Yoko Tawada – Sendbo-o-te

Yoko Tawada

Eine Katastrophe hat in Japan eine ökologische Krise ausgelöst, wodurch das Land alle Verbindungen zur Außenwelt abgebrochen hat. 90% der Kinder sind immer ein wenig krank und ihr Leben stets gefährdet, die besonders alten Menschen hingegen werden immer älter und sterben nicht. Daher kümmert sich der über 100-jährige Schriftsteller Yoshiro um seinen Urenkel Mumey, der aufgrund seiner brüchigen Zähne nur aufgeweichtes Brot essen kann.

In diesem Japan ist so Manches anders, so kann man sich Hunde ausleihen, um mit ihnen “auszureißen” und soll in Zukunft lernen, so geschmeidig zu sein wie Kraken. Auf dem “Dingfriedhof” kann jede/r seinen Dingen die letzte Ehre erweisen. Die Menschen haben aufgehört Auto zu fahren, Telefone gibt es keine mehr. Das Geschlecht der Menschen ändert sich im Laufe des Lebens 2-3 Mal ganz von selbst, eine Rache der Natur wegen der Abtreibungen weiblicher Föten.

Yoshiro und Mumey leben harmonisch in ihrem Holzhaus in Tokyo, Amana, die Tochter von Yoshiro jedoch arbeitet im weit entfernten Okinawa in einer Fabrik mit dem Namen “Obstgarten”. Dort werden Früchte wie rote Ananas oder viereckige Papaya künstlich hergestellt. Dort ist zwar nicht wie in Tokyo die Nahrung knapp, dafür müssen die Menschen aber von früh bis spät schwer schuften.

“Sendbo-o-te” ist ein poetisches Werk voll von Schwermut, aber auch großer Leichtigkeit. Denn obwohl die Umstände, in denen die Menschen in dieser Zeit leben müssen, meist von Traurigkeit durchdrungen sind, hat Tawada ihre Geschichte in einer positiven Sprache verfasst. Mumey selbst nehmen seine körperlichen Schwächen viel weniger mit, als seinen Urgroßvater, der tieftraurig darüber ist, seinen Urenkel so sehen zu müssen.

Tawada ist eine außergewöhnliche Geschichte gelungen, jedoch ist das Ende etwas undurchsichtig und ein klein wenig enttäuschend. Das im Klappentext angekündigte Verschicken von Kindern als “Sendboten” ins Ausland ereignet sich erst auf den letzten 15 Seiten und auch da wird nichts Genaueres darüber erzählt.

Yoko Tawada “Sendbo-o-te”
Konkursbuch Verlag Claudia Gehrke | 2019
192 Seiten | € 13,30
Bewertung: 4/5

Claudia Zawadil

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Claudia Zawadil
DI (FH); beim City-Flyer seit März 2002, schreibt Buchrezensionen und Ankündigungen und fotografiert gelegentlich bei diversen Events. Ebenso ist sie Radiomoderatorin (BlackXplosion), Bücherwurm und Vinyl-Lover.

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