine spieltechnische (oder auch spielphilosophische) Frage noch zum Abschluss: in den letzten mehr als 10 Jahren hat es eine Entwicklung hin zur Forcierung der 3er Würfe gegeben (schon Dirk Nowitzki hat diese Entwicklung eingeläutet, ein markanter Name ist auch James Harden). Während in der Ära Michael Jordan sagen wir defense-lastig gespielt wurde und vereinzelte Top-Spieler auf die 3er Würfe „gewartet“ haben, machen heute die 3er Punkte einen massiven Anteil am Gesamtscore aus. Immer mehr Spieler trainieren explizit darauf hin, Klubs suchen diese Spezialisten vorrangig.

Kelvin: Ja, das stimmt! Aber weißt du, das macht extrem Spaß! Rein rechnerisch ist es klar, dass 3er Punkte mehr bringen als 2er und du trainierst darauf hin. Auch kleinere Spieler, wenn sie es beherrschen, haben jetzt die Chance. Die Taktiken haben sich entwickelt, jeder muss bereit sein, einen guten Treffer zu landen, das erweitert das Spektrum des Spiels – großartig! (lacht)

Steckbrief:
Name: Kelvin Micháud Lewis
Geb: 12.4.1988
Origin: Dallas, Texas, USA
Größe: 1,93 m
Position: Guard
Seit 2019 SKN St.Pölten, Austria
Basketball Superliga
Wohnhaft: St.Pölten

Werner Harauer
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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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