Spritzweinmafia: Grunge im Hip Hop Look

Sebastian Strasser, Georg Haas (am Steuer) und Anton Haiderer (am Rücksitz) aka Spritzweinmafia Crazy Sounds zwischen Hip Hop und Punkrock sind ihr Markenzeichen. Foto: Ines Androsevic, z.V.g.
Sebastian Strasser, Georg Haas (am Steuer) und Anton Haiderer (am Rücksitz) aka Spritzweinmafia Crazy Sounds zwischen Hip Hop und Punkrock sind ihr Markenzeichen. Foto: Ines Androsevic, z.V.g.

Spritzweinmafia – der Bandname ist genauso verrückt wie die Musik und die Zusammensetzung des Trios, dessen Mitglieder aus St. Pölten, Melk und Krems kommen. Spritzweinmafia sind Sebastian Strasser, Georg Haas und Anton Haiderer, die sich musikalisch irgendwo zwischen Hip Hop und Grunge verorten.

Interview: Werner Harauer
Foto: Ines Androsevic, z.V.g.

City-Flyer: Die Bandmitglieder der Spritzweinmafia sind ….?

Schurl: Die Band Spritzweinmafia sind Bassy, Schurl und Toni, wobei man sagen muss, dass hinter dem ganzen Projekt noch weitere Leute stehen, die es zu dem gemachten haben das es ist. Sam Gilly von House of Riddim hat das ganze recordet und gemischt. Er hat auch immer wieder mit seinen Ideen den Sound beeinflusst und die ganze EP zu einem runden Projekt gemacht. Bani Benassi trägt ebenso durch seinen Einsatz für die Musikvideos/Covers/Visuals einen großen Teil dazu bei.

CF: Wer kommt aus St. Pölten Stadt / Land und wie alt seid ihr?

Toni: Bassy (27) ist direkt aus St. Pölten, Schurl (28) aus Krems und Toni (22) aus Unterbergern im Dunkelsteinerwald.

CF: Seit wann seid ihr unter diesem Bandnamen aktiv?

Bassy: Der erste Song „Cali“ entstand eigentlich aus dem Grund, da wir einen Track rein nur mit echten Instrumenten machen wollten und wir früher alle eigentlich sehr viele alternative Bands gehört haben. Das war im Dezember 2020. Da wir schnell begeistert von der Entstehung des Songs waren haben wir beschlossen das ganze unter einem Bandprojekt weiterzuführen und so entstand der Rest.

CF: Sind die Songs im St. Pöltner Musik-Biotop entstanden?

Bassy: Die Songskizzen entstehen meistens bei den wöchentlichen Jam Sessions in Bergern bei unserem Gitarristen. Diese werden dann bei Sam Gilly im Studio in Karlstetten recordet. Manchmal läuft dieser Prozess noch etwas chaotisch ab, da wir versuchen die Musik in unserem Alltag neben unseren „Brotjobs“ zu integrieren, was nicht immer so einfach ist. Aber schön langsam geht der ganze Arbeitsprozess in eine professionellere Richtung, was man, denke ich, schlussendlich auch in den Songs hören wird.

CF: Habt ihr zuvor in einer anderen Band gespielt?

Schurl: Bassy und Schurl machen schon einige Zeit Soloprojekte auf Trap Beats, aber das Rock/Punk Ding ist etwas Neues. Toni spielte bereits zuvor in einigen anderen Bands aber ich glaube bei uns bleibt er jetzt.

CF: Ich möchte alle (ehemaligen) Bands der Umgebung namentlich kennen. Daher meine Frage an Toni: Wie hießen die Bands, mit denen du gemeinsam gespielt hast?

Toni: So wirklich als Bands kann man diese glaube ich nicht bezeichnen, das waren eher Jam-Sessions mit verschiedenen Freunden und Bekannten aber daraus hat sich nie etwas ernsteres entwickelt, deswegen war ich froh, dass Schurl und Bassy auf mich zu kamen und mir sagten sie wollen etwas mit mir starten.

CF: Ich musste bei eurem Bandnamen sofort an Wiens Ex-Bürgermeister denken. Habt ihr eine besondere Beziehung zum Spritzwein?

Toni: Mit dem Ex Bürgermeister hat es eigentlich wenig zu tun. Schurl kommt ursprünglich aus der Wachau und Toni aus einer Weinbaufamilie. Da darf der Spritzwein natürlich nicht fehlen! Und da wir bei unserem Namen auch unsere Herkunft klar machen wollten waren wir uns rasch einig. Das „Mafia“ haben wir dann noch für den kleinen Gangsterfaktor hinzugefügt.

CF: Steckt in jedem von euch ein kleiner Gangster?

Bassy: Hier stellt sich natürlich die Frage wie man das Wort “Gangster” definiert. Ich denke mit “Drive by shootings” und “Drogenhandel” im großen Stil haben wir alle relativ wenig am Hut, wenn man jetzt einmal die herkömmliche Interpretationsweise hernimmt. Ich würde Gangster für mich so definieren, dass wir einfach das machen und sagen, worauf wir Lust haben und sich mittlerweile sehr wenig Gedanken darüber machen was irgendjemand über uns denkt.
Hier fällt mir ein kleines Zitat von einem schon etwas älteren Song “Dj Tomekk ft. Kurupt, G-Style, Tatwaffe – Ganxtaville Pt.2″ ein: “Tu mir den Gefallen und bleib Gangster, das heißt mach genau das was du denkst, klar.” Das beschreibt es für mich ganz gut.

CF: Auf der EP “Eldorado” gebt ihr euch auf drei Songs rockig bis punkig. Aber der vierte Song “Cali” fällt aus der Reihe. Da ist viel HipHop drin. Wohin geht die Reise in Zukunft? In Richtung “Oben” oder in Richtung “Cali”?

Bassy: In Zukunft wird es wahrscheinlich mehr in Richtung „Oben“ gehen, wobei man das so eindeutig nicht sagen kann. Unsere Hip Hop Einflüsse wollen wir natürlich nicht ganz aufgeben. Spritzweinmafia soll nämlich genau das sein, eine Mischung aus Rap, Rock, Punk und Grunge. Zusätzlich haben vor im Winter unser Album fertigzustellen, welches musikalisch sehr vielseitig gestaltet sein wird, und wo jeder auf seine Kosten kommen sollte.

CF: Der Song “Oben” ist eine Kooperation mit Franz Fuexe. Wie kam die Zusammenarbeit zustande?

Schurl: Der Plan war ein passendes Feature für die EP zu finden. Schnell war uns klar wir wollen etwas aus Österreich und wir wollen etwas aus der Dialektschiene. Da wir alle Drei die Band Franz Fuexe sehr cool finden fragten wir einfach per Instagram an. Und nach kurzem Austausch war das Ding eigentlich geklärt. An dieser Stelle möchte ich noch betonen, dass wir uns im ersten Moment sehr geehrt fühlten, dass eine etablierte Band wie die Fuexe unseren Sound cool fand und etwas musikalisches mit uns machen wollten. PS: Shoutout an die Füxe! Du deppade Sau.

CF: Meinem Dafürhalten ist “Cali” der Hit auf der EP. Ist es eine
 strategische Entscheidung von euch, eher die Rock/Punk-Richtung
einzuschlagen?

Bassy: Da “Cali” unser erstes alternativeres Projekt war, war der Sound auch noch eher an unseren Solo-Projekten angelehnt. Dazu muss man natürlich schon sagen, dass wir, auch durch das Feedback was wir vorab zum Song bekamen, schnell wussten, dass wir zu diesem Song ein Video drehen sollten, da es wahrscheinlich doch eine größere Hörerschaft anspricht. Und so unrecht hatten wir mit unserem Gefühl nicht. Wir schickten den Song zu 88,6, bekamen prompt eine Rückmeldung, und wurden in das Sendungsprogramm aufgenommen.
Ich würde die Entscheidung eher in diese Richtung zu gehen nicht als strategisch bezeichnen, es war eher das was wir alle 3 in den Jamsessions am meisten fühlten und deswegen entstanden einige Songs, welche in dieser Richtung angesiedelt sind.

CF: Ist musikalische Vielseitigkeit verkaufstechnisch heute nicht eher ein Nachteil?

Bassy: Um diese Frage tiefergehender beantworten zu können bin ich, denke ich, noch zu wenig lange im Musikgeschäft tätig. Was ich dazu sagen kann ist nur, dass wir uns auch noch in vielen Dingen ausprobieren möchten und auch keine Scheu davor haben, das zu tun.
Grundsätzlich wollen wir, wie bereits erwähnt, das machen was uns Spaß macht und worauf wir Bock haben. Natürlich ist uns bewusst, dass es in der Musik oft eine Gratwanderung ist zwischen, dem machen was man gerne macht und dem was im Endeffekt verkaufstechnisch auch wirklich funktioniert, denn unser Ziel ist am Ende des Tages natürlich auch von der Musik, die wir machen, leben zu können.

CF: Ihr habt Grunge als Referenz benutzt. Welchen Bezug habt ihr zu Grunge?

Toni: Grunge haben wir deswegen als Referenz benutzt, da wir alle große Nirvana Fans sind. Überhaupt ich bin ein Riesen Kurt Cobain Fan und habe seine Art Musik zu machen immer bewundert.

CF: Autotune kommt in allen Songs dezent zum Einsatz. Ist das jetzt State Of The Art?

Bassy: Autotune ist in der musikalischen Richtung, in der sich Bassy und Schurl bewegen, momentan sehr präsent. Dabei haben wir uns gedacht: Erstens macht keine Rock/Punkband Autotune und zweitens sind das einfach wir. Und was gibt es Schöneres als einfach das zu machen, dass man selbst gut findet. Ich denke genau diese Mischung aus Rap, Rock, Punk in Kombination mit Autotune Gesängen macht unser Projekt auch so einzigartig.

CF: Bassy und Schurl, habt ihr zuvor schon gemeinsam Tracks aufgenommen?

Bassy: Ja, wir haben bereits zuvor an einigen Projekten gemeinsam gearbeitet und da diese Zusammenarbeit auch immer recht harmonisch ablief, war das auch, denke ich, der Grund warum Schurl mich zu sich und Toni ins Boot holen wollte, um den ersten Song der EP “Cali” aufzunehmen.

CF: Schurl, hast du mit Juna Shawty zusammengearbeitet?

Schurl: Ja habe ich. Juna Shawty kenne ich bereits seit über 10 Jahren von dem früheren Rapduo Pielachtola Hund, mit denen wir beide damals sehr viel Zeit verbracht haben.
Für Nephew, der sehr viele meiner Solotracks produziert hat und nebenbei ein sehr guter Freund von mir ist, haben wir den gemeinsamen Song „Broskis“ für seine Producer EP aufgenommen.

CF: Eure früheren Songs sind sehr kommerziell ausgerichtet. Sie gehen in die R’N’B- und Trap-Richtung mit viel Autotune. Wie passt das zum neuen Projekt? Und verfolgt ihr die Trab-Richtung weiter?

Bassy: Generell kommerziell oder kommerziell in Bezug auf das Spritzweinmafia Projekt? Ich muss gestehen, dass bei mir dahingehend wenig Kalkül dahintersteckt, ich mache einfach das was mir gefällt und worauf ich Bock habe. Ich bin ein großer Fan von basslastigen, leicht distorteden, Trap Beats, in denen etwas leicht Melancholisches mitschwingt. Autotune ist immer so eine Sache, manche lieben es, manche hassen es. Meine Meinung dazu ist, man muss es richtig einsetzen und aufpassen, dass man nicht übers Ziel hinausschießt.
Wir machen beide neben unserem Band Projekt auch noch unsere Solo Dinge, für die jetzt aber logischerweise nicht mehr ganz so viel Zeit bleibt, weil wir ja auch alle leider (noch) keine Berufsmusiker sind. Und ich denke wir werden beide die Trap Richtung weiterverfolgen, da wir beide diese Art von Musik lieben. Aber warum für eines entscheiden, wenn man die Freiheit hat beides machen zu dürfen?

CF: Die Songs der Spritzweinmafia wurden mit echten Instrumenten
 eingespielt. Wer von euch spielt welches Instrument?

Schurl: Toni spielt die Gitarrenparts und den Bass ein, Schurl sitzt am Schlagzeug und singt zusätzlich und Bassy ist ausschließlich für Gesang zuständig.

CF: Rappt ihr alle drei?

Schurl: Rappen tun grundsätzlich nur ich und Bassy. Nur ein einziges Mal konnten wir Toni überreden bei einer Jam-Session in Kroatien einen 8er zu kicken, was ihm aber grundsätzlich recht bravourös gelang.

CF: Das für Winter geplante Album wird wieder im House Of Riddim aufgenommen?

Schurl: Das ist fix. Die Zusammenarbeit funktioniert außerordentlich gut und das know how von Sam Gilly was Tontechnik angeht hilft uns in unserem Entstehungsprozess sehr weiter.

CF: Vielen Dank für das Interview. Wir sind schon sehr gespannt auf die kommende LP im Winter.

www.instagram.com/spritzweinmafia/

Werner Harauer
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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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