Kolumne

Individualismus

Ende der 80er Jahre, als die Grunge-Welle im Anrollen war, beschlich mich das GefĂŒhl, mit dem Streben nach einem unverwechselbaren Selbst in eine Sackgasse geraten zu sein. Warum, so fragte ich mich, lassen wir uns aus NonkonformitĂ€t die Haare wachsen und laufen mit Converse und zerrissenen Jeans herum, wenn wir dann doch wieder alle gleich aussehen?


Durch die Krise als Artist in Residence

In zwei der drei KĂŒnstler/ Kulturarbeiter-Portraits dieser Ausgabe wird im Interview der „Artist in Residence“ thematisiert. Mir gefĂ€llt die Idee, KĂŒnstler*innen eine gewisse Zeitspanne Kost, Quartier und ein Taschengeld aus der öffentlichen Kasse zu bezahlen.


Allmachtsphantasien

Wir Menschen tendieren dazu, unsere Umwelt und uns selbst als widerspruchsfreie Geschich­te zu erleben, ganz im Sinne des Ursache-Wirkungs Prinzips. WEIL ich so fleißig war, habe ich viel erreicht. WEIL er nicht aufpasste, stĂŒrz­te er vom Fels, … Wenn sich ein Vorgang nicht nach diesem Schema erklĂ€ren lĂ€sst, ge­raten wir in Unruhe.


Ich Ignorant

Vor gar nicht so langer Zeit galt es als uncool, sich als Kulturbanause outen zu mĂŒssen. Heute blickt man zuweilen mit Respekt auf Menschen, die das freimĂŒtig zugeben.


Kinderkunstlabor Foto © Prashant Sharma, Pixabay

Kinderkunstlabor? Za wos?

Der Spruch, dass wir in der Schule fĂŒr’s Leben lernen, klang fĂŒr mich nie ĂŒberzeugend. Offenbar glauben auch die verantwortlichen Politiker*innen nicht mehr daran, die Schule könne ihren Bildungsauftrag erfĂŒllen – zumindest was die Kunsterziehung betrifft. Wie sonst lĂ€sst sich erklĂ€ren, diese in Zukunft in ein „Kinderkunstlabor“ auszulagern, oder sie zumindest dort zu ergĂ€nzen?


Die Welt steht Kopf (bis sie nimma steht)

FrĂŒher, also vor der massenhaften Verbreitung der mp3, war ein Musiker nach der ersten Veröffentlichung eines TontrĂ€gers einen großen Karriereschritt weiter. Entpuppte sich das Album nicht als kompletter Flop, spielte es zumindest die Entstehungskosten ein und der KĂŒnstler erhielt von der Plattenfirma meist die Chance auf ein weiteres Album.


Covid-19: DĂŒrfen wir wieder?

Fix is nix! So könnte man salopp die derzeitige Situation fĂŒr die Gastronomen, Veranstalter und das Partyvolk bezĂŒglich der Covid-19 Maßnahmen zusammenfassen.


Lockdown

Aufgrund der unklaren Lage waren wir gezwungen, den City-Flyer auf den Kopf zu stellen. Wir haben mit einem Interview mit ex-Faust SĂ€nger Markus Sis, einer Story ĂŒber DSDS-Teilnehmerin Nataly Fechter und einem Telefoninterview mit dem Szenewirten Walter Göbel die Zukunft so weit es geht ausgeblendet.


Bands, Bands, Bands

Das Bandformat geriet seit der Rave’o’lution mehr und mehr ins Hintertreffen. Der DJ ist zum Maß aller Dinge geworden. Der Aufstieg des DJs in den Pop-Olymp hat viele GrĂŒn­de: ein DJ muss sich um keine Mitmusiker scheren (Individua­lismus), er kann als Einmann-Unternehmen gĂŒnstiger kalkulieren und die Einstiegskosten sind geringer (Ökonomisierung).


Mia san supa

Habt ihr auch das GefĂŒhl, das Image der Stadt surft seit geraumer Zeit von einem Hoch zum nĂ€chsten? Die letzte Wel­le, die uns weit nach oben trug, war der negative Bescheid EuropĂ€ische Kulturhauptstadt zu werden. Plötzlich sind wir der „hidden champion“, der „eigentliche Sieger“ unter den Bewerbern.


Kulturhauptstadt

Bad Ischl hat also St. Pölten im Wettkampf um die EuropĂ€ische Kulturhauptstadt 2024 aus dem Rennen geschlagen. An der freien Kulturszene in St. Pölten kann es nicht gelegen haben. Oder kennt jemand einen Bad Ischler Drum and Bass-DJ, der das Frequency rockt? Eine Band, die ĂŒber die Landesgrenzen hinaus Aufmerksamkeit erregt? Ich nicht.


Linz

St. Pölten hat ein Viertel der Einwohner von Linz. Falls St. Pölten EuropÀische Kulturhauptstadt werden sollte, bedarf es noch etlicher Anstrengung, damit die Stadt zumindest ein Viertel der AttraktivitÀt der Linzer Kulturhauptstadt von 2009 bekommt.



Bilder & 1000 Worte

Die Technik macht es fĂŒr jedermann möglich, un­kompliziert Fotos in guter QualitĂ€t online zu stellen. Bei Artikel, die einen recherchierten Sachverhalt wiedergeben, tut sich selbst die KI noch schwer.


Gendersternchen

Die Juli-Printausgabe des City-Flyer ist sehr frauenlastig ausgefallen. WĂ€hrend ich die Artikel verfasste, kam es mir zunehmend komisch vor, ausschließlich die maskuline Form zu verwenden, wenn es doch auch und besonders um Frauen geht.


VeranstaltungslĂŒcken

Als mir der Seniorenfloor „einschoss“ und ich Richard Zuser bat, diesen am „Melting Pot“ umzusetzen, wusste ich noch nicht, dass in der Folge eine BedarfslĂŒcke in der St. Pöltner Fortgehszene geschlossen werden sollte. Solche LĂŒcken gibt es nach wie vor. Dass Jazz auf Interesse stĂ¶ĂŸt, zeigte sich erst kĂŒrzlich beim ausverkauften Konzert von Billy Cobham in der BĂŒhne im Hof. Warum nicht …


Anger Is An Energy

Ich hege offen Sympathien fĂŒr Revoluzzer, Querdenker und Weltverbesserer, auch wenn sie oft den kurzen Weg bei der Analyse der zu behebenden gesellschaftlichen Defizite wĂ€hlen. In den letzten Jahren (man möchte fast sagen Jahrzehnten) war von den oben Genannten kaum etwas zu hören, weil die Hedonisten so laut feierten. Doch nun kommen sie aus dem Schmollwinkerl hervor.


The Winner Takes It All

Wir leben in einer Welt, in der die Sieger alles abrĂ€umen und der Rest um die Krumen streitet. Dabei wĂŒrde sich ein Blick auf die zweite und dritte Reihe durchaus lohnen.


Nostalgie

Nostalgie ist ein sĂŒĂŸes Gift, welches sowohl die Gegenwart als auch die Vergangenheit verzerrt. Der City-Flyer setzt sich immer wieder, jedoch ganz unsentimental, mit vergangenen jugendkulturellen Highlights auseinander. In der gedruckten Ausgabe 02/19 erinnern wir an „Kuhbus“, das erste und originellste Soundsystem der Stadt.


Jahresendrallye

Was das Fortgehen betrifft, entwickelt der St. Pöltner gegen Jahresende einen Tatendrang, den man sonst nicht von ihm kennt. Ich hege ja den Verdacht, die Menschen wollen schnell noch ihren Party-Score erhöhen, um puncto Hedonismus eine positive Jahresbilanz ziehen zu können. Möglichkeiten fĂŒr eine Jahresendrallye gibt es heuer genug.