Auf berührende und unterhaltsame Weise erzählt Michael Köhlmeier von seiner Familiengeschichte. Nicht nur seine Kindheit und Jugend stehen im Mittelpunkt, sondern er fungiert als Erzähler „aus der Mitte“, der sein Leben mit dem der Eltern und anderen nahestehenden Menschen verknüpft.
Als Michael vier Jahre alt war, wurden er und seine zwei Jahre älteren Schwester Walli vom Vater für einige Monate zu Onkel und Tante nach Coburg (der Heimatstadt seiner Frau) gebracht. Die Mutter ist schwer erkrankt und man befürchtet, sie könnte es nicht überleben. Sie erholt sich wieder, wird jedoch zeit ihres Lebens halbseitig gelähmt bleiben und auf einen Stützapparat angewiesen sein. Als die Kinder wieder zurück zu den Eltern können, erkennt der kleine Michael seinen Vater am Bahnhof nicht mehr, was dieser ihm beinahe sein ganzes Leben lang nicht verzeiht.
Köhlmeier reist ihn seiner Geschichte auch in die Jugendzeit der Eltern. Besonders schön liest sich das bei einer Lebens-Episode des Vaters. So hatte für diesen der Krieg im Mai 1940 auf ungewohnt angenehme Weise begonnen. Denn er war in Paris der Bursche eines gebildeten, adeligen Offiziers, der zwar bei der Ablegung des Führereides dabei war, der die Nazis jedoch für dumme Proleten hielt. Dieser Offizier versorgte Köhlmeier`s Vater mit Literatur, etwa von Fontane, Hugo oder Baudelaire, nahm ihn mit in den Louvre. Und er lehrte ihm, dass „die Langeweile die Ursache eines jeden Krieges sei“.
Auch wenn der Literat kein schlechtes Wort über seine Eltern verliert, so bekommt man doch eine Ahnung davon, dass diese sich selber wichtiger waren, als ihre Kinder. Mit seiner Tochter Walli hatte der Vater ein besseres Verhältnis, dem Sohn hingegen kam er erst wenige Monate vor seinem Tod näher. Anders war sein Verhältnis zur Mutter. Er besuchte sie auch als Erwachsener oft und zog als Student für etwa ein halbes Jahr zu ihr, als der Vater mit einer Geliebten auf Reisen war. Sein Vater blieb zwar bis zu seinem Tod bei der Ehefrau, hatte jedoch stets eine Geliebte, eine Zeit lang auch mehrere gleichzeitig.
Mit dem Roman „Mein privates Glück“ zeigt Michael Köhlmeier einmal mehr, welch ein großartiger Schriftsteller er ist. Er taucht tief in die Geschichte seiner Familie ein und erzählt unter anderem von seiner Angst, dass sich jemand von seinen Liebsten das Leben nehmen könnte, die er schon ab dem Alter von 13 Jahren hatte.
2025 wurde auf Ö1 ein vierteiliger Podcast von Köhlmeier unter dem Titel „Mein privates Glück! Die Lebensgeschichte meiner Eltern“ ausgestrahlt.
Michael Köhlmeier
Mein privates Glück
Roman, Hanser
320 Seiten | € 26,80
- Michael Köhlmeier – Mein privates Glück - 13. Oktober 2026
- BlackXplosion | Montag, 05.10.26, 21-22 Uhr - 3. Oktober 2026
- BlackXplosion | Montag, 07.09.26, 21-22 Uhr - 7. September 2026

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