Nach zwölf Jahren Pause nahm der ORF die Castingshow Starmania wieder ins Programm. Von den insgesamt 1.700 Bewerbungen hatten es 64 in die fünfte Staffel geschafft. Unter ihnen der 21-jährige St. Pöltner Mert Cosmus. Mert musste zwar im Finale das Feld räumen, lernte in dieser Zeit aber ungemein viel über sich selbst und das Show-Biz.
Interview: Werner Harauer
Foto: Hans Leitner, ORF, z.V.g.
City-Flyer: Es sind jetzt drei Tage her, seit du aus dem Starmanie-Finale ausgeschieden bist. Wie geht es dir?
Mert Cosmus: Mir geht es super gut, obwohl ich an die letzten Wochen mit gemischten Gefühlen zurückdenke. Einerseits bin ich mega erleichtert, dass dieser große Druck wegfällt und andererseits bin ich auch sehr traurig, dass es Vergangenheit ist. Langsam wurde alles zur Routine. Und als der Rummel plötzlich vorbei war, fühlte ich mich schon sehr komisch.
CF: Freitag, der 16. April war mein Starmania-Debut. Ich wollte dich unbedingt singen hören und fand deine Interpretation von Toni Braxton’s „Unbreak my Heart“ großartig, auch wenn Liebeslieder nicht so meins sind. Wie hast du dich mit deiner Interpretation von Toni Braxton’s „Unbreak my Heart“ gefühlt, mit der du ausgeschieden bist?
Mert Cosmus: Ich muss ehrlich sagen mein letzter Auftritt bei Starmania war mein Liebster. Ich habe mich total gut mit dem Song zusammengefunden, und ich bin der Meinung das dieses Lied auch super zu meiner Stimme gepasst hat. Also ich war ziemlich zufrieden mit dem Song.
CF: Ich fand die meisten der 15 BewerberInnen, gegen die du angetreten bist, auch ziemlich stark. Wer wird deiner Meinung nach das Rennen machen?
Mert Cosmus: Es gibt inzwischen keinen mehr, der „nicht gut genug“ ist. Ich glaube, das Rennen wird sich zwischen Anna B, Teodora, Fred und Vanessa entscheiden. Aber ich gönne es natürlich auch jedem anderen Kandi.
CF: Was ich als Novize nicht verstanden habe: es wurden 5 Startickets vergeben, die fix aufstiegen. Dann wurden drei SängerInnen aus den übrig gebliebenen 9 ausgewählt, die ebenfalls in die nächste Runde kamen. Wer hat die drei ausgewählt?
Mert: 5 Kandis sind direkt durch das STAR-Ticket aufgestiegen und die anderen 3 Plätze wurden von der Jury und der Produktion entschieden. Eine Person hat die Jury mitgenommen, die anderen 2 können mit den Punkten der letzten Shows aufsteigen. Wer mehr Punkte hatte, der war ganz oben auf der Rangliste und somit sind die 2 auch eine Runde weiter.
CF: Du kommst eigentlich vom Theater. Gesang ist für dich Neuland. Was hat dich dazu bewogen, dich bei Starmania zu bewerben? Und hast du von Beginn weg damit gerechnet, von 64 TeilnehmerInnen in die Finalrunde gewählt zu werden?
Mert: Ich hatte schon immer vor, bei einer Castingshow mitzumachen. Ich wollte es ursprünglich in Deutschland probieren, aber als ich dann gesehen habe, dass Starmania ein Comeback plant, habe ich mich sofort beworben und wollte meine Chance nutzen. Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet zu den 64 Kandidaten zu gehören, und dann noch so weit zu kommen war für mich ein Riesengeschenk.
CF: Du bist Mitglied der St. Pöltner Kulturfabrik, dem Verein für Jugendkultur, der für seine Theatervorstellungen und Performances bekannt ist. Singst du dort neben der Schauspielerei auch?
Mert: Ja, das tue ich tatsächlich. Bei unserem Stück „Andorra Anders“ im Jahr 2019 habe ich das erste Mal Theater mit Gesang mischen dürfen und es kam bei den Leuten super gut an. Ich glaube, bei den zukünftigen Projekten der Kulturfabrik werde ich wohl auch wieder mehr singen dürfen, was ich supertoll finde.
CF: Bei Starmania wird vom Bühnenkostüm, über die Schminke bis zur Choreographie sicher nichts dem Zufall überlassen. Hattest du ein Heer von AssistentInnen um dich? Und was hat dich dabei am meisten überrascht?
Mert: Es war wirklich ein riesengroßes Team hinter mir, die Ladys vom Kostüm, die Choreographen, die Leute von der Maske, etc … Alle haben immer ihr bestes gegeben. Ich hätte niemals gedacht, dass so viele Leute für eine Castingshow arbeiten. Hinter den Kulissen passiert so viel mehr, als man dann im Fernsehen zu sehen bekommt.
CF: Ich nehme an, die Mannschaft hat dich bestmöglich beraten, wie du dich am effizientesten „verkaufen“ kannst. Warst du das auf der Bühne, oder warst du eine Projektionsfläche für Zuschauer und Jury, die dich so sahen, wie sie sich dich wünschten?
Mert: Es war eine Mischung aus beidem. Kostümtechnisch war ich ehrlich gesagt nicht immer zufrieden, aber es war OK für mich. Alles andere hat total gepasst und das Team ging immer auf meine Wünsche ein.
CF: Wieviel Mitspracherecht hattest du in deinem Auftreten? Wieviel in der Songauswahl?
Mert: Bei der Choreographie hatte ich sehr viel Mitspracherecht, ich musste nichts machen, was mir nicht gefällt. Bei der Songauswahl war das etwas anders. Mir wurden immer sechs Songs vor jeder Runde vorgeschlagen und ich musste mich für einen von den 6 entscheiden. Ob sie mir gefielen oder nicht, einer von den 6 musste es werden. Hätte ich eine freie Wahl gehabt, ich hätte keinen von den 3 Songs gesungen, die ich in den letzten Wochen performed habe. Aber Starmania ist eine Castingshow und mir war von Anfang an klar, dass ich nicht singen darf was ich will.
CF: Wärst du bereit, nochmals bei Starmania mitzumachen?
Mert: Ich wäre tatsächlich bereit, aber da ich so weit gekommen bin, fände ich es komisch, wenn ich dort nächstes Jahr nochmal auftauchen würde. Wäre ich bereits bei den Top 64 ausgeschieden, dann könnte ich es mir grundsätzlich vorstellen nochmals anzutreten.
CF: Genug über den Starmania-Mert. Lass uns über den realen Mert reden. Haben dich die letzen Wochen verändert?
Mert: Sehr! Ich merke große Veränderungen in mir. Ich habe das Gefühl selbstbewusster zu sein und offener und das Gefühl, endlich mit beiden Beinen am Boden zu stehen. Starmania hat mir da wirklich sehr geholfen. Durch diesen ständigen Kontakt mit der Öffentlichkeit habe ich sehr viel gelernt.
CF: Wirst du deinen künstlerischen Schwerpunkt vom Schauspiel auf den Gesang verlagern?
Mert: Ich werde die Schauspielerei niemals verlassen, aber im Moment habe ich meinen Schwerpunkt tatsächlich auf den Gesang verlagert. Durch Starmania wurden mir die Augen geöffnet und jetzt ist mir um einiges klarer, was ich will und wie ich diesen Weg einschlagen werde. Aber Schauspiel wird immer mit dabei sein.
CF: Welche musikalische Richtung liegt dir gesanglich? Ich hatte den Eindruck, du warst nicht sehr glücklich, dass man dich bei Starmania als „Soulman“ punziert hat.
Mert: Ehrlich gesagt wurde ich ziemlich gut punziert. Ich liebe Soul und R&B und ich würde mich gesanglich auch zum Soul hin orientieren. Pop gehört ebenfalls zu meinen Stärken. Was mir bei Starmania allerdings gefehlt hat, war die deutsche Musik. Ich singe auch sehr gerne Deutsch, aber deutschsprachige Songs waren bei der Show eher Nebensache.
CF: Welche Musik hörst du privat?
Mert: Ich höre fast alle Genres, sehr viel Pop, R&B, Soul, Deutschrap, Deutschpop und auch viel amerikanischen Rap.
CF: Hast du am Showbiz Gefallen gefunden? Hast du „Blut geleckt“ und willst unbedingt wieder auf die Bühne?
Mert: Ehrlich, es hat mir sehr gefallen. Ich würde wirklich sehr gerne wieder auf die Bühnen gehen und performen. Aber das wird alles noch kommen, da bin ich sehr optimistisch. Gebt mir ein wenig Zeit und ihr werdet bald wieder von mir hören und mich sehen.
CF: Kannst du auf ein Netzwerk, zum Beispiel auf einen Produzenten oder einen Songwriter zurückgreifen? Hast du Bekannte, die dir helfen können?
Mert: Leider noch gar nicht, doch ich hoffe, dass ich durch „Starmania“ die Chance bekomme mit Produzenten zu arbeiten. Das würde mir echt sehr helfen.
CF: Hast du einen Plan für die nahe Zukunft?
Mert: JA! Bei mir im Leben läuft immer alles nach Plänen und Zielen. Ob sie funktionieren ist Nebensache, aber Hauptsache man hat Träume und Ziele. Wenn man sie hat, dann steht einem nichts mehr im Wege.
CF: Wo wird man dich das nächste Mal live sehen können?
Mert: Ich hoffe sehr bald auf den Bühnen in Österreich. Ich hoffe echt, dass sich die Pandemie langsam legt, damit KünsterInnen wieder auf die Bühnen gehen können und tun können was sie lieben. Ich werde natürlich versuchen so viele Erfahrungen wie möglich zu sammeln und werde singen, wo ich nur kann.
CF: Vielen Dank, dass du dir für das Interview Zeit genommen hast.
Weiterer CF-Artikel: Mert Cosmus im Starmania Finale
- Brücken[t]räume: Kultur unter der Brücke - 30. Juli 2026
- Die Highlights an der Peripherie - 30. Juli 2026
- ST. PRIDE Parade in St. Pölten am 25. Juli 2026 - 18. Juli 2026

Schreib den ersten Kommentar zu “Starmania21: Millionen Augen auf Mert Cosmus”