Techno-DJ Braunton flirtet mit Psy-Trance

Braunton am Kolo-Rave in Melk 2018. Foto © klubkunst.at / Dominik Perchtold

20 Jahre lang schlägt sein Herz bereits mindestens 120 Beats per Minute. Damit zählt Christian Braun aka Braunton zu den Urgesteinen der Szene und steht als DJ, Produzent, Veranstalter und Radiomacher in enger Verbindung mit nationalen und internationalen Größen. Nun möchte er sein Spektrum als „Man On Mission“ in Richtung Psy-Trance erweitern.

City-Flyer: Sprechen wir zuerst über die Musik, die du vertrittst. Der durchschnittliche Musikkonsument wird von Techno schon mal gehört haben. Bei den Subgenres wie Detroit Techno, Minimal, Schranz, Hardcore, Gabba oder IDM werden nur mehr Eingeweihte den Durchblick haben. Wo ordnest du dich selbst in der langen Geschichte von Techno ein?

Braunton: Techno ist nicht gleich Techno. Genauso wie anderen Genres gibt es hier verschiedene Subgenres wobei ich selbst EDM, Hardcore und Gabba nicht mehr als Techno bezeichnen würde. Wenn wir das Thema Schranz herauspicken, so ist dieses Subgenre durch einen gewissen Herrn Chris Liebing entstanden. Dieser hatte in den frühen Neunzigern bei einem Radiosender seine Show und wenn er gewisse englische Tracks spielte, die ein wenig übersteuerten, meinte er immer, dass sie schreddern bzw. sein Kollege meinte: ,,das schreddert nicht, das schranzt“. So ist der Name dieses Subgenres eigentlich entstanden und hat sich mittlerweile in weitere Genres unterteilt.
Um auf meinen Sound zurückzukommen, so würde ich mich selbst im Classic Techno Bereich einordnen. Kurz gesagt, straighter und perkussiver Underground Techno.

CF: Auf deinem Facebook-Auftritt ist zu lesen, du siehst dich beeinflusst von Jeff Mills, Chris Liebing, Speedy J, Adam Beyer, Len Faki, Dave Clarke, Umek, Sven Väth, Depeche Mode, Daft Punk und Kraftwerk. Bis auf die letzten drei Bands handelt es sich allesamt um Techno-DJs aus den 90er Jahren, die ich auch gehört habe und von denen ich zum Großteil Vinyl zuhause habe. Ich hab die Techno-Szene in den Nuller- und Zehnerjahren nicht mehr so verfolgt. Hat sich seit Ende der 90er nichts aufregend Neues mehr im Techno getan?

Braunton: Artists wie Jeff Mills, Dave Clarke , Sven Väth usw. sind für mich die Urgesteine der Techno Szene. Sie alle prägten den Sound in den 90igern und sind bis heute die erste Liga und machten Techno zu Techno. Besonders Jeff Mills war eigentlich einer der Vorreiter und Pionier der elektronischen Musikszene. Mit damals klassischen Detroit Techno und seinen grandiosen Skills auf der Roland 909 und nicht zu vergessen seine Konzerte mit einem Symphonieorchester machen ihn für mich definitiv zu einem Ausnahmekünstler.
Wenn man nun den Sound der 90iger bis heute betrachtet, würde ich schon sagen, dass sich etwas getan hat. Meiner Meinung hat sich der klassische Techno während der Zeit leider etwas verlaufen. Wie in der vorigen Frage bereits erwähnt hat sich alles in sehr viele Subgenres unterteilt und hat mit Techno nicht mehr viel zu tun. Besonders das Genre Minimal hat hier sehr stark überhand genommen. Wobei ich mittlerweile schon sagen muss, das dass Ruder schön langsam wieder herumgerissen wird und Techno wieder zu Techno wird so wie er war und sein soll.

CF: Gab es auch einen österreichischen Producer und DJ, der dich beeinflusste?

Braunton: Gute Frage. Also in der Anfangszeit, in der ich noch nicht als DJ tätig war und sich alles erst im Laufe der Zeit entwickelt hat, blickte ich schon auf gewisse heimische Künstler auf. Aber dass mich diese auf meinen bis heutigen Weg als Artist beeinflusst hätten, kann ich nicht sagen.

CF: Was hältst du vom Beatpatrol Festival? Warst du dort?

Braunton: Ich war mittlerweile, glaube ich, drei mal am Beatpatrol Festival und hatte auch schon selbst einen Auftritt dort. Für mich ist das Beatpatrol leider zu kommerziell und zu überteuert. Lediglich der PsyTrance Floor im Warehouse deckt für mich den Underground-Bereich der Szene ab . 80€ für ein Ticket, Das ist schon amtlich. Man muss natürlich schon festhalten, dass ein Parov Stelar und Steve Aoki schon im 5stelligen Gagenbereich liegen und diese Kosten gedeckt werden müssen. Nichts desto trotz ist es meiner Meinung nach zu teuer.

CF: In welchem Jahr hattest du deinen Auftritt am Beatpatrol?

Braunton: Das war genau vor 10 Jahren im Jahr 2009 gemeinsam mit Paul van Dyk, Faithless, Felix da Housecat, Ida Engberg etc.

CF: In einer Ankündigung zu einer Technoveranstaltung auf der du kürzlich aufgelegt hast, stand zu lesen: „Überall springen Free-Partys aus dem Kraut und wahre Musik wird kaum noch wertgeschätzt.“ Klingt wie ein Abgesang der Technoparty?

Braunton: Wenn ich jetzt von meiner Seite als Veranstalter ausgehe, kommt es ganz auf das Booking an, wie sich der Eintrittspreis schlussendlich gestaltet. Wenn ich ein hochkarätiges Booking mache und dann die Party Free mache, kann das auf kurz oder lang nicht funktionieren. Natürlich soll der Eintrittspreis der Party noch in einem Rahmen bleiben, sodass das Weggehen für den Gast auch noch leistbar ist. Eine Freeparty bedeutet jetzt für mich nicht den Abgesang der Technoparty. Nur weil sie free ist,  bedeutet das auch nicht, dass die Musik nicht gut ist. Ich denke auch nicht, dass die Leute die Musik nicht wertschätzen. Ich glaube einfach, dass der Gast einfach nicht mehr bereit ist horrende Eintrittspreise zu zahlen, um dann auch noch bei den Getränken abgezockt zu werden .

CF: Weiters stand dort: „Das gibt uns Zeit und Motivation umzudenken.“ Ist es Zeit umzudenken? Und in welche Richtung soll gedacht werden?

Braunton: Ich denke nicht, dass umgedacht werden sollte. Ich denke, dass es einen fairen Ablauf zwischen Veranstalter und Gast geben sollte, so das jeder seinen Leistungen und Bedürfnissen gerecht wird.

CF: Im Moment gibt es nicht viele Techno-Veranstaltungen in stp, außer das von dir mitorganisierte „Mutualism“. Fallen dir noch andere Veranstaltungen ein?

Braunton: Die einzige, die mir noch einfällt, ist die von Daniel Kaplan organisierte Veranstaltung im Warehouse St. Pölten mit den Namen ,, Abartig “ . Hier hatte ich auch schon mal das Vergnügen Gas geben zu dürfen. Aber sonst ist es in St. Pölten ziemlich ruhig im Genre Techno geworden.

CF: Eine abschließende Frage zum musikalischen Umfeld: Wie geht es Techno 2019?

Braunton: Was soll ich dazu sagen. Techno geht es eigentlich nicht schlecht. Außer bei uns in Österreich. Machen wir wir einen kleinen Rückblick in die Neunziger: Hier hatte die Szene in Österreich eindeutig ihr Hoch. Veranstaltungen wie das „Gazometer, „Future Breeze“, „Biosphere“ , „Hypnotic“, „Ultraschall“ etc. prägten das wöchentliche Abendprogramm. Aber nicht nur am Wochenende war Techno angesagt. Mit dem „Crazy Tuesday“ im Flex Wien hatte man sogar unter der Woche eine Top Veranstaltung mit internationalen Künstlern. Man wusste stellenweise nicht welche Techno Veranstaltung man besuchen soll, da das Angebot wirklich sehr gut war. Nach geraumer Zeit konnte man allerdings beobachten, dass sich die Szene immer mehr in die Clubs verschoben hat und alle Großveranstaltungen ihr Ende hatten. Leider. Also ich bin wirklich froh, dass ich diese Zeit in Österreich erleben durfte. Wenn ich mir das ganze jetzt im Jahr 2019 anschaue , so hat man wirklich nicht mehr viele Möglichkeiten eine gute Techno Veranstaltungen zu besuchen. Was ich sehr schade finde.

CF: Am 19.10. hast du beim „Mutualism“ im Club 23 dein erstes PSY-Trance-Set unter dem Pseudonym „Man on Mission“ aufgelegt. Wie hast du dich, wie hat sich die Crowd gefühlt?

Braunton: Richtig. Ich hatte hier mein Debüt-Set und es war für mich eine neue Erfahrung, diesen Sound nicht nur als User zu hören, sondern ihn auch als Artist erleben und spüren zu dürfen. Die Stimmung am Floor war bombastisch und man konnte die Energie richtig fühlen. Nach dem sehr guten Feedback der Crowd dürfte ich alles richtig gemacht haben.

CF: Hast du vor, dich mehr in Richtung Trance zu entwickeln?

Braunton: Ich habe schon vor, dass ich mich mehr in Richtung Psy-Trance entwickeln werde. Mir macht es richtig Freude, diesen Sound zu spielen und die Menge damit zu begeistern. Es werden auch mit Sicherheit diverse Releases auf verschiedenen Labels folgen. So viel sei schon mal verraten. Ich bin jetzt seit mittlerweile fast 20 Jahre im Genre Techno tätig und jetzt wird es für mich einfach Zeit, meinen Weg als Künstler neu zu gestalten. Für mich ist es wichtig, dass ich mich mit dem Sound, den ich spiele, identifiziere und ihn richtig lebe. Ich denke, nur so ist es möglich die Energie an das Publikum zu übermitteln und richtig abzuliefern. Natürlich werde ich weiterhin als Techno Artist tätig sein. Keine Frage. Es ist ebenfalls eine Leidenschaft von mir. Trotzdem liegt mein derzeitiger Fokus darauf, mir als Psy-Trance Artist in der Szene einen Namen zu machen.

CF: Du bist beim Musiklabel und der Artist Booking Agentur Construct Rhythm unter Vertrag. In welcher Weise unterstützt dich die Agentur?

Braunton: Construct Rhythm unter der Leitung von Andreas Kraemer ist eine deutsches Label und fungiert ebenfalls als Agency. Die Agentur unterstützt mich in der Abwicklung von diversen Boookings. Leider kommt es immer wieder vor, dass man seine Gage von diversen Veranstaltern nicht ausbezahlt bekommt. Mit der Agentur im Hintergrund bin ich vertraglich abgesichert und es kommt zu keine Missverständnisse zwischen Artist und Veranstalter.

CF: Wie wird man eigentlich Techno-DJ?

Braunton: Gute Frage! Ein Patentrezept gibt es nicht. Ich denke, man braucht einfach die nötige Leidenschaft zur Musik und ein gewisses feeling für den Sound. Mit Sicherheit ist das aber in jedem anderen Genre genauso, nicht nur bei Techno. Nichts desto trotz empfehle ich jeden Newcomer wenn er mit dem Auflegen startet, dies mit Vinyl zu machen. Ich weiss, dass das in der heutigen Zeit ziemlich schwierig ist, da die Digitalisierung einfach Oberhand gewonnen hat und es mittlerweile nicht so einfach ist an Vinyl zu kommen. Trotzdem bekommt man meiner Meinung nach das nötige Taktgefühl nur mit den Plattentellern. That’s it 😉 .

CF: In welchem Jahr hast du begonnen?

Braunton: Ich war glaub ich 18 Jahre alt, als ich mit dem Auflegen startete. Dies natürlich auf Vinyl. Wie sagt man so schön „Die alte Schule“.

CF: Du hast deine erste Veröffentlichung „Fleischwerk“ in Zusammenarbeit mit dem St. Pöltner DJ und Producer Mario Ranieri rausgebracht. Ist der Track auf seinem Label Schubfaktor Records erschienen?

Braunton: Ja, der Track ist auf dem Label Schubfaktor erschienen. Mario und ich besuchten zur gleichen Zeit die SAE in Wien und studierten dort Audio Engineering. Im Rahmen unseres Studiums war dies ein Teil unserer Praxis-Abschlussarbeit, bei der auch Leute aus der Film- und Grafik-Abteilung beteiligt waren. Es wurde auch ein Musikvideo zu dem Track gedreht. Der wurde allerdings von Youtube zensiert. Wie wir alle wissen, befinden wir uns in einer Wegwerfgesellschaft. Im Video wird darauf hingewiesen, rücksichtsvoll mit unseren Lebensmitteln umzugehen. Das Video und der dazu produzierte Track zeigt den Weg des Tiers in einem Schlachthof bis hin zum Endkonsumenten, der am Ende des Videos das Lebensmittel einfach leichtfertig wegschmeißt. Trotz Zensur war es auf der Uni eine glatte Eins.

CF: Du bist verheiratet. Bringt das irgendwelche Einschränkungen für dein zweites geschäftliches Standbein mit sich?

Braunton: Ich bin seit mittlerweile 11 Jahren mit meiner wundervollen Frau Katrin verheiratet. Also für mich bringt das keine Einschränkungen mit sich. Eigentlich ganz im Gegenteil. Meine Frau unterstützt mich bei meinen Vorhaben genauso wie ich sie unterstütze. Voll und ganz. Ab und an holt sie mich wieder auf den Boden der Tatsachen zurück und dafür bin ich ihr sehr dankbar. Wahrscheinlich hätte ich oft schon einen Schritt in die falsche Richtung gemacht wenn ich ihren Rat nicht befolgt hätte.

CF: Dein Künstlername leitet sich von deinem Nachnamen ab. Es soll Menschen geben, die Farben hören können. Mit welchen Tönen assoziierst du die Farbe Braun?

Braunton: Ich assoziiere mit der Farbe Braun keinen Ton. In der Szene wimmelt es ja vor Anspielungen auf den Braunen Ton und ich wurde auch oft schon auf meinen Namen angesprochen. Der Klang soll ja tatsächlich Durchfall auslösen. Es handelt sich bei der Geschichte natürlich nur um einen Mythos. Mein DJ-Name hat sich einfach durch meinen Nachnamen ergeben und nicht durch eine angeblich niederfrequente Schwingung, die den Darm anregen soll.

CF: Beschränkt sich dein Wirkungskreis auf Österreich? Oder bist du auch international als DJ tätig?

Braunton: Meine Auftritte beschränken sich hauptsächlich auf Österreich. Aber ich ich bin ab und an auch international unterwegs.

CF: Auf wie viele Veröffentlichungen kannst du zurückblicken?

Braunton: Der momentane Stand beläuft sich auf 41 Tracks, die auf Labels wie Schubfaktor, Eclipse, Morforecs, Switch Off, Vernacular, Sisma , Society Music, Connected, etc. released worden sind.

CF: Hast du neue Tracks in der Pipeline? Und wo kann man die hören?

Braunton: Eine neue EP steht in den Startlöchern und wird Anfang 2020 veröffentlicht. Auf welchen Label sie erscheinen wird, verrate ich noch nicht. Meine bereits veröffentlichten Tracks kann man auf Beatport oder auf diversen anderen online music stores vorhören und natürlich auch erwerben.

CF: Hast du zu Hause ein Studio eingerichtet?

Braunton: Ich habe mir über die Jahre für meinen Nutzen zu Hause ein ganz amtliches Studio eingerichtet. Das Studio besteht aus einem DJ Corner, der mit 3 mal Technics 1210 und einen Allen & Heath Xone92 ausgestattet ist. Natürlich besteht auch hier die Möglichkeit, das Setup digital zu gestalten.
Der Producer Corner besteht aus einem I MAC mit einem RME Audio Interface und einem Allen & Heath PA28 Studiomixer, den ich benötige, um diverse Synthesizer outboard Effekte und Kompressoren in die Produktion einzubinden. Die Soundausgabe erfolgt über zwei Yamaha HS80 Studioboxen. Als Sequenzer nutze ich von Native Instruments Ableton Live.

CF: Hast du Kollabos mit anderen Künstlern laufen?

Braunton: Als DJ habe ich derzeit keine Kollabos mit anderen Artists laufen. Als Veranstalter allerdings arbeite ich Hand in Hand mit Logical Steps und Inside Events zusammen.

CF: Wie steht es um den Techno-Nachwuchs in St. Pölten? Gibt es hier junge Producer und DJs, auf die der City-Flyer ein Auge werfen sollte?

Braunton: Also ich muss ehrlich sagen, dass mir in St. Pölten kein nennenswerter Techno Nachwuchs bekannt ist. Wenn da wer wäre, hätte ich ihn schon am Mutualism spielen lassen.

CF: Hast du Kontakte zu DJs und Produzenten in stp, die nichts mit Techno oder Trance zu tun haben? Zum Beispiels aus der Drum’n’Bass-Szene oder der House-Szene?

Braunton: Nicht wirklich. Ich hatte ein wenig Kontakt mit Daniel Kaplan. Er ist Event Manager bei Fasten your Seatbelts. Einen Drum & Bass Event im Warehouse. Wie ich schon erwähnt habe, organisiert er auch das Techno Event Abartig, das ebenfalls im Warehouse stattfindet. Er hat mich vor geraumer Zeit auf seine Veranstaltung gebucht. Kontakt besteht ebenfalls zu Steve Ponta alias Selecta Weasel von Boomarang Sound. Zu der St. Pöltner House Szene habe ich keinen Kontakt.

CF: Du hast auch eine Radiosendung auf „Burnout Audio Radio“. Wer steht hinter dem Radio? Und welche Bedeutung hat die Sendung für dich?

Braunton: Burnout Audio Radio ist meine Radiosendung bzw. mein Podcast. Die Show läuft derzeit jeden Sonntag von 12:00 – 13:00 auf 06AM Ibiza Underground und präsentiert nationale sowie auch Internationale Künstler. Vom Newcomer bis hin zum internationalen Top Act ist alles dabei. Durch die Sendung habe ich mir mittlerweile ein sehr gutes Netzwerk national sowie auch international aufbauen können und gute Kontakte hergestellt. Allerdings wird es mit Anfang nächsten Jahres ein paar Veränderungen geben. Die Sendung wird es zwar weitergeben, allerdings auf meiner eigenen Homepage unter Burnout Audio Productions. Die Radio Show wird natürlich nicht das einzige sein, das man auf der page finden wird. Die eine oder andere neue Eventproduktion wird hier sicher ihren Platzt finden. So viel sei schon mal verraten.

CF: Du bist also Producer, DJ, Veranstalter, hast eine Radiosendung, … hab ich was vergessen? Das alles ist mit einem enormen Zeitaufwand verbunden. Bleibt da wenigstens finanziell etwas hängen?

Braunton: Du hast nichts vergessen. Also ein bisschen bleibt einem als DJ schon hängen. Aber leben kann ich davon bei weiten nicht. Mit der Radiosendung verdiene ich keinen Cent. Sie dient rein als Promotion. Dasselbe gilt auch für die Produktion bzw die Releases. Dem Künstler bleibt hier so gut wie nichts über. Der Track wird zb. auf Beatport um 2 Euro angeboten und der Künstler bekommt lediglich 25 Cent pro verkauften Track. Also wenn man davon leben will, muss man sich schon unter den Top-Artists bzw -Labels befinden. Aber nicht mal die könnten davon alleine leben. Während meines Bachelor Studiums habe ich eine Arbeit über die Wertschöpfungskette und den Einfluss der Digitalisierung geschrieben und mit verschiedenen internationalen Top-Artists ein Interview durchgeführt. Schlussendlich ist mir auch hier bestätigt worden, dass man von den verkauften Tracks schon lange nicht mehr leben kann. Das funktioniert nur mit Gigs. Wie man sieht, ist das Musikbusiness kein Honiglecken.
Bei den Veranstaltungen bleibt mittlerweile auch schon ein bisschen was über. Dies wird allerdings immer gleich für die nächste Veranstaltung verwendet um die anfallenden Kosten zu decken. Natürlich geht es auch darum, einen Artist zu buchen und im Gegenzug ebenfalls gebucht zu werden. Klassisches Exchange Booking. Also unterm Strich bleibt nicht wirklich was hängen. Man fragt sich manchmal, warum tue ich mir das eigentlich an. Aber für mich ist Musik und Eventmanagement eine Leidenschaft und das wird es auch immer bleiben.

CF: Du veranstaltest mit Christoph Kollarz vom Club 23 am 30. November das Event Mutualism XXL in der Jahnturnhalle. Was dürfen sie die elektronikbegeisterten Besucher erwarten?

Die St.Pöltner dürfen sich in der Cult Location Jahnturnhalle auf eine Reise in eine neue Dimension voller musikalischer und visueller Leckerbissen freuen. Ein internationales Line Up der Spitzenklasse mit Sebastian Groth, der sich als DJ, Produzent und Remixer einen Namen in der elektronischen Szene gemacht hat. Platz 1 beim Faze Magazin-Award als bester Produzent oder Platz 2 für das beste Album, sowie Top 10 Platzierungen in allen anderen Kategorien sprechen für den gebürtigen Westerwalder.
Andreas Kraemer ist vielen Szeneleuten ein Begriff. Mit mehr als 20 Jahren im Business und 300 veröffentlichten Platten ist er einer von Deutschlands führenden Produzenten elektronischer Musik. Kooperationen mit Depeche Mode, Nina Hagen. Er kann auf Auszeichnungen wie 3 Golden Record Awards und einmal Platin zurückblicken. Nationale Unterstützung erhalten die beiden von mir und Ferdinand Hübl. Der nächste Top-Act ist der internationale Psy-Trance Artist Materia. Mit mehr als 15 Jahren im Business ist der gebürtige Salzburger einer der besten Psy-Trance Künstler Europas. Sein treibender und deeper Fullon Psychedelic mit perkussiven Effekten, lässt den Dancefloor rund um den Globus auf Events wie Universo Paralello, Ozora, Rezonanze Festival etc. beben. Aber auch im Bereich Produktion ist das Ausnahmetalent mit zwei Album-Produktionen auf 24/7 Records und vielen EP’s eine Liga für sich.
Artyficial ist das Live-Projekt von Thomas Wallner aka DJ Wolle. Mit seinen raffinierten Melodien, knorrigen Lead-Sounds und sein Gespür für Rhythmen schafft er die perfekt Basis für groovige Sounds mit einem besonderen psychedelischen Touch. Seine Gigs erstrecken sich von Ost nach West wie zb. Indien, Ungarn, Türkei, Rumänien, Österreich etc. Nationale Unterstützung erhalten die beiden von Aoro b2b Lagun und Flurius.
Für die Erweiterung eures Bewusstseins wird ein perfekt abgestimmtes Function One Soundsystem, der internationale Decoration Artist PSY PIX, gemeinsam mit Visual Artist Spirit Society & Lost In Modulation (Laser Developer) musikalische und visuelle Barrieren überwinden und zu einer Einheit verschmelzen lassen. Seit gespannt und freut euch mit uns auf eine Odyssee der besonderen Art.

CF: Das hört sich fett an. Die Jahnturnhalle wär wieder einmal einen Besuch wert. Ich wünsche dir viel Erfolg für Mutualism und deine zukünftigen Projekte und bedanke mich für das Interview. 

Werner Harauer
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Werner Harauer

Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.
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