Zurück auf den heimischen Bühnen: The Attic

(v.l.n.r.) Elias Bichler, Oliver Hasenzagl, Felix Buchner und Roman Koberwein von The Attic sind im Juli wieder vereint.Foto: Tobias Jungmaier, z.V.g.
(v.l.n.r.) Elias Bichler, Oliver Hasenzagl, Felix Buchner und Roman Koberwein von The Attic sind im Juli wieder vereint.Foto: Tobias Jungmaier, z.V.g.

Mit der neuen Single „Insanity“ gibt das St. Pöltner Rockquartett The Attic ein kräftiges Lebenszeichen von sich. Wobei: Von einem Quartett konnte in den letzten eineinhalb Jahren kaum die Rede sein. Gitarrist Fabio Alfery hat die Band Anfang 2022 verlassen, Drummer Elias Bichler zog es zwei Auslandssemester nach Frankreich. Doch nun fügt sich alles zum Guten.

Große Überraschung allerorts, als The Attic im Juni die Single „Insanity“ veröffentlichten, obwohl sich Schlagzeuger Elias seit geraumer Zeit eine Auszeit zwecks Studium in Frankreich nimmt. Vorausschauend wurden die Drums aus dem neuen Songmaterial vor der Abreise von Elias aufgenommen. Und glücklicherweise konnte Roman Koberwein, der bisher aushilfsweise in die Saiten griff, als fixer Lead-Gitarrist gewonnen werden. Im Juli kommt Elias endgültig in die Heimat, dann ist die Band nicht nur auf dem Papier ein Quartett.

Interview: Werner Harauer
Foto: Tobias Jungmaier, z.V.g.

City-Flyer: Als wir uns das letzte Mal Ende Jänner 2020 unterhielten wussten wir noch nicht, dass sechs Wochen später die Pandemie über uns kommen wird. Wie habt ihr die Zeit genützt?

Felix Buchner: Wir haben gemacht, was ging. In den Lock-Down-Pausen haben wir immerhin die zwei Singles „There’s Something“ und „All Hers“ mit Musikvideos produziert und vereinzelt Konzerte gespielt. Dass das nicht immer einfach zu managen war, ist selbsterklärend – es ging uns ja allen so.

CF: Euer erstes und bislang einziges Album „Welcome to the Attic“ erschien 2019. Wie lange müssen wir noch auf das zweite Album warten?

Felix: Ich denke, 2025 wäre ein gutes Jahr für ein zweites Album, aber bis dahin wird es bestimmt nicht still um uns.

CF: Fabio Alfery hat die Band Anfang 2022 verlassen. Was hat ihn dazu veranlasst?

Felix: Der Wechsel ins Berufsleben in Verbindung mit einem längeren Auslandsaufenthalt.

CF: Der Auftritt beim Finale der Planet Festival Tour, wo The Attic den zweiten Platz erreicht haben, wurde noch von Fabio an der Gitarre bestritten?

Felix: Genau, sowohl die Vorrunden als auch das Finale im Gasometer Wien.

CF: Im Herbst 2015 musstet ihr schon einmal Gitarrist Maximilian Mannsberger ersetzen. Werden die Gitarristen bei The Attic so gefordert? 😉

Felix: Ja.

CF: Drummer Elias hat ein Semester in Frankreich verbracht. Was macht man ein halbes Jahr ohne Drummer? Den Drumcomputer anwerfen?

Felix: Elias ist im Wintersemester 2022/23 nach Frankreich gegangen. Das war für uns insofern kein Problem, weil wir rechtzeitig darüber geredet haben, vor seiner Reise bereits neue Songs ausgearbeitet und dann auch die Drums im September 2022 noch aufgenommen haben. So konnten Oliver und ich – später auch Roman – währenddessen die Songs fertig recorden und produzieren.
Elias hat nach einigen Wochen dann anklingen lassen, dass er gerne noch das Sommersemester dranhängen würde – im Juli ist er dann endgültig zurück.

Elias Bichler: Felix, Oliver und Roman waren hier wirklich super verständnisvoll, sodass ich diesen Aufenthalt in Frankreich guten Gewissens antreten konnte. Danke dafür an dieser Stelle! Gleichzeitig ist eine solche Entfernung ja heutzutage keine Hürde mehr für virtuelle Meetings, speziell organisatorische Sachen und auch alles andere, abgesehen vom gemeinsamen Proben, konnten wir problemlos klären.

CF: Roman, du bist statt Fabio als neuer Lead-Gitarrist eingestiegen. Wann war das? Habt ihr schon zuvor zusammengearbeitet?

Roman Koberwein: Also 2022, als das Ukraine-Benefiz im Freiraum stattfand, habe ich mich auf Facebook quasi zur Verfügung gestellt mitzuwirken, falls irgendwo noch ein Musiker gebraucht wird. Daraufhin hat mich Felix eben gefragt, ob ich nicht als Aushilfe einsteigen will, bis ein neuer Gitarrist gefunden wird.

Felix: Am liebsten hätten wir ihn damals schon fix angeheuert, nicht “nur” als Aushilfe 😉

CF: Roman, du machst so ziemlich alles, was in stp musiktechnisch möglich ist: man kennt dich als DJ (FYS, KISMET und DJ Tintifucks), als Rocker (ehem. Toast The Kitten, The Attic) und als Jazzer (Feine Herren). Musst du nun irgendwo zurückstecken, wenn dich die Herren von The Attic vermehrt in Beschlag nehmen?

Roman: Es is ein bissl schwierig, wenn man sich gern dazu verleiten lässt, alles gleichzeitig machen zu wollen. Was auch der Grund war, warum ich vorerst, als Felix mich schon im Frühjahr 2022 fragte ob ich nicht einsteigen will, nicht sicher war, ob ich für The Attic genug Zeit und Energie aufbringen kann. Die Entscheidungsschwierigkeit bei der Auswahl von Genres, die ich gerne bedienen würde, besteht nach wie vor, aber ich habe doch gelernt, meinen Fokus vor allem in Projekte zu stecken, die mir die Chance geben, auch als Musiker und Mensch wachsen zu können.
Die Auflegerei und hier vor allem die Liebe zum Drum&Bass und die Livemusik gehören definitiv beide zu meinen “Steckenpferden”, aber seit meiner Kindheit liegt meine Leidenschaft doch noch immer in der Rock- und überhaupt der Livemusik, gemeinsam mit anderen Musikern – und da darf ich mit den Burschen in einen sehr leiwanden neuen Abschnitt starten.

CF: Wenn ihr das letzte Jahr mit all den bandinternen Veränderungen Revue passieren lasst: was hat euch am meisten geprägt?

Felix: Die unverwüstliche Motivation von jedem Einzelnen, trotz aller Hürden einen Weg zu finden, weiterzumachen und neue Projekte anzugehen.

CF: Lassen wir die Vergangenheit hinter uns und widmen wir uns eurer eben veröffentlichten Single. Vom Stil klingt der Song wie eine Alternative Rock Nummer aus den Nullen-Jahren. Also so, wie ihr seit eurer Bandengründung klingen wolltet. Wie habt ihr euch musikalisch verändert? Wie macht sich der Einfluss von Roman bemerkbar?

Roman: Ich bin jetzt nicht der große Punk-Rocker aber The Attic ist ja jetzt auch defitiniv reine “Punkrock”-Band. Ich find die Stimmen, die ich von Fabio übernehme, sehr leiwand und übernehme auch viele der Riffs. Felix sagt mir da auch ganz konkret, was er gerne beibehalten würde und gibt mir aber auch bei anderen Stellen, vor allem bei Solos, viel Raum. Vor allem dort kann ich meine Charakteristik aus Blues, Rock und auch aus der 80ies Gitarren-Ära einbringen. 
Im Songwriting war ich noch nicht großartig involviert. Da werden wir dann sehen, in welche Richtung das dann gehen wird.

Felix: Wir haben das Recording inzwischen selbst in die Hand genommen und arbeiten mit unserem Mixing Engineer Johannes Schmutzer eng zusammen. Wir können damit unsere musikalischen/stilistischen Vorstellungen inzwischen einfach besser umsetzen als noch vor 5 Jahren.

Roman bringt – wie beim Gitarren-Solo von “Insanity” erkennbar – ein unfassbares Gespür für Melodie, Rhythmus und Gefühl mit in die Band, was uns und den Fans noch viele schöne Momente bereiten wird.

CF: In den letzten 25 Jahren hat sich in der Rockmusik einiges verändert. Lasst ihr neueste Entwicklungen in eure Arbeit einfließen? Wo liegt die Grenze, wo ihr sagt: das sind nicht mehr wir. Oder ist für euch der Zenit der Rockmusik mit den 90er bzw. Nullerjahren erreicht und dieses Erbe gilt es nun zu verwalten?

Roman: Ich denke, wenn man sich selbst eine Grenze setzt, dann hält man sich da selbst zurück. Natürlich werden wir jetzt nicht plötzlich eine Death-Metal Band, aber ich denke wir werden uns da schon ausprobieren, wie sich die Musik entwickeln könnte.

Elias: Viele unserer Songs fallen definitiv in die gängigen Genres der 90er und 00er Jahre. Ich glaube, dass wir uns beim Schreiben neuer Songs kontinuierlich weiterentwickeln und auch mit neueren Sachen experimentieren. Gleichzeitig wollen wir uns aber nicht dadurch limitieren, unbedingt Songs zu schreiben, die den state-of-the-art Genres zuzuordnen wären.

CF: Ihr habt sicher einige unveröffentlichte Songs in peto. Gibt es schon einen Plan, in welcher Form ihr sie veröffentlichen wollt?

Felix: Digital.

Elias: Die kommenden Songs werden, wie auch „Insanity“, als Singles erscheinen, wir planen derweil keinen größeren Releases wie beispielsweise ein Album.

CF: Ihr habt eben einen großen Live-Gig im Rahmen des Klangkasten-Jubiläums hinter euch. Wie habt ihr euch gefühlt? Wie waren die Reaktionen des Publikums? Habt ihr auch bislang unveröffentlichtes Zeug gespielt und wie kam es an?

Elias: Es war wunderbar, nach gut einem Jahr wieder auf der Bühne zu stehen. Das hat uns allen ein wenig gefehlt. Das KlangKasten Festival hat diesbezüglich die perfekten Rahmenbedingungen ermöglicht, das Publikum war trotz des bescheidenen Wetters voll dabei – ein Traum, so auf die Bühne zurückzukehren!

Felix: Es war schön, nach 11 Monaten wieder vereint auf der Bühne zu stehen und ein Konzert zu spielen. Weder wir noch das Publikum ließen sich vom anfänglichen Regen die Laune verderben. Im Gegenteil, die Stimmung hätte besser nicht sein können.

CF: Der bislang letzte Gig am „Noisy Sunfestival“ ist für 29. Juli in Markt Piesting angesetzt. Geht ihr dann in die Sommerpause, oder ins Studio?

Elias: Im Sommer wirds nach dem „Noisy Sunfestival“ tatsächlich etwas ruhiger. Wir werden uns dann vor allem auf weitere Shows im Herbst und Winter fokussieren.

Felix: Was ist eine Sommerpause?

CF: Nachdem ihr auf einige aufregende Monate zurückblicken könnt, könnt ihr uns schon eine Vorschau auf die nächsten (aufregenden) Monate geben?

Felix: Es wird im Herbst und Winter ein paar spannende Konzerte geben, sowie eine neue Single. Parallel stehen uns drei Masterarbeiten bevor … den passenden Soundtrack dazu haben wir ja gerade veröffentlicht 😉
Und dann wäre 2024 noch das 10-Jährige Bandjubiläum, das langsam näher kommt. Ich würde sagen, es lohnt sich, auf Instagram und Co up to date zu bleiben und die Band-Shirts griffbereit zu haben.

CF: 10 Jahre gibt’s The Attic schon? Unglaublich, wie die Zeit vergeht. Vielen Dank für das Interview.

Werner Harauer
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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

City-Flyer – die Stadt bei Tag und Nacht Foren The Attic sind zurück auf der Bühne

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      Werner
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