STP-Musiker geben Gas: Lukascher

Lukascher. Foto z.V.g.
Lukascher. Foto z.V.g.

Mit dem MUSIK.STP-Festival am Ratzersdorfer See wurde im Vorjahr eine Lücke im heimischen Kulturbetrieb geschlossen, die seit dem Dahinscheiden des Stadtfestes virulent war: ein Festival, auf dem sich junge St. Pöltner MusikerInnen einem ebenso jungen Publikum präsentieren können. Am 29. Juli geht es in die zweite Runde.

Wenn sich am 29. Juli der Vorhang am MUSIK.STP-Festival hebt, werden sich die Zaungäste über die musikalische Vielfalt der landeshauptstädtischen Musik-Szene wundern – ebenso wie über das große Interesse der BesucherInnen.
Wir stellen euch mit Lukascher, Criso und Spritzweinmafia drei gebuchte Acts vor, die euch mit hoher Wahrscheinlichkeit den Schweiß aus den Poren treiben werden. In diesem Text geht es um Lukascher (Zu den Texten über Criso und der Spritzweinmafia kommt ihr über die Links hier oder ganz unten).

„Vom Prinzip her bin ich Gelegenheitsentertainer, der durch Reggae-Musik und Texte im Mostviertler Dialekt seine eigene Sicht auf die Welt und seinen Platz in dieser hinterfragt. Der zu sozialkritischen Themen, aber auch zur Liebe und den schönen Dingen des Lebens Stellung bezieht“, zeigt sich der inoffizielle Hauptact des Musik.stp-Festival im Interview bescheiden.
Seit Lukascher im Jahr 2010 erstmals im Vorprogramm von House Of Riddim und Ganjaman auf der Bühne stand, braucht er den Adrenalinrausch, der einsetzt, sobald er vor Publikum steht. Und das Publikum braucht ihn, wie die vielen erfolgreichen Gigs beweisen. Einen davon, eine Session im Cinema Paradiso, bestritt er gemeinsam mit Criso, der mit Lukascher auch am Ratzersdorfer See performen wird. „Er hat die Bude abgefackelt und ich freu mich schon auf eine Wiederholung.“ Die Live-Performance bestreitet Lukascher mit der STP-Allstar-Band, bestehend aus Johannes Maria Knoll (guit), Tom Hornek und Roman Kukla (beide keys), Sebastian Haas (dr) und Manfred Scheer (b). Neue Songs dürfen wir uns allerdings nicht erwarten, dafür waren die persönlichen Herausforderungen während der Pandemie einfach zu groß.

Interview: Werner Harauer
Foto: , z.V.g.

City-Flyer: Am 29. Juli stehst du am Musik.stp-Festival am Ratzersdorfer See auf der Bühne und holst dein 10-jähriges Bühnenjubiläum nach. Dieses war eigentlich schon vor zwei Jahren. Was ist der Grund für die verzögerte Feier?

Lukascher: Ehrlich gesagt, sind die 10 Jahre so schnell vergangen, dass ich eigentlich gar nicht gecheckt habe, dass das ja ein Grund zum Feiern wäre. Ich habe den Anlass gar nicht so als wichtig empfunden. Dann kam auch schon die Pandemie, und die Lockdowns und da hatte ich dann andere Sorgen als mich um ein Jubiläum zu kümmern.

CF: Es soll Menschen geben, die dich noch nicht kennen. Kannst du ihnen kurz beschreiben, was du machst und was du dem Publikum gibst?

Lukascher: Ja, da gibts noch richtig viele Menschen, die mich nicht kennen und das ist auch gut so … so kann ich immer wieder neue Köpfe und Herzen erobern … oder auch nicht. Vom Prinzip her bin ich Gelegenheitsentertainer, der durch Reggae-Musik und Texte im mostviertler Dialekt seine eigene Sicht auf die Welt und seinen Platz in dieser hinterfragt. Der zu sozialkritischen Themen, aber auch zur Liebe und den schönen Dingen des Lebens Stellung bezieht und so versucht, Gemeinsamkeiten mit der Hörerschaft zu finden, um dann genau diese zu feiern, zu diskutieren und zu zelebrieren.

CF: Auf das heurige Musik.stp-Festival werden auch Metal- und Drum And Bass Fans erwartet. Was müssen sie mitbringen, um auch bei Lukascher anzutanzen?

Lukascher: Na Eintrittskarten! Hahahaha! Spaß beiseite … Ich denke wer zum Festival kommt, der weiß, dass es da bunte musikalische Kost gibt. Von dem her weiß er auch, worauf er sich einlässt. Ich glaube, dass das Publikum da schon von Haus aus eher „open minded“ ist. Die in Stimmung zu bringen und zum Tanzen / Feiern zu bewegen ist dann mein Job. Aber wenn jeder ein bisschen gutes Wetter, gute Laune, geputzte Tanzschuhe gutes Weed – ähhh Wein – mitnimmt, dann habe ich gute Karten, den Job zu aller Zufriedenheit zu erledigen.

CF: Die Medien haben dir die Bezeichnung „Dialekt-Reggae-Sänger“ umgehängt. Bist du damit glücklich?

Lukascher: Eigentlich haben wir die Bezeichnung den Medien indoktriniert … von dem her JA!  -das trifft’s bzw. beschreibt’s eh ganz gut.

CF: Du propagierst den „g’scheaden“ St. Pöltner Slang. Ist das ein Statement, das du der „g’spreitzten“ St. Pöltner Oberklasse entgegenhältst?

Lukascher: Eigentlich nicht oder nicht absichtlich. So red ich hald und die g’spreitzte Oberklasse ja eh auch bzw. verstehen die mich ganz genau:-), also ist ihnen diese Sprache nicht fremd. Genau dieser Dialekt macht den Lukascher authentisch. Sie ist Ausdruck meiner Herkunft, meiner Geschichte, meiner Wurzeln.

CF: Wann bist du erstmals als Lukascher auf der Bühne gestanden und welche Bühne war das?

Lukascher: Schlachthof Wels 2010 im Vorprogramm von House of Riddim und Ganjaman. Das war kurz vor der legendären „Beislrallye“ und quasie ein Testlauf, bevor ich mich dem härtesten Publikum der Welt stellte – der St. Pölter Beislszene. Wenn du da spielen kannst, kannst du überall spielen.

CF: Die Bühne kanntest du schon zuvor als Reggae-DJ Bounty Chiller. Wo liegt der Unterschied zwischen einem Auftritt hinter einem DJ-Pult und einem mit Mikro am vorderen Bühnenrand?

Lukascher: Der Bountychiller hat ja auch relativ schnell nur mehr ein Mikro in der Hand gehabt. Aufgelegt hat dann mein Partner Dj Skarlatan. Diese Soundsystem-Shows waren eine gaaaanz wichtige Schule um zu lernen, wie man Publikum liest, wie man mit
ihm interagiert, was man machen kann und was man besser nicht machen sollte. Es war eine großartige Zeit. Aber irgendwann war der Drang, das mit einer Band zu erleben und auf eigene Tracks abzustimmen größer.

CF: Welche Band wird dich am Musik.stp-Festival begleiten? Die „1er-“ oder der „2er-Partie“?

Lukascher: Hahahaha! Stell dir vor : die eineinhalber … Da Gerald Schaffhauser mit House of Riddim unterwegs ist, spielt Manfred Scheer mit uns. Mit Manfred ist’s auch immer wieder was besonderes. Wir kennen uns seit 25 Jahren, sehen uns aber sehr selten. Da wird der Gig zur Nebensache und man redet über Gott und die Welt, dann vergeht so ein Abend wie im Flug. Ansonsten: Johannes Maria Knoll (guit), Tom Hornek und Roman Kukla (beide keys) und Sebastian Haas (dr).

CF: Du wirst dir für ein paar Songs die Bühne mit Criso teilen. Wie hat sich das ergeben?

Lukascher: Martin Rotheneder vom Freiraum, der das Programm zusammenstellt, hat uns gefragt, ob wir gleich mit Criso ein paar Nummern spielen könnten. Bei so einem großen Lineup ist man für jede Minute weniger an Umbauzeit dankbar. Festivalslots sind auch immer sehr kurz von da her gibts uns beim musik stp Festival gleich im Doppelpack.
Im Cinema Paradiso hatten wir schon mal eine Session und der Kollege hat die Bude abgefackelt! Von dem her passt das gut zusammen und ich freu mich schon.

CF: Criso hat auch eine Affinität zum Reggae. Mal abgesehen von der House Of Riddim-Crew: kennst du in St. Pölten noch jemandem, der Reggae-Musik macht und nicht nur Reggae-Platten auflegt?

Lukascher: Aktuell hab ich leider absolut gar keinen Überblick, was generell so im Reggae bzw in der Musikwelt passiert …

CF: Reggae hat seine Duftnote in fast allen populären Musikgenres hinterlassen und umgekehrt. Hast du ein Ohr für die neuen Einflüsse aus anderen Genres? Vor allem was die elektronische Musik betrifft? Oder bist du Purist und bleibst bei deinem Ding?

Lukascher: Ich bin da eigentlich für vieles offen. Ich liebe Blues, Funk, Soul … elektronische Sachen natürlich auch… ich kann sogar teilweise Schlager wenn er grooved was abgewinnen. Dialekt Schlager Reggae … das mach ich dann im Alter 😉
Keine Ahnung was noch alles von mir kommt, aber es wird vermutlich doch immer irgendwie ein bisschen der Reggaeeinfluss zu hören sein. Der hat mich doch sehr stark geprägt. bzw. ist das eine/meine Ausdrucksform geworden.

CF: Nimmst du momentan im House Of Riddim Studio auf?

Lukascher: Nein!

CF: Ist „Liebesfüm“ im Jahr 2019 deine letzte Veröffentlichung gewesen?

Lukascher: Ja!

CF: Viele Künstler haben die Corona-Jahre genützt, um neues Material zu veröffentlichen. Wie weit ist dein angekündigtes viertes Album gediehen?

Lukascher: Keinen Millimeter … Leider gehöre ich nicht zu denen, die fleißig an Tracks und Alben gebastelt haben. Der Knolli (Johannes Maria Knoll, die Red.) war fleißig und hat mir viele Riddims gebastelt, die darauf warten besungen und eingespielt zu werden. Material wäre für bereits zwei Alben da. Ich bekomm aber schon länger einfach meinen Popsch nicht mehr hoch, um mich voll auf das Musikding zu konzentrieren. Mich hat das Leben dermaßen im Griff, dass ich schauen muss, meine grundlegenden Dinge auf die Reihe zu bekommen. Da bleibt wenig bis gar keine Energie. Ich frag mich auch oft, wie ich das früher gemacht habe … aber das sollen keine Ausreden sein… Es wird definitiv weiter Musik von mir geben. Nur wann es sie geben wird, kann ich euch nicht sagen. In Jamaika sagt man da so schön: SOOOOOOON COME. Auch wenns richtig lange dauert 🙂

CF: Womit hast du dir die Zeit in den „Corona-Jahren“ vertrieben?

Lukascher: Als leidenschaftlicher Fischer hätte ich gerne die Zeit am Wasser verbracht. Ich habe mich zu Pandemiebeginn beruflich neu orientiert.. Das war doch etwas risikobehaftet und hat mich sehr gefordert. Im nachhinein betrachtet habe ich alles richtig gemacht und bin sehr zufrieden im neuen Job. Hausbau und Familie detto, und wie viele andere habe ich einen Pool gebaut, ich bin Nichtraucher geworden und hab ein paar Kilo zugelegt, hahahaha ….

CF: Du hast in einem Interview erwähnt, du brauchst den Adrenalinschub vor dem Auftritt. Bist du nach 10 Jahren noch immer vor einem Auftritt aufgeregt?

Lukascher: genauso wie am ersten Tag …. nur bekommt man mit der Zeit Routine mit dem Gefühl umzugehen. Ich liebe dieses Lampenfieber, also eigentlich den Kick, den du bekommst, wenn du vorher nervös bist und diese Nervosität mit dem ersten Ton , den ersten Schritt raus auf die Bühnen verfliegt und der Adrenalinrausch beginnt … Leider geil!

CF: Gottseidank geil! Vielen Dank für das Interview.

zum Interview mit Criso
zum Interview mit der Spritzweinmafia

Werner Harauer
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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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