The Colour Petrol: Coolness als Programm

The Colour Petrol sind Michaela Wandl und Alexander Greiml Foto: Mariella Greiml, z.V.g.
The Colour Petrol sind Michaela Wandl und Alexander Greiml Foto: Mariella Greiml, z.V.g.

Die Farbe „Petrol“ steht nach Ansicht von Michaela Wandl und Alexander Greiml für Eleganz und die Spannung zwischen angenehmer Kühle und Warmherzigkeit. Die perfekte Farbe also, um die Musik des Duos zu beschreiben. The Colour Petrol spielen Interpretationen von bekannten Songs, die jede/r ins Herz geschlossen hat.

In neuronalen Netzwerken gibt es immer Knoten, in denen die Stränge zusammenlaufen. Verwenden wir dieses Bild als Analogie für die Musikszene, dann wäre die Familie Forstreiter ein solcher Knoten, der schon viele Musikkarrieren mitinitiiert hat. Dort treffen auch Michaela Wandl, die Schwester vom Elektroniker Lukas Wandl und Alexander Greiml erstmals aufeinander und sehen sich auf Anhieb auf derselben Wellenläge. „Ich schätze Alex, weil er sich musikalisch keine Schranken setzt. Dieses Nicht-Einschränken-Wollen merkt man auch an unserem Repertoire“, umreißt Michaela ein Erkennungsmerkmal der St. Pöltner Coverband The Colour Petrol.
Alexander, der aus der Klassik kommt, und Michaela, die auf ihrem Weg über Pop, Jazz, Musical zum klassischen Gesang fand, sehen sich dennoch als Kinder der Popkultur. Im Zuge der PROFACT-Projekte „Jesus Christ Superstar“ (2008) und „PROFACT Goes To The Movies“ (2009) können sie ihre Neigung erstmals gemeinsam ausleben: Michaela singt und Alexander spielt Klavier bzw. ist musikalischer Leiter.
„Warum die Fertigkeiten nicht als Team der Öffentlichkeit präsentieren“, denken sich die beiden und beschließen, geschmackvolle Coverversionen bewährter Klassiker für Festlichkeiten anzubieten. Also „mit Songs, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben, die jeder kennt und die man mitsingen kann. Wo man so ein wohliges Gefühl im Bauch bekommt und sich denkt, ‘Ah, das kenn’ ich – das mag ich’“. The Colour Petrol ward geboren.
Im Rahmen der „musik.stp City live!“-Reihe sind The Colour Petrol am 17.9. in der St. Pöltner Innenstadt zu hören.
thecolourpetrol.at

Im Anschluss das Interview, auf dem der Artikel im CF 06/22 basiert:

Interview: Werner Harauer
Foto: Mariella Greiml, z.V.g.

 

City-Flyer: Ist Michaela Wandl mit Georg Wandl, oder mit dem Elektroniker Lukas Wandl verwandt?

Michaela Wandl: Nein, nicht mit Georg. =)

Alex Greiml: Aber sehr wohl ist Michi mit dem Elektroniker Wandl verwandt – das ist nämlich ihr Bruder. =)

Michaela: Korrekt! =)

CF: Ihr seid 2011 anlässlich des Filmmusik Projekts „PROFACT goes to the Movies“ gemeinsam auf der Bühne gestanden. Habt ihr euch dort kennen gelernt?

Alex: Nein, schon ein paar Jahre davor im Hause der stadtbekannten Musik-affinen Familie Forstreiter im Rahmen einer Probe. Ich würde sagen, wir waren einander auf Anhieb sympathisch. Die „Forstis“ können sich sowieso auf die Fahnen schreiben, viele Musikkarrieren sanft mitinitiiert zu haben.

CF: Hattet ihr zwischen „PROFACT“ und „The Colour Petrol“ auch noch gemeinsame Bühnenauftritte?

Alex: Es gab ein paar vereinzelte „Singereien“ des sogenannten PROFACT-Chores, der unter der Leitung von Flora Königsberger unabhängig vom Gesamtkollektiv einige Auftritte, hauptsächlich bei Hochzeiten, absolviert hat. Da hat Michi manchmal mitgesungen und ich habe manchmal Klavier gespielt.

CF: Warum habt ihr die Farbe Petrol als Bandnamen gewählt?

Michaela: Wir finden den Film „The Colour Purple“ sehr emotional, berührend und stark, insbesondere die Szene mit dem Lied „Miss Celie’s Blues“, welches eines der ersten war, das wir gemeinsam gespielt haben. Petrol ist meine Lieblingsfarbe, und wir finden, dass sie sehr gut dazu passt, wie wir uns als Duo präsentieren wollen. Die Schlagworte, die man auf Google zu der Farbe findet, passen zu unserer diesbezüglichen Vorstellung dazu.

Alex: Das ist eine in meinen Augen eine elegante, aber auch warmherzige Farbe – und gleichzeitig versprüht sie auch wieder eine gewisse angenehme Kühle, oder sollte man sagen: Coolness? Ich würde, im Gegensatz zu Michi, Petrol für mein Zuhause nicht als Wandfarbe wählen, aber zu unserer Musik passt diese Farbe ausgezeichnet.

CF: Michaela kommt vom Jazzgesang und von der Klassischen Musik und du aus der Popkultur. Gab’s da nie Differenzen, wie eure Coversongs zu klingen haben?

Michaela: Ich würde nicht sagen, dass ich ursprünglich vom Jazzgesang und der Klassischen Musik komme. Ich habe mit meiner Familie, insbesondere meiner Mama, die auch Musiklehrerin ist, seit Kindesbeinen an sehr viel und sehr breit gefächert musiziert, da wurde auch so einiges von einem ins andere Genre spaßhalber „verhunzt“ =). Richtig wohlgefühlt habe ich mich beim Singen dann zum ersten Mal im Teenageralter bei Liedern von Norah Jones, also einer Mischung aus Pop und Jazz, danach kam eine Musical geprägte Phase, und erst im Studium habe ich mich stark mit Klassischem Gesang auseinandergesetzt. Jazz kam dann automatisch mit meinem Klavier-Uniprofessor, der mich gesanglich sehr gefördert hat. Ich hatte während des Studiums aber auch eine Rockband und habe viel zeitgenössisches Repertoire als Mitglied des Chorus sine nomine gesungen. Bei diesen vielen Richtungen war es manchmal gar nicht so einfach, die Stile und Techniken unter einen Hut zu bringen und MEINE Stimme zu finden, aber ich wollte mich genremäßig einfach nie einschränken, weil ich finde, dass es in fast allen Genres unglaublich tolle Musik gibt.
Ich schätze an Alex, dass er da ähnlich tickt wie ich. Dieses Nicht-Einschränken-Wollen merkt man auch am Repertoire von The Colour Petrol… =)

Alex: Wir sind also beide Kinder der Popkultur, wobei ich zumindest spieltechnisch aus der Klassik komme, da ich ursprünglich klassisches Klavierspiel gelernt habe. Von daher gibt es schon von vornherein aus meiner Sicht keine wirklichen Berührungsängste zwischen den Genres.
Ich finde außerdem, dass gerade, wenn Michi ihr klassisches Timbre auspackt, das hervorragend zu einigen der poppigen Songs in unserem Repertoire passt. Und umgekehrt spiele ich viele unserer jazzigen und souligen Titel gerne mit einer klassisch-romantischen Note, da ich mich sowieso nicht als in-der-Wolle-gefärbten Jazzer sehe.

CF: Ihr interpretiert Jazz-, Pop- und Rockklassiker. Wie weit darf die Interpretation gehen? Weicht ihr stark vom Original ab und lotet neue Facetten des Songs aus? Oder haltet ihr euch so gut es geht am Original?

Michaela: Beides, würde ich sagen. Grundsätzlich covern wir gute Songs gerne originalgetreu, haben aber auch großen Spaß daran, einige Songs rhythmisch, mehrstimmig etc. aufzupeppen.

Alex: Ich finde, dass wir dadurch, dass wir als Duo unterwegs sind, gewissermaßen dazu gezwungen sind, da und dort eigene Interpretationen zu schaffen. Das läuft meist auf eine Vereinfachung des Arrangements einerseits hinaus, andererseits aber eben auch oft auf Schmankerl wie eben zweistimmige Arrangements etc. Manches funktioniert aber auch ganz gut als fast originalgetreue Interpretation. Und ab und zu muss man einen Song in eine andere als die Originaltonart transponieren – für mich als Keyboarder kein Problem, denn da reicht ein Druck auf die „Transpose“-Taste …

CF: Was versteht ihr unter einem „Klassiker“? Ein Klassiker aus der Populären Musik könnte sowohl „Smoke On The Water“ sein, als auch ein Song von Joy Division. Ich nehme an, ihr meint mit einem „Klassiker“ einen Song, den wirklich jede/r kennt. Kannst du mir ein paar Songs aus eurem Repertoire nennen?

Michaela: Ja, ein Klassiker ist für uns ein Song, der schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, den jeder kennt und den man vielleicht sogar mitsingen kann. Wo man so ein wohliges Gefühl im Bauch bekommt und sich denkt, „Ah, das kenn’ ich – das mag ich“. Ich würde sagen, auf unser Programm bezogen wäre z.B. „Lean on Me“ ein Klassiker, aber auch „Time After Time“, „Don´t Stop Me Now“ oder „Bésame mucho“.

CF: Habt ihr euch schon mit dem Gedanken gespielt, eigene Songs zu kreieren?

Michaela: Ehrlicherweise nein, weil wir gerne Covers spielen und unsere musikalische Haupt-Tätigkeit eigentlich im Umrahmen von Trauungen und anderen Festlichkeiten liegt, was wir immer noch sehr gerne machen, was aber aufgrund von Corona natürlich sehr in den Hintergrund gerückt ist. Wir wollen in Zukunft aber auch gerne mehr Konzerte spielen, also wer weiß, was noch kommt?

Alex: Ich sehe das ähnlich. Bei The Colour Petrol geht es nicht in erster Linie darum, uns kreativ auszutoben, was uns aber natürlich nicht daran hindert, Spaß mit gelegentlichen Neuarrangements zu haben.

Michi: Genau, wir musizieren einfach gerne gemeinsam und schauen, was dabei herauskommt. =)

CF: Habt ihr vor, mal einen Tonträger mit euren Coverversionen zu veröffentlichen?

Michaela: Ja, wir haben schon öfters mit diesem Gedanken gespielt, eine Weihnachts-CD wäre zB. ein schönes Projekt.

CF: Ihr macht euch auf den St. Pöltner Bühnen sehr rar. Den letzten Eintrag über The Colour Petrol in den City-Flyer Terminen fand ich im Rahmen der „musik.stp City live!“-Schiene, wo ihr im September 2021 einen Auftritt hattet. Kann man euch in nächster Zeit auf der Bühne antreffen?

Michaela: Das hat einerseits mit Corona zu tun, das uns sehr eingeschränkt hat, und andererseits mit der Geburt meines ersten Kindes 2019 und in Kürze meines zweiten, da ist der Fokus natürlich anderswo. An der Motivation scheitert es jedoch nicht, deshalb wird man in den nächsten Jahren sicher mehr von uns hören und sehen! Los geht’s mit einem Auftritt in der St. Pöltner Innenstadt am 17.9. dieses Jahres im Rahmen der „musik.stp City live!“-Reihe!

Alex: The Colour Petrol war zwar nie als 24/7 Projekt gedacht, aber Corona hat uns natürlich einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Aber wie Michi sagt, wird man uns in nächster Zeit hoffentlich wieder häufiger zu sehen und zu hören bekommen!

CF: Vielen Dank für das Interview.

Werner Harauer
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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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