Viktor Nezhyba: Kunst leben statt akademisieren

Viktor Nezhyba Foto: Claudia Zawadil
Viktor Nezhyba Foto: Claudia Zawadil

Unter der Regie von Viktor Nezhyba bereiteten uns Anfang November zahlreiche KünstlerInnen im ehemaligen Kesselhaus der Glanzstoff ein Fest für Augen und Ohren. Bei der ersten „Art Session STP“ performten Artists aus verschiedensten Kunstbereichen live vor geladenem Publikum. Der City-Flyer sprach mit dem Urheber des Spektakels.

„Ich liebe es in Ausstellungen zu gehen und Museen zu besuchen, aber Kunst muß auch Erlebnis sein. Es soll wie in einem Zirkus sein, eine Showbühne“, umreißt Viktor Nezhyba seinen Ursprungsgedanken zur ersten St. Pölter „Art Session“ vom 5. November, bei der Kunst als bunter Zirkus der Inspirationen gezeigt wurde.
Bereits die Session „Kunst am Wasser“, die zwei Monate vorher vom Verein Young Artists am Viehofner See organisiert wurde, trug Viktors Handschrift: während vier KünstlerInnen in einem Ruderboot mit ihrer Produktion beschäftigt waren, begleiteten sie die DJs Tobias Liebscher aka Elize, Niklas Siegel aka Skint und Simon Holzknecht aka Tesero musikalisch.
Der Wahl-St. Pöltner Nezhyba ist vor 20 Jahren von Wien in die Landeshauptstadt gezogen und setzt sich seither als Fotograf, Künstler und Organisator in Szene. Als Fotograf ist er bei einem Konzert von Helene Fischer ebenso anzutreffen wie am Beatpatrol. Hauptsache live und gerne auch recht laut. Künstlerisch ist ihm der Schaffungsprozess wichtiger, als das Werk an sich. Zu seiner bevorzugten Technik zählt dabei die Übermalung seiner Fotografien. Seine Werke zeigt er in klassischen Ausstellungen, wie zuletzt jene der „Bad Pics – Verwackelte Bilder“ im Stadtmuseum. Oder in unkonventionellen Schauen, die neue Zielgruppen ansprechen sollen. Gut gelang ihm das bei seiner „Roovy Ausstellung“, die nur eine Konzertlänge dauerte und mit Technomusik von Charlotte de Witte begleitet wurde.

Die Idee der „Art Session STP“ geisterte schon lange in seinem Kopf herum. Mit der Glanzstoff als Location ergab sich sehr kurzfristig die Möglichkeit, die Art Session in der gewünschten Form zu realisieren. Es waren genau zwei Monate Zeit um das Ganze auf die Beine zu stellen und umzusetzen, danach wäre es in der der Halle zu kalt geworden und diese zu heizen wäre unfinanzierbar gewesen.
Die Auswahl der Künster war eine weitere Challenge. Er habe bewusst sehr junge KünstlerInnen eingeladen und versucht möglichst offen zu sein, sodass für alle etwas dabei ist und vor allem viel Abwechslung geboten wird. „Es waren auch Acts dabei, die mich persönlich eher wenig angesprochen haben und bei denen ich unsicher war, ob sie bei den Besuchern ankommen würden. Hätte ich allerdings nur ausgewählt was mir gefällt, dann wäre es eine sehr einseitige Veranstaltung geworden“, legt er die Kriterien seiner Künstlerauswahl offen.
Natürlich spielte Musik wieder eine bedeutende Rolle. Die zwei Techno-DJs Benjamin Hoags und Antonio Detex wurden engagiert; als special guest präsentierte HipHop Artist Sonix einige Songs seiner Debüt-EP.
Nach dem erfolgreichen Start der Art Session stehen die Chancen gut, dass es eine Wiederholung in der Glanzstoff geben wird. Es kann aber auch sein, dass ich sage: „He , das war so geil, lassen wir es einfach dabei bleiben“.

 

Text + Interview: Werner Harauer
Foto: Claudia Zawadil

City-Flyer: Wie alt bist du?

Viktor Nezhyba: 55, wobei ich es bevorzuge einfach Ü35 zu sagen.

CF: Wohnst du in St. Pölten?

Nezhyba: Ursprünglich bin ich ein Wiener, aber seit rund 20 Jahren ist STP mein Zuhause.

CF: Du hast die erste „Art Session STP“ mitorganisiert. Wer war der Veranstalter? Wer das Organisationsteam?

Nezhyba: Da waren mehrere fleißige Helferchen im Einsatz, Leute die mir in der Vorbereitung, bei Auf/Abbau usw. geholfen haben. Menschen und Kunstschaffende aus meinem Umfeld.

CF: Stammt die Idee der „Art Session STP“ von dir?

Nezhyba: Ja, Teile davon geisterten schon lange in meinem Kopf herum, zusammen mit der Glanzstoff ergab sich sehr kurzfristig die Möglichkeit die Art Session in dieser Form zu realisieren. Es waren genau zwei Monate Zeit um das ganze auf die Beine zu stellen und umzusetzen, danach wäre es in der der Halle zu kalt geworden und die ganze Halle zu heizen, das wäre unfinanzierbar gewesen.

CF: Die Veranstaltung war so angelegt, dass nur 50 zugelassene Gäste Eintritt erhielten. Weshalb? Hatte das organisatorische Gründe, oder war das geschicktes Marketing?

Nezhyba: Geschicktes Marketing wäre es wohl gewesen um die Gäste zu reizen, aber es hatte einen ganz anderen Grund. Die Kesselhalle der Glanzstoff ist nicht als Location für öffentliche Veranstaltungen zugelassen, klar hätte man das genehmigen lassen können. Dafür hätte man aber jede Menge Auflagen erfüllen müssen, das wäre finanziell nicht zu schaffen gewesen. Also war es eine geschlossene Veranstaltung, alle Teilnehmer, Besucher, Medien, mussten namentlich auf der Gästeliste stehen. Und mir war die Sicherheit mehr als nur wichtig, da durfte sich niemand in so manch Bereiche verlaufen wo ich keine Sicherheit garantieren konnte. Alle aktiven Artists, Medien, Fotografen und die Gäste sollten auf keinen Fall mehr als 100 Personen werden, das war die Zahl wo ich mir sicher war das wir diese unter Kontrolle haben würden.

CF: Welche Intention steckt in der Art und Weise, wie auf der „Art Session STP“ Kunst präsentiert wird?

Nezhyba: Ich liebe es in Ausstellungen zu gehen und Museen zu besuchen, aber Kunst muß ein Erlebnis sein. Es soll wie in einem Zirkus sein, eine Showbühne. Und das sollte bei der Art Session passieren, Kunst als bunter Zirkus der Inspirationen zu zeigen.

CF: Spielt beim Ablauf der Veranstaltung der Erlebnis- und Spaßfaktor eine große Rolle?

Nezhyba: Kunst zum Erleben, zum spüren und mitmachen. Mit Peter Daurer entstand die Idee über sein Werk möglichst viele Leute drüber laufen zu lassen, so „Mitmachaktionen“ können total schief gehen, da kann es passieren das sich niemand anschließt. Aber wir konnten die Leute dazu bewegen ihre Spuren am Werk von Peter zu hinterlassen, alle waren dabei. Für mich die totale Verbindung zwischen Kunst und Mensch, alle Besucher wurden so ein Teil von Peter´s Werk. Und so nebenbei stellten wir auch einen Teil der Glanzstoff Geschichte dar, dort liefen früher unzählige Menschen täglich zur Arbeit, die Spuren der Vergangenheit, festgehalten in einem abstrakten Werk an dem viele Menschen mitgewirkt haben.

CF: Hattet ihr ein Skript, eine Dramaturgie für den Ablauf vorbereitet?

Nezhyba: Ja, da bin ich mehrere Tage daran gesessen, den Ablauf mit vielen Kunstschaffenden so zu gestalten das es spannend bleibt war schon eine Herausforderung, einen Spielfilm über 90 min zu schreiben wäre wohl einfacher gewesen. Das Skript war total wichtig, es mussten alle wissen wann sie dran kommen, wie ihr Part abläuft, auch für die Moderation war das unumgänglich. Und ich hatte auch den Mut die künstlerische Leitung der Annu zu übertragen, ein junge Dame die das in dieser Form noch nie gemacht hat, aber sie hat das perfekt umgesetzt. Es ist so manches nicht ganz nach dem Skript gelaufen, Annu hatte das aber dennoch absolut unter Kontrolle und ihren Job perfekt umgesetzt.

CF: Musik spielt eine Rolle bei den Präsentationen. Bei der „Art Session STP“ hast du die zwei Techno-DJs Benjamin Hoags und Antonio Detex engagiert; als special Guest präsentierte HipHop Artist Sonix einige Songs seiner kommenden Debüt-EP. Bei der Kunstsession „Kunst am Wasser“ am Viehofner See begleiteten  Tobias Liebscher (Elize), Simon Holzknecht (Tesero) und Niklas Siegel (Skint) die Kunstproduktion. Wählt ihr jenen Musikstil aus, der eurer Meinung nach am besten zur präsentierten Kunst passt?

Nezhyba: Ich mag Jazz und auch chillige Loungemusik, aber das ist Teil fast aller Vernissagen und Ausstellungen. Also viel zu normal für mich. An die DJ´s gab es nur eine Vorgabe: Es muss bum machen und laut sein. Da und dort gab es natürlich eine etwas genauer Vorgabe im Skript, aber ansich hatten Toni und Benjamin freie Hand.
Und SONIX, Marvin, war einer meiner Sonderwünsche. Er ist mein Sohn, auch wenn ich nicht sein „Erzeuger“ bin. Seit seiner Kindergartenzeit begleite ich sein Leben. Und um kein Geld in der Welt kannst du dir etwas so wertvolles kaufen wie eine so coole Aktion zusammen mit deinen Kids zu erleben.

CF: Du hast eine Ausstellung deiner eigenen Werke einmal mit der Musik der belgischen Techno-DJane Charlotte de Witte begleiten lassen. Passt diese Musik zu deinen Werken? Hast du Einblick in das breite Spektrum der Technomusik? Oder hattest du einen „Musikberater“?

Nezhyba: Charlotte de Witte, über die brauchen wir wohl nicht diskutieren, wer ihre Performance nicht liebt , dem fehlt ein Teil der Musikwelt. Musik ist für mich ein Teil von meinem Leben, wobei ich kaum Radio hören sondern Musik live erleben will, das war schon immer so. Ich bin als Fotograf bei vielen Musikevents, da kann heute Helene Fischer spielen und morgen bin ich beim Beatpatrol. Hauptsache live und gerne auch recht laut.

CF: Welche Kunst willst du präsentieren? Wer sucht die Künstler aus und nach welchen Kriterien?

Nezhyba: Das ist ganz unterschiedlich, bei der Art Session waren natürlich viele Künstlerfreunde von mir dabei, ebenso aber auch ganz bewusst sehr junge Künstler. Es waren auch Acts dabei die mich persönlich eher wenig angesprochen haben bzw wo ich unsicher war ob die bei den Besuchern ankommen. Würde ich nur auswählen was mir gefällt, dann würde es eine sehr einseitige Veranstaltung sein, ich versuche da möglichst offen zu sein, so das für Alle etwas dabei ist und vor allem das viel Abwechslung geboten wird. Und ich denke die Auswahl hat perfekt gepasst.

CF: Die von dir/euch organisierten Ausstellungen laufen wie Konzerte ab. Es handelt sich um ein- bis zweistündige Events, auf denen die Besucher Zeit haben, die Werke zu betrachten. Während dabei so allerhand passiert. Wie wichtig ist dir der Erlebnis- und Spaßfaktor von Kunst.

Nezhyba: Ich mache auch klassische Ausstellungen und Vernissagen, das ist ein Teil der Kunstwelt. Aber mir ist es wichtig auch neue Zielgruppen zu erreichen. Bei meiner Roovy Ausstellung waren viele Menschen die noch nie mit Kunst konfrontiert waren, die hörten coole Musik und kamen rein. Sie fanden so einen für sie spannenden Zugsang zu Kunst.

CF: Welche Rolle spielt die Umgebung bzw. die Location bei der Präsentation eurer Kunst?

Nezhyba: Die Glanzstoff hat uns da natürlich eine extrem coole Location geboten, aber geile Kunstsessions kann man fast überall inszenieren, es bedarf nur der richtigen Idee.

CF: Der Situationist Guy Debord hat vor mehr als 50 Jahren in seinem Buch „Die Gesellschaft des Spektakels“ das Spektakel auf’s Schärfste kritisiert, weil es zum Niedergang der Kunst führt. Was unterscheidet eine Veranstaltung wie „Art Session STP“ von einem Spektakel? Oder liegt Debord falsch und muss Kunst heute spektakulär sein, um überhaupt wahrgenommen zu werden?

Nezhyba: Vor 50 Jahren dachten wir vieles anders, wir leben aber nicht im Gestern, die Zeit und die Möglichkeiten ändern sich. Wir müssen in vielen Situationen unser Leben ändern, neue Wege finden, Möglichkeiten nutzen. Würde ich wie vor 50 Jahren denken, dann würde ich jetzt nicht am PC sitzen und Fragen beantworten, sondern mit Stift und Zettel einen Brief verfassen.

CF: Du bist selbst Künstler, verfremdest deine Fotografien oft durch Übermalungen. Auf „Art Session STP“ hast du keines deiner Welke ausgestellt. Warum?

Nezhyba: Die Art Session sollte keine Ausstellung sein wo Bilder einfach an der Wand hängen, „Kunst erleben“ war das Thema und abgesehen davon hatte ich eine für mich unglaublich schöne und perfekte Inszenierung. Ich stellte mich dabei aber bewusst nicht in den Vordergrund, den Großteil der Show hatte Anete. Ich lies über die 3,60x2m große Leinwand , zusammen mit meiner Assistentin Farben laufen, die Basis für das Gesamtkunstwerk das Anete mit ihrem Ausdruckstanz perfektionierte. Ich war dann wieder als einfacher Fotograf mit dabei, der ein kurzes Fotoshooting mit ihr machte. In diesem Werk waren aber auch viele andere Leute integriert, Menschen die in der Vorbereitung 30 Becher Farbe angemischt haben, Menschen welche mit mir die Leinwand aufgebaut haben und natürlich Anita Eder mit ihrem unglaublichen Styling von Anete. Die Abstimmung aller, die Musik, da musste alles passen. Es sah aus als hätte Anete die Show monatelang geübt, klar wusste sie vorab was passieren soll, wie sie in das Gesamtwerk integriert wird. Aber das meiste haben wir am Tag der Show abgestimmt, ich bin mit ihr im groben die Bewegungen durch gegangen, wir haben darüber gesprochen wieviel sie sich zeigen soll/darf damit es sexy und reizvoll aber nicht billig wird. Ein Werk vieler.

CF: Arnulf Rainer wurde bekannt durch seine Übermalungen von Fotografien und Hermann Nitsch durch seine Schüttbilder. Nun kann man dir eine Nähe zu den beiden Techniken nicht absprechen. Rainer und vor allem Nitsch begründen/begründeten ihre Vorgehensweise mit einem Theoriegebäude, mit dem man Bücher füllen kann – was ja auch getan wird. Steckt hinter deinen Übermalungen/Verfremdungen auch ein tieferer Sinn dahinter? Oder geht es dir rein um den optischen Effekt?

Nezhyba: Ich habe immer Inhalte welche wie auch bei Nitsch nicht immer gleich zu erkennen waren. Es geht nicht um das Werk das am Ende an der Wand hängt, es geht um das wie es entsteht, die Geschichte dazu, die Emotionen aller Beteiligten und mehr. Die Show mit Anete, da steckt sehr viel dahinter das ich erst in einer anderen Ausstellung richtig darstellen kann. In der Glanzstoff wurden hauptsächlich Fasern hergestellt, Fasern aus welchen später verschiedene Produkte entstanden. Die Farbspuren an der Leinwand, die rinnenden Farben, das sind die Viskosefasern der Glanzstoff und diese wurden durch Anete zu bunter Kleidung. Ja, eine sehr abstrakte Darstellung, aber für mich ist genau das eine Form von Kunst die ich liebe.

CF: Du hast im Stadtmuseum St. Pölten „Bad Pics – Verwackelte Bilder“ ausgestellt. Wie wurden diese ungewöhnlichen Fotos vom Publikum aufgenommen?

Nezhyba: Bad Pics, die schlechten Fotos, ich wollte an sich eine andere Serie im Rahmen der Tour de Art im Stadtmuseum zeigen, aber ja, es kam halt zu dieser Serie und im Laufe der Jahre wurden immer wieder Teile daraus verkauft. Seit einigen Monaten arbeite ich an einer Fortsetzung dieser Fotostrecke, diesmal mit dem Untertitel „unscharf“. Die ersten fertigen Bilder dazu gibt es schon.

CF: Du trittst oft als Ideengeber in den Vordergrund. Die Idee der 3×1 Meter großen Fotobanner verschiedener Künstler, die in St. Pölten gezeigt wurden, geht auf dich zurück. Der im Mai 2022 ins Leben gerufene Verein „Young Artists“ greift auf dich als Supervisor, Mentor und Berater zurück. Passen diese drei Begriffe auf deine Rolle in der St. Pöltner Kunstszene?

Nezhyba: Die Fotobanner waren nicht nur in St. Pölten zu sehen, die fanden u.a. auch den Weg an den Thaler See, in die Heimatgemeinde von Arnold Schwarzenegger. Ich liebe die Stadt in der ich lebe, stehe zu St. Pölten, aber ich will nicht ein Teil einer Szene sein, ich will frei und unabhängig sein, oft zusammen mit anderen, mal da mal dort, aber immer frei!

CF: Waren Mitglieder aus dem Verein „Young Artists“ bei der Session in der Glanzstoff beteiligt?

Nezhyba: Klar, Sebastian, Patrik, und Magdalena als Vereinsmitglieder waren dabei, aber auch andere Young Artists die nicht dem Verein zugehören haben viel Power und Leben in die Art Session gebracht. Es war die Mischung aus jungen Kunstschaffenden mit anderen , die etwas mehr Erfahrung einbringen, , da entstanden viele Synergien die für alle Beteiligten wertvoll waren.

CF: Schwebt dir/euch eine rebellische gegenkulturelle Vereinigung vor, die quer zu den etablierten heimischen Kunstvereinen steht?

Nezhyba: Nein, es wäre ja dann wieder nur eine Vereinigung wie viele andere auch. Rebellisch ist frei und unabhängig. Aber aus rein rechtlichen Gründen wird es, sollte ich die Art Session weiterführen, eine neue Vereinsgründung geben müssen. Da geht’s um Förderungen, Versicherungen u.ä., wäre aber kein Verein welcher dann nach außen groß auftritt.

CF: Lässt sich heute schon sagen, ob es eine Wiederholung der Glanzstoff-Session geben wird?

Nezhyba: Die Art Session lief viel besser als erwartet, ich konnte einfach nicht davon ausgehen das es so gut laufen wird beim ersten Versuch. Es liegt für eine Fortsetzung die Latte schon sehr hoch. Aber tief in mir drinnen ist natürlich der Wunsch nochmal eines drauf zu setzen, Ideen wäre da noch viele möglich (z.b. die Integration von Mode), auch in Bezug auf das Landeskulturjahr 2024 könnte sich das bis dahin richtig etablieren. Aber es geht dabei wie immer auch ums Geld, um die Möglichkeiten das so umzusetzen das es als öffentliche Veranstaltung geführt wird. Da werde ich schon bald Gespräche mit der Stadt führen um in weiterer Folge auch mit der Glanzstoff die Optionen erläutern zu können.
Es kann aber auch sein das ich sage „he , das war so geil, lassen wir es einfach bei einmal bleiben“

CF: Hat du auch zeitnähere Aktionen in Aussicht, die unsereiner nicht versäumen darf?

Nezhyba: Das ergibt sich bei mir manchmal sehr spontan, aber es wird „roovy“ im Frühjahr wieder geben, wollte das schon im Herbst machen, hatte dafür die Ruine Aggstein im Visier. Da ist einfach nur die Frage, wie ich es schaffe viele Menschen zu einer Kunstveranstaltung nach Aggstein zu bringen, schaff ich es die Zielgruppe zu aktivieren. Da wäre natürlich auch wieder der Sound von Charlotte de Witte dabei und zwei oder drei Gastaussteller.
Und wenn sich jemand findet der Platz für ein 3,60x2m großer Bild hat und ein wenig Budget um die Kosten zu decken, da wäre es schon sehr schön das in der Glanzstoff entstanden Werke inkl. der Dokumentation zu zeigen.

CF: Ich habe von dir folgendes Zitat auf deiner Website gefunden, das ich mir gerne erklären lassen würde: „In einer Welt der Perfektion, in einer Zeit, wo wir nach immer Besserem streben, sehen wir oft nicht die Inhalte.“ Ist es falsch, nach Besserem zu streben? Ich finde, es ist die einzige Möglichkeit, dass unsere Gattung überlebt. Und welche Inhalte meinst du? Gibt es ein obektivierbares Ding an sich? Oder ist aus postmoderner Sicht nicht sowieso alles Interpretationssache?

Nezhyba: Ich weiß zwar jetzt gar nicht, wo ich das hinterlassen habe, aber es stimmt. Ich selbst strebe auch nach einer Perfektion, in dem Wissen das es diese gar nicht gibt. Jedoch versuche ich zu erkennen, wo Werte liegen. Ich muß nicht nach einem perfekten Werk von mir streben, ich brauch das nicht für mein Ego umsetzen. Bei der Art Session war es für mich z.B. viel wertvoller das ich „mein“ Werk zusammen mit Anete, Anita und vielen anderen realisiert habe. Es war also nicht das eigentliche Werk die Perfektion, sondern die Geschichte. Der Inhalt dabei.

CF: Hab ich was vergessen zu fragen? Willst du unseren Lesern noch etwas mitteilen?

Nezhyba: So ein ganz persönliches Highlight im heurigen Jahr, mal abgesehen von der Art Session, war das ich drei meiner Fotoausarbeitungen an das Nitsch Museum übergeben konnte. Eine Fotoserie die 2016 zusammen mit Effy (Enya Rock, Miss Earth Austria 2021) entstand, eine Hommage an Nitsch.

CF: Vielen Dank für das Interview.

Link zum Nachbericht der „STP Art Session“: www.cityflyer.at/art-session-stp-2022-im-glanzstoff-kesselhaus/

Werner Harauer
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Werner Harauer
Magister Phil. (Publizistik, Kunstgeschichte), City-Flyer Gründer (1997) und Herausgeber. Im Brotberuf Öffentlichkeitsarbeiter, Journalist und Grafiker, Vinyljunkie seit der Punk und Disco-Ära. Workaholic auf der Suche nach dem perfekten Popsong.

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