Topsy Turvy: Spielen? Wir tun einfach!

Lena, Vicki und Theresa von Topsy Turvy Foto: Moritz Irion, z.V.g.
Lena, Vicki und Theresa von Topsy Turvy. Foto: Moritz Irion, z.V.g.

Bei einer Geburtstagsfeier eines gemeinsamen Freundes im BarRock trafen Theresa Strohmer und Lena Pöttinger, die beide Bandmitglieder bei Laundromat Chicks sind, auf die Wiener Musikerin Victoria Aron. Bald war man sich einig, dass die Welt mehr Punkmusik braucht und Lena, Vicki und Theresa diese liefern müssten. Topsy Turvy war geboren.

Text: Werner Harauer
Foto: Moritz Irion, z.V.g.

City-Flyer: Seit wann gibt es Topsy Turvy?

Lena Pöttinger: Seit August 2022

CF: Habt ihr immer in dieser Zusammensetzung gespielt?

Lena: Ja, und dabei wirds hoffentlich auch bleiben.

CF: Wie heißt ihr mit richtigem Namen und woher kommt ihr?

Victoria Aron: Wir sind Theresa Strohmer, Lena Pöttinger- beide aus Wien Floridsdorf und ich Victoria Aron bin St. Pöltnerin.

CF: Wie habt ihr zusammengefunden?

Vicki: Resi und Lena kannten sich zuerst über eine Geburtstagsparty, wo Lena, Resi als zukünftige Gitarristin für die Band Laundromat Chicks auserkoren hat. Zu dem Zeitpunkt kannte ich Lena auch noch nicht, aber dafür den Tobi aka Laundromat Chicks und Felix aka Salamirecorder sehr gut. Wir waren anfangs immer skaten und es entstand eine Freundesgruppe aus skatenden Musiker*innen wo auch Constantin vom Nailhead Magazine dabei war und so hab ich dann bei seiner Geburtstagsfeier im BarRock in St. Pölten Resi und Lena kennengelernt! Wir fanden uns lustig und haben uns gut verstanden, bis wir eines Tages nach einem Salamirecorder Konzert beschlossen haben: HEEE, start ma doch auch a Band! Und so kam es, dass nach ca einem halbem Jahr Gerede und Bandnamenideen endlich ein erstes Bandtreffen stattgefunden hat, wo nicht nur der Name Topsy Turvy, sondern auch unser erster Song entstand.

CF: Lena und Theresa, ihr spielt auch mit Tobias Hammermüller und Salamirecorder bei den Laundromat Chicks. Die Band findet momentan viel Beachtung. Wie geht es euch dabei, so viel Beachtung aus der Indie-Szene zu bekommen?

Lena: Ich glaube, die Beachtung bekommt mehr Tobi zu spürn, da er ja auch die Lieder schreibt, aber ich bin sehr dankbar für die Erfahrungen und Möglichkeiten, die wir mit Laundromat Chicks haben und die ganzen Menschen, die wir dadurch kennengelernt haben.

Theresa Strohmer: Ich hab voll viel Spaß dran Tobis Musik live zu spielen und mag die Abwechslung: An einem Abend mit Topsy Turvy spielen und am nächsten mit Laundromat Chicks. Es ist ein guter Ausgleich und Indie ist ja schon auch meins.

CF: Theresa, du machst auch Videos und Fotos für das Nailhead Magazine. Suchst du dir die Acts aus, die du filmst bzw. fotografierst?

Theresa: Ich unterstütz da in erster Linie den Constantin. Er organisiert alles und ich bin immer wieder bei Sessions dabei. Bis jetzt hat mir echt alles getaugt und ich finde die Auswahl der Künstler*innen super!

CF: Dort ist zu lesen, dass du Indie-Rock, Garage Rock und Britpop magst. Elektronische Musik kommt nicht in deine Playlist?

Theresa: Ich hör natürlich noch viel mehr und misch das ganz gerne durch. Elektronische Sachen sind aber tatsächlich wenig dabei, vielleicht vereinzelt aus den 80ern.

CF: Euch zeichnet eine gewisse DIY-Attitude aus. Bezieht sich diese Haltung auch auf die Musik? Habt ihr euch das Beherrschen der Instrumente selbst beigebracht?

Vicki: Es is weniger eine beabsichtigte Haltung, mehr ein „mir ist egal wie gut ichs kann, ich spiels hald“. Ich hab mir im Zuge von Topsy Turvy Basspielen selber beigebracht. Ich hatte noch nie Unterricht, was ma wahrscheinlich eh hört 😉 Aber ich hab Klavier in der Schule gelernt und auch am Borg maturiert, das sollt ich halbwegs können. Aber wie gesagt, es spielt bei uns keine Rolle, weil wir tauschen bei Proben auch mal Instrumente und so ist auch schon manch ein Song entstanden und das macht am meisten Spaß, einfach auszuprobieren.

Theresa: Ich habe als Kind schon Gitarrenunterricht bekommen und später, so mit 10, auch ein paar E-Gitarrestunden. Dafür bin ich sehr dankbar und es hat mir bestimmt dabei geholfen, mir das, was ich zum Musik machen brauche, aneignen zu können.

CF: Ihr spielt eingängige Punkmusik mit Hang zum Surf-Punk. Habt ihr diese Nische gewählt, weil sie zu eurer DIY-Ästhetik am besten passt?

Lena: Wir haben ehrlich gesagt überhaupt nix gewählt. Bei uns geschieht das sehr unbewusst, aber wir alle hören gern Punk und Surf und Surf-Punk, also macht es Sinn, dass man das bei unserer Musik raushört.

CF: Manche konnten auch Country-Elemente raushören. Wie kommt ihr auf Country?

Vicki: Meine Mama hat eine Country CD in ihrem Auto und da ich kein eigenes hab, war das unser „Wir fahren zum Proberaum-Mobil“, der alte Skoda hatte noch kein Bluetooth.

Theresa: Voll, wir fanden’s glaub ich gleichzeitig lustig und faszinierend, wie simpel und eingängig die Country Classics auf der CD sind.

CF: Wer schreibt die Songs? Wer komponiert?

Lena: Die schreiben wir zusammen. Meistens kommt eine von uns mit einer Idee und dann bauen wir drauf auf. Das ist für mich einer der aufregendsten Parts, weil aus dieser Idee am Anfang ja noch alles mögliche werden kann und irgendwann ist es ein festes Lied in unserer Setliste.

CF: Spielt es eine große Rolle in eurem Selbstverständnis, eine reine Girlieband zu sein?

Theresa: Wir verstehen uns nicht als Girlieband, wir machen einfach gemeinsam Musik und das funktioniert und harmoniert sehr gut. Das Geschlecht ist uns dabei eher wurscht.

CF: Ihr spielt auch in anderen Bands mit Boys zusammen. Wo liegt der Unterschied?

Theresa: Da wir alle gut befreundet sind, macht’s in beiden Bands viel Spaß. Die Dynamik ist eventuell eine andere, weil wir bei Topsy Turvy gemeinsam Musik schreiben und viel Zeit in einem kreativen Prozess verbringen. Dadurch entstehen die Lieder automatisch und müssen nicht gelernt werden.

CF: Eure männlichen Musikerkollegen können auf einen reichen Fundus musikalischer Vorbilder zurückgreifen. Sie können wählen zwischen Rory Gallagher, Mick Jagger, Sid Vicious, Kurt Cobain oder wen auch immer. Für welche weiblichen Pendants könnt ihr euch erwärmen?

Vicki: Ich hab genauso männliche Vorbilder, weil ich da keinen Unterschied mach! Schon als Kind dacht ich mir, ich kann genau das machen was männliche Comic Stars können und mich genauso in die Rolle hineinversetzen. Mich haben in der Musik später vor allem 60s Frauenbands wie The Pleasure Seekers, The Shangri-Las, The Velvelettes und so weiter beeinflusst. Prägende Ikoninnen sind für mich aber bestimmt beispielsweise Nico, Zumi Rosow oder hald einfach Blondie.

Lena: Für mich war mit 15 das Buch ,,A Typical Girl“ von Viv Albertine sehr prägend. Zu der Zeit hatte ich noch überhaupt keine Freunde, die mit mir musikalisch auf einer Wellenlänge waren und deshalb war ich vermutlich auch so inspiriert von dem Buch, weil ich genau das haben wollte, was Viv lebte. Ein Umfeld voller Freund*innen, die alle Musik machen, mit denen ich Musik machen kann, auf Konzerte gehe und die sich für Kunst interessieren.
Aber ja, mich inspirieren auch sowohl weibliche als auch männliche MusikerInnen.

Theresa: Lena hat mir das Buch mal zum Geburtstag geschenkt und seither sind die Slits und Viv Albertine eine große Inspiration. Ich kann mich aber tatsächlich daran erinnern, mir als Kind und Jugendliche beim Musikhören vorgestellt zu haben, ich würde das Lied performen und habe teilweise lange nach weiblichen Sängerinnen gesucht, um mich besser hineinversetzen zu können.

CF: Ihr sympathisiert mit den Riot Grrrl. Gab’s eurer Meinung nach vor den Riot Grrrl am Beginn der 90er Jahre keine Frauen in der Popmusik, die für sich selbst standen? Mir fiele da z.B. Patti Smith ein. Nina Hagen, The Slits, …

Vicki: Doch ganz bestimmt, is hald die Frage was man unter Popmusik versteht, aber mir fällt zum Beispiel Nancy Sinatra ein. Sie war schon in den 60s ein Popstar.

CF: Ihr hattet euren ersten Gig im März dieses Jahres und wart seither regelmäßig live zu hören. Eigentlich ist eure Musik ein Nischenprodukt und trotzdem habt ihr regelmäßig Gigs. Das ist beachtlich für die relativ kleine Szene. Sind eure Fans so enthusiastisch, dass sie auf jedes Konzert kommen?

Theresa: Es gibt ein paar Leute, die zu vielen Gigs kommen und ich freue mich immer so so so, wenn ich ihre Gesichter sehe! Auf jedem Konzert war niemand, aber das fänd ich auch ein bissi gruselig.

CF: Ihr habt am diesjährigen Donauinselfest auf der Friedensbühne gespielt. Wie kommt man zu einem Gig im Rahmen des Donauinselfestes?

Lena: Der Veranstalter war noch auf der Suche nach einer weiblichen Band und wir wurden ihm dann von einem Bekannten und einem Freund unabhängig voneinander empfohlen und dann hat er uns per Instagram angefragt. Ich muss sagen, diese „Quotengschichten“ find ich immer ein bisschen schwierig. Es fühlt sich dann nämlich so an, als wäre das der Hauptgrund, wieso man gebucht wird und nicht wegen dem, was eigentlich im Vordergrund stehen sollte, … die Musik, aber anscheinend ist das heutzutage noch notwendig. Wir diskutieren da intern auch recht oft drüber …

CF: Habt ihr auch schon an eine Veröffentlichung gedacht?

Vicki: Ist in vollem Gange! Wir sind im Studio mit dem allerliebsten Peter T. von Euroteuro, der uns bei unserem Debut-Gig im Venster99 in Wien gefragt hat, ob wir nicht bei ihm aufnehmen wollen und so kams dann tatsächlich! 7 Songs sind recorded. Anfang nächstes Jahr kommt voraussichtlich der Release!

CF: Topsy Turvy heißt in etwa „auf den Kopf gestellt“. Wer oder was ist auf den Kopf gestellt? Ihr oder die Welt da draußen?

Theresa: Der Name stammt aus einem Kinderbuch, das ich als Kind hatte: “Mr. Topsy Turvy” aus der bekannten englischen Buchreihe von Roger Hargreaves. Der Name hat mir immer gefallen und der besagte Herr, um den es geht, macht eben alles verkehrt. Wir dachten uns, der Name passt und kann im musikalischen Kontext alles bedeuten. Mal so, mal so.

CF: Wäre die Welt eine bessere wenn es mehr Frauenbands geben würde?

Theresa: Neue Musik macht die Welt immer besser! Ob’s jetzt Frauen sind oder nicht, macht für mich wenig Unterschied. Für Kinder und Jugendliche wäre es sicher cool und wichtig zu sehen, dass es viele Frauen gibt, die mit ihrer Musik auf die Bühne gehen.

CF: Vielen Dank für das Interview. Und bis zum nächsten Live-Gig in stp.

instagram.com/topsyturvyband/

Werner Harauer
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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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      Werner
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