The Zsa Zsa Gabor’s: Grandezza und Krach

The Zsa Zsa Gabor’s sind (von links nach rechts): Paul lé Buche (Gitarre), Mots T. Sux (Bass), ZZ Gabor (Drums) und Hurricane Harry (Gitarre/Gesang) Foto: Martin Moser, z.V.g.

Die Punk-Szene in St. Pölten hat schon bessere Tage erlebt. Während in den Nuller-Jahren in- und ausländische Punkbands fast wöchentlich volle Häuser bespielten, können The Zsa Zsa Gabor’s heute als eine der wenigen „überlebenden“ Bands einmal im Jahr mit ordentlichem support rechnen. Anlässlich ihres neuen Albums “X” zünden sie am 1. Februar ein musikalisches Feuerwerk im Frei.raum.

Wir führten ein Gespräch mit Mots T. Sux, dem Bassisen von The Zsa Zsa Gabor’s.

Interview: Werner Harauer
Foto: Martin Moser

City-Flyer: The Zsa Zsa Gabor’s starten eine Album-Tour am 1. Februar, beginnend mit einem Konzert im Frei.raum, die euch auch nach Deutschland und nach Tschechien führt. Ich nehme an, ihr habt alle einen Brotjob. Wie lässt sich das Rockleben mit dem Job verbinden?

Mots: Natürlich haben wir alle ganz normale Jobs, um unser Leben zu stemmen. Wir sehen die Band als angenehmes Hobby. Wir investieren zwar viel Zeit und Energie in unser Projekt, aber wir bekommen diese Energie bei unseren Live-Konzerten retour. Das gibt uns verdammt viel Kraft.

CF: Habt ihr euch schon mal durchgerechnet, wie viel euch euer Hobby kostet?

Mots: Ein Hobby ist immer teuer und wenn man von etwas überzeugt ist, dann schaut man nicht mehr auf die Ausgaben. Mittlerweile können wir schon Teile unserer Ausgaben abdecken. Das wird immer besser.

CF: Wie ist das Album „X“ bisher von der Presse aufgenommen worden?

Mots: Nachdem das Album sehr frisch ist, gibt es relativ wenig Reaktionen. Wir haben erst vor zwei Wochen mit der Promotion begonnen. Bis die ersten Rezensionen reinkommen, dauert es noch. So wirklich durchsetzen können sich neue Songs erst, wenn man diese live spielt. Ein Video hilft auch.

CF: Ihr produziert ganz Oldschool auch Vinyl. Gibt es im Punkbereich Leute, die auf Vinyl stehen? Ich dachte, es sind eher die Kunstnerds, die auf Schallplatten stehen.

Mots: Ich würde mal behaupten, dass gerade im Punkbereich Vinyl nach wie vor sehr wichtig ist. Eine Platte ist halt doch noch etwas, was du nach einem geilen Live-Gig kaufen und nach Hause nehmen kannst. Jedes Mal, wenn du die Scheibe aus dem Regal holst, kommen automatisch die Erinnerungen an das Konzert hoch. Das macht für mich eine Vinyl-Platte nach wie vor interessant.

CF: Kommt das Artwork wieder von euch?

Mots: Diesmal haben wir einen Freund mit dem Artwork beauftragt. Wir wollten einfach mal ein anderes Design. Die Idee zum Artwork haben wir im Proberaum entwickelt, die Fotos im wunderbaren Sonnenpark geschossen. Das Design reiht sich perfekt in unsere bestehenden Platten ein.

CF: Wie wollt ihr die Tonträger vertreiben? Ausschließlich auf Live-Konzerten?

Mots: Die Platte wird ja in Kooperation mit dem deutschen Label Mad Butcher Records veröffentlicht. Das Label hat vielfältige Vertriebswege in ganz Europa, das öffnet uns neue Türen. Natürlich verkaufen wir die Platten auch auf den Live-Konzerten.

CF: Ihr habt anlässlich des 15-jährigen Bestehens der Wolfbrigade 04, dem Fanklub des St. Pöltner Fußballvereins SKN St. Pölten, mit „Blue, Yellow STP“ eine Hommage an den Verein geschrieben. Inwieweit seid ihr da involviert? Seid ihr Mitglieder der Wolfbrigade?

Mots: Unser Drummer Gabor hat damals die Wolfbrigade 04 mitbegründet. Wir sind auch begeisterte Stadiongänger. Im Proberaum haben wir lange darüber gesprochen, einen Fansong abzuliefern. Bei der aktuellen Aufnahme hat es nun endlich geklappt.

CF: Hinter Punk steht auch eine politische Haltung, die unter anderem für die Rechte der Flüchtlinge eintritt, oder sich für weniger (Polizei)Staat stark macht. Ist da die Wolfbrigade das richtige Umfeld für euch? Ich vermute, der überwiegende Teil der Fußballfans kann mit eurer Haltung nichts anfangen. Ich schätze die Fans im Gegenteil eher als rechts ein. Hattet ihr noch nie Schwierigkeiten mit den Fans?

Mots: Genau das war der Sinn hinter der Gründung der Wolfbrigade – einen starken antifaschistischen und antirassistischen Gegenpol zu Idioten am Fußballplatz zu etablieren.
Und ich würde Fußballfans nicht generell ins rechte Eck stellen. Mittlerweile ist das doch ein sehr internationaler Sport mit Spielern aus verschiedensten Ländern und Kulturkreisen. Wer da noch auf Schwarze schimpft, hat im Stadion nichts verloren.

CF: Jetzt von der anderen Seite: habt ihr schon einmal gedacht: „Diese politische Position der radikalen Linken ist aber echt naiv. Die kann ich nicht mittragen.“

Mots: Man kann es bei allen Positionen übertreiben, keine Frage. Wenn alles zerdiskutiert wird, geht auch nichts weiter. Teilweise gibt es bei extremen Linken mehr Einschränkungen, als dem Punk gut tut.

CF: Ihr habt auf dem Album auch eine Coverversion des Songs „Moderne Musik“ der 77er Punkband Hermann‘s Orgie. Warum habt ihr diesen Song gewählt?

Mots: Ich bin im Netz zufällig auf diesen alten Song gestoßen und er hat mich von der ersten Sekunde an gefesselt. Ich finde es immer wieder spannend alte, unbekannte Bands zu entdecken. Den Song sehe ich sozusagen als Hommage an alle kleinen, unbekannten Punkbands, die geniale Songs geschrieben haben und darauf warten entdeckt zu werden.

CF: Ihr habt euch 2013 formiert. Hat sich in den mehr als sechs Jahren die Punkszene verändert?

Mots: Die Punkszene in St. Pölten hatte um die 00er Jahre ihren Höhepunkt. Zu dieser Zeit kamen richtig viele Leute zu den Konzerten. Mittlerweile ist die Szene geschrumpft. Wenn wir einmal im Jahr in St. Pölten live spielen, können wir aber auf unsere Fanbasis vertrauen, da ist immer eine super Stimmung.
Was mich freut, ist dass es doch noch junge Leute gibt, die motiviert sind eine Band zu gründen. Besonders herausheben möchte ich da Salami Recorder, Lena Schmaldienst und Party with a Penguin.

CF: „X“ ist euer viertes Studioalbum. Dafür, dass es euch erst sechs Jahre gibt, habt ihr einen hohen Output an Veröffentlichungen. Geht ihr mit der nötigen Punk-Attitude ins Studio, haut rein in die Instrumente und schaut, was rauskommt? Wie viel Planung steckt in euren Alben?

Mots: Wir sind eigentlich ständig am Demos aufnehmen. Dabei halten wir alle Ideen und Song-Fragmente fest, die teilweise zu vollwertigen Songs ausgebaut werden. Aus diesem Fundus können wir vor einer Album Produktion schöpfen. Das Aufnehmen selbst geht dann immer sehr schnell. Erstens können wir uns auf Grund von Familie und Arbeit nicht ewig Zeit lassen und zweitens bevorzugen wir eine rasche Vorgangsweise. Das Ergebnis sind kompakte Punk-Songs – genau das wollen wir.

CF: Ihr habt diesmal auch Tasteninstrumente verwendet. Ein wenig ungewöhnlich für Punk. Habt ihr vor, euch breiter aufzustellen? Mehr Einflüsse zuzulassen?

Mots: Im Genreüberbegriff „Punk“ ist alles möglich. Hör dir mal Punkbands der 70er Jahre an. Da waren alle möglichen Stile vermixt und das war trotzdem Punk. Es kommt auf die Einstellung und Attitüde an. Einflüsse haben wir aus wirklich allen Musikrichtungen, trotzdem versuchen wir einen Trademark Sound bei zu behalten, damit der Hörer uns immer als The Zsa Zsa Gabor’s erkennt.

CF: Der Bandname ist eigenartig. Warum habt ihr den Namen der dekadentesten Schauspielerin, die Hollywood je besaß, genommen?

Mots: Uns gefielt der Widerspruch Punk vs. Glamour. Bei der Suche nach einem Bandnamen hatten wir die Wahl zwischen einem punk-typischen Namen, der im Wirrwarr der vielen Punkbands untergeht, oder einem außergewöhnlichen, untypischen Namen. Wir haben uns zum Glück für „The Zsa Zsa Gabor’s“ entschieden.

CF: Die wirkliche Zsa Zsa Gabor ist knapp 100 Jahre alt geworden. Wie lange werdet ihr Punkmusik machen?

Mots: Mich hat das Punk-Virus von der ersten Sekunde an infiziert und lässt mich nicht mehr los. Ich denke ich werde immer Punkrock machen, solange meine Kollegen ihn auch mit mir machen wollen.

CF: Ihr wohnt in St. Pölten? Warum probt ihr dann in Prinzersdorf?

Mots: In St. Pölten gibt es schon länger Probleme ausreichend Proberäume zu finden. Wir haben auch schon öfters darauf aufmerksam gemacht. Geförderte Proberäume sind die Grundlage, damit sind junge Menschen kreativ entfalten können. Kein Schüler kann sich 200, 300 EUR Miete im Monat leisten für sein Hobby. Da muss echt noch mehr in St. Pölten passieren, vor allem wenn sie irgendwann Kulturhauptstadt werden will.
 Wir hatten das Glück und fanden einen super Proberaum in Prinzersdorf. Das ist aber auch nur möglich, da wir alle Autofahrer sind. Junge Leute ohne Führerschein, haben diese Möglichkeit nicht.

CF: Euer Proberaum befindet sich in einer alten Fabrik, die gleichzeitig von der Polizei genutzt wird. Punks und Polizisten haben sind ja nicht unbedingt für ihr inniges Verhältnis bekannt. Wie ist der Umgang miteinander?

Mots: Das ist echt witzig. Wir wussten anfangs nicht, dass sich die Polizeischule ebenfalls am Gelände befindet. Wir proben ja immer in der Nacht und die Schule ist nur untertags besetzt. Dann mussten wir doch mal unter der Woche am Nachmittag zum Proberaum und uns hat der Schlag getroffen, als wir einen Haufen Polizeiautos vorfanden. Ansonsten laufen wir uns zum Glück nicht über den Weg. Diese Tatsache mussten wir aber in einem Song samt Video namens „Copschool“ verarbeiten.

CF: Das vierte Album wurde im Graveyard-Studio in Amstetten aufgenommen. Gibt’s in St. Pölten kein Studio, das für Aufnahmen für Punkmusik in Frage kommt?

Mots: Das Graveyard Studio in Amstetten betreibt Fritz Hammer, der so wie wir mit Punkmusik aufgewachsen ist. Er hat einfach Ahnung, wie ein Punk-Song klingen muss und das wissen nicht viele Audiotechniker.

CF: Wenn ihr eure Songs in die Hände eines Produzenten legt, setzt das eine Menge Vertrauen voraus. Was zeichnet Fritz Hammer von der Amstettner Band Unavoidable aus, dass ihr ihm zum wiederholen Mal die Produktion des neuen Albums anvertraut habt?

Mots: Fritz ist nicht nur Tontechniker, sondern er gibt uns immer wieder Inputs zu den Songs. Außerdem krallt er sich hin und wieder die Gitarre und geigt ein Solo rein, dass wir nur so schauen. Ich würde Fritz nicht als unseren Produzenten bezeichnen, viel mehr ist er mit Herz bei der Sache und will selbst, dass wir am Schluss das bestmögliche Ergebnis haben.

CF: Worauf führt ihr es zurück, dass es im Gegensatz zu früher immer weniger Veranstaltungen mit Bands gibt und diese immer weniger Publikum anziehen?

Mots: Das frage ich mich auch schon länger. Was Livekonzerte betrifft, hat St. Pölten schon mal bessere Zeiten erlebt. Mir kommt vor, dass richtig bekannte Bands nach wie vor großen Zulauf haben. Diese Konzerte passieren aber hauptsächlich in Wien. Die für mich richtig coolen, kleinen Bands finden keine Beachtung. Die Leute beschäftigen sich nicht wirklich mit Musik, sondern konsumieren das, was das Musikbusiness ihnen vorsetzt. Zudem liegen die Interessen der Jugendkultur heute weniger im Rock, sondern mehr im Elektronikbereich.

CF: Punk erfindet die Musik ja nicht neu. Was ist der Kern der Musik? Was zieht euch gerade zu diesem Genre hin?

Mots: Die Musik, die wir machen steckt sowieso in uns drinnen. Das sind unsere Wurzeln. Wir hatten eigentlich nur ein Ziel mit unserer Band: einfach gute Punksongs zu machen.

CF: Ihr seid schon ewig im Musikbusiness. Members von euch spielten bei Bands wie Exceed Excess, Skeptic Eleptic, Pork Knuckles und Demenzia Kolektiva. Möchtet ihr mir verraten, wer von wann bis wann in welcher Band gespielt hat?

Mots: Exceed Excess ist eine Ur-St. Pöltner Band und hat sich 2001 gegründet. Dort waren auch schon Gabor an den Drums und Hari an der Gitarre. Die beiden machen also ohne Unterbrechung bereits seit 19 Jahren miteinander Musik!
 Ich habe Skeptic Eleptic 1999 mitbegründet. Hier war dann 2008 Schluss. Danach war ich bei Demenzia Kolektiva. Unser kurzfristiger Gitarrist Benji spielte bei den Pork Knuckles. Mittlerweile schwingt Paul Le Buche die zweite Gitarre, der davor in verschiedensten Bandprojekten tätig war.

CF: Wer ist/war Pork Knuckles? Noch nie gehört von dieser Band.


Mots: Das war eine Wiener OiPunk Band.

CF: Wie fühlt es sich an, in St. Pölten die letzte überlebende Oldschool-Punkband zu sein?

Mots: Gar nicht mal so schlecht. Lieber wäre es uns, wenn wir eine lebhafte Szene mit mehreren Punkbands hätten. Es ist aber so wie es ist und wir machen auf jeden Fall das beste daraus und zeigen, dass Punk weiterhin ein fester Bestandteil der Stadt ist.

CF: Willst du noch etwas loswerden?


Mots: Checkt euch unser neues Album „X“, dass ihr entweder direkt bei uns oder auf unseren Konzerten kaufen könnt. Außerdem gibt’s die Songs natürlich auch digital auf verschiedenen Kanälen. Wenn ihr noch nie etwas von uns gehört habt, dann blättert mal Youtube auf und schaut euch ein paar Videos von uns an. Forever Punk!
https://facebook.com/zsazsagabors/
www.zsazsagabors.at

Die nächsten Live-Termine von The Zsa Zsa Gabor’s in der Umgebung:
01.02.2020 St. Pölten – Frei.raum mit LOS FASTIDIOS (I), RATHER RACCOON (D), SALAMI RECORDER (stp)
24.04.2020 Krems – Jazzkeller mit THE OFFENDERS (I)
25.04.2020 Amstetten – JUZ Atoll – Grave Night

Werner Harauer
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Über den Autor

Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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