Perpetuum’s Der Vorname: Freunde am Prüfstand

Fritz Humer, Gerhard Egger, Martin und Daniela Freudenthaler in „Der Vorname“ Foto: Susanne Steigenberger z.V.g.
Fritz Humer, Gerhard Egger, Martin und Daniela Freudenthaler in „Der Vorname“ Foto: Susanne Steigenberger z.V.g.

Ein gemütliches Abendessen, das Literaturprofessor Pierre Garaud und seine Frau Elisabeth für Vincent, seine schwangere Freundin Anna und Jugendfreund Claude ausrichten, gerät zum Desaster. Vincent will dem Ungeborenen den Namen Adolphe geben, was allgemeines Entsetzen auslöst. Und das ist erst der Anfang …
Theater Perpetuum führt die scharfzüngige Komödie „Der Vorname“ ab dem 3. März im ehemaligen Forumkino auf. Das Ensemble gibt einige Antworten vor der Premiere.

Interview: Werner Harauer
Foto: Susanne Steigenberger, z.V.G.

City-Flyer: Habt ihr zuerst die Theaterfassung oder den Film gesehen?

Gerhard Egger: Wir wollten das schon 2013 spielen, damals gabs ganz frisch den französischen Film, den ich aber nie gesehen habe.

Iris Teufner: Beim gemeinsamen Theaterausflug haben wir uns auf Recherche nach einem neuen Stück begeben und da „Der Vorname“ schon in der Vorauswahl war, haben wir uns noch die französische Fassung des Films angeschaut. Wobei die meisten die Theaterfassung schon kannten.

Daniela Freudenthaler: Martin und ich haben das Theaterstück vor langer Zeit in Wien gesehen und haben sofort daran gedacht, dass das auch ein Stück für Perpetuum sein könnte. Die Filme haben wir zu einem späteren Zeitpunkt gesehen.

CF: Daniela, Iris, Gerhard, Fritz, Martin könnt ihr die Charakterzüge eurer gespielten Figuren kurz zusammenfassen?

Iris: Anna ist eine eigenständige und selbstsichere Frau. Durch ihre Position in ihrem Job in der Modebranche, in dem sie sich in Meetings mit Koreanern behaupten muss, lässt sie sich von männlichem Machtgehabe nicht unterkriegen und hat auch Vincent mit seinem dominanten Verhalten gut im Griff.

Gerhard: „Ein zurückhaltender Mensch mit vorsichtigem Humor, den man besser durch das beschreiben kann, was er nicht ist. Claude ist nicht aufbrausend, nicht verträumt, nicht unehrlich. Irgendwie ist er immer nicht.“ = Sicht von Vincent am Beginn des Stückes. Hat sich am Ende wohl geändert?

Fritz Humer: Vincent ist ein Charmeur, der es gewohnt ist, dass sich alles um ihn dreht. Um das zu erreichen, übertreibt er manchmal in seinen Methoden. Er ist auch nur halb so witzig, wie er denkt.

Daniela: Elisabeth, Kosename Babou, ist die perfekte Hausfrau, die sich immer um alles kümmert: den Einkauf, die Kinder, die Wäsche, das Essen … einfach um alles. Sie ist Lehrerin an einer kleinen Schule, wollte aber eigentlich höher hinaus, hat aber die Familie der Karriere vorgezogen. Elisabeth ist angepasst und macht alles, was von ihr erwartet wird.

Martin Freudenthaler: Pierre ist Professor an einer Universität. Er hat den Karriereweg einschlagen können, weil ihm seine Frau den Rücken freigehalten hat. Sie hat sich um die Kinder gekümmert, während er seine Doktorarbeit geschrieben hat. Pierre ist leicht aufbrausend und schnell genervt. Haushalt und Kinder sind aus seiner Sicht Aufgaben seiner Frau.

CF: Vincents und Pierres Charakter sind sehr dominant. Ist Fritz, der die Rolle des Vincent innehat, privat auch ein Alphatier? Und wie verhält es sich mit Martin?

Fritz: Wir sind Schauspieler und keine Selbstdarsteller. Seit vierzig Jahren spielt das vielköpfige Perpetuid Trauriges, Witziges, Politisches und Monströses. Wir sind in professioneller Selbsttherapie.

CF: In den Beschreibungen des Stücks lese ich von den „Abgründen“ der handelnden Personen, die während des Stücks offenbart werden. Um welche handelt es sich? Sind sie politischer Natur? Charakterschwächen? Fetische?

Fritz: Unser Fetisch ist gutes Essen. In den letzten Stücken wurde immer hervorragend geschmaust.

Gerhard: Manchmal ist man gezwungen, Freunde von einer ganz neuen Seite zu sehen. Ich hoffe, es bleiben trotzdem Freunde.

Iris: Das Stück startet mit politischen Diskussionen beim Familienabendessen und endet mit einem Haufen persönlicher Wahrheiten. Dabei tut sich für jeden Charakter ein eigener persönlicher Abgrund auf.

Fritz: Es geht um Freundschaft, deren Belastung, und wie man mit Veränderung umgeht.

Daniela: Vor allem die Rolle der Elisabeth wandelt sich im Laufe des Stücks.

CF: Wie alt sind die zwei Paare und der Freund eurer Schätzung nach?

Iris: Die Kindheitsfreunde sind Ende 40. Anna, die später dazu gestoßen ist, ist vermutlich Mitte 30.

Gerhard: Wir stehen auf der Bühne und ich hoffe, wir sind in unseren Rollen glaubwürdig. Das Alter ist zweitrangig.

CF: Weiß man etwas über den Job von Vincent?

Iris: Er ist ein sehr erfolgreicher Immobilienmakler, der durch seinen Charme jede Wohnung in einem guten Licht darstellen und anbringen kann.

CF: Fünf Menschen aus dem gehobenen Bürgertum streiten sich über Gott und die Welt. Was ist daran so spannend?

Iris: Ich denke es ist deshalb so spannend, weil jeder solche Abende aus eigener Erfahrung kennt und sich gut in die eine oder andere Rolle hineinversetzen kann. Außerdem gibt es sehr viele Momente, die als Außenstehender einer solchen Situation sehr witzig sind. Und dann vielleicht auch die Erkenntnis, dass viele Diskussionen im Eifer des Gefechts unangenehm werden können, aber im Nachhinein trotzdem nicht so heiß gegessen werden, wie sie gekocht wurden.

Fritz: Wie vorhin bereits erwähnt: Wie entwickelt sich Freundschaft über die Jahre, wie weit kann man sie belasten, das betrifft doch jeden?

CF: Das Stück wurde 2010 in Paris uraufgeführt. Seither haben sich die Diskurse der Meinungsmacher stark geändert. Stichwort Cancel Culture. Stichwort non-binäre Geschlechterordnung. Wieweit ist das Stück politisch up-to-date?

Gerhard: Ist die Wahl des Vornamens nicht unter Umständen kulturelle Aneignung?

Fritz: Es gibt einige Themen in dem Stück, die die von dir erwähnte Diskussion aufgreifen. Aber wir würden spoilern, würden wir das hier weiter ausführen.

Daniela: Es ist ein Theaterstück, das die Leute unterhalten soll. Die Frage ist, ob man immer unbedingt auf den neuesten Zug der Zeit aufspringen muss?

CF: Welche Rolle spielen die Frauen der streitenden Männer im Stück?

Gerhard: sie streiten mit.

Iris: Anna ist eher unbeeindruckt von den Machtkämpfen, versucht aber immer wieder die Wogen zwischen den Streithähnen zu glätten. Außerdem trägt sie auch ein Geheimnis mit sich rum.

CF: Würdet ihr euer Kind Adolphe nennen?

Iris: Auf keinen Fall, wenn ich mir anschaue, wohin das im Stück führt. 😉

Gerhard: scheußlicher Name, auch wenn man nicht an den Namenspatron denkt

Fritz: nein, aber auch nicht Fritz

Daniela und Martin: niemals!

CF: Habt ihr den Schauplatz nach Österreich verlegt? Wird auf Österreich Bezug genommen?

Iris: Nein, es war nicht notwendig. Außerdem freuen wir uns auch auf den wunderbaren Ausblick, den Paris uns bieten wird.

CF: Habt ihr das Stück 1:1 übernommen?

Gerhard: Ja.

CF: Sind die Auseinandersetzungen nicht auf ein gehobenes französisches Publikum ausgerichtet?

Gerhard: anscheinend nein, sonst hätten sich den Film und die diversen Inszenierungen nicht so viele angesehen.

Iris: Unser Publikum ist ziemlich auf zack und kann damit auf jeden Fall etwas anfangen.

Alle: Wir sind alle Europäer.

CF: Euer letztes aufgeführtes Stück „Kochen mit Elvis“ war von einem britischen Autor. Diesmal ist es ein französischer. Gibt es keine Stücke von zeitgenössischen österreichischen Autoren, die euch zusagen?

Alle: einmal ist es ein:e Österreicher:in, dann ein:e Engländer:in, diesmal sind es Franzosen. Wir sehen uns als kulturelle Weltbürger und verwehren uns gegen Lokalpatriotismus. By the Way, das nächste Stück wird von einem Österreicher für uns geschrieben. Also eine Welturaufführung 😉

CF: Habt ihr auch schon so intensive „Diskussionen“ geführt? Innerhalb der Theatergruppe, im Freundes- oder Verwandtenkreis?

Gerhard: Wer nicht? Obwohl in der Situation von Claude war meines Wissens nach noch niemand im Freundeskreis.

Fritz: Man sollte nie die Chance auf einen guten Streit verpassen.

Iris: Ganz so intensiv wie im Stück zum Glück nicht. Aber doch, hitzige Diskussionen gab und gibt es schon immer wieder.

CF: Diesmal werden fünf Personen auf der Bühne zu sehen sein. Bei „Kochen mit Elvis“ waren es vier Personen. Plant ihr wieder ein Stück, in dem das gesamte Ensemble zum Einsatz kommt?

Iris: Ja, und das ziemlich bald. Ich freue mich schon sehr darauf wieder im großen Ensemble zu spielen.

Fritz: im Herbst werden alle aktiven Perpetuum-Mitglieder auf der Bühne stehen.

CF: Daniela und Martin Freudenthaler, Iris Teufner, Fritz Humer sind beim aktuellen Stück im Einsatz und auch bei den letzten zwei Stücken. Seid ihr das Kernteam von Perpetuum? Oder habt ihr am meisten Zeit?

Iris: Wir sind nicht das Kernteam, die Besetzung hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zeit ist einer davon. Grundsätzlich wird aber sowohl die Stückauswahl, als auch die Besetzung immer von der ganzen Gruppe gemeinschaftlich abgesegnet.

Martin: Ich hab zuletzt in „Nullzeit“ gespielt, das war 2019, also schon wieder 4 Jahre her! Ich freue mich sehr, dass ich jetzt wieder auf der Bühne stehen darf. Daniela und ich spielen wieder ein Ehepaar wie im „Gott des Gemetzels“ und in „Nullzeit“, das können wir anscheinen am besten!

CF: Habt ihr mit Perpetuum-Mitglied Daniela Wandl schon für die Zeit nach Beendigung ihrer Funktion als künstlerische Leiterin der Bühne im Hof Pläne geschmiedet?

Fritz: Daniela ist im nächsten Stück wieder als Schauspielerin dabei. Wir freuen uns schon sehr auf ihre Rückkehr.

CF: Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen Theater Perpetuum viel Spaß und viel Erfolg für die Aufführungen von „Der Vorname“.

DAS TEAM

Daniela Freudenthaler [Elisabeth Garaud-Larchet] Iris Teufner [Anna Caravati] Gerhard Egger [Claude Gatignol] Martin Freudenthaler [Pierre Garaud] Fritz Humer [Vincent Larchet]

Fritz Humer und Iris Teufner [Regie] Fabian Geppl [Regieassistenz] Ale Elsbacher [Kostüme] Thomas Gallhuber [Bühnenbild & Lichtdesign] Georg Wandl [Tontechnik] Filius de Lacroix [Illustration]

„Der Vorname“ („Le Prenom“)
Premiere am Fr, 3.3., 19:30 im ehem. Forumkino, Kranzbichlerstr. 18
weitere Aufführungen jeden Fr + Sa von 4.3. bis 1.4., jeweils 19:30
www.perpetuum.at

Werner Harauer
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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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      Werner
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