The Zsa Zsa Gabor’s: Die vier Unbeugsamen

The Zsa Zsa Gabor’s (v.l.n.r.): Harry, Gabor, Mots und Paul Foto: Martin Moser, z.V.g.
The Zsa Zsa Gabor’s (v.l.n.r.): Harry, Gabor, Mots und Paul Foto: Martin Moser, z.V.g.

The Zsa Zsa Gabor’s machen politischen Punkrock. Zum Zeitpunkt der Bandgründung hatten sie anderes vor. Weil aber Mots T. Sux, ZZ Gabor, Hurricane Harry und Paul le’Buche die kleinen und großen Ungerechtigkeiten nicht hinnehmen wollten, schmiedeten sie Songs gegen die Intoleranz. Auch das neue Album „Gloss“ setzt diese Tradition fort. Gabor und Paul le’Buche fanden Zeit, unsere Fragen zu beantworten.

Interview: Werner Harauer
Foto: Martin Moser

City-Flyer: Eure Tour zum Album „X“ im Februar vor zwei Jahren wurde durch Corona abrupt unterbrochen. Wie stehen eurer Ansicht nach die Chancen angesichts der wieder steigenden Infektionszahlen, die ausgedehnte Tour zum neuen Album durchzuziehen?

Gabor: Unsere Ansicht nach wird es Einschränkungen geben aber keinen kompletten Lockdown, so wie gehabt. Wir hoffen das Beste für die kommenden Konzerte und Festivals, wo wir gebucht wurden, man kann aber nie sagen was kommt. Es stehen wieder grandiose Stops am Tourplan, wie Hamburg, Prag und unsere ersten Shows in Polen. Trotz allem geht es immer weiter mit den Worten „Never give up and dont forget the rock’n’roll“!!

CF: Das neue Album „Gloss“ war Anfang des Jahres fertig. Warum erscheint es erst jetzt?

Paul le’Buche: In der aktuellen Zeit sind auch im Bereich der Mediendienstleister Lieferengpässe, somit kann eine professionelle Vinyl/CD Herstellung bis zu einem Jahr dauern. Dies war auch der Fall bei uns. Damit nichts schief gehen kann, haben wir gewartet, bis wir alles zusammen haben. Ein Release-Gig ohne Records wäre schon sehr enttäuschend gewesen.

CF: Euer letztes Album „X“ aus dem Jahr 2020 war quasi ein Statement zu den politischen Vorgängen in der Welt (Trump, Kurz, …). Dieses ist viel privater und spiegelt eurer Leben zur Zeit der Pandemie wider. Kommt die Platte nicht zu spät? Niemand interessiert sich mehr für die Pandemie.

Gabor: Da geht es eher um unsere Empfindungen und Gefühl in dieser Zeit, welche auch für andere Situationen passen. Ein weiterer Teil der Platte behandelt die Alltagsprobleme und Problembewältigung.

CF: Was war bisher für euch privat die unangenehmste Begleiterscheinung an der Pandemie? Habt ihr sie in einem Song verpackt?

Paul le’Buche: Die Songs „Isolation“ und „Daily Overload“ behandeln die Pandemie mit all ihren Auswüchsen. Die Lockdowns haben uns müde gemacht. Auf der einen Seite ist es natürlich wichtig, dass die Gesellschaft Rücksicht nimmt und die Menschen sich gegenseitig schützen, aber auf der andere Seite ist es zu hinterfragen, ob nicht ein besseres Pandemie-Management möglich gewesen wäre.

CF: The Zsa Zsa Gabor’s machen politischen Punk. Wofür stehen The Zsa Zsa Gabor’s? Und wogegen beziehen sie Stellung?

Paul le’Buche: In erster Linie sind wir eine Band, die Spass und Freude beim Musizieren hat, sei es live oder im Proberaum. Wir haben uns nicht vorweg vorgenommen eine politische Band zu sein, sondern es hat sich entwickelt und der Prozess ist sicher noch nicht beendet, da es immer Themen gibt, die aufgegriffen und aufgezeigt werden müssen unserer Meinung nach. Der politische Alltag liefert hierzu meist den besten Stoff für Songs.

CF: Kann die Reaktionen auf die Pandemie auch politisch deuten?

Gabor: Im speziellen hat Viktor Orban Mots dazu motiviert, den Song „Isolation“ zu schreiben, er genau das Thema behandelt. Es ist schockierend mitanzusehen, wie in einer Demokratie die Pressefreiheit immer mehr eingeschränkt wird und das Bild des Staates somit aufrecht zu halten. Die Pandemie war der perfekte Vorwand diese Widersinnigkeiten voran zu treiben.

CF: Ist es heute schwieriger als vor 20 Jahren, seine politische Linie durchzuhalten?

Gabor: Da wir uns schon über 20 Jahre in Punk Bands bewegen, ist das eine spannende Frage. Ich bin der Meinung, dass es mit dem Alter einfacher bzw. leichter ist, da man gefestigt ist und weiß wo und wofür man steht. Die Haltungen sind reflektierter und man hat keine Scheu, sie in die Welt zu singen.

CF: Das Alter bringt es mit sich, das schwarz-weiss Denken zu hinterfragen. Habt ihr auch Graunuancen in euren Texten?

Paul le’Buche: Definitiv, genau das bedeutet unter anderem auch Punk Rock für uns. Das Aufgesetzte zu hinterfragen und reflektieren. Wobei auch plakative Songs ihren Reiz haben, als Beispiel: „Middlefinger Attitude“, wobei es darum geht, sich nicht alles gefallen zu lassen und sich auch zu trauen einmal nein zu sagen.

CF: Was wäre gewesen, wenn ihr das neue Album zwei Monate später fertiggestellt hättet? Wäre darauf ein Song über den Krieg Russland – Ukraine zu finden gewesen?

Paul le’Buche: Das kann leicht möglich sein, da wir uns alle mit den tagespolitischen Themen auseinander setzen und auch darüber diskutieren. Viele unserer Songs haben eine Langlebigkeit, da sich einige Dinge leider nicht so schnell ändern bzw. überhaupt nicht ändern. Der Song „Refugees welcome“ wurde 2015 geschrieben und ist seit dem aktueller denn je.

CF: Am 24. Februar dieses Jahres begann der Angriffskrieg Putins gegen die Ukraine. Die Vorkommnisse danach rütteln an den Grundfesten vieler Lebensentwürfe. Da gibt es ehemalige Wehrdienstverweigerer, die nun von einem Fehler sprechen und heute den Wehrdienst leisten würden, Grüne Pazifisten, die sich für Waffenlieferungen an die Ukraine stark machen, … Ist die Welt heute nicht zu kompliziert, um sie mit linken Punk-Sloagans zu beschreiben?

Gabor: Genau das ist das Problem! Unserer Meinung nach braucht es ein soziales Gefüge und Miteinander, um die nächsten Jahrzehnte möglichst schadlos zu genießen. Natürlich müssen Kompromisse gefunden werden, aber es ist falsch auf Gewalt mit Gewalt zu antworten. Die Leidtragenden sind immer die Menschen, die als Spielball benutzt werden.

CF: Ihr habt nächstes Jahr euer zehnjähriges Bandjubiläum. 10 Jahre sind eine verdammt lange Zeit. Habt ihr ein Erfolgsrezept, die die Langlebigkeit einer Band fördert?

Paul le’Buche: Spaß und Freude an der Musik und mit den Bandmitgliedern sind wichtige Faktoren. Weiters halsen wir uns nicht zu viel auf und versuchen unnötigen Stress zu vermeiden, zumindest so gut es geht. Eine Vorausplanung ist ebenfalls sehr wichtig, vor allem wenn es auf Tour geht. Das funktioniert bis jetzt ganz gut!

CF: Wenn ihr zurückblickt: gab’s mal eine Zeit wo ihr dachtet: „warum tu ich mir das an?“

Gabor: Jedes mal, wenn wir auf Tour im Van sitzen und gefühlte 10 Stunden am Tag unterwegs sind. Die Live-Konzerte, ZuseherInnen und die spannenden Locations sind dann aber immer die Entschädigung für die aufgenommenen Strapazen.

CF: The Zsa Zsa Gabor’s stehen am 29. Juli am MUSIK-STP-Festival auf der Bühne. Ihr werdet am Ratzersdorfer See erstmals eure LP „Gloss“ live präsentieren. Habt ihr ein gutes Gefühl, dass die neuen Songs beim Publikum ankommen werden? Habt ihr einen kleinen Kreis von Eingeweihten, der euch schon Feedback gegeben hat?

Paul le’Buche: Ja, wir schicken vorab unsere Aufnahmen immer an Freunde um direktes Feedback zu bekommen. Wir sind bei jeder Platte immer sehr gespannt wie die Nummern bei den Leuten ankommen, sei es live oder auf Platte. Es ist auch jedes Mal ein schöner Moment, wenn man die produzierte Platte endlich in den Händen halten kann, denn es steckt immer sehr viel Arbeit darin.

CF: Ich kann mir gut vorstellen, dass ihr das Publikum mitreissen werdet. Die 15 Songs auf „Gloss“ geben ziemlich Gas. War das eure Grundstimmung die letzten zwei Jahre?

Paul le’Buche: Wir hoffen es! Durch die Pandemie hat sich natürlich Energie aufgestaut, die sich in den Songs widerspiegelt. Vor allem, dass die ganzen Konzerte weggefallen sind und wir auch eine zeitlang nicht proben konnten. Die Leidenschaft an der Musik und die Freundschaft hat das zum Glück nicht geschadet und somit konnten wir nach der probefreien Zeit wieder voll durchstarten.

CF: John Lydon von den Sex Pistols sang Mitte der 80er Jahre „Anger is an Energy“. Kann man Wut über lange Zeit aufrecht erhalten? Es soll ja auch so was wie Altersmilde geben 😉

Gabor: Definitiv nein! Natürlich ärgert man sich über manche Dinge vielleicht ein Leben lang, aber man hat gelernt, damit umzugehen. Einen Tunnelblick, gesteuert durch die Wut, ist sicher nicht zielführend. Die Musik und die Texte sind dafür ein perfektes Sprachrohr, um diese Themen zu behandeln und der Wut freien Lauf zu lassen.

CF: Auf „Gloss“ findet sich ein Song, auf dem Enrico De Angelis von den Los Fastidios singt. Der Song heißt „Old Punks“. Wie habt ihr Enrico für den Gesang gewinnen können? Und worum geht’s in dem Song? Und wer hat ihn geschrieben?

Paul le’Buche: Mit Los Fastidios haben wir schon des öfteren zusammen gespielt und wir sind seit dem 1. Konzert in Stuttgart in Kontakt geblieben. Wir haben sie schon nach St. Pölten eingeladen und Enrico hat sich sehr über die Anfrage gefreut. Es sind sehr nette Menschen die durch die ganze Welt touren und wir freuen uns, dass das Projekt funktioniert hat. Im Song geht es um vergangene Konzerterlebnisse, auf die man gerne zurück blickt. Diese Erlebnisse werden durch Familie und Kinder weniger – genau das behandelt der Text.

CF: Auf „Isolation“, einem weiteren Song auf dem neuen Album, singt Hari auf Deutsch. Warum gerade dieses Lied auf Deutsch? Weil „Isolation“ auf deutsch so gut klingt? „Isolation“ auf englisch klingt doch auch gut, besonders wenn es von Ian Curtis von Joy Division gesungen wird.

Paul le’Buche: Eigentlich haben wir uns noch nie die Frage gestellt, ob der Song auf deutsch bzw. englisch besser rüber kommt. Die Texte schreiben Mots und Gabor und dahinter steckt meist schon eine Idee, Melodie oder Ablauf. Das Song-Finishing erfolgt in Synergie.

CF: Viele gute Künstler haben im Laufe ihres Schaffens ihren Stil gewechselt. Pablo Picasso ist ein prominentes Beispiel für die Malerei, der oben erwähnte John Lydon, dessen Alterswerk sehr krudes und experimentelles Zeugs enthält, ein Beispiel für die Musik. Habt ihr auch schon mal daran gedacht, dem Streetpunk zu entsagen und was anderes zu machen?

Gabor: Bis jetzt ist uns noch nicht dieser Gedanke gekommen, da wir diese Musik lieben. Wir haben in den Studio-Aufnahmen auch Versuche gestartet und zusätzliche Instrumente eingespielt, dann aber meist wieder raus genommen, da wir nur Songs aufnehmen wollen, die wir auch live umsetzen können. Es gibt ein paar Acoustic Nummern von uns, als Beispiel: „der Thomas“. Aber wie sagen wir so schön: 4 Akkorde ist einer zu viel!

CF: Zum Abschluss eine Frage, die euch wohl jedesmal gestellt wird: Warum der Bandname The Zsa Zsa Gabor’s? Die Schauspielerin Zsa Zsa Gabor war der Inbegriff der Film-Diva und ganz sicher weit weg von linkem Gedankengut. Habt ihr auch etwas Divenhaftes an euch?

Paul le’Buche: Hoffentlich nicht! Wir beziehen uns dabei auf den Glamfaktor von der Zsa Zsa Gabor. Im Grunde genommen ist der Bandname dadurch entstanden, da unser Schlagzeuger Gabor heißt und davon abgeleitet sind wir auf den Band-Namen gekommen. Wir fanden die Idee lustig und wollten uns auch keinen 0815 Bandnamen geben.

CF: Besten Dank! Beide Daumen gedrückt, dass eure Tour diesmal reibungslos verläuft. 

www.facebook.com/zsazsagabors/
www.zsazsagabors.at
www.youtube.com/watch?v=vEbReO4syvU

The Zsa Zsa Gabor’s – G.L.O.S.S. („Global Lack of Sick Society“)

Werner Harauer
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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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