Theater Perpetuum: 40 Jahre auf der Bühne

Theater PERPETUUM beim Fotoshooting für ihr neues Stück Foto: Matthias Köstler, z.V.g.
Theater PERPETUUM beim Fotoshooting für ihr neues Stück Foto: Matthias Köstler, z.V.g.

THEATER PERPETUUM • eine Gruppe jeden Alters ist mit Haut und Haaren dem Theaterspiel verfallen

Am 15. Dezember steigt die gesamte Schauspielerriege von Theater PERPETUUM auf die Bühne des Ehemaligen Forumkinos und spielt zum 40-jährigen Bestandsjubiläum eine der berühmtesten Kömödien der Weltliteratur. Mit dem „Sommernachtstraum“ von Shakespears hat die freie Theatergruppe ein Riesenspektakel für uns vorbereitet.

Wie hält man ein freies Theaterensemble, das die ganze Arbeit auf und hinter der Bühne unentgeltlich erledigt, über einen so langen Zeitraum am Leben? Schließlich sind fünf Gründungsmitglie­der seit 1983 bis heute aktiv tätig und der Großteil der Truppe kann ebenfalls auf Jahrzehne gemeinsamer Arbeit zurückblicken. Fritz Humer, Schauspieler bei Perpetuum, hat auf die Frage eine Antwort: „Wir brennen für das Theater. Und natürlich hat sich über die Jahre eine tie­fe Freundschaft entwickelt.“
Im Gegensatz zu Wien, Graz oder Linz gab es in St. Pölten der 80er Jahre keine Freie Theaterszene, an die man andocken hätte können. Heute geht das – man schließt sich Perpetuum an. Wie die jüng­sten Neuzugänge Rosalie Denk, Emma Wandl, Tobias Brunner und Leonhard Denk, die bei der Jubiläums­produktion ihr Bühnendebut geben wer­den. Damals „mussten“ einige Enthusia­sten um Regisseur Bernhard Paumann ein Freies Theater erst gründen – Theater PERPETUUM. „Freies Theater“ deswegen, weil die Gruppe nicht an eine Schule oder Institution gekoppelt ist und im Gegensatz zu anderen Vereinen Stücke zeigt, die oft auch an großen Wiener Bühnen aufgeführt werden. „Wir wollten Theater abseits des Mainstreams – mit Inszenierungen von neuen und klassischen, skurrilen und ernsten, musikalischen und unbekannten Stücken – auf die Bühne bringen“, schildert Gründungsmitglied Susanne Steigenberger ihr Motiv.

In den 40 Jahren gelangten 50 Produktionen zur Aufführung. Von den absolu­ten Publikumszahlen her war das Stück „The Black Rider“ mit über 1.500 Zuschauern bei 14 Vorstellungen die erfolgreichste Produktion. Was die Auslas­tung betrifft, wurde es vom Tschechow- Abend mit „Küsst euch und zum Teufel mit euch!“ mit 91% Auslastung übertroffen. Selbst skurrile und unbekannte Stücke werden von einem treuen Stamm­publikum besucht und mit großem Applaus bedacht. Georg Wandl begründet das mit dem „Vertrauen, das wir uns erspielt haben, indem wir immer – sowohl bei der Stückauswahl als auch bei den Insze­nie­­run­gen – auf Qualität geachtet haben“. Und Fritz Humer ergänzt: „Das hat lange gedauert. Unsere ersten Jahre waren durchaus auch von geringen Zuschauerzahlen geprägt.“

Geringe Zuschauerzahlen sind bei der Jubiläumsproduktion nicht zu erwarten. Gerhard Egger hat den „sommer.nacht. traum“ bereits 1991 für Perpetuum inszeniert. Nun wagt er sich neuerlich an Shakespeare und verspricht einen „Sommernachtstraum“ in völlig neuem Gewand. Unter der Regie von Schauspieler und Regisseur Richard Schmetterer werden sich 17 Perpetuum-Schauspieler*innen in den berühmtesten verwun­schenen Wald der Theaterliteratur begeben.
Die Premiere findet am 15. Dezember im ehemaligen Forumkino statt. Am Tag darauf wird eine weitere Vorstellung ge­geben, um nach einer Pause am 13. Jän­ner erneut bis Monatsende jeden Freitag und Samstag um 19:30 zu spielen.
www.perpetuum.at

Text: Werner Harauer
Foto: Matthias Köstler, z.V.g.

City-Flyer: Wie hält man ein Ensemble über einen so langen Zeitraum zusammen? Schließlich sind die Gründungsmitglieder Gerhard Egger, Fritz Humer, Heidi Leppich, Bernhard Paumann und Susanne Steigenberger noch immer aktiv.

Fritz Humer: Wir brennen für das Theater. Diese Flammen sind noch lange nicht erloschen. Und natürlich hat sich über die Jahrzehnte eine tiefe Freundschaft entwickelt.

Georg Wandl: Und außerdem gibt es ja in St. Pölten nach wie vor keine Freie Theaterszene wie in Wien, Graz oder Linz, wo man bei anderen Gruppen einsteigen könnte. Eigentlich sind wir also eine freiwillige Zwangsgemeinschaft, die sich immer noch mag 😉

CF: Gibt es auch im Publikum Personen, die euch 40 Jahre die Treue hielten?

Fritz: Ich denke doch. Und alle sind genauso jung geblieben wie wir **😀*

CF: In den 40 Jahren gelangten 50 Produktionen zur Aufführung. Welche waren die erfolgreichsten?

Georg: Von den absoluten Publikumszahlen her „The Black Rider“ mit über 1.500 Zuschauern bei 14 Vorstellungen.
Was die Auslastung betrifft „Küsst euch und zum Teufel mit euch!“, unser Tschechow-Abend, mit 91%. Aber wir haben glücklicherweise den Luxus, den Erfolg unserer Produktionen nicht an Zahlen messen zu müssen, sondern ob wir persönlich damit zufrieden sind.

CF: Wie definiert ihr Erfolg, wenn nicht anhand der Besucheranzahl? Anhand der Kritiken? Weil ihr positives Feedback vom Publikum bekommen habt? Weil’s euch Spaß gemacht hat? Weil ihr selbst findet, überzeugend gespielt zu haben?

Daniela Wandl:
• Anhand der Besucherzahl: Grundsätzlich nicht, aber da wir ja eine unabhängige Gruppe sind, muss sich das alles schon finanziell irgendwie ausgehen.
• Positives Feedback und Kritik: Tut immer gut und ist wichtig, aber kann nicht alleine erfolgsbestimmend sein. Über Geschmack lässt sich bekanntlich vortrefflich streiten.
• Spaß: Unbedingt, wobei man schon zugeben muss, dass es nicht immer Spaß macht, sondern es Phasen in der Erarbeitung gibt, die schon auch zaaaach sein können. Schlussendlich wird’s aber immer fein.
• Weil wir mit uns zufrieden sind: Ja, auf jeden Fall spielt das eine große Rolle – vermutlich die wichtigste …

Fritz: Wir sind immer von der aktuellen Produktion begeistert und der Moment auf der Bühne vor einem konzentrierten und engagierten Publikum ist für mich das einschneidende Erlebnis. Diese unsichtbare Verbindung zwischen Schauspieler, Geschichte und Publikum kann man nicht beschreiben.

CF: Gerhard, du hast den „sommer.nacht.traum“ bereits 1991 inszeniert. Nun wagst du dich wieder an Shakespeare und verspricht einen „Sommernachtstraum“ in völlig neuem Gewand. Darf man schon einige Änderungen erfahren?

Gerhard Egger: 1991 habe ich eine Textfassung erstellt und wir haben das Stück gemeinschaftlich umgesetzt. Jetzt wurde alles mit neuen Schwerpunkten neu bearbeitet. Die dilettierenden Handwerker haben jetzt mehr Perpetuum in sich und die neue Generation wird mit diesem Stück bewusst in das bewährte Ensemble integriert.

Fritz: Natürlich nehmen wir Bezug auf Perpetuum und unsere Eigenheiten und unsere 40-jährige Geschichte.

Daniela: Und wir sind geringfügig älter als damals.

CF: Warum habt ihr gerade dieses Stück für euer Jubiläum ausgewählt?

Fritz: Es ist ein Stück, das das Theater und die Freude daran thematisiert.

Gerhard: Das Stück bietet viele Möglichkeiten. Jetzt wird die Geschichte ganz anders erzählt. Und vielleicht in 20 Jahren im Altersheim nochmals?

CF: Wer hat ausgewählt? Wie macht ihr das mit dem Stücke-auswählen? Im Rotationsverfahren, anhand einer demokratischen Abstimmung?

Fritz: Jemand schlägt ein Stück vor, in diesem Falle war das Gerhard Egger. Danach wird basisdemokratisch diskutiert und entschieden.

CF: Stehen Rosalie Denk, Emma Wandl, Tobias Brunner und Leonhard Denk das erste Mal auf der Bühne?

Fritz: Ja. Wir freuen uns, wieder junge Schauspieler:innen in unseren Reihen begrüßen zu können.

Daniela: Bei Theater PERPETUUM ja.

CF: Wie fühlt es sich an, mit dem Nachwuchs zu proben?

Daniela: Man fühlt sich alt. 😉 Im Ernst: Das macht richtig viel Spaß, wenn uns die Jugendlichen ein bisschen anspornen.

CF: Ihr habt schon früher mit Autor und Musiker Bernhard Moshammer zusammengearbeitet? Wie hat es der Tausendsassa geschafft, sich Zeit freizuschaufeln, um euch die Musik zu schreiben?

Georg: Bernhard war ja 1985 bei „Marat“ als Schauspieler mit dabei, später dann auch bei „Frohes Fest“. Dann gab es mit „in the kitchen“ und „Wir spielen hier ja keine Blockbuster“ zwei PERPETUUM-Uraufführungen von ihm.
Bei „Elling“ und unserem Tschechow-Abend hat er die Bühnenmusik geschrieben und diese Kooperation wollten wir bei unserem Jubiläum fortsetzen und er war sofort mit dabei 🙂

CF: Gab es vor Theater Perpetuum wirklich keine freie Theatergruppe? Es muss ja früher auch Menschen in St. Pölten gegeben haben, die Theater spielten. Wie definiert ihr „freie Theatergruppe“?

Daniela: Das hab ich mal so behauptet, zu der Zeit war es jedenfalls die einzige. Freies Theater, oder Freie Theatergruppe deshalb, weil die Gruppe bis heute nicht an eine Schule oder irgendeine andere Institution gekoppelt war und ist.

Gerhard: An Schulen wurde immer Theater gespielt und auch Vereine haben immer wieder Aufführungen veranstaltet. Aber 40 Jahre lang mit Stücken, die oft auch an großen Wiener Bühnen gespielt werden – da gibt‘s in St. Pölten nur Perpetuum.

CF: Ihr hattet auch im Ausland Aufführungen. Man sagt den Österreichern einen eigenen Humor nach. Haben die Deutschen, die Slowenen, die Schweizer euren Humor verstanden?

Fritz: In Slowenien und der Schweiz haben wir ernste Stücke aufgeführt. In Deutschland wird unser Humor sehr gut verstanden.

Daniela: Manchmal ist das mit dem Humor in heimischen Gefilden schwieriger als anderswo, wie du sicher weißt. Aber auch da gilt: Geschmäcker und Lacher sind verschieden.

CF: Ihr habt ein treues Stammpublikum, dem ihr auch unbekannte Stücke präsentieren könnt und das trotzdem in die Vorstellungen kommt. Wie habt ihr das geschafft?

Fritz: Das ist ein jahrelanger Prozess gewesen. Unsere ersten Jahre waren durchaus auch von geringen Zuschauerzahlen geprägt.

Georg: Wir haben uns, glaub ich, das Vertrauen erspielt, indem wir immer – sowohl bei der Stückauswahl als auch bei den Inszenierungen – auf Qualität geachtet haben.

CF: Wie wird Theater PERPETUUM von den professionellen Schauspieler*innen wahrgenommen? Sitzt fallweise auch jemand vom Landestheater im Publikum? Tauscht ihr euch mit dem Landestheater aus?

Fritz: Seit Isabella Suppanz (ehem. Leiterin des Landestheaters Niederösterreich, d.Red.) und Michael Birkmeyer (ehem. Künstlerischer Leiter und Intendant des Festspielhauses St. Pölten, d.Red.) hat uns niemand mehr besucht.

Gerhard: Und davor war noch Pani Stamatopolos (zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit zu Zeiten des Stadttheaters, d.Red.) regelmäßig da.

CF: Seid ihr in irgendeiner Form in das Programm der Tangente eingebunden?

Fritz: Ja. Wir werden im Juni eine Kooperation mit der Tangente bringen.

CF: Mit Schauspieler und Regisseur Richard Schmetterer führt diesmal ein Externer Regie. Warum habt ihr euch für diese Lösung entschieden. Wie seid ihr auf ihn gestoßen?

Daniela: Wir kennen uns und sind befreundet, da er bei den jumpers [re]loaded seit mittlerweile 16 Jahren gemeinsam mit Georg spielt. Richard führt bereits zum zweiten Mal Regie bei PERPETUUM, das erste Mal war 2013 bei der Uraufführung von Thomas Fröhlichs „Sherlock Holmes und das Geheimnis des Illusionisten“. Er ist ein Vollprofi und wir arbeiten sehr gerne mit ihm, weil er neue Wege beschreitet und uns fordert. Dazu kommt ja, dass fast alle PERPETUUMs mitspielen…

CF: Wenn ich mich nicht verzählt habe, werden mit Gerhard Egger, Fritz Humer, Heidi Leppich, Bernhard Paumann, Susanne Steigenberger, Martin Freudenthaler, Daniela Wandl, Georg Wandl, Susanne Denk, Daniela Freudenthaler, Hasan Ocak, Matthias Buchinger, Iris Teufner, Rosalie Denk, Emma Wandl, Tobias Brunner und Leonhard Denk 17 Schauspieler*innen auf der Bühne stehen. Wie lassen sich so viele Personen organisieren, wenn sie das nicht hauptberuflich machen?

Fritz: Es ist ein Wunder.

Daniela: Oh ja. Dem habe ich nichts hinzuzufügen. 😉

CF: Der „Sommernachtstraum“ ist aufwendig. Seit wann probt ihr? Wie organisiert ihr die Proben? Es werden ja nicht alle Personen immer anwesend sein müssen.

Fritz: Ein gefinkelter Probenplan sorgt für Ordnung.

Daniela: Erst gegen Ende, kurz vor der Premiere, sind wir dann bei den Durchlaufproben logischerweise alle im Einsatz. Dazu darf man nicht vergessen, dass nicht nur geprobt wird, sondern auch alles andere organisiert werden muss. Vom Plakat bis zum Kartenverkauf, von der Abstimmung aller Beteiligten bis zur technischen Abwicklung usw.

Gerhard: Das Interessante war schon immer, „großes“ Theater auf die kleine Bühne zu bekommen. Mehrfachrollen und wechselnde Schauplätze sind eine Herausforderung, der wir uns gerne stellen.

CF: Ihr habt am 15. Dezember die Premiere, am nächsten Tag eine weitere Vorstellung, dann pausiert ihr über die Weihnachtsferien ein Monat lang und startet am 13. Jänner erneut bis Ende des Monats. Habt ihr nicht Angst, in dieser langen Pause die Texte zu vergessen?

Fritz: Nein.

Gerhard: Vielleicht sollten wir endlich einmal eine/n Souffleuse/eur engagieren …

DAS STÜCK: William Shakespeare „Sommernachtstraum“
Verliebte und Verrückte, lovers and lunatics, in einem verwunschenen Wald. Der Elfenkönig Oberon, selbst an Liebesdingen leidend, stiftet mit Hilfe des Waldgeists Puck noch weitere Verwirrung. Aber: „Hans kriegt sein Gretchen, jeder sein Mädchen, der Mann kriegt seine Stut‘ und alles wird gut.“

Premiere: Freitag, 15. Dezember 2023 im Ehemaligen Forumkino
ausverkauft!

WEITERE TERMINE
(jeweils 19.30 Uhr):

Samstag 16. Dez. 2023
Freitag 12. Jan. 2024
Samstag 13. Jan. 2024
Freitag 19. Jan. 2024
Samstag 20. Jan. 2024
Freitag 26. Jan. 2024
Samstag 27. Jan. 2024

Kartenvorverkauf: Buchhandlung Schubert!

Einige Fotogalerien ehemaliger Aufführungen von Theater Perpetuum: (du musst angemeldet/eingeloggt sein, um die Galerien zu sehen)
Kochen mit Elvis (2022)
Nullzeit (2019)
Höllenangst (2018)
Dreier (2017)

Werner Harauer
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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

City-Flyer – die Stadt bei Tag und Nacht Foren Theater Perpetuum: 40 Jahre auf der Bühne

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      Werner
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