Steve Ponta, der Kopf hinter der Party

Foto © photon-fotografie, z.V.g. Steve Ponta aka Selecta Weasel hinter den Turntables.

Von Toronto, Kanada in die Loich ins Pielachtal zu ziehen muss einen schweren Schock auslösen. Zum Glück war Steve Ponta, besser bekannt als Selecta Weasel, zum Zeitpunkt des Umzugs zwei Jahre alt. Heute ist der 37-Jährige fest verwurzelt in St. Pölten und kann auf eine 20-jährige Vergangenheit als DJ und Veranstalter zurückblicken.

Interview: Werner Harauer
Foto: PhotonFotografie

 

City-Flyer: Magst du dich unseren Lesern kurz vorstellen?

Steve Ponta: Mein Name ist Steve Ponta. Ich bin in Toronto, Kanada geboren und bin mit 2 Jahren nach Österreich gekommen.
Aufgewachsen bin ich in einem kleinen Dorf namens Loich im Pielachtal. Ich bin 1999 das erste Mal hinter dem DJ-Pult gestanden und hab mein erstes Event 2002 im Gasthaus Koll, dem jetzigen Vincent Pauli veranstaltet.

CF: Ist Steve Ponta dein richtiger Name?

Steve: Ja, dass ist ein typisch kanadischer Name.

CF: Wie kamst du zum Namen „Weasel“? Hat der eine Bedeutung?

Steve: Klar! Chungi aka DJ Kiterider hat mir eine SMS geschrieben, ob ich Zeit habe aufzulegen und wie mein DJ-Name lautet. Bis dahin bin ich auf allen Flyern immer unter „Steve Ponta“ angekündigt worden. In dem Moment saß ich gerade mit zwei Freundinnen im Café und eine davon hat mich immer sekkiert mit „nenn dich „Weasel“, weil du wieselst immer so herum“. Nach 1-2 Stunden Nachdenken sendete ich Kiterider „Steve Ponta“ retour, aber sie sekkierte mich wieder mit „Weasel“. Daraufhin schrieb ich eine zweite Nachricht, dass er den DJ-Namen „Weasel“ nehmen soll.
Der Name hat für mich über die Jahre schon Bedeutung gewonnen, da er anscheinend zu meinem Gemüt passt.

CF: Du hat deine DJ-Karriere im Jahr 1999 gestartet. Kannst du dich noch erinnern, bei welchem Event du aufgelegt hast?

Steve: Leider weiß ich nicht mehr genau, wo genau ich das erste Mal aufgelegt habe. Es waren auf jeden Fall die ersten Jahre immer die 2ten Floors auf verschiedenen Parties von Syndrom (Tekk) und Kuhbus etc.

CF: Hast du damals schon Reggae gespielt?

Steve: Eigentlich hab ich mit Hip Hop angefangen und bin erst später auf Reggae und Dancehall gestoßen. Mein erstes Stück Vinyl hab ich mir 1999 gekauft und zwar von 2 Pac. Ich hatte davor schon einige Platten von meinen Eltern stibitzt, das waren großteils Blues- und Jazz-Platten. Mit Hip Hop hab ich den Weg zu mehr beat-lastiger Musik gefunden und erlag schlussendlich dem Rausch des Plattenkaufens.

CF: Warst du da Einzelkämpfer, oder wart ihr eine Gruppe von DJs?

Steve: In den Anfangszeiten hab ich mich solo durchgeschlagen. 2002 hab ich dann mit ein paar Freunden das Kollektiv „Sensikru“ gegründet. Aber nach ein paar Veranstaltungen hab ich mich dann wieder selbstständig gemacht und habe mit Gregor Praher vom ehemaligen „Seven Shop“ (jetzt Mellowmove)und Birgit Hinterhofer „High Tide Music“ gegründet. In dieser Konstellation haben wir ungefähr ein halbes Jahr gemeinsam Veranstaltungen organisiert. In der Zeit ist auch die legendäre „X-Mas Session“ entstanden.
Ich habe dann Christian Lakatos aka Meph kennen gelernt, der machte damals unter den Namen „Mixed Bizness“ einige Veranstaltungen. Kurzerhand haben wir beschlossen zu fusionieren und alles unter „Mixed Bizness“ weiter zu führen.
Es war eine spaßige Zeit und wir hatten echt tolle Events, aber ich wollte mich mit dem Auflegen noch weiter entwickeln.

CF: Ich glaube, es war 2003, als du mit Capt. Dex, Feewah, Northernlight und Funkyflow den Boomarang Sound gegründet hast?

Steve: Ja, war es. Der Grund warum wir Boomarang Sound gegründet haben ist ein einfacher. Ich wollte damals auch in der Wiener Reggae-Dancehall Szene mitmischen, somit habe ich mich mit einigen DJs zusammengetan, die ich während der Veranstaltungen, bei denen ich mitwirkte, kennenlernte.
Ich hab mit Capt Dex öfters bei Mixed Bizeness aufgelegt, Funky Flow war ein Teil von Sensikru, Northernlight war ein Reggae-Dj und Veranstalter und Daweed war auch mit an Board.
Feewah haben wir erst angeworben, nachdem Funky Flow in Babypause bzw. in Dj-Pension gegangen ist.

CF: Wie darf man sich die damaligen Parties vorstellen? Ich kann mich erinnern, dass die Reggae-DJs immer auf den zweiten Floor verbannt wurden, während die DnB-DJs den großen Floor bekamen. Ab wann ca. gab’s reine Reggae-Veranstaltungen?

Steve: Eigentlich kannten damals die wenigstens Jugendlichen Reggae-Dancehall, außer vielleicht Bob Marley. So richtig salonfähig wurde Reggae-Dancehall erst 2001 mit Seeed, Gentleman, Sean Paul und Co.
Nachdem Reggae-Dancehall in den Charts landete, war die Tür offen, um auch die großen Bühnen zu bespielen.

CF: Du warst damals bei Boomarang als MC angeführt. Was war deine Aufgabe?

Steve: Haha…, ich war eigentlich immer DJ, aber hab mir das Mikrofon zwischendurch geschnappt, um Stimmung zu machen. Was ich zuerst aus der Not heraus gemacht habe, weil das kein anderer machen wollte, wurde dann kurzzeitig zu meiner Leidenschaft. Mc Daweed hat damals schon Songs geschrieben, hat aber mehr performt. Ich war halt eher der Wilde, der sich einfach das Mic schnappte und das Publikum motivierte. Irgendwann haben Dex und ich die Rollen getauscht und er wurde zum MC und ich wieder zum DJ.

CF: Später warst du ausschließlich DJ bzw. Selecta?

Steve: Ich war eigentlich immer beides, mir ging es immer darum, dass das Publikum eine gute Zeit hat und somit war mir alles recht, um die Leute zu motivieren.

CF: Boomarang Sound gilt als erstes reines Reggae-Soundsystem in stp. Es gab mit dem Kuhbus Soundsystem bereits einen Vorläufer, bei dem allerdings auch Drum And Bass DJs am Programm standen. Haben euch Leute wie Skarlatan und Bounty Chiller von Kuhbus beeinflusst? Worin lagen außerdem die Unterschiede zu Kuhbus?

Steve: Kuhbus hat vielleicht Sensikru inspiriert, aber mit Boomarang Sound haben wir uns wohl eher international orientiert. Da wir auch die Chancen außerhalb St. Pöltens nutzen wollten, war es ein logischer Schritt ein reines Reggae-Dancehall Soundsystem zu gründen.
Bounty Chiller war in meinen ersten Jahren, neben mir der Einzige der das Deejaying auch so gelebt hat wie ich. Wir haben sehr oft gemeinsam gespielt und verstehen uns nach wie vor sehr gut. Lukascher aka Bounty Chiller ist ein super Typ und ich finde es toll, was er aus sich gemacht hat.

CF: Kann man das Jahr 2002 als Start eines großen Reggae- und Ragga-Booms in St. Pölten festmachen? Und wann war deiner Meinung nach der Höhepunkt des Hypes erreicht?

Steve: Ja, in dem Jahr wurden Seeed mit „Dancehall Caballeros“, Gentleman mit „Journey to Jah“ und auch Sean Paul mit „Gimme the Light“ released. Das hat sicher seinen Teil zum Boom beigetragen. Wann der Höhepunkt erreicht wurde, lässt sich schwer festmachen. Der Boom entwickelte sich zu einer richtigen Szene und auch Gemeinschaft! Leider hat sich das in den letzten Jahren aufgelöst.

CF: Am Ende waren es ca. 20 Soundsysteme in stp. Kann das stimmen?

Steve: Wir waren zuerst zwei Djs und dann waren es – wenn ich mich richtig erinnere – 16 Soundsysteme/Crews, die relativ schnell nachkamen.

CF: Wie viele aktive Soundsystem gibt es davon noch?

Steve: Die Soundsystem haben sich in den letzten Jahren sehr reduziert. Einige sind nach Wien gezogen und sind noch immer gut unterwegs. Irie Sound zum Beispiel haben sich mittlerweile gemausert und spielen regelmäßig internationale Gigs. Tu-Gedda sind inzwischen eher in Wien beheimatet. One Million spielt auch Hip Hop, aber kein Set ohne Reggae- und Dancehall-Hits. Lion Soldiers sind nach einer Pause wieder mit Veranstaltungen in der Jahnturnhalle gestartet, wo auch Kathmandu Sound an den Plattentellern ihr Bestes geben. Sonst ist es relativ ruhig geworden.

CF: Gibt’s den Boomarang in dieser Form noch? Was machen die restlichen Mitglieder?

Steve: Capt. Dex und ich legen nach wie vor in ganz Österreich auf. Feewah wohnt jetzt in Wien. Northernlight hat eine Familie gegründet. Funky Flow ist immer wieder im Verein Sonnenpark tätig und seine zwei Söhne sind mittlerweile schon groß geworden. Mc Daweed ist Lehrer.

CF: Hattet ihr auch internationale Gigs? Dürfen wir uns das so vorstellen wie im DnB, wo die DJs für ein Set nach London jetten?

Steve: In den 15 Jahren, seitdem wir Boomarang Sound gegründet haben, waren wir einige Male international unterwegs. Deutschland, Schweiz, Slowenien und sogar Polen war dabei. Es klingt alles etwas romantischer als es in Wahrheit ist.
Man steigt in ein Flugzeug, geht kurz ins Hotel, oder in unseren Fällen war es öfters auch eine private Unterkunft. Schnell noch etwas zum Essen besorgen und schon geht’s auf die Party, auflegen, feiern und dann wieder zurück ins Hotel. Keine Zeit auszuschlafen und schon wieder in das Flugzeug. Da bleibt nicht viel Zeit, um den Aufenthalt richtig genießen zu können und die Stadt anzuschauen. Man tut es eigentlich nur, weil man die Musik und das Performen liebt.
In unseren besten Zeiten waren Dex und ich fast jedes Wochenende zweimal auf Tour – meist national, dass würde man nicht machen, wenn nicht viel Leidenschaft dahinter steckt.

CF: Wenn du dich an deine Auftritte zurück erinnerst, was waren deine schönsten/schrägsten/peinlichsten Momente deiner bisherigen Karriere?

Steve: Haha … einer der peinlichsten Momente fällt mir sofort ein. Ich war damals in einer Band „the Sunsurfaz“, ich war an den Percussions und sang auch zweite Stimme. Zwischen den Liedern war immer etwas Zeit, um das nächste Lied anzukündigen. Es war ein Konzert im VAZ St. Pölten im Rahmen des „Melting Pot“ und es waren glaub ich 1500 oder 2000 Besucher anwesend. Sprich, ich war etwas nervös. Meine Ankündigung lautete „for the next Song, close your eyes and think on a Sandstrand“. Den „Sandstrand“ bekomm ich bis heute von Freunden unter die Nase gerieben.
Schräg und schön ist es fast immer 🙂

CF: Damals gab es ja eine eigene Internet-Postille für reggae-affines Publikum, das „Euzn-net“. Kannst du dich noch erinnern, wer es ins Leben gerufen hat?

Steve: Das „Euzn-net“ hat Stefan Götz betrieben, es war das damalige Pendant zum heutigen Facebook oder Snapchat.
Neben „Euzn-net“ war damals noch der „Joynt“ relevant, ein Onlinemagazin mit integriertem Forum. Etwas später entstand auch noch „newsboard.at“ und „Letthereberock“.
Ihr vom City-Flyer wart glaub ich die ersten, die damals der alternativen Jungendkultur eine Plattform in St. Pölten gegeben habt und ihr seit auch die einzigen, die den Social Media Boom (Facebook, Snapchat, Myspace und co.) überdauert habt. Hierfür auch ein Danke für die jahrzehntelange Arbeit und Dokumentation der St. Pöltener Kultur, euer Achiv ist ein Goldstück St. Pöltner Jugend-/Kultur.

CF: Da sag ich danke! Widmen wir uns wieder deiner Biografie: Du hast Audio Engineering beim SAE Wien studiert. Hattest du nie Lust, selbst Tunes zu produzieren?

Steve: Ich war auf der Sae 2001 bis 2003 und habe davor ein wenig bei NXP gejobt. Meine Leidenschaft galt immer den Veranstaltungen, die Konzepte zu schmieden, auszuarbeiten und umzusetzen. Am Schluss sieht man die Umsetzung des Konzeptes und spürt auch die Energie, welche das Publikum mit sich bringt und den daraus resultierenden Erfolg.
Ich habe immer wenn ich Zeit hatte Remixes gebastelt und hatte oft Spaß, aus Altem etwas Neues zu basteln. Damals war das mit dem Produzieren noch nicht wie heute, einen Laptop hatte ich damals nicht und einen Computer, der stark genug war um darauf Musik zu machen, konnte ich mir die längste Zeit nicht leisten.
Mittlerweile habe ich eine Tochter und finde in meiner Freizeit gerade noch Zeit um hin und wieder aufzulegen und auf Konzerte zu fahren. In meiner restlichen Freizeit konzentriere ich mich auf meine Kleine.

CF: Du hast also im Warehouse schon während deiner SAE-Ausbildung gearbeitet? In welcher Funktion?

Steve: Nicht ganz. Ich hab 2001 bei NXP angefangen nebenbei zu arbeiten, Ton, Licht, Auf- und Abbau. Ich bin im Zuge meiner Tätigkeit auf die Idee gekommen mit dem SAE-Tontechnik College anzufangen.
Im Cave, Jesters und Warehouse habe ich als Privatperson veranstaltet. Erst im Laufe der mehrjährigen Zusammenarbeit mit dem Warehouse habe ich dort fix mit dem Aufgabenbereich eines Bookers und Promoters zu arbeiten begonnen.

CF: Du bist Clubleiter im Warehouse. Welche Aufgaben fallen dir zu?

Steve: Meine Aufgaben sind die Jahre über stetig gewachsen. Da war es nur noch ein kleiner Schritt, bis ich 2016 Clubleitung übernahm.
Momentan erstrecken sich meine Aufgabenbereiche von der Gastro, über das Programm, die Tontechnik bis hin zur Haustechnik.

CF: Wie viele Mitarbeiter leitest du?

Steve: Ich habe die wunderbare Unterstützung von meiner Assistentin und meiner Gastro-Chefin. Die Zwei sind meine Säulen, auf dem das Warehouse-Gerüst steht und ich wüsste nicht, was ich ohne sie täte.
Zusätzlich arbeiten wir mit einem Pool aus Kellnern und Kassa-Personen.

CF: Du hast im Warehouse Bands und DJs der verschiedensten Musikströmungen zu Gast. Brauchen die je nach Musikrichtung eine verschiedene „Behandlung“?

Steve: Naja, ich sehe uns im Warehouse im alternativen Musiksektor heimisch und sage immer, wir kratzen ein wenig am Mainstream. Gerade in unserem Bereich sind alle noch umgänglich und „menschlich“. Für mich gibt es da wenig Unterschied zwischen den Vertretern der verschiedenen Musikströmungen.

CF: St. Pölten war in Sachen Dancehall eine Zeit lang österreichweit Impulsgeber. Es gab mit dem „House Of Riddim“-Festival auch ein großes Reggae-Festival im Pielachtal. Wie warst du dabei involviert?

Steve: Impulsgeber ist ein großes Wort. Ich würde sagen wir waren gut dabei und haben unseren Teil dazu getan.
Das „House of Riddim“-Festival war mein Projekt, das ich leiten durfte. René Voak und Norbert Bauer haben es möglich gemacht und Sam Gilly war der Namensgeber, er hat mir auch viel bei den Bookings geholfen.

CF: Warum wurde das HoR-Festival eingestellt?

Steve: Es war schwierig das ganze finanziell zu tragen und wir hatten in den sechs Jahren vieles durchgemacht. Von Hochwasser über Sturm bis zu wochenlangem Regenwetter. Da alles open air stattfand und sich das Festival immer über mehrere Tage erstreckte, war irgendwann die Luft draußen.
Mit den Festivals hab ich es dann doch nicht ganz sein lassen können. Ich darf seit einigen Jahren die Drum&Bass-Stage am BeatPatrol Festival buchen und koordinieren.

CF: Hat sich das Reggae-Publikum verändert?

Steve: Die Anzahl der Reggae-Fans hat sich in St. Pölten sehr reduziert. Es ist schwer, noch genug Besucher für eine eigenständige Party zusammen zu bekommen. Dex und ich haben es aber zu unserer Aufgabe gemacht, Reggae-Parties in St. Pölten weiter zu führen, bis vielleicht wieder ein Aufschwung kommt. Oder bis wir zu alt sind auf einer Bühne zu stehen.
In Wien gibt es noch ein bis zwei gute Reggae-Parties, da trifft man immer noch bekannte Gesichter.

CF: Du hast den Überblick. Welcher Richtung besitzt derzeit die größte Fanbase in stp?

Steve: Drum&Bass war bis letztes Jahr absolut dominant in der alternativen Jugendszene. Mittlerweile erlebt Deutsch-Rap einen großen Hype. Bei den über 20-jährigen ist wiedermal Revival-Time angesagt, von Rock bis HipHop aus den 90ern.
Techno, Psytrance und Reggae haben bei uns in St. Pölten momentan nicht gerade Hochsaison.
Leider ist es bei den Live-Konzerten ähnlich. Das Publikum bei den Konzerten liegt im Schnitt meist bei 25 und 30 Jahren.
Die Künstler, die sich die jüngere Generation wünscht, liegen meist außerhalb unseres Budgets und als nicht geförderter Club ist es fast unmöglich, mit Live-Konzerten am Puls der Zeit zu bleiben.

CF: Hast du dir schon mal überlegt, ein eigenes Lokal zu eröffnen?

Steve: Natürlich überlegt man hin und wieder, was wäre wenn man dieselbe Energie in ein eigenes Projekt investieren würde.
Aber im Moment habe ich das Warehouse. Da ich 15 Jahre meines Lebens Energie in das Warehouse hineingesteckt und hier quasi meine zweite Familie habe, sind meine diesbezüglichen Ambitionen zur Zeit nicht sehr groß.

CF: Du bist seit 2014 Vater. Wie bringt du das Familienleben mit deinem Nachtleben unter einen Hut?

Steve: Am Anfang haben viele meiner Freunde und auch Familienmitglieder daran gezweifelt, dass das geht. Ich glaube sogar meine Frau hatte Bedenken, dass dies funktionieren kann. Aber bis jetzt geht es gut und meine Frau und meine Mitarbeiterinnen unterstützen mich in jeder Hinsicht.
Die Kleine liebt es außerdem im Club vorbeizukommen, vor allem wegen dem Tischfußball, der Musik und außerdem kann man im Warehouse auch super Scooter fahren … natürlich alles nur untertags. 🙂

CF: Hast du dir eine Grenze gesetzt, ab der es heißt: ich bin jetzt definitiv zu alt für den Job?

Steve: Nachdem ich nie aufgehört habe selbst auf Parties und Konzerte zu gehen bzw. aufzulegen, fühl ich mich nicht wirklich in meinem Alter angekommen. Solang ich Gefallen daran finde und ich mit einem tollen Team für tolle Parties arbeiten kann, mache ich das auch.

CF: Was geht dir durch den Kopf, wenn du die vergangenen 20 Jahre Revue passieren lässt? Schwingt da nicht ein wenig Stolz mit?

Steve: Ich denke immer gerne an die letzten 20 Jahre zurück und bin sehr stolz darauf, die Szene in St. Pölten mitgeprägt zu haben. Sei es wegen dem Auflegen, oder meiner Arbeit im Warehouse bzw. der Veranstaltungen, bei denen ich mitwirken durfte. Es war und ist immer noch sehr spannend. Ich lerne so viele tolle Menschen kennen, die ich ein Stück begleite und ich kann ihnen im Normalfall immer etwas mit auf den weiteren Weg geben. In den letzten Jahren ist mir die Arbeit mit Jugendlichen immer wichtiger geworden. Es gibt hier so viel Potential und so viele motivierte Jugendliche, obwohl St. Pölten relativ klein ist und stets im Schatten von Wien stehen wird. St. Pölten hatte immer schon einen extrem hohen Output an KünsterInnen, vielleicht gerade weil es so klein ist. Man kann man sich hier leichter vernetzen und auch leichter eine Bühne finden wo man sich verwirklichen kann.
Aber im Großen und Ganzen bin ich eigentlich nur sehr dankbar, dass sich alles so entwickelt hat, ich so eine tolle Zeit erleben durfte und hoffentlich noch einiges erleben werde. Musik und Auflegen ist neben meiner Familie, das Wichtigste für mich, der Motor, der mich antreibt und der Grund, warum ich in der Früh aufstehe.

CF: Bist du kanadischer Staatsbürger? Viele Österreicher träumen davon, nach Kanada zu gehen. Hat du dir schon mal ein Leben in Kanada überlegt?

Steve: Ich bin österreichischer Staatsbürger, könnte aber – nachdem ich in Kanada geboren bin – die kanadische Staatsbürgerschaft jederzeit einfordern. Im Gegenzug dazu müsste ich die österreichische Staatsbürgerschaft fallen lassen, aber das kommt im Moment nicht in Frage.
Ich habe hier meine Familie, meine Freunde und natürlich das Warehouse. Ich liebe St. Pölten, das kleine verschlafene Vorstädtchen von Wien. Es könnte zwar in St. Pölten vieles besser sein und man sollte nie aufhören daran zu arbeiten es besser zu machen, aber wir sudern hier auf sehr hohem Niveau.

CF: Wir bedanken uns, dass du dir Zeit genommen hast und wünschen dir weiterhin viel Erfolg.

Ihr wollt mehr über die St. Pöltner Reggae- und Dacehall-Szene lesen? Dann lasst euch das Interview mit Anna und Mimi Kieninger aka der Nuh Badda We Crew nicht entgehen.

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Werner Harauer

Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.
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