Tom Gomez Duo: zu zweit auf Erfolgskurs

Florian Prammer und Thomas Zöchbauer sind das Tom Gomez Duo. Foto © Florian Gotsmi, z.V.g.
Florian Prammer und Thomas Zöchbauer sind das Tom Gomez Duo. Foto © Florian Gotsmi, z.V.g.

Kaum sechs Wochen ist es her, als das Tom Gomez Duo mit der EP „Well Saddled“ vor die Öffentlichkeit trat. Und das war erst der Anfang. Trotz der widrigen Umstände erwarten Thomas Zöchbauer und Florian Prammer ein produktives Jahr 2021. Musikvideos sind am Entstehen und an einem physikalischen Album wird ebenfalls gearbeitet.

Eine „Band“ mit einem Duo zu bestreiten ist immer eine besondere Herausfor­derung, sowohl technisch als auch zwischenmenschlich. Wenn aber die Chemie stim­mt, kann Bemerkenswertes entstehen.
Thomas Zöchbauer (37) und Florian Prammer (30) sind bereits 2006 mit un­terschiedlichen Bands – Flo mit Doge Jelly, Tom mit Back to Avenue – am „Melting Pot“ in St. Pölten auf derselben Bühne gestanden, kannten sich damals aber noch nicht persönlich. Danach haben sie viele Jahre nichts von­einander gehört, bis im Jahr 2015 ein ge­meinsamer Freund ein Facebook-Posting teilte, in dem Tom einen Bassisten suchte. Flo hörte sich ein paar Songs von Tom auf Youtube an, war begeistert und meldete sich bei ihm. Wenig später saßen sie bereits gemeinsam im Proberaum und die Chemie stimmte auf Anhieb.
Tom, der zuvor bei Reconfused (Skate­punk), Back to Avenue (Screamo-MetalRock), Dörday (AustroPopRock) und einigen anderen Formationen mitwirkte, begann ab 2012 als Tom Gomez Singer/Songwriter-Shows so­lo zu bestreiten. Mit Florian Prammer an Bord änderte sich nicht nur der Name – das Tom Gomez Duo war geboren – auch die Arbeit wurde demokratisch geteilt. „Alle neuen Songs sind von uns beiden und wir teilen uns die Hauptstimme auf. Wir sind beide Leadsänger und wechseln diese Ressource, was auch der Zuhörerschaft wegen der Abwechs­lung zugutekommt“, umreißt Flo die Arbeitsweise des Duos.
Anlässlich der Veröffentlichung der EP „Well Saddled“ führten wir ein Interview mit den beiden Musikern.

Interview: Werner Harauer
Foto: Florian Gotsmi, z.V.g.

 

City-Flyer: Seit wann gibt es das Tom Gomez Duo?

Tom: Uns als Duo gibt es seit 2015.

CF: Tom Gomez, gestartet hast du das Projekt solo. Wann war das?

Tom: 2012 habe ich begonnen, als Singer/Songwriter Shows zu spielen.

CF: Hast du zuvor auch schon in Bands gespielt?

Tom: Begonnen habe ich mit der Band „Reconfused“ (Teenage Skatepunk), danach Band „Back to Avenue“ (Screamo-MetalRock), dann Band „Dörday“ (AustroPopRock) und zwischenzeitlich habe ich bei der mexikanischen Band „Tambodje“ ausgeholfen, wie auch das „Celtic Folk Duo“ mit meinem Dudelsackspiel unterstützt. Seit meinem 15ten Lebensjahr hat es zusammengerechnet nur 2 Jahre gegeben, in denen ich nicht an Musikprojekten mitgewirkt habe.

CF: Flo, warum hast du dich Tom angeschlossen? War es seine Musik, seine Haltung, seine Konsequenz?

Flo: Tom und ich sind bereits 2006 mit unterschiedlichen Bands – ich mit „Doge Jelly“, er mit „Back to Avenue“ – am Melting Pot in St. Pölten auf derselben Bühne gestanden, kannten uns damals aber noch nicht persönlich. Danach haben wir viele Jahre nichts voneinander gehört, bis im Jahr 2015 ein gemeinsamer Freund von uns, der Tom zu der Zeit am Schlagzeug unterstützte, ein Facebook-Posting teilte, in dem Tom einen Bassisten suchte. Also hörte ich mir ein paar Songs von Tom auf Youtube an, war begeistert und meldete mich bei ihm. Wenig später saßen wir auch schon gemeinsam im Proberaum und die Chemie stimmte auf Anhieb.

CF: Habt ihr eine Arbeitsteilung? Wer schreibt die Songs?

Flo: Anfangs war unser Tom Gomez Duo ein Sideprojekt, demnach hat Tom die meisten Songs geschrieben und die Hauptstimme gesungen. Aktuell seit 2020 ist unser Duo jedoch zum Hauptprojekt geworden und wir haben eine ausgewogene Arbeitsteilung. Alle neuen Songs sind von uns beiden und wir teilen uns die Hauptstimme auf. Wir sind beide Leadsänger und wechseln diese Ressource, was auch der Zuhörerschaft mit ausreichender Abwechslung zugute kommt.

CF: Ihr müsstet jemandem, der eure Musik nicht kennt, eure Musik mit Worten beschreiben. Wär das ein Problem?

Tom: Stell dir zwei männliche Gesangsstimmen vor, die unterschiedlicher vom Stimmcharakter nicht sein könnten. Als würde Eddie Vedder von „Pearl Jam“ und Neil Young mit Gitarre, Bass, Stompbox, Doumbek und Tamborin losziehen, um bodenständige Straßenmusik zu machen .

CF: Ich hab mir das Video „Zum Woif“ auf YouTube angesehen. Wer hat das Video zum Song gedreht?

Tom: Sehr scharfsinning recherchiert, da wir so gut wie immer angeben, wer für uns arbeitet. Tatsächlich dürfen wir dies nicht kundtun, da diese liebe Person in vertraglichem Wirrwarr mit dritten Personen steckt und in dieser Zeit keine Produktionen hätte machen dürfen. Also bitte um Nachsicht und nicht weiter darauf eingehen.

CF: Die Kritik im Text könnte auch von „Querdenkern“ kommen. Wie grenzt man sich als linker Künstler heute mit seiner Kritik von Verschwörungstheoretikern ab? Oder anders formuliert: spielt man ihnen nicht in die Karten, wenn man Kritik übt? Ist Kritik heute überhaupt noch möglich? Und wenn ja, wie?

Tom: Ich versuche das ganze Politikum im Gedankenspiel mit einer Familie zu vergleichen, die einen Ausflug macht. In einer fortschrittlichen Familie sollten wir 2021 soweit sein, dass jeder jedem konstruktives Feedback geben darf und wenn Papa den Bus gegen den Baum fährt, dann fühle ich mich in der Verantwortung, ins Lenkrad zu greifen, um mich und die anderen zu beschützen. Ich darf auch auf mögliche Irrwege hinweisen, egal wer die Tour leitet. Wenn wir für Oma zu schnell sind, dann müssen wir auf sie Rücksicht nehmen. Wenn die Jüngste meint, sie weiß, dass es bei einem Umweg zu einem leicht erreichbaren Aussichtsplatz und einer Trinkstelle geht, können wir das auch annehmen und den Weg gemeinsam gehen. Am Ende des Tages sollte sich jeder erfreuen, dass man die Tour mit hilfsbereiten, liebevollen, wohlwollenden Menschen bestritten hat (so in meiner vielleicht etwas naiven Theorie :)).
Im Song „Zum Woif“ haben wir nicht nur Kritik an anderen geäußert, sondern bekritteln auch unser eigenes Handeln, da wir uns manchmal selbst an der Nase nehmen müssten und statt zu lästern einfach selber die Veränderung mit unserem Handeln sein könnten. Oft sind wir dann doch zu faul, weil wir mit anderen Dingen beschäftig sind oder zu bequem sind, den ersten Schritt zu machen. Hierbei nehmen wir uns also selbst von der Kritik nicht aus.
Unserer Auffassung nach lässt sich der Song keiner politischen Richtung zuordnen, wir wollen nur versuchen, ein paar Gedankenanstöße zu geben. Die Interpretation überlassen wir der Hörerschaft.

CF: 2001 veröffentlichte Samy Deluxe sein „Weck mich auf“, das ich damals ob seines geilen Textes gefeiert habe. Heute sehe ich den Text kritischer. Heute haben viele ein „Erweckungserlebnis“. Sie wachen in einer Welt auf, die nichts mit meiner zu tun hat. Ihr habt den Song 2017 in einer Rockversion gecovert. Wahrscheinlich auch hauptsächlich des Textes wegen. Kann man den Text heute noch so interpretieren, wie wir es 2001 bzw. 2017 taten?

Tom: Natürlich haben wir den Song vor allem des Textes wegen gecovert, aber auch als eigene Challenge, da ich mehr rappen wollte und ich mich reingehängt hab, dass der Song irgendwie gesanglich so authentisch wie möglich wird.
Unserer Meinung nach ist nicht jede Textzeile superaktuell, aber die angesprochenen Themen wie Spielsucht, Ausgrenzung, Drogenkonsum, Korruption, Ignoranz, Jugendverwahrlosung, physische und psychische Gewaltausübung, etc. wiederholen sich trotzdem auch heute noch und 2017 war es uns ein Bedürfnis, mit diesem Song daran zu erinnern.

CF: Ihr habt schon einige bedeutende Gigs hinter euch. Welche? Wie bekommt man solche Gigs? Über Empfehlungen?

Flo: Die bedeutendsten Gigs waren bisher auf Singer/Songwriter-Bühnen am Frequency Festival, am Nova Rock und am Donauinselfest. Beim ersten Nova Rock Gig erhielt Tom einen Anruf, dass er auf Grund seiner Anmeldung ausgewählt wurde, er hatte sich aber nicht selbst angemeldet. Erst auf Nachfrage wurde klar, dass ihn ein Freund ohne sein Wissen angemeldet hatte. Bei den restlichen Gigs wurden wir von den Verantwortlichen kontaktiert, denen wir empfohlen wurden.

CF: Eure EP „Well Saddled“ ist seit sechs Wochen im Netz zu hören. Wie waren die bisherigen Reaktionen?

Flo: Bisher waren die Reaktionen durchwegs positiv, die Songs wurden bereits in zahlreichen Ländern gestreamt. Generell war die Veröffentlichung unserer Songs auf den gängigen Streaming-Plattformen ein großer Schritt für uns, da wir so international ein breites Publikum erreichen können.

CF: Ist gar nicht so lange her, da seid ihr noch zu dritt auf der Bühne gestanden. Wann hat Schlagzeuger Thomas „Hautschinsky“ Hauer die Band verlassen? Wie lange war er dabei? Wo spielt er jetzt?

Flo: Hautschinksy hat uns Anfang 2020 im Guten verlassen. Als er 2017 zu uns stieß, war er bereits Schlagzeuger bei unseren Kollegen von KessKess und einer Blues Bigband, sowie Percussionist bei The Fictionplay. Verständlicherweise kam er diese Mehrfachbelastung irgendwann an seine terminlichen Grenzen.

CF: Ihr hattet 2016 noch zu dritt ein Album geplant. Warum ist daraus nichts geworden?

Tom: Aufgrund von ehrgeiziger beruflicher Fortbildungen konnten wir im Musikschaffensprozess leider nicht so produktiv sein, wie wir uns das anfangs vorgenommen hatten.

CF: Seid ihr auf der Suche nach einem neuen Schlagzeuger?

Tom: Wir hatten tatsächlich einen neuen Schlagzeuger an der Hand, welcher uns aber leider noch vor der ersten Probe aufgrund akuter Vaterschaft absagen musste .

CF: Geht manchen Songs das Schlagzeug nicht ab?

Tom: Eine Rockband braucht definitiv ein Schlagzeug und wir hatten zu diesem Zeitpunkt auch schon viel Zeit in Songs investiert, die richtig Feuer hatten. Trotzdem haben wir uns nach intensiven Überlegungen dazu entschieden, unsere Energien ins Duo zu stecken, da unsere Zusammenarbeit super und unkompliziert funktioniert.

CF: Habt ihr nach wie vor Coverversionen im Live-Programm?

Flo: Anfangs hatten wir mehr Covers als eigene Songs im Programm, dafür haben wir auch ein Set von zwei Stunden gefüllt. Seit jedoch das Tom Gomez Duo unser Hauptprojekt ist, haben wir einige neue Songs und werden nur noch wenige Covers spielen.

CF: Auch englischsprachige Songs?

Flo: Auf unser gesamtes Set gesehen ist ca. 1/3 Deutsch, bzw. Mostviertler Mundart und 2/3 Englisch.

CF: Wie geht’s jetzt weiter in der spielfreien Zeit? Schreibt ihr neue Songs, bereitet ihr ein neues Video, ein Album vor?

Tom: Nächste Woche (KW4) kommt noch ein Lyrics-Video zu „Well Saddled“ auf Youtube. Im Frühjahr werden wir voraussichtlich noch ein Video zu „King of my Own“ veröffentlichen.

Wir schreiben aktuell auch fleißig an neuen Songs, die wir im Sommer aufnehmen wollen. Im Herbst/Winter planen wir aus der digitalen EP ein physisches Album zu machen.

CF: Ab wann fragt ihr bei den Veranstaltern wegen Konzerten an? Habt ihr schon Fixtermine?

Tom: Wie alle anderen Kunstschaffenden müssen auch wir abwarten, bis die Bühnen des Landes wieder öffnen dürfen. Wenn irgendwie möglich, werden wir unseren Traditionsgig am St. Patrick’s Day (17. März) im MacLaren’s Pub St. Pölten als ersten Gig 2021 rocken. Weiters werden wir heuer, sobald die Konzertsaison startet, einige Kooperationsgigs spielen, auf die wir uns schon richtig freuen.

CF: Wir bedanken und für das Interview.

Youtube-Videokanal Tom Gomez Duo

Willst du ein Band-Shirt vom Tom Gomez Duo gewinnen? Tom und Flo haben uns eines für unsere Verlosung zur Verfügung gestellt. Hier geht’s zum Gewinnspiel:

Werner Harauer
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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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      Werner
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      Kaum sechs Wochen ist es her, als das Tom Gomez Duo mit „Well Saddled“ vor die Öffentlichkeit trat. Anlässlich der Veröffentlichung der EP führten wir ein Interview mit den beiden Musikern.

      [See the full post at: Tom Gomez Duo: zu zweit auf Erfolgskurs]

    • #20330 Likes: 0
      Werner
      Verwalter
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      Lasst euch die Chance auf den Gewinn eines Band-Shirts vom Tom Gomez Duo nicht entgehen.
      Das Gewinnspiel ist am Ende des Artikels verlinkt.

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